Energie: Schmierstoff der Weltpolitik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Entwicklung und aktuelle Situation
2.1. Entwicklungstendenzen im Energiesektor
2.1. Verbrauch und Reserven - Regionale und strukturelle Ungleichgewichte
2.3. Die Ölpreiskrisen und das Nord-Süd Gefälle

3. Versorgungssicherheit
3.1. Regionale Schwerpunkte und politische Instabilität
3.1.1. Naher und Mittlerer Osten
3.1.2. Kaspischer Raum
3.1.2. Russland
3.2. Begrenzte Kapazitäten und Investitionsbedarf

4. Sonderrolle Kernenergie

5. Hauptproblem Klimawandel
5.1. Energieszenarien für die Zukunft
5.2. Lösungsansätze: Ziel nachhaltige Energie- und Klimapolitik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die weltweit 20 größten Energieverbraucherländer

Abb. 2: Regionale Verteilung von Verbrauch und Reserven fossiler Energieträger im Jahre 2004

Abb.3: Ölproduktion ausgewählter Regionen/Millionen Fass pro Tag

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Zielsetzung

„Die technische Zivilisation beruht auf dem kontinuierlichen Umsatz großer Energiemengen“[1]. Alle Energiesysteme der Gegenwart haben eine enorme volkswirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Bedeutung und unterliegen deshalb einer intensiven politischen Einflussnahme und staatlichen Regulierung.[2] Nationale Energiepolitik ist allerdings schon lange nicht mehr auf dieses Parkett beschränkt, sondern durch die Verknüpfung der verschiedenen Energiesysteme ist Energiepolitik längst international.

Die folgende Arbeit versucht einige der internationalen Verknüpfungen darzustellen und die Herausforderungen aufzuzeigen, die sich aus diesen Konstellationen ergeben.

Den einen oder anderen mag es wundern, dass am Ende einer Arbeit über Energiepolitik ein umfangreicher Teil über den Klimawandel steht. Das hat einen einfachen Grund: Klimakatastrophe, Waldsterben, übersäuerte Gewässer, Wasserverschmutzung, Ozonloch, Bodenerosion, Wüstenausbreitung und Versteppung riesiger Landflächen, das Abholzen tropischer Regenwälder, wuchernde Städte, dramatische Landflucht, atomare Unfälle – all diese Gefahren –dabei besonders der Klimawandel- haben direkt oder indirekt eine Hauptursache: die Gewinnung und den Einsatz von Energie und deren Emissionen.[3]

1.2. Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist in fünf Teile gegliedert. Der erste Teil ist die Einleitung. Im zweiten Teil werden globale Entwicklungstendenzen sowie die aktuelle Situation geschildert. Der dritte und der fünfte Teil widmen sich den wesentlichen Herausforderungen der weltweiten Energie- und Klimapolitik, diese sind zum einen die Versorgungssicherheit der Länder mit Energie, sowie zum anderen der globale Klimawandel. Dazwischen wird im vierten Teil knapp die Sonderrolle der Kernenergie geschildert.

2. Entwicklung und aktuelle Situation

2.1. Entwicklungstendenzen im Energiesektor

Die Geschichte der Energieversorgung ist eng verknüpft mit dem Industrialisierungsprozess in den Ländern der nördlichen Hemisphäre.[4] Und inzwischen dominieren die zusammen etwa 25% der Weltbevölkerung, die in den OECD-Ländern leben das weltweite energiewirtschaftliche Geschehen.[5]

Kennzeichnend für die Entwicklung der weltweiten Energiemärkte sind zwei Entwicklungen. Zum einen gibt es einen nahezu ungebrochenen globalen Zuwachs des Energieverbrauchs, zum anderen geht dieser steigende Energieverbrauch einher mit einem andauernden Substitutionsprozess der Energieträger untereinander.[6] Ende des 19.Jh. beruhte die weltweite Energieversorgung zu 90% auf Kohlen, heutzutage stellt Mineralöl den entscheidenden Anteil.

Ein weiteres wesentliches Merkmal sind gravierende regionale und strukturelle Ungleichgewichte, die im Folgenden besprochen werden.

2.1. Verbrauch und Reserven - Regionale und strukturelle Ungleichgewichte

Ziesing (2001, S. 114) stellt fest, dass Niveau und Struktur der weltweiten Energieversorgung am Ende des 20. Jahrhunderts durch eine Reihe von Ungleichgewichten gekennzeichnet sind.

Die regionale Verteilung des Verbrauchs von Energie ist der Verteilung der Bevölkerung entgegengesetzt. Die Menschen in den OECD-Ländern verbrauchen 53,8% der weltweiten Primärenergie[7], stellen aber nur rund ein Fünftel der Weltbevölkerung. Dieses Fünftel der Menschheit produziert dabei allerdings 60 bzw. 80% des gesamten BIP aller Länder (je nach Bewertung entweder mit Kaufkraftparitäten oder Wechselkursen).

Abb. 1: Die weltweit 20 größten Energieverbraucherländer 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BP Statistical Review of World Energy, 2005

Weiterhin auffallend ist die starke Konzentration des Primärenergieverbrauchs auf einzelne Länder (Abb. 1). Die 5 Länder an der Spitze verbrauchen zusammen mehr als 50% der Gesamtenergie.

Allerdings ist ein wichtiger Trend zu beobachten. Während der Anteil der OECD-Länder am Weltenergieverbrauch zurückgeht, laut IEA auf 47% bis 2030, dürfte derjenige der Entwicklungsländer von 30% auf 47% steigen im selben Zeitraum.[8]

Die weltweite Energieversorgung hängt zu 90% von der Nutzung fossiler Brennstoffe ab. Alternative Energiequellen spielen bisher keine wesentliche Rolle.[9] Nach Einschätzung der IEA wird dies bis zum Jahr 2030 auch noch so bleiben.[10]

Bei den fossilen Energieträgern gibt es weiterhin eine Diskrepanz zwischen der Struktur ihres Verbrauchs und ihrer Reserven. 1998 war Erdöl mit 45% an der Gesamtförderung beteiligt, sein Anteil an den Reserven dagegen betrug nur 19%. Ein ähnlich ungünstiges Verhältnis ergibt sich für Erdgas. Hier betrug 1998 der Förderanteil 26%, der Reserveanteil nur 15%. Bei Kohle ist das Verhältnis entgegengesetzt. Hier ist der Förderanteil mit 29% erheblich niedriger als der Reserveanteil mit 54%.[11]

Bei diesen Reserveschätzungen dürfen allerdings nicht die nicht-konventionellen Reserven sowie die zusätzlich vorhandenen Ressourcen vernachlässigt werden (Erdgas und Erdöl in anderen Formen, als den üblicherweise auftretenden z.B. Ölsande oder Gashydrate). Dadurch relativiert sich das Bild und man kann zu der Einschätzung gelangen, dass die Energieversorgung weltweit längere Zeit noch nicht dem Problem der physischen Verknappung entgegenstehen wird.[12]

Außerdem handelt es sich bei der Reservesituation um eine dynamische Größe, die entscheidend von ökonomischen Erwägungen abhängt. Erst wenn die ökonomische Notwendigkeit besteht, werden die Ölgesellschaften sich intensiver mit der Exploration neuer Quellen auseinandersetzen.[13]

Eine weitere Diskrepanz bzgl. der weltweiten Energieversorgung besteht in den erheblichen regionalen Unterschieden zwischen Energieverbrauch und Reserven (siehe Abb.2). Bspw. verfügt Nordamerika gerade über 5% der weltweiten Reserven, ist aber mit fast 30% am Gesamtverbrauch beteiligt. Umgekehrt verhält es sich im Nahen Osten, wo zwar mehr als 60% der weltweiten Reserven beheimatet sind, der jedoch nur mit 6% am weltweiten Verbrauch beteiligt ist. Beim Erdgas fällt weiterhin noch der hohe Reserveanteil Russlands (Nachfolgestaaten der UdSSR) auf. Bei Kohlen sind diese Unterschiede wesentlich weniger stark ausgeprägt.

Abb. 2: Regionale Verteilung von Verbrauch und Reserven fossiler Energieträger im Jahre 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BP Statistical Review of World Energy 2005

Diese Unterschiede in der regionalen Verteilung stellen ein mögliches Konfliktpotential dar aufgrund der daraus entstehenden Abhängigkeiten bei der Energieversorgung.

2.3. Die Ölpreiskrisen und das Nord-Süd Gefälle

Die beiden Ölpreiskrisen der siebziger Jahre (1973 und 1979) können als zwei der wichtigsten Ereignisse der Energiepolitik der jüngsten Zeit betrachtet werden.

Im Zusammenhang mit dem Yom-Kippur Krieg drosselte die OPEC 1973 bewusst die Fördermengen, so dass es zu einem starken Anstieg des Ölpreises kam.[14] 1979 kam es im Zuge des Krieges zwischen Iran und Irak wieder zu einem massiven Preisanstieg. Diese Krisen führten zur tiefsten Rezession der Nachkriegszeit und verdeutlichen die herausragende Rolle der Energiewirtschaft für das internationale Finanz- und Währungssystem.[15]

Die Folge dieser Krisen war ein Umdenken in den Hauptimportländern dahingehend, dass diese ihren Energieverbrauch stark differenzierten und den Anteil von Mineralöl am Gesamtverbrauch deutlich reduzierten. In den 80er Jahren kam es im Zuge einer konjunkturellen Erholung zu einem starken Verfall der Ölpreise. Vorher hatten allerdings viele Erdöl exportierende Länder hohe Kredite aufgenommen. Das massive Absinken der Rohstoffpreise zusammen mit den hohen Krediten, deren Zinsen bezahlt werden wollten, endete diese Entwicklung in einer internationalen Verschuldungskrise unter deren Folgen viele Entwicklungsländer heute noch leiden. Außerdem wurde der Differenzierungsprozess innerhalb der Gruppe der Entwicklungsländer beschleunigt.[16] Die UNO hat sogar einen eigenen Begriff eingeführt für die Länder, die von dieser Krise am stärksten getroffen wurden: MSAC, die Most seriously affected countries.[17] Diese finden sich heute in der Gruppe der hochverschuldeten Länder wieder (Highly Indebted Poor Countries, HIPC).

Die Ölpreiskrisen haben also wesentlich dazu beigetragen, das „Macht- und Entwicklungsgefälle zwischen Nord und Süd“[18] zu zementieren.

3. Versorgungssicherheit

Der Umgang mit den Ölpreiskrisen hat gezeigt wie erstaunlich flexibel Staaten auf derartige Situationen reagieren können. Die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcen-, insbesondere Ölverbrauch, ist ein gutes Stück weit gelungen.[19] Auch die Gründung der IEA trug dazu bei die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Die IEA übernahm die Anlage von internationalen Vorratslagern sowie das Verteilungsmanagement der Energieressourcen im Falle politisch motivierter Lieferunterbrechungen. Auch der militärische Zugriff auf ausländische Energiequellen, namentlich auf die Ölvorräte des Nahen und Mittleren Ostens, hat immer wieder eine besondere Rolle gespielt.[20] Mit der „Carter-Doktrin“ haben die USA die ungestörte Energieversorgung des Westens aus dieser Region sogar als unverzichtbare Rechtsposition deutlich gemacht und durch eine massive Militärpräsenz abgesichert.[21] Im Zuge des „Kriegs gegen den Terror“ sind ähnliche Bestrebungen auch in Zentralasien zu sehen.

Die Diskussion um die Versorgungssicherheit rückte im letzten Vierteljahrhundert eher in den Hintergrund. Auch die Verknappung bzw. Endlichkeit der fossilen Energieträger stellt wie oben gezeigt nicht das Hauptproblem dar. Jüngste Ereignisse (Gasstreit zwischen Russland und Ukraine, Irakkrieg) haben das Thema Versorgungssicherheit allerdings wieder zum aktuellen politischen Thema werden lassen.

Die eigentliche Problematik der Energieversorgung liegt bei folgenden Punkten:

- Regionale Krisen und innenpolitische Instabilitäten in den Rohöl und Erdgas produzierenden Staaten
- Zunehmend begrenzte freie Produktionskapazitäten als Folge einer unerwartet schnelle wachsenden globalen Nachfragesteigerung vor allem in Asien (Indien, China)
- Riesiger Investitionsbedarf in neue Infrastruktur (Exploration, Raffinerien, Pipelines, usw.)[22]

Diese Problematiken beziehen sich hauptsächlich auf Mineralöl und Erdgas. „Andere Energieträger wie Kohle oder Strom werden nicht in einem Umfang international gehandelt, dass daraus ernsthafte Bedrohungen der Versorgungssicherheit entstehen könnten.“[23]

[...]


[1] (Woyke 2002, S. 177)

[2] (Woyke 2002, S. 177)

[3] (Scheer 2004, S. 5)

[4] (Ziesing 2001, S. 103)

[5] (Ziesing 2001, S. 103)

[6] (Ziesing 2001, S. 106)

[7] (BP 2005, S.37)

[8] (Umbach 2004)

[9] (Ziesing 2001, S.115)

[10] (Umbach 2004)

[11] (Ziesing 2001, S. 115)

[12] (Ziesing 2001, S. 115)

[13] (Ziesing 2001, S. 116)

[14] (wikipedia 2006)

[15] (Woyke 2002, S.179)

[16] (Rode 2004, S. 606)

[17] (Brock 2004, S. 621)

[18] (Brock 2004, S. 618)

[19] (Müller 2003, S. 3)

[20] (Woyke 2005, S. 180)

[21] (Woyke 2005, S. 180)

[22] (Umbach 2004, S. 17 f.)

[23] (Müller 2003, S. 4)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Energie: Schmierstoff der Weltpolitik
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Neue Globale Herausforderungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V66167
ISBN (eBook)
9783638588621
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Energie, Schmierstoff, Weltpolitik, Neue, Globale, Herausforderungen
Arbeit zitieren
Gregor Schmorl (Autor), 2005, Energie: Schmierstoff der Weltpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66167

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