Die Gesundheitsbranche in Deutschland befindet sich seit einigen Jahren in einer Umbruchphase. Während viele Jahre die Meinung vertreten wurde, alles medizinisch Machbare auch zu praktizieren, rückt zunehmend die Wirtschaftlichkeit bei der Leistungserstellung in den Vordergrund. In den letzten Jahrzehnten ist im deutschen Gesundheitswesen ein Versorgungsnetz entstanden, das bezüglich der Versorgungsdichte und Versorgungsqualität weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Doch dieser Standard hat mittlerweile zu weitreichenden Finanzierungsengpässen und teilweise zu einer Überversorgung geführt. Durch einen steilen Anstieg der Gesundheitskosten und einer immer weiter dahinter zurückbleibenden Entwicklung der versicherungspflichtigen Einkommen, ist es zu einer gewaltigen Finanzmisere im deutschen Gesundheitswesen gekommen. Aus diesem Grund wurden bereits in den letzten Jahren einige Reformen verabschiedet, die, sowohl für Anbieter von Gesundheitsleistungen als auch Sozialversicherungen, Einschränkungen bei der Finanzierungsgrundlage und eine erste Zunahme des Wettbewerbs bewirkt haben. Aktuell kursiert erneut eine Vielzahl von Reformansätzen durch die Medien, wie die entstandenen Probleme bewältigt werden können. Welcher Weg dabei eingeschlagen wird, ist noch fraglich. Fest steht nur, dass der Gesundheitsmarkt ein enormes Wachstumspotenzial bietet. So geht eine im Februar 2005 vorgestellte Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young von einem Anstieg der Ausgaben für Gesundheitsleistungen von derzeit 234 Mrd. Euro auf 500 Mrd. Euro bis zum Jahr 2020 aus.5 Nicht eingeschlossen sind zusätzliche Ausgaben für die Bereiche Fitness, Wellness und Wohlbehagen.
Einer der bedeutendsten Teilmärkte des Gesundheitswesens ist der Krankenhausmarkt. Trotz des erwarteten Wachstums im Gesundheitswesen steht die deutsche Krankenhauslandschaft vor einschneidenden Veränderungen. Besonders hier machen sich die Einschränkungen der Finanzierung in Form von „gedeckelten“ Budgets bemerkbar und zwingen die Krankenhäuser zu wirtschaftlichem Handeln. Die Veränderungen in Richtung Wettbewerb stellen sowohl Chancen für die Branche dar, beinhalten aber für viele Krankenhäuser auch enorme Risiken. So wird in den nächsten 15 Jahren mit der Schließung von 25% der deutschen Krankenhäuser gerechnet. Vor allem betroffen von diesem Szenario sind öffentlich geführte Krankenhäuser.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problembehandlung in der Arbeit
1.2 Vorgehensweise der Arbeit
2 Grundlagen des deutschen Krankenhausmarktes
2.1 Definition und Gliederung des Krankenhausmarktes
2.2 Gesundheitsmarkt als Gesamtmarkt
2.3 Darstellung des Krankenhausmarktes
2.3.1 Zahlen und Fakten zum deutschen Krankenhausmarkt
2.3.2 Rechtliche Rahmenbedingungen im Krankenhausmarkt
2.3.3 Finanzierungssystem des deutschen Krankenhauswesens
2.3.4 Künftige Entwicklungen auf dem Krankenhausmarkt
3 Problemorientierte Darstellung der aktuellen Lage öffentlicher Krankenhäuser
4 Strategische Handlungsalternativen im Krankenhausmarkt
4.1 Krankenhausprivatisierung als strategische Handlungsalternative
4.1.1 Definition und Darstellung der einzelnen Privatisierungsarten
4.1.2 Betrachtung der materiellen Privatisierung als Unternehmenstransaktion
4.1.2.1 Gliederungskriterien der Krankenhausprivatisierung
4.1.2.2 Ablauf der Krankenhausprivatisierung
4.1.2.3 Unternehmensbewertung im Krankenhaus und Kaufpreiselemente
4.1.3 Privatisierungen auf dem deutschen Krankenhausmarkt
4.1.4 Ausgewählte Privatisierungsbeispiele
4.2 Weitere strategische Handlungsalternativen öffentlicher Krankenhäuser
4.2.1 Fusion öffentlicher Krankenhäuser
4.2.2 Managementvertrag
5 Lösungsansätze aus der Lehre des Krankenhausmanagements
5.1 Strategisches Management
5.2 Organisation
5.3 Personalmanagement
5.4 Controlling/Rechnungswesen/Finanzmanagement
5.5 Ganzheitliches Qualitätsmanagement
5.6 Kooperationen im Krankenhaus
5.7 Outsourcing im Krankenhaus
6 Empirische Analyse der Krankenhausprivatisierung
6.1 Zielsetzung der Krankenhausbefragung
6.2 Allgemeine Ergebnisse der Krankenhausbefragung
6.2.1 Rahmendaten der Krankenhausbefragung
6.2.2 Beurteilung ausgewählter Einflussfaktoren auf den Unternehmenserfolg
6.2.3 Umsetzung betriebswirtschaftlicher Instrumente im Krankenhaus
6.3 Untersuchung der privatisierten Krankenhäuser
6.3.1 Beurteilungsschema
6.3.2 Bewertung der Einzelkriterien
6.3.2.1 Analyse des Ziels Qualität
6.3.2.2 Analyse des Ziels Wirtschaftlichkeit
6.3.2.3 Analyse des Qualitätsmanagements
6.4 Auswertung der Ergebnisse
6.5 Vergleich der Ergebnisse privater und öffentlicher Krankenhäusern
7 Schlussbetrachtung der strategischen Handlungsalternativen
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Krankenhausprivatisierung als eine strategische Handlungsalternative zur Unternehmenssicherung von Krankenhäusern in öffentlicher Trägerschaft aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwieweit die Privatisierung geeignet ist, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Leistungserstellung langfristig zu steigern und somit den Bestand der Häuser im Zuge zunehmenden Wettbewerbsdrucks zu sichern.
- Analyse der Grundlagen und der aktuellen Lage des deutschen Krankenhausmarktes
- Untersuchung verschiedener Handlungsalternativen wie Privatisierung, Fusion und Managementverträge
- Empirische Analyse der Krankenhausprivatisierung mittels einer Befragung von 100 Krankenhäusern
- Darstellung und Bewertung betriebswirtschaftlicher Steuerungsinstrumente
- Vergleich der Leistungsfähigkeit zwischen privaten und öffentlichen Krankenhausbetreibern
Auszug aus dem Buch
4.1.2.1 Gliederungskriterien der Krankenhausprivatisierung
Unternehmenstransaktionen können je nach Transaktionsrichtung in die drei Kategorien horizontal, vertikal und diagonal eingeteilt werden. Diese unterscheiden sich nach der Branche sowie der Produktions-, Handels- oder Dienstleistungsstufe, in der der Käufer tätig ist. Bei horizontalen Unternehmensakquisitionen handelt es sich um den Kauf eines Unternehmens derselben Branche auf gleicher Produktionsstufe. Im Krankenhausbereich kann dies der Fall sein, wenn ein Krankenhaus ein anderes übernimmt. Von einer Akquisition auf vertikaler Ebene spricht man beim Kauf eines Unternehmens einer vor- oder nachgelagerten Produktions-, Handels- oder Dienstleistungsstufe. Eine Rückwärtsintegration (downstream) liegt vor, wenn eine nachgelagerte Einrichtung, wie eine Rehabilitationsklinik, ein Krankenhaus erwirbt. Bei einer Vorwärtsintegration (upstream) übernimmt eine vorgelagerte Einrichtung ein Krankenhaus. Dies könnte z.B. eine von Ärzten gegründete GmbH sein. Diagonale Akquisitionen, auch konglomerate Verbindungen genannt, liegen vor, wenn ein Unternehmen einer anderen Branche sowie Produktions-, Handels- oder Dienstleistungsstufe übernommen wird. Dabei könnte ein Akquisiteur aus einer anderen Branche, z.B. der Lebensmittelbranche, ein Krankenhaus übernehmen.
Des Weiteren können Erwerber in strategische und Finanzakquisiteure eingeteilt werden. Unter strategischen Erwerbern versteht man Unternehmenskäufer, die das Unternehmen in den eigenen Geschäftsbetrieb eingliedern und langfristig betreiben möchten. Auf der anderen Seite gibt es Finanzinvestoren, wie Private Equity–Gesellschaften, welche das zu übernehmende Unternehmen hingegen nur als Handelsobjekt sehen. Sie halten ihre Anteile zwischen drei und zehn Jahren, in denen sie versuchen, das Unternehmen umzustrukturieren und mit Gewinn zu veräußern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Umbruchphase der Gesundheitsbranche und die wachsende Bedeutung der Wirtschaftlichkeit im deutschen Krankenhausmarkt, welche das primäre Problemfeld der Arbeit definiert.
2 Grundlagen des deutschen Krankenhausmarktes: Dieses Kapitel liefert eine definitorische Basis sowie einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen und das duale Finanzierungssystem des Krankenhauswesens.
3 Problemorientierte Darstellung der aktuellen Lage öffentlicher Krankenhäuser: Hier werden die existenziellen Probleme öffentlicher Krankenhäuser analysiert, die durch historische Strukturen und den Wegfall des Bestandsschutzes verschärft wurden.
4 Strategische Handlungsalternativen im Krankenhausmarkt: Dieses Kapitel stellt verschiedene Optionen für öffentliche Träger vor, wobei die Privatisierung als Unternehmenstransaktion sowie Fusionen und Managementverträge detailliert erörtert werden.
5 Lösungsansätze aus der Lehre des Krankenhausmanagements: Es werden spezifische betriebswirtschaftliche Instrumente wie strategisches Management, Organisation, Controlling und Qualitätsmanagement vorgestellt, um die Leistungserstellung effizienter zu gestalten.
6 Empirische Analyse der Krankenhausprivatisierung: Das Herzstück der Arbeit bildet die Auswertung einer Fragebogenbefragung von 100 Krankenhäusern, anhand derer die Effektivität und Wirtschaftlichkeit von Privatisierungsmaßnahmen geprüft wird.
7 Schlussbetrachtung der strategischen Handlungsalternativen: Eine kritische Evaluierung der untersuchten Alternativen, bei der die Privatisierung als effektive, aber komplexe Lösung zur Unternehmenssicherung hervorgehoben wird.
8 Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass die Privatisierung einen positiven Beitrag zur Zukunftsfähigkeit leisten kann, sofern sie mit betriebswirtschaftlichen Optimierungen einhergeht.
Schlüsselwörter
Krankenhausprivatisierung, Krankenhausmanagement, Gesundheitsmarkt, Unternehmenssicherung, Fallpauschalen, DRG, Effizienz, Betriebswirtschaftliche Steuerung, Unternehmensbewertung, Outsourcing, Kooperationen, öffentliche Krankenhäuser, private Krankenhausträger, Krankenhausfinanzierung, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Krankenhausprivatisierung in Deutschland und bewertet, inwieweit sie als strategische Handlungsalternative zur langfristigen Sicherung von öffentlichen Krankenhäusern geeignet ist.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die ökonomische und rechtliche Lage des deutschen Krankenhausmarktes, strategische Handlungsoptionen für öffentliche Träger, betriebswirtschaftliche Lösungsansätze aus dem Krankenhausmanagement sowie die empirische Untersuchung privatisierter Häuser.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine sachliche Analyse zu beurteilen, ob die Privatisierung öffentlicher Krankenhäuser die Effizienz der Leistungserstellung verbessern und so den dauerhaften Fortbestand der Unternehmen gewährleisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung von 100 deutschen Krankenhäusern durch, wobei 50 öffentliche und 50 private Einrichtungen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Krankenhausmarktes, die Vorstellung strategischer Alternativen (Privatisierung, Fusion, Managementvertrag), die Darstellung betriebswirtschaftlicher Instrumente sowie eine empirische Analyse der Anwendung dieser Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Krankenhausprivatisierung, Gesundheitsmarkt, Fallpauschalen (DRG), Krankenhausmanagement, Effizienzsteigerung und Unternehmenssicherung sind die zentralen Begriffe.
Welche Rolle spielt das Qualitätsmanagement in der Analyse?
Qualitätsmanagement wird als übergreifende Funktion behandelt, die für eine ganzheitliche Effektivitäts- und Effizienzsteigerung unerlässlich ist und in die Bewertung der Leistungsfähigkeit einfließt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Managements bei Privatisierungen?
Der Autor betont, dass ein passives Management in der Integrationsphase (PMI) ein Hauptgrund für das Scheitern von Transaktionen ist; professionelles Know-how ist für den Erfolg der Umstrukturierung entscheidend.
- Quote paper
- Stephan Wehner (Author), 2005, Krankenhausprivatisierung als strategische Handlungsalternative zur Unternehmenssicherung aus betriebswirtschaftlicher Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65878