Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität


Hausarbeit, 2005
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was versteht man unter „Aufmerksamkeit“?

2. Wie äußern sich Aufmerksamkeitsstörungen?

3. Wie entstehen Aufmerksamkeitsstörungen? - Erklärungsansätze
3.1. Aufmerksamkeitsstörung als Handlungsbeeinträchtigung
3.2. Aufmerksamkeitsstörung aufgrund biologisch-somatischer Faktoren
3.2.1. Hirnschädigung
3.2.2. Reizüberflutung und Übererregung
3.2.3. Aktivierungsmangel
3.2.4. Gestörte Immunregulation
3.3. Aufmerksamkeitsstörung aufgrund psychosozialer Faktoren

4. Wie können Aufmerksamkeitsstörungen therapiert werden?

5. Fallbeispiel

6. Literaturverzeichnis

7. Überarbeitung und Vertiefung des Fallbeispiels

1. Was versteht man unter „Aufmerksamkeit“?

„Aufmerksam sein“, „aufpassen“, „bei der Sache sein“: Solche Wendungen sind im täglichen Gebrauch. Doch was ist mit diesen Ausdrücken, mit „Aufmerksamkeit“ gemeint? Im Pädagogischen Wörterbuch

„[…] kommt Aufmerksamkeit die Aufgabe zu, unter den auf das Individuum einwirkenden Reizen die attraktivsten auszuwählen und sie […] zu filtern. Die Aufmerksamkeit übt also zunächst einmal schützende Funktion für das Individuum aus, indem sie eine Reizüberflutung verhindert. Darüber hinaus sorgt sie aber auch für eine entsprechend intensive Bearbeitung der ausgewählten Informationen.“

Köck/ Ott unterscheiden „zwischen willkürlicher und unwillkürlicher Aufmerksamkeit“, wobei versucht werden sollte, „einen Lerngegenstand so attraktiv anzubieten, dass der Lernende […] seine unwillkürliche Aufmerksamkeit auf ihn richtet.“ (Köck/ Ott 2002, S. 54f)

Unter wissenschaftlichen Aspekten werden
fünf unterschiedliche Aufmerksamkeitsarten unterschieden:

1. Gerichtete Aufmerksamkeit
Bei dieser „Basisform“ der Aufmerksamkeit reagiert das Kind auf einen Reiz, ohne die Aufmerksamkeit von ebendiesem Reiz abzuwenden, z.B. ein Kleinkind, das die Bewegung eines rollenden Balles verfolgt.

2. Dauerhafte Aufmerksamkeit
Kann sich ein Kind von Anfang bis Ende mit einer Tätigkeit oder einer Aufgabe beschäftigen, spricht man von dauerhafter Aufmerksamkeit. Je nach Alter des Kindes wird eine unterschiedliche Aufmerksamkeitspanne angesetzt, in der es möglichen Ablenkungen nicht nachgibt. Spiele für jüngere Kinder sind vom Hersteller deshalb zumeist kurzweiliger angesetzt, als die für z.B. Zwölfjährige.

3. Selektive Aufmerksamkeit
Die Aufmerksamkeit bleibt auf eine bestimmte Sache – eine Tätigkeit, ein Person etc. – gerichtet, obgleich parallel eine Ablenkung besteht. Diese wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Schüler – trotz hohem Geräuschpegel in der Klasse – dem Lehrer aufmerksam zuhört.

4. Veränderbare Aufmerksamkeit
Für diese Art der Aufmerksamkeit sind differenzierte Formen der Informationsverarbeitung und unterschiedliche Reaktionsmuster notwendig. Durch „geistige Flexibilität“ (Flick 1998, S. 40) kann zwischen verschiedenen Aufgaben gewechselt werden. So ist dies der Fall, wenn ein Schüler sich Notizen zu machen versucht, während der Lehrer erklärt. Das eben Gesagte muss gespeichert und in verkürzter, zügiger Form zu Papier gebracht werden. Gleichzeitig muss aber dem Redefluss des Lehrers beigewohnt werden, um nicht den Anschluss zu verpassen. Es erfolgt ein ineinander übergehender Wechsel zwischen zuhören, verarbeiten und schreiben.

5. Geteilte Aufmerksamkeit
Auf zwei oder mehr Anforderungen muss parallel reagiert werden. Dies erfolgt entweder durch einen rapiden Wechsel der Aufmerksamkeit bzw. durch eine Art Automatismus, der eher unbewusst abläuft. Eine Mutter die gleichzeitig das Essen kocht, ihrem Kind beim Erzählen zuhört und zwischendurch die an der Küchentapete kratzende Katze verscheucht, vollbringt eine solche „Multi-Tasking-Leistung“. (vgl. Flick 1998, S. 39ff)

2. Wie äußern sich Aufmerksamkeitsstörungen?

Hat ein Kind in einem oder mehreren der aufgeführten Bereiche längerfristige Probleme, spricht man von einer Aufmerksamkeitsstörung. Es sind drei Arten zu unterscheiden:

- „Aufmerksamkeitsstörungen mit Hyperaktivität
- Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität
- Undifferenzierte Aufmerksamkeitsstörungen“ (Flick 1998, S. 41)

Da es sich in dieser Arbeit lediglich um Störungen der Aufmerksamkeit ohne Hyperaktivität handeln soll, werden die beiden übrigen Störungsbilder vernachlässigt.

In Anlehnung an das DSM-III-R bzw. das DSM IV (Diagnostisches und Statistisches Manual) definiert sich eine Aufmerksamkeitsstörung wie folgt:

- Die Dauer der Symptomatik beträgt mindestens sechs Monate.
- Die Symptome treten vor dem 7. Lebensjahr auf.
- Die entsprechenden Verhaltensauffälligkeiten treten sehr viel häufiger auf als bei Gleichaltrigen (bezogen auf das Entwicklungsalter).

- Die Symptome verschlechtern sich in mindestens zwei Bereichen (Schule, zu Hause).
- Es tritt eine deutliche klinische Verschlechterung des sozialen, akademischen oder aufgabenabhängigen Funktionierens auf.
- Eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, Schizophrenie, psychotische Störungen, geistige Störungen (Stimmungsstörungen, dissoziative Störungen, Persönlichkeitsstörungen) können ausgeschlossen werden.
- Die Konzentration auf Einzelheiten fällt schwer. Flüchtigkeitsfehler, z.B. bei der Hausaufgabenerledigung, sind die Folge.
- Aufgaben oder Spielaktivitäten können nur schwer über einen längeren Zeitraum aufmerksam verfolgt werden.
- Der/ die Betroffene scheint gar nicht zuzuhören, wenn er/ sie von anderen angesprochen wird.
- Aufträge anderer vollständig auszuführen – nicht bedingt durch oppositionelles Verhalten oder Verständnisschwierigkeiten – bereitet Schwierigkeiten. So fällt beispielsweise das Beendigen der Hausaufgaben schwer.
- Die Organisation von Aufgaben und Aktivitäten fällt schwer.
- Bei Aufgaben, die geistige Anstrengung über eine längere Zeitspanne fordern (Hausaufgaben, schulische Mitarbeit) wird mit Ablehnung oder Vermeidungsverhalten reagiert.
- Der/ die Betroffene verliert oft Gegenstände die zur Erfüllung von Aufgaben und Aktivitäten in der Schule und zu Hause nötig sind, zum Beispiel Bleistifte, Federmappe, Bücher etc.
- Die Person wird leicht durch äußerliche Reize ablenkt.
- Zwischen Aktivitäten und/ oder Aufgaben (auch unbeendet) wird häufig gewechselt.
- Außerdem ist der/ die Betroffene in Aktivitäten des Alltags ziemlich vergesslich. (vgl. Flick 1998, S. 41ff; Lauth/ Schlottke 1995, S. 4)

Bei der Diagnose erfolgt weiterhin eine Einteilung nach Schweregrad der Aufmerksamkeitsstörung. Sie kann demnach eingestuft werden als

a. leicht (nur wenige Symptome liegen vor)
b. mittel
c. schwer (neben den Symptomen der Störung treten noch weitere Symptome auf; die Anpassung im sozialen Umfeld und die Leistungsfähigkeit sind sehr stark beeinträchtigt) (vgl. Lauth/ Schlottke 1995, S. 4)

3. Wie entstehen Aufmerksamkeitsstörungen? - Erklärungsansätze

Die gängigsten Erklärungsansätze sollen hier in kurzer, prägnanter Form dargelegt werden. Der Anspruch auf Vollständigkeit wird an dieser Stelle nicht umzusetzen versucht! Ich orientiere mich an einer Einteilung aus Lauth/ Schlottke 1995, S. 10ff.

3.1. Aufmerksamkeitsstörung als Handlungsbeeinträchtigung

Nach dieser Auffassung nimmt sich das Kind nur wenig Zeit, eine Aufgabe zu verstehen. Bei der Lösung geht es gar nicht oder kaum systemisch vor, und bevorzugt eine „verkürzte Problemlösung“ (Lauth/ Schlottke 1995, S. 11). Das Ergebnis wird nur einer mangelhaften oder gar keiner Prüfung unterzogen.

Die Aufmerksamkeitsstörung wird somit einer Handlungsbeeinträchtigung gleichgesetzt, „die in bestimmten Situationen bzw. bei bestimmten Anforderungen auftritt“ (Lauth/ Schlottke 1995, S. 11).

Greifbare Momente der Handlungsbeeinträchtigung sind u.a.:

- die mangelhafte Beherrschung von Grundfertigkeiten (z.B. visuelle Diskriminationsfähigkeit),
- die unzureichende Steuerung der Handlungsausführung (z.B. das Ziel aus den Augen zu verlieren),
- die ungenügende Handlungsplanung und -organisation (z.B. „losarbeiten“, ohne Vorüberlegungen angestellt zu haben).

Auf dieser Basis bieten sich Therapiekonzepte an, die metakognitives Wissen vermitteln und konkrete Handlungsstrategien an die Hand geben (Was tue ich zuerst? Was dann? Wie kontrolliere ich? …).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Förderpädagogik)
Veranstaltung
Entwicklungsauffällige Kinder als Aufgabe des Grundschullehrers
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V66146
ISBN (eBook)
9783638588539
ISBN (Buch)
9783638671200
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Arbeit wird sich dem Phänomen der Aufmerksamkeit und deren Störungen im Grundschulalter genähert. Nach Betrachtung der Ursachenhypothesen folgt ein kurzer Abriss zu Therapiemöglichkeiten. Ein Fallbeispiel verdeutlicht die Problematik. (Keine Benotung, da Teilnahmescheinerwerb)
Schlagworte
Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität, Entwicklungsauffällige, Kinder, Aufgabe, Grundschullehrers
Arbeit zitieren
Susann Sulzbach (Autor), 2005, Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66146

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