Archiv – einer der „geheimnisvollsten“ und immer noch wenig besuchten außerschulischen Lernorte im Geschichtsunterricht. Aus welchem Grund meiden viele Lehrer und Lehrerinnen diese ausgesprochen reiche berührende Quelle an Geschichtsmaterial? Aus Angst vor dem großen Zeitaufwand und Vorbereitung des Unterrichts außerhalb des Klassenzimmers? Aus Unsicherheit, eine „andere“ Geschichte den Schülern zu vermitteln – etwas entfernt von den großen nationalen oder internationalen historischen Ereignissen – mit dem Schwerpunkt auf der Lokal- und Regionalgeschichte? Vielleicht fehlt den Lehrern und Lehrerinnen einfach die Archiverfahrung: gewisse Kenntnisse über Stoffvermittlung und Unterrichtsformen, die für die Archivarbeit sinnvoll wären? Vielleicht sind Lehrpersonen einfach der Meinung, dass Schüler gar nicht in der Lage sind, mit Archivalien zu arbeiten?
Selbstverständlich gibt es einige Schwierigkeiten und Hindernisse in Bezug auf erfolgreiche Arbeit der Schüler im Archiv. Es werden oft außerordentliche Unterrichtssituation, Schrift- und Sprachbarrieren genannt. Lehrer und Lehrerinnen sollten mit archivbezogenen Methoden, sowie Gruppen- oder Projektarbeit, vertraut sein, bei der Durchführung inhaltliche und organisatorische Hilfestellung durch Fachleute – Archivare - einholen. Alle diese Hindernisse sind aber unter bestimmten Voraussetzungen und vernünftiger Planung des Unterrichts leicht zu beseitigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellung
2 Gesamter Überblick über die Akten
3 Die Form einer Akte
4 Finanzierung der Kleinkinderschulen und Kinderpflegen
4.1 Geschichte und Aufgaben des Wohltätigkeitsvereins
4.2 Geläufige Währung
5 Geschichte der Entstehung der Kleinkinderanstalten in Württemberg
6 Inhalte der Akten
6.1 Allgemeine Informationen über die Kleinkinderanstalten im Verwaltungsbezirk Ludwigsburg um 1855
6.2 Aufgaben der Kleinkinderschulen
6.3 Ausbildung der Betreuungspersonen
6.4 Jahresberichte
6.5 Erster Rechenschaftsbericht des Frauenvereins für die Kleinkinderschulen
7 Archiv als Lernort im Geschichtsunterricht
7.1 Bezug zum Bildungsplan
7.2 Ziele der Archivpädagogik
7.3 Methodische Umsetzung des archivpädagogischen Themas ´Kleinkinderschulen´ in einer 7. Hauptschulklasse
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen Kleinkinderschulen in Württemberg zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert anhand von Aktenbeständen aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg, um deren Entstehung, Finanzierung und pädagogische Konzepte sowie ihre Eignung als außerschulischer Lernort für den Geschichtsunterricht zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Kleinkinderanstalten in Württemberg
- Finanzierungsmodelle und Währungssysteme des 19. Jahrhunderts
- Pädagogische Ansätze und Ausbildung von Betreuungspersonal
- Archivpädagogik als didaktische Methode im Geschichtsunterricht
- Analyse und Interpretation von originalen Archivdokumenten
Auszug aus dem Buch
3 Die Form einer Akte
Verwaltungsbezirk Ludwigsburg um 1835 stellte eine kleinere Verwaltungseinheit als heutiger Landkreis dar. Die Landkreiseinrichtungen wurden erst 1938 nach den Veränderungen im Verwaltungssystem von Nationalsozialisten eingeführt. Darüber hinaus bei der Bearbeitung der Akten hatten wir meistens mit dem Schriftgut aus so genannter Ära der Oberämter zu tun.
Zum größten Teil standen uns die handschriftlichen Quellen zu Verfügung, welche zusätzliche Probleme für uns Studenten bereiteten. Manche Schriftstücke waren absolut nicht lesbar, entweder aufgrund undefinierbarer Handschrift eines der damaligen Beamten, oder schlechten Zustandes des Quellenmaterials selbst(obwohl der zweite Grund ziemlich selten in unseren Akten vorkam).
Ein zusätzliches Problem hatte ich persönlich in Bezug auf die damalige Schrift, wie ich schon oben betonte. Da die Schreibweise im 19. Jahrhundert von der heutigen Standardschriftsprache ziemlich abweicht, war ich oft nicht in der Lage ein bestimmtes Wort zu erkennen und darüber hinaus den Sinn eines bestimmten Satzes zu verstehen. Dieser Fakt machte für mich die Arbeit mit Archivalien noch spannender, weil ich neugieriger geworden bin und auf jeden Fall wissen wollte, welche Botschaft jedes Schriftstück in sich verbirgt. Meiner Kommilitonin Jasmin Podrug fiel die Entschlüsselung der Texte offensichtlich leichter als mir, aber trotzdem nicht ganz problemlos. Aus dem Grund nahmen wir oft in Anspruch die Hilfe unseres Dozenten und ich persönlich die Hilfe meiner bekannten Archivarin.
Die Akten, die in dem Zeitraum von ca. 1900 bis 1938 entstanden sind, waren natürlich viel leichter zu lesen und damit zu arbeiten. An der Stelle hatten wir schon mit gedrucktem Quellenmaterial zu tun, was unser Arbeitstempo beschleunigte. Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung der mechanischen Schreibmaschine in Deutschland 1882/83 die Arbeit der Verwaltungsangestellten sehr erleichterte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel thematisiert die Hemmschwellen und Potenziale des Archivs als außerschulischer Lernort und begründet die Wahl des Themas Kleinkinderschulen.
2 Gesamter Überblick über die Akten: Hier wird der Bestand des Staatsarchivs Ludwigsburg zur Thematik vorgestellt und die Methodik der Arbeit mit den historischen Quellen erläutert.
3 Die Form einer Akte: Dieses Kapitel widmet sich der äußeren Form von Verwaltungsunterlagen und den Schwierigkeiten bei der Entschlüsselung historischer Handschriften.
4 Finanzierung der Kleinkinderschulen und Kinderpflegen: Der Abschnitt erläutert die Rolle des Wohltätigkeitsvereins sowie die historischen Währungsverhältnisse vor der Währungsreform von 1873.
5 Geschichte der Entstehung der Kleinkinderanstalten in Württemberg: Hier wird die historische Entwicklung der Kleinkindererziehung von den Anfängen bis zur Entstehung der ersten Anstalten in Württemberg nachgezeichnet.
6 Inhalte der Akten: Dieses zentrale Kapitel analysiert detailliert die Organisationsstrukturen, Aufgabenbereiche, Ausbildungswege des Personals sowie konkrete Berichte und Rechenschaften aus den Akten.
7 Archiv als Lernort im Geschichtsunterricht: Der Abschnitt verbindet archivpädagogische Theorie mit der praktischen Umsetzung und zeigt Möglichkeiten auf, wie Schüler im Archiv arbeiten können.
8 Fazit: Die Autorin resümiert ihre Erfahrungen aus der Archivarbeit und reflektiert über den Erkenntnisgewinn für ihre zukünftige Tätigkeit als Lehrerin.
Schlüsselwörter
Kleinkinderschulen, Württemberg, Archivpädagogik, Geschichtsunterricht, Wohltätigkeitsverein, Historische Quellen, 19. Jahrhundert, Sozialgeschichte, Bildungseinrichtungen, Kinderpflege, Quellenanalyse, Handschriftliche Dokumente, Lehrerbildung, Industrialisierung, Fröbel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung, Finanzierung und pädagogische Gestaltung von Kleinkinderschulen in Württemberg zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert auf Basis von Originaldokumenten aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Rolle der Wohltätigkeitsvereine, die historische Entwicklung der Vorschulpädagogik, die Finanzierung dieser Anstalten sowie die didaktische Einbindung des Archivs in den Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Rekonstruktion der Lebens- und Lernbedingungen in historischen Kleinkinderschulen sowie die Aufzeigung, wie Schüler im Archiv mit "rohem" Quellenmaterial wissenschaftlich arbeiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Quellenarbeit angewandt, bei der handschriftliche und gedruckte Archivmaterialien ausgewertet, transkribiert, interpretiert und mit Fachliteratur verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Struktur der Akten, der sozialen Rolle der Institutionen, der Ausbildung der Lehrkräfte sowie der methodischen Umsetzung von Archivprojekten für Hauptschulklassen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Archivpädagogik, Kleinkinderschulen, Lokalgeschichte, Sozialpolitik Württembergs und historische Quellenrekonstruktion.
Wie wurde die Entzifferung schwieriger Handschriften gelöst?
Die Autorin nutzte die Hilfe des Dozenten sowie einer erfahrenen Archivarin, um die oft schwer lesbaren handschriftlichen Dokumente aus dem 19. Jahrhundert zu verstehen.
Welche Rolle spielten die "Richtlinien für Kleinkinderpflegen" in der Arbeit?
Die Richtlinien dienten als konkretes Fallbeispiel, anhand dessen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen historischen Kleinkinderschulen und heutigen Kindergärten im Unterricht erarbeitet wurden.
Welche Bedeutung hatte die Währungsreform von 1873 für die Akten?
Die Währungsreform erklärt, warum in den Akten verschiedene Währungen wie Gulden, Kreuzer und Mark auftauchen, was für die historische Einordnung der Finanzdaten der Kleinkinderschulen essenziell ist.
- Quote paper
- Elena Hahn (Author), 2006, Kleinkinderschulen in Württemberg im 19.-20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66196