Abstract
„Wir haben eine Kritik der moralischen Werthe nöthig, der Werth dieser Werthe ist selbst erst einmal in Frage zu stellen“, schreibt Nietzsche im sechsten Teil seiner Vorrede seines Werks Zur Genealogie der Moral. Diese Kritik zusammen mit einer vollkommenen Umkehrung der moralischen Werte des Christentums und der von ihm geprägten gesellschaftlichen Werte ist Thema der Moralphilosophie Nietzsches. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich sie in den Kontext ihrer Zeit einbetten, um sie als Reaktion und Konsequenz aus der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts heraus verständlich zu machen. Zuvor folgt eine Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches und seines Verhältnisses zur christlichen Moral. Abschließend werde ich dann persönlich dazu Stellung nehmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Überblick
I. Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches
II Das Verhältnis Nietzsches zur christlichen Moral
III Nietzsches Philosophie im Kontext der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts
Schluss: persönliche Stellungnahme zur Nietzsches Philosophie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Moralphilosophie Friedrich Nietzsches auseinander, insbesondere mit seiner radikalen Umwertung der christlichen Werte. Ziel ist es, Nietzsches Denken historisch und politisch im 19. Jahrhundert einzuordnen, um dessen Philosophie als Reaktion auf die damaligen gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungen verständlich zu machen.
- Kritik an der christlichen Moral und dem asketischen Ideal
- Die Philosophie des Willens zur Macht und des Übermenschen
- Einflüsse und zeitgeschichtlicher Kontext des 19. Jahrhunderts
- Die Auseinandersetzung mit Religion, Liberalismus und Sozialismus
- Persönliche Reflexion über die Relevanz und Gefahren von Nietzsches Thesen
Auszug aus dem Buch
I. Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches
Von Natur aus gibt es verschiedene Kategorien von Menschen: die Vornehmen, das heißt „die vorwiegend Geistigen, die vorwiegend Muskel- und Temperaments-Starken“ (AChr1, S.111), und ihnen gegenüber die große Masse der Mittelmäßigen und Schwachen. Erstere genießen Vorrechte gegenüber den übrigen Menschen, sowie etwa das Glück, die Schönheit und die Güte auf Erden darzustellen. Das, was sie tun, empfinden sie als gut, im Gegensatz zu dem Gemeinen, Pöbelhaften und somit Schlechten. Aus einem Pathos der Distanz heraus nehmen sich die Starken, die Herren über die Schwachen, das Recht heraus, Werte zu schaffen. In seinem ursprünglichen Sinn hat das Wort „gut“ mit „nützlich“ also nichts zu tun.
Das Wesen des Lebens ist sein Wille zur Macht, welcher sich in verschiedenen Formen ausdrückt, etwa in dem Willen zu herrschen, dem Willen nach Eigentum, dem Willen zur Wahrheit und dem Instinkt der Freiheit. Er fordert den Menschen dazu auf, seiner Existenz und dem Weltgeschehen individuellen Sinn zuzuschreiben und verkörpert dabei gleichzeitig die Sinngebung und Interpretation Nietzsches.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Überblick: Der Abschnitt erläutert die Notwendigkeit einer Kritik der moralischen Werte und führt in die Absicht der Arbeit ein, Nietzsches Philosophie im Kontext des 19. Jahrhunderts zu betrachten.
I. Darstellung der Moralphilosophie Nietzsches: Dieses Kapitel skizziert zentrale Konzepte wie den Willen zur Macht, den Übermenschen, die ewige Wiederkehr des Gleichen und die Ablehnung des asketischen Ideals.
II Das Verhältnis Nietzsches zur christlichen Moral: Hier wird Nietzsches Fundamentalkritik am Christentum, insbesondere an der Rolle des Priesters und der sogenannten Sklavenmoral, detailliert dargelegt.
III Nietzsches Philosophie im Kontext der geistigen und politischen Situation des 19. Jahrhunderts: Der Autor untersucht die Einflüsse von Zeitgenossen und historischen Strömungen wie Sozialdarwinismus, Historismus, Industrialisierung und dem Kulturkampf auf Nietzsches Denken.
Schluss: persönliche Stellungnahme zur Nietzsches Philosophie: Die Verfasserin reflektiert ihre persönliche Auseinandersetzung mit der konträren Sichtweise Nietzsches und setzt diese in Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Moralphilosophie, Wille zur Macht, Übermensch, Sklavenmoral, Christentum, asketisches Ideal, 19. Jahrhundert, Ressentiment, Nihilismus, Kulturkampf, Sozialdarwinismus, Liberalismus, Dekadenz, Umwertung der Werte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Moralphilosophie Friedrich Nietzsches und stellt sie in den direkten Kontext der geistigen und politischen Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernpunkten gehören die Kritik am Christentum, das Konzept des Übermenschen, der Wille zur Macht sowie die Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Entwicklungen wie dem Liberalismus und dem Sozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nietzsches Philosophie durch die Brille ihrer Entstehungszeit verständlich zu machen und zu prüfen, inwieweit seine Theorien als Reaktion auf den Zeitgeist gedeutet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der zentrale Werke Nietzsches (vor allem "Zur Genealogie der Moral" und "Der Antichrist") mit historisch-politischen Hintergründen des 19. Jahrhunderts verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der philosophischen Kernbegriffe, die spezifische Kritik an der christlichen Moral sowie eine umfassende Einbettung in die historische Situation des 19. Jahrhunderts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem der Wille zur Macht, Sklavenmoral, asketisches Ideal, Nihilismus und Ressentiment.
Wie bewertet Nietzsche das Christentum in seiner Philosophie?
Nietzsche betrachtet das Christentum als "Ressentiment-Moral", die den natürlichen Willen zur Macht unterdrückt und die menschliche Entwicklung durch Mitleid und Schuldgefühle lähmt.
Welche persönliche Haltung nimmt die Autorin zum Schluss ein?
Die Autorin äußert Faszination für Nietzsches konträre Denkweise, distanziert sich jedoch ausdrücklich von der Verherrlichung der "Starken" und lehnt ein Leben ohne soziale Rücksichtnahme ab.
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- Katharina Baessler (Author), 2006, Die Moralphilosophie Friedrich Nietzsches im Kontext ihrer Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66122