Der 2. Juni 1967 wird, obwohl es schon zuvor Anzeichen für eine Politisierung der Studentenschaft gab, vielfach als die Geburtsstunde der APO bezeichnet. Zumindest bezeichnet er einen markanten Punkt in der Auseinandersetzung der studentischen Linken mit dem Establishment. In der vorliegenden Arbeit, geht es nicht darum, den bisherigen Sichtweisen eine neue hinzuzufügen, es geht vielmehr darum aufzuzeigen, daß ohne ein bestimmtes Verhalten der Exekutive, bestimmte Folgen und Ereignisse, die das Bild der Bundesrepublik Deutschland ein Jahrzehnt lang prägten, niemals eingetreten wären, jedenfalls nicht so, wie sie eintraten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Gegenstand der Arbeit und Zeitraum der Betrachtung
1.2. Leitfragen und Arbeitshypothese
1.3. Erkenntnisinteresse, theoretische Verortung und angewandte Methode
2. Die APO – eine Begriffsklärung
3. Die BR Deutschland am Vorabend des 2. Juni 1967
3.1. Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
3.1.1. Das Heranwachsen einer neuen kritischen Generation und das Entstehen der Neuen Linken
3.1.2. Die Rolle des SDS und der SPD
3.1.3. Große Koalition und Notstandsgesetze
3.2. Sonstige Rahmenbedingung
3.2.1. Die Rolle der Medien
3.2.2. Die Rolle der Exekutive
4. Der 2. Juni und seine unmittelbaren Folgen
4.1. Der Ablauf des 2. Juni 1967
4.2. Die Reaktion auf den Tod Benno Ohnesorgs
4.2.1. auf Seiten des „Establishments“
4.2.2. auf Seiten der Protestierenden
5. Die Radikalisierung der Proteste und das Auseinanderfallen der APO
5.1. Das Attentat auf Rudi Dutschke und die Osterkrawalle
5.2. Die Selbstauflösung des SDS und das Ende der APO
6. Fazit und die Beantwortung der Leitfrage
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung des 2. Juni 1967 für die Entwicklung der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in der Bundesrepublik Deutschland. Sie geht der Frage nach, inwieweit das Verhalten der Exekutive und die darauffolgenden Ereignisse – wie die Eskalation der Proteste und das Attentat auf Rudi Dutschke – kausal für die spätere Radikalisierung und das Entstehen der Terrorszene waren.
- Gesellschaftspolitischer Kontext in den 1960er Jahren
- Rolle von SDS, Medien und Exekutive im Protestgeschehen
- Rekonstruktion der Ereignisse des 2. Juni 1967
- Radikalisierungsprozesse der studentischen Bewegung
- Zusammenhang zwischen politischer Reaktion und dem Ende der APO
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Rolle des SDS und der SPD
Wortführer des Protestes war der Sozialistische Studentenbund, der SDS. Bis 1961 war dies die Hochschulorientierte Jugendorganisation der SPD. Doch nach der Verabschiedung des Godesberger Programms und der Transformation der SPD von der Oppositionspartei, zu der pragmatisch agierenden Staatspartei im Sinne Herbert Wehners, entfremdeten sich der SDS und die SPD34. 1961 kam es gar zum Ausschluss des SDS und seiner Mitglieder aus der SPD35. Dieser Akt führte jedoch nicht zum Erlahmen des SDS. Ganz im Gegenteil, getrieben von Rudi Dutschke und Hans-Jürgen Krahl, dem Chefideologen36, erreichte der SDS eine Schlagkraft, die ihn zum ernstzunehmenden Sammelbecken der Opposition gegen alles Etablierte der damaligen Zeit machte. Seine Strategie war neu, provokativ, poppig und grundsätzlich gewaltlos37. Oftmals, wie die als Kommune 1 bekannt gewordenen Aktionskünstler Rainer Langhans und Fritz Teufel belegen, auch lächerlich38.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangshypothese, dass das Verhalten der Exekutive maßgeblich für die Eskalation und das Bild der Bundesrepublik in diesem Jahrzehnt war.
2. Die APO – eine Begriffsklärung: Definition der APO als politische Bewegung außerhalb parlamentarischer Strukturen im Gegensatz zu institutionalisierter Opposition.
3. Die BR Deutschland am Vorabend des 2. Juni 1967: Analyse der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, der Entstehung der Neuen Linken und der Rolle von Medien und Exekutive.
4. Der 2. Juni und seine unmittelbaren Folgen: Untersuchung des Verlaufs der Proteste am 2. Juni 1967 und der polizeilichen Eskalation, die zum Tod Benno Ohnesorgs führte.
5. Die Radikalisierung der Proteste und das Auseinanderfallen der APO: Analyse der Auswirkungen des Attentats auf Rudi Dutschke und der schwindenden Wirkung der APO bis zur Selbstauflösung des SDS.
6. Fazit und die Beantwortung der Leitfrage: Zusammenfassende Bestätigung der Hypothese, dass das Versagen der Exekutive die Radikalisierung und den Vertrauensverlust in den Staat beförderte.
Schlüsselwörter
Außerparlamentarische Opposition, APO, 2. Juni 1967, Benno Ohnesorg, Studentenbewegung, SDS, Rudi Dutschke, Große Koalition, Notstandsgesetze, Radikalisierung, Springer-Presse, Exekutive, 1968, Protest, Politische Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung des 2. Juni 1967 für die studentische Bewegung und die nachfolgende Radikalisierung der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in der Bundesrepublik Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit beleuchtet das politische Klima der 60er Jahre, die Rolle des SDS und der SPD, die Auswirkungen der Großen Koalition sowie den Einfluss von Medien und staatlicher Exekutive.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob die Studentenproteste ohne die Ereignisse des 2. Juni 1967 einen anderen Verlauf genommen hätten und ob die Eskalation der Proteste sowie die spätere Bildung der RAF durch das staatliche Handeln mitverursacht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Perspektive und verfolgt eine interpretativ-hermeneutische Methode auf Basis von Sekundärliteratur.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Rahmenbedingungen der 60er Jahre, die Rekonstruktion des 2. Juni 1967 und die nachfolgende Radikalisierung, die letztlich zur Selbstauflösung des SDS führte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere APO, SDS, Notstandsgesetze, die Rolle von Exekutive und Medien sowie der Prozess der Radikalisierung nach dem Tod von Benno Ohnesorg.
Wie bewertet der Autor das Verhalten der Exekutive am 2. Juni 1967?
Der Autor argumentiert, dass das Verhalten der Exekutive durch überzogene Härte und planmäßige Tatsachenverdrehung geprägt war, was den Vertrauensverlust in die staatliche Autorität maßgeblich herbeiführte.
Welche Rolle spielte die Springer-Presse in der Argumentation?
Der Autor sieht in der Springer-Presse einen Akteur, der durch einseitige Berichterstattung die Stimmung gegen die Studenten aufheizte und somit zur Radikalisierung beitrug.
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- Oliver Kumpfert (Author), 2006, Die Bedeutung des 2. Juni 1967 für die Entwicklung der Außerparlamentarischen Opposition (APO) in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66101