Die Qualitätsdebatte wurde bereits in allen Bereichen der Weiterbildung eingehend diskutiert. Da wären zum einen die staatlich geförderten Weiterbildungsträger, die öffentlichen und privaten Weiterbildungseinrichtungen und die betrieblichen Weiterbildungsinstitutionen zu nennen. In diesem Sinne kann man schon von einem richtigen Weiterbildungsmarkt sprechen. Wenn von Markt die Rede ist, dann gewinnt auch die Qualität an Bedeutung, denn diese bestimmt in Bezug auf den Preis, wer sich am Markt halten kann und wer nicht. Vor allem in Zeiten knapper werdender Ressourcen. ROLF ARNOLD faßt dies treffend zusammen:
„In der totalen Marktgesellschaft, in der wir leben, wird alles und jedes zum Produkt, auch die Bildung“(Report 43, S.13).
Die Qualität der Einrichtungen wird entweder von staatlichen Vorgaben, von Vorgaben auf Bundes- und Länderebene oder von Vorgaben der jeweiligen Unternehmen/ Einrichtungen selbst bestimmt. Hier wird schon ein Problem der Qualitätsdebatte offenkundig, daß nämlich die jeweilige Qualitätsdiskussion auf verschiedenen Ebenen geführt wird und daher eine einheitliche Vorstellung von Qualität schwierig ist, sowie deren Implikationen unterschiedlich ausfallen. Denn die Ziele, Rahmenbedingungen und Teilnehmer der Weiterbildungsinstitutionen sind sehr unterschiedlich und demnach auch der Qualitätsanspruch.
Um diese Reichweite der Weiterbildungsdebatte gezielter bearbeiten zu können, möchte ich mich im Hauptteil meiner Arbeit auf die Qualität der betrieblichen Weiterbildung fokussieren.
Eines der größten Probleme innerhalb der Qualitätsdiskussion ist die grundsätzliche Frage nach ihrer Definition. Was ist denn eigentlich das, was die Qualität einer Weiterbildungsmaßnahme ausmacht? Wie kann man die Qualität beschreiben und beobachten, um sie dann auch bewerten zu können?
In der Literatur ist dann von Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung die Rede, selten aber, welche Kriterien zugrunde gelegt werden.
Im Produktionsbereich, dem Ursprung des Qualitätsbestrebens, gibt es genaue Kennzahlen, die die Qualität eines Produktes ausmachen. Wie aber kann die Qualität einer Weiterbildungsmaßnahme, also einer Dienstleistung beurteilt werden? Die Qualität einer Dienstleistung wird überwiegend durch das Kriterium der Kundenzufriedenheit bestimmt. Die Indikatoren zielen in den Bereich von Kundenbetreuung, Wartezeiten, Erreichbarkeit etc.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemanalyse und Ausgangslage
2. Was ist Qualität?
2.1. Definitionen
2.1.1. Qualität
2.1.2. Qualitätsmanagement
2.1.3. Qualitätssicherung
2.1.4. Qualitätsverbesserung/ Qualitätsentwicklung
2.2. Fazit
2.3. Methoden innerhalb des Qualitätsmanagements
2.4. Evaluierungsansätze und Modelle innerhalb der Weiterbildung
2.4.1. Definitionen und Funktionen von Evaluation
2.4.2. Evaluierungsansätze innerhalb öffentlicher Weiterbildungseinrichtungen
2.4.2.1. Qualitätskriterien des Deutschen Volkshochschulverbands
2.4.2.2. Qualitätskriterien der Qualitätsgemeinschaft Berufliche Weiterbildung der Region Köln
2.4.2.3. Qualitätskriterien des Vereins Weiterbildung Hamburg e.V.
2.4.3. Evaluierungsansätze innerhalb des betrieblichen Bildungswesens
2.4.3.1. Qualitätsanforderungen bei Siemens (vgl. Karl- Heinz Brehm 1995)
2.4.3.2. Ergebnisse einer explorativen Studie im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Weiterbildungsforschung“ von Rolf Arnold und Antje Krämer- Stürzl
2.5. Probleme bisheriger Modelle
3. Versuch einer Strukturierung und Erweiterung des herkömmlichen Qualitätsbegriffes für die betriebliche Weiterbildung
3.1. Theoretischer Hintergrund
3.1.1. Die Neurologische Informationsverarbeitung im Gehirn
3.1.2. Die Konstruktivistische Lehr-/ Lerntheorie
3.2. Folgerungen und Forderungen der Gehirnforschung und der Konstruktivistischen Lehr-/ Lerntheorie für die Praxis
4. Analyse förderlicher Indikatoren für die jeweiligen Qualitätsbereiche
4.1. Die Qualität des Trainers
4.1.1. Indikatoren für ein professionelles Trainerverhalten:
4.2. Die Qualität der Gruppendynamik
4.2.1. Indikatoren für pädagogische Qualität ( Gruppendynamik):
4.3. Die Qualität der Lehr- und Lernmethoden
4.3.1. Die Aufnahme von Informationen
4.3.1.1. Motivation als Voraussetzung für eine effektive Aufnahme von Informationen
4.3.1.2. Aufmerksamkeit als Voraussetzung für eine effektive Aufnahme von Informationen
4.3.2. Die Verarbeitung und Speicherung von Informationen
4.3.3. Die Anwendung von neu gelernten Informationen
4.3.4. Unterrichtsinnovationen als ausschlaggebenden Faktor für die Qualität der Lehr-/ Lernmethoden?
4.3.4.1. Der Umgang mit Problemen oder die „schlechte Innovation“
4.3.5. Indikatoren für Qualität der Lehr-/ Lernmethoden
4.4. Die Qualität der Medien
4.4.1. Indikatoren für Qualität der Medien
4.5. Die Qualität der Lernumgebung
4.5.1. Indikatoren für Qualität der Lernumgebung
4.6. Die Qualität der Teilnehmermitarbeit
4.6.1. Die Bildungsbedarfsanalyse
4.6.2. Indikatoren für Qualität der Teilnehmermitarbeit
4.7. Die Qualität der Führungskraft bezogen auf den Lernprozess ihrer Mitarbeiter
4.7.1. Indikatoren für Qualität der Führungskraft im Lernprozess ihrer MA
5. Entwicklung eines umfassenden Instrumentes zur Qualitätsentwickung und Qualitätsanalyse durch Selbst- oder Fremdevaluation
5.1. Die Anwendung und Auswertung des Instrumentes
5.2. Die Stärken und Schwächen des Instrumentes
6. Selbstevaluation mit Hilfe des QeQa- Instrumentes
6.1. Nähere Informationen zum Evaluationsgegenstand
6.2. Fazit der Selbstevaluation mithilfe des QeQa- Instrumentes
7. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich der Entwicklung eines Instrumentes zur Qualitätsentwicklung und -analyse in der betrieblichen Weiterbildung, mit dem primären Ziel, die Qualität von Weiterbildungsmaßnahmen unter Berücksichtigung individueller Lernprozesse und Transferleistungen ganzheitlich zu erfassen und zu optimieren.
- Analyse und Strukturierung eines erweiterten Qualitätsbegriffs für die betriebliche Weiterbildung.
- Berücksichtigung von Ergebnissen aus der Gehirnforschung und der konstruktivistischen Lehr-/Lerntheorie.
- Identifikation förderlicher Indikatoren für zentrale Qualitätsbereiche wie Trainer, Methoden, Medien und Lernumgebung.
- Entwicklung eines praktikablen Evaluationsinstruments (QeQa-Instrument) zur Selbst- oder Fremdevaluation.
- Erprobung und Reflexion des Instruments anhand einer konkreten Fallstudie.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Die Neurologische Informationsverarbeitung im Gehirn
Das Gehirn funktioniert wie ein komplexes Netzwerk und besteht im wesentlichen aus Nervenzellen (Neuronen), sowie aus Nervenfasern (Axonen) zwischen den Neuronen (Spitzer 2003, S. 51ff.).
Diese Nervenzellen sind auf das Speichern und Verarbeiten von Informationen spezialisiert. Schon bei der Geburt verfügt der Mensch über ca. 20 Milliarden Neuronen, deren Anzahl sich nicht mehr (wesentlich) im Laufe des Lebens verändert.
Nach FREDERIC VESTER sind die ersten drei Monate nach der Geburt entscheidend für die Entwicklung eines Grundmusters (Netzstruktur) im Gehirn, in welches alle späteren Informationen eingespeichert werden. Die ersten Verknüpfungen dienen dabei als Wegweiser für die folgenden Bahnen, Kontaktstellen und weiteren Verknüpfungen (Vester 1975, S.50).
In dieser kurzen Phase können sich die Gehirnzellen noch teilen und vermehren. Erstaunlicherweise hat man hier einen direkten Einfluß der Umwelt auf die Entwicklung der Verbindungen und Neuronen im Gehirn feststellen können.
“Die Zellen wachsen je nach der vorhandenen Umwelt anders!“ (Vester 1975, S. 38).
Jedes einzelne der 20 Milliarden Neuronen im Gehirn hat mit bis zu 10 000 weiteren Neuronen Verbindung, womit das Bild eines komplexen Netzwerkes deutlich wird. Volumenmäßig machen also diese Verbindungen den größten Teil unseres Gehirnes aus. Wenn wir nun von Lernen sprechen, bezieht sich dies nicht auf ein Zuwachs von Neuronen, sondern auf eine Zunahme der Verdrahtung der Neuronen untereinander oder auf eine Verstärkung der schon vorhandenen Nervenfasern. Lernen ist demnach ein stofflicher Vorgang, da für den Aufbau von Nervenfasern Proteine produziert werden (Vester 1975, S. 81).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemanalyse und Ausgangslage: Dieses Kapitel skizziert die Problematik einer einheitlichen Qualitätsdefinition in der Weiterbildung und rechtfertigt die Fokussierung auf die betriebliche Weiterbildung.
2. Was ist Qualität?: Hier werden grundlegende Definitionen von Qualität, Qualitätsmanagement und Evaluation in der Weiterbildung dargelegt und bisherige Modelle sowie deren Schwachstellen kritisch betrachtet.
3. Versuch einer Strukturierung und Erweiterung des herkömmlichen Qualitätsbegriffes für die betriebliche Weiterbildung: Das Kapitel verknüpft theoretische Erkenntnisse aus der Neurologie und dem Konstruktivismus mit der betrieblichen Weiterbildungspraxis, um ein fundiertes Verständnis für effektive Lernprozesse zu schaffen.
4. Analyse förderlicher Indikatoren für die jeweiligen Qualitätsbereiche: Hier erfolgt eine detaillierte Aufschlüsselung qualitätsfördernder Indikatoren für sieben Bereiche, darunter Trainer, Methoden, Medien und Lernumgebung.
5. Entwicklung eines umfassenden Instrumentes zur Qualitätsentwickung und Qualitätsanalyse durch Selbst- oder Fremdevaluation: In diesem Kapitel wird das QeQa-Instrument zur Qualitätsanalyse vorgestellt, das als Leitfaden für die formative Selbstevaluation dient.
6. Selbstevaluation mit Hilfe des QeQa- Instrumentes: Dieses Kapitel dokumentiert die praktische Anwendung des QeQa-Instruments anhand einer eigenen Weiterbildungsmaßnahme und reflektiert die erzielten Ergebnisse.
7. Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, würdigt das entwickelte Instrument und gibt einen Ausblick auf notwendige weitere Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Qualitätsentwicklung, Betriebliche Weiterbildung, Evaluation, QeQa-Instrument, Konstruktivismus, Gehirnforschung, Transfererfolg, Selbstevaluation, Lehr- und Lernmethoden, Qualitätsmanagement, Kompetenzentwicklung, Lernumgebung, Weiterbildungspraxis, Bildungsbedarfsanalyse, Transferförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Qualitätsentwicklung in der betrieblichen Weiterbildung und der Notwendigkeit, hierfür ganzheitlichere und praxisorientiertere Ansätze als bisher zu finden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Diplomarbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung durch Konstruktivismus und Neurologie, die Identifikation von Qualitätsindikatoren in sieben Lernbereichen und die Entwicklung eines praktischen Evaluationsinstruments.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Instrumentes (QeQa), welches Trainern hilft, die Qualität ihrer Weiterbildungsmaßnahmen selbstständig zu analysieren und nachhaltig zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse, kombiniert mit einer theoretischen Aufarbeitung und der praktischen Erprobung eines selbst entwickelten Evaluationsinstruments (Selbstevaluation).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert förderliche Indikatoren für sieben Qualitätsbereiche, von der Qualität des Trainers über die Gestaltung der Lernumgebung bis hin zur Rolle der Führungskraft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Qualitätsentwicklung, betriebliche Weiterbildung, Selbstevaluation, Transfererfolg und konstruktivistische Lernansätze definieren.
Was ist der besondere Vorteil des QeQa-Instruments?
Der Vorteil liegt in der Konkretisierung und Präzisierung komplexer Qualitätsanforderungen, wodurch Trainer eine Hilfestellung zur reflektierten Optimierung ihrer eigenen Arbeit erhalten.
Welche Rolle spielen "Pannen" bei einer Weiterbildung laut der Autorin?
Die Autorin betrachtet kleine Fehler als Chancen, da sie als authentische Probleme das Interesse der Teilnehmer wecken und den Lerneffekt durch eine gemeinsame Problemlösung sogar erhöhen können.
- Quote paper
- Dipl. Päd. Sirkka Freigang (Author), 2004, Qualitätsentwicklung in der betrieblichen Weiterbildung - Entwicklung eines Instruments zur Evaluation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66182