Sie fangen gerade jetzt an, eine enorme Leistung zu vollbringen. Sie sitzen bequem, Sie haben vielleicht gerade den Fernseher oder das Radio ausgemacht, um sich besser zu konzentrieren und mit mehr oder weniger Aufmerksamkeit diese Arbeit zu lesen. Wie tun Sie das? Sie nehmen kleine Einheiten wahr, Buchstaben, und addieren diese zu größeren semantischen Einheiten, Silben bzw. Wörtern. Sie machen jetzt weiter, indem sie diese größeren Einheiten eine nach der anderen im Kopf behalten, so dass Sie in der Lage sind, nach ein paar Wörtern ganze Sätze zu bilden und die Aussagen dieses Textes zu verstehen.
Sie haben sich vielleicht zuerst dafür vorbereitet, indem Sie den Titel gelesen und dann einen Blick auf den Inhalt geworfen haben. Ein paar Begriffe haben Sie sich dann gemerkt, so dass Sie jetzt ungefähr eine Ahnung haben, wovon diese Arbeit handelt. Sie werden die Begriffe Gedächtnis, Aufmerksamkeit, serielle Wiedergabe, die Sie schon aus dem Titel und Inhalt dieser Arbeit kennen, jetzt wieder erkennen. Und wenn Sie diesen Punkt erreicht haben, kann es sein, wenn Sie aufmerksam genug gelesen haben, dass Sie sich immer noch an die ersten Sätze erinnern. Wodurch das, was ich bis geschrieben habe, an Sinn gewinnt.
Sie begegnen somit die scheinbare Gegenwart der Sprache. Warum scheinbare Gegenwart? Weil es unzutreffend ist, dass uns Anfang und Ende eines Wortes oder eines kurzen Satzes zur gleichen Zeit gegenwärtig sind. Wie bereits 1740 Segner für visuelle Phänomene zeigen konnte (Baddeley, 1988), sind wir imstande, einzelne hintereinander auftretende Stimuli zu addieren und als ein Ganzes wahrzunehmen. Ein glühendes Stück Kohle an einem rotierenden Rad befestigt wird, in Abhängigkeit von der Rotationsgeschwindigkeit, als ein vollständiger Kreis wahrgenommen. Das erklärt sich dadurch, dass die am Anfang der Drehung entstandene visuelle Spur noch nicht verblasst ist, wenn das Kohlestück wieder am Startpunkt ankommt. Was für das glühende Stück Kohle gilt, gilt auch, bedingt durch andere Mechanismen, für die Sprache.
Wenn wir das Lesen lernen, sammeln wir zunächst Buchstaben, um Wörter zu bilden. Danach sind wir in der Lage, einzelne Einheiten zu immer größeren Einheiten zusammen zu fügen, so dass wir zunächst Silben und dann Wörter als Einheiten betrachten und dadurch unsere Aufnahmekapazität scheinbar vergrößern können.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHER HINTERGRUND
2.1. WAS IST GEDÄCHTNIS?
2.1.1. Welche Arten von Gedächtnis gibt es?
2.2. ZWEI PIONIERE DER EXPERIMENTELLEN GEDÄCHTNISFORSCHUNG
2.2.1. Hermann Ebbinghaus
2.2.2. William James Moderne
2.3. GEDÄCHTNISMODELLE
2.3.1. Das Mehrspeicher-Modell (MSP) von Atkinson & Shiffrin (1968)
2.2.1.1. Sensory memory
2.2.1.2. Short term memory
2.2.1.3. Long term memory
2.3.2. Die Levels of processing Theorie
2.3.3. Das Working memory Modell von Alan Baddeley
2.3.3.1. Die phonologische Schleife
2.3.3.2. Der visuell-räumlicher Notizblock
2.3.3.3. Die zentrale Exekutive
2.3.3.4. Der episodische Puffer
2.3.4. Das Feauture Modell
2.3.5. Das Primacy Modell
2.3.6. Das ACT-R Modell
2.3.7. Das SAS Modell von Norman & Shallice (1986)
2.3.8. Das Embedded Processes Modell
3. DAS PARADIGMA DER SERIELLEN WIEDERGABE
3.1 Serielles Lernen und serielle Wiedergabe
3.2 Strukturelle Faktoren bei der seriellen Wiedergabe
3.2.1. Inputposition und Enkodiersalienz
3.2.2. Outputposition und Interferenz
3.2.3. Response set size und Inhibition
3.3. Dekonfundierung der seriellen Wiedergabe
4. AUFMERKSAMKEIT UND SERIELLES LERNEN
4.1. Aufmerksamkeit
4.2. Aufmerksamkeit und die serielle Wiedergabe
4.3. Aufmerksamkeit innerhalb des working memory Modell
4.3.1. Manipulation der Aufmerksamkeit nach Baddeley & Hitch
4.4. Aufmerksamkeit bei Cowan
4.5. SAS Modell (Norman & Shallice)
4.6. Lexikalitätseffekt, auch Aufmerksamkeitseffekt?
4.6.1. Was ist Lexikalität
4.6.2. Lexikalität und working memory
4.6.3. Lexikalitätseffekt be idem Atomic component of tought Modell (ACT-R)
4.6.4. Feature Modell (Neath & Nairne) und Lexikalität
5. EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNG
5.1. Anliegen der Arbeit
5.2. Methodik
5.2.1. Teilnehmer
5.2.2. Versuchsdesign
5.2.2.1. Test zur Erfassung der AG- Spanne (Hamm, 2002)
5.2.2.2. Modifizierte serielle Wiedergabe nach Cowan (2002)
5.2.2.3. Random-Interval-Repetition-Task
5.2.3. Untersuchende Variablen
5.2.4. Durchführung des Experiments
5.2.4.1. Stimulusmaterial
5.2.4.2. Durchführung
5.2.4.3. Präsentation
5.2.4.4. Reproduktion
5.3. Hypothesen
5.3.1. Zusammenfassung der Hypothesen
6. AUSWERTUNG UND ERGEBNISSE
6.1. Ergebnisse
6.2. AG-Spanne
6.3. Typikalitätsanalyse
6.4. Auswertung Gedächtnisspanne
6.5. Inputposition
6.6. Outputposition
6.7. Response Set Size
7. DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen auf Input- und Outputprozesse bei der seriellen Wiedergabe unter Verwendung einer modifizierten experimentellen Methode. Das primäre Ziel ist die Klärung der Frage, ob der Lexikalitätseffekt tatsächlich ein eigenständiges Phänomen oder lediglich ein durch Aufmerksamkeitsressourcen modulierter Effekt ist.
- Analyse des Einflusses von Aufmerksamkeitsprozessen auf das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis.
- Anwendung des dekonfundierten Paradigmas der seriellen Wiedergabe nach Cowan et al. (2002).
- Vergleich von Lexikalitätseffekten und aufmerksamkeitsbelastenden Zweitaufgaben.
- Modellierung und Diskussion der Rolle der zentralen Exekutive und des Aufmerksamkeitsfokus.
- Empirische Untersuchung der strukturellen Faktoren Inputposition, Outputposition und Response Set Size.
Auszug aus dem Buch
1 EINLEITUNG
Sie fangen gerade jetzt an, eine enorme Leistung zu vollbringen. Sie sitzen bequem, Sie haben vielleicht gerade den Fernseher oder das Radio ausgemacht, um sich besser zu konzentrieren und mit mehr oder weniger Aufmerksamkeit diese Arbeit zu lesen. Wie tun Sie das? Sie nehmen kleine Einheiten wahr, Buchstaben, und addieren diese zu größeren semantischen Einheiten, Silben bzw. Wörtern. Sie machen jetzt weiter, indem sie diese größeren Einheiten eine nach der anderen im Kopf behalten, so dass Sie in der Lage sind, nach ein paar Wörtern ganze Sätze zu bilden und die Aussagen dieses Textes zu verstehen.
Sie haben sich vielleicht zuerst dafür vorbereitet, indem Sie den Titel gelesen und dann einen Blick auf den Inhalt geworfen haben. Ein paar Begriffe haben Sie sich dann gemerkt, so dass Sie jetzt ungefähr eine Ahnung haben, wovon diese Arbeit handelt. Sie werden die Begriffe Gedächtnis, Aufmerksamkeit, serielle Wiedergabe, die Sie schon aus dem Titel und Inhalt dieser Arbeit kennen, jetzt wieder erkennen. Und wenn Sie diesen Punkt erreicht haben, kann es sein, wenn Sie aufmerksam genug gelesen haben, dass Sie sich immer noch an die ersten Sätze erinnern. Wodurch das, was ich bis geschrieben habe, an Sinn gewinnt.
Sie begegnen somit die scheinbare Gegenwart der Sprache. Warum scheinbare Gegenwart? Weil es unzutreffend ist, dass uns Anfang und Ende eines Wortes oder eines kurzen Satzes zur gleichen Zeit gegenwärtig sind. Wie bereits 1740 Segner für visuelle Phänomene zeigen konnte (Baddeley, 1988), sind wir imstande, einzelne hintereinander auftretende Stimuli zu addieren und als ein Ganzes wahrzunehmen. Ein glühendes Stück Kohle an einem rotierenden Rad befestigt wird, in Abhängigkeit von der Rotationsgeschwindigkeit, als ein vollständiger Kreis wahrgenommen. Das erklärt sich dadurch, dass die am Anfang der Drehung entstandene visuelle Spur noch nicht verblasst ist, wenn das Kohlestück wieder am Startpunkt ankommt. Was für das glühende Stück Kohle gilt, gilt auch, bedingt durch andere Mechanismen, für die Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung sowie Vorstellung der zentralen Forschungsfragen und Ziele der Arbeit.
2. THEORETISCHER HINTERGRUND: Überblick über die wesentlichen Gedächtnismodelle, Pioniere der Forschung und die theoretische Fundierung des Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnisses.
3. DAS PARADIGMA DER SERIELLEN WIEDERGABE: Erläuterung der seriellen Wiedergabe als Untersuchungsinstrument sowie Vorstellung der methodischen Dekonfundierung von Input- und Outputfaktoren.
4. AUFMERKSAMKEIT UND SERIELLES LERNEN: Detaillierte Betrachtung der Rolle von Aufmerksamkeitsprozessen innerhalb verschiedener Gedächtnistheorien und die methodische Manipulation von Lexikalität und Zusatzaufgaben.
5. EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNG: Beschreibung des Versuchsaufbaus, der Teilnehmerstruktur, der eingesetzten Aufgaben sowie der aufgestellten Hypothesen.
6. AUSWERTUNG UND ERGEBNISSE: Statistische Analyse der erhobenen Daten hinsichtlich AG-Spanne, Typikalitätsanalyse und der isolierten strukturellen Faktoren.
7. DISKUSSION: Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse im Kontext der eingangs vorgestellten Modelle sowie Reflexion über die Validität des verwendeten Paradigmas.
Schlüsselwörter
Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, serielle Wiedergabe, Lexikalitätseffekt, zentrale Exekutive, Inputposition, Outputposition, Response Set Size, kognitive Psychologie, Informationsverarbeitung, Gedächtnisspanne, Inhibition, Dekonfundierung, Modellierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen auf die serielle Wiedergabe von Informationen und hinterfragt, ob der bekannte Lexikalitätseffekt auf eigenständige Mechanismen oder primär auf die Inanspruchnahme von Aufmerksamkeitsressourcen zurückzuführen ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen das Arbeitsgedächtnis nach Baddeley, das Embedded-Processes Modell nach Cowan, die Rolle der zentralen Exekutive sowie die strukturellen Faktoren der seriellen Wiedergabe wie Input- und Outputpositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die empirische Überprüfung der Wirkmechanismen von Aufmerksamkeit bei der seriellen Wiedergabe unter Verwendung einer dekonfundierten Versuchsanordnung, um die Rolle von Lexikalität und zusätzlicher Aufmerksamkeitsbelastung zu isolieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine modifizierte serielle Wiedergabemethode nach Cowan et al. (2002) verwendet, kombiniert mit dem Random-Interval-Repetition-Task zur Aufmerksamkeitsbelastung sowie einer statistischen Varianzanalyse (ANOVA).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Gedächtnismodelle und eine detaillierte experimentelle Untersuchung, in der 55 Probanden unter variierenden Bedingungen (Lexikalität und Zusatzaufgaben) getestet wurden.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die "magische Zahl" nach Miller, das Arbeitsgedächtnis, die zentrale Exekutive, der Lexikalitätseffekt, die Response Set Size und die Unterscheidung zwischen Wörtern und Non-Wörtern.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit in der methodischen Vorgehensweise?
Die Besonderheit liegt in der Anwendung der Dekonfundierungsmethode, die es ermöglicht, die Einflüsse von Inputposition, Outputposition und der Anzahl der noch zu reproduzierenden Items (Response Set Size) einzeln voneinander getrennt zu analysieren.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich des Lexikalitätseffekts?
Der Autor deutet die Ergebnisse dahingehend, dass der Lexikalitätseffekt als ein Aufmerksamkeitseffekt interpretiert werden kann, da die reduzierte Leistung bei komplexen Anforderungen auf eine erschöpfte Kapazität der zentralen Exekutive hindeutet.
- Quote paper
- Diplom Psychologe Hernan-Leonardo Aceval (Author), 2005, Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen auf In- und Outputprozesse bei der seriellen Wiedergabe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65994