Des Firmaments weiße Sommersprossen - Mit dem Taxi von Dakar nach Banjul und andere Geschichten aus Westafrika - Reisetagebuch


Ausarbeitung, 2002
121 Seiten

Leseprobe

Ausladende einladende Worte

„What an old man sees sitting,

a young man will not see

even when he climbs to the top of the tallest tree“.

Dieses kamerunische Sprichwort vermag wegen des Umstands meines mit dem Maßstab der Weisheit bestimmt noch nicht all zu fortgeschrittenen Alters für die meinige einfache Gestalt wohl volle Geltung zu beanspruchen. Indes bin ich flegelhaft der Hoffnung erlegen, dass meinem ernsten Versuch, neugierig reisend auf so viele Wipfel wie möglich zu steigen, gleichwohl ein – wenn auch verschwindend kleiner – Einblick in dieses scheinbar endlos mannigfache afrikanische Reich gelungen sein könnte.

Ich habe mich befleißigt, Augen und Ohren in dieser für mich bis dato unbekannten Welt weitest offenzuhalten. Zwar wäre ein Unternehmen, all meine hier gesammelten Erfahrungen mittels gewähltem Wort und gesetzter Form zu bekleiden, wohl von vornherein dem Schicksal des Scheiterns in die Hände gefallen. Nichtsdestoweniger habe ich mich bemüht, mit den mir erwähnenswert für den Leser sowie merkwürdig für mich selbst erscheinenden Ereignissen, Zufällen und Begebenheiten meines vielfarbigen Aufenthaltes, übersetzt in die schwarzen Lettern meiner bescheidenen lexikalischen Fähigkeiten, ein interessantes Muster auf das weisse Papier zu projizieren.

Zweifelsohne bleiben die Ausführungen dabei notwendig durch mein subjektives Augenlicht eingefärbt – allerdings könnte gerade diese Tatsache dem Leser eventuell an manchem verbalen Schauplatz zu einem kleinen Schmunzeln gereichen.

Beim Schopfe möchte ich an dieser Stelle – nicht nur aus reinem Anstandsgefühl – die konzise Gelegenheit ergreifen, mich aufrichtig bei den Menschen zu bedanken, die mich (u.a.) im Zusammenhang mit der vorliegend thematisierten Reise ausnehmend unterstützt haben. Es sind hier der Erwähnung insbesondere wert meine Eltern und meine Großeltern, Father Gabriel (Gabou) Secka, sowie mein teurer treuer Freund Cajetan Banseka Lukong.

Bestrebt, mich dem hehren Ziel zu nähern, auch ohne das Besteigen eines hohen Baumes die wesentlichen Dinge im Leben zu erspähen imstande zu sein, bin ich dem geräderten Leser ob jeder vernichtenden Kritik äußerst dankerfüllt.

Gabriel Vockel, Banjul im Mai 2002

Düsseldorf und Mailand, Donnerstag, den 14. März 2002

Während des Eincheckens meines unverschämt großen Rucksacks schaue ich mich in der modernen Halle des Flughafens in Düsseldorf nach einem hageren, selbst in dem nicht gerade überheizten Entree nur mit einem T-Shirt älteren Datums bekleideten Mann um, der sich hinter seinem Vollbart zu verstecken scheint. Dieses Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor, und so setzte mich einfach auf die Wartebank neben ihn und spreche ihn an.

Meine Ahnung stellt sich als richtig heraus, als der freundliche Mann mir bestätigt, dass auch er mich als einen derjenigen wiedererkannt hat, die vor wenigen Wochen im Wartezimmer des Tropeninstituts der Universität Münster saßen, um sich mutwillig mit Gelbfieber, Hephathitis, Typhus und anderen Leckereien infizieren zu lassen.

So unwahrscheinlich es auch zu erwarten ist: Manfred will ebenfalls nach Banjul, der kleinsten Hauptstadt des afrikanischen Kontinents, dem administrativen Mittelpunkt des kleinsten Staates des afrikanischen Bogens.

Im Shuttle-Bus, der die Passagiere der italienischen Fluggesellschaft zum richtigen Flugzeug bringen soll, blicke ich mich neugierig um. Wie stets auf der Suche nach interessanten Menschen wandern meine Augen umher. Außer dem hübschen Mädchen, welches wohl im ersten Transitland der Reise, Italien, zu Hause ist, fällt mir der einzige schwarze Mann der Runde auf, der ein wenig schüchtern dreinblickend am anderen Ende des Fahrzeugs seinen Sitzplatz gewählt hat. Ich entscheide mich für den Mann und schlenderte scheinbar gelangweilt auf ihn zu. Ein kleines feines Zwinkern läßt ihn aufmerken. Ihn penetrant anlächelnd frage ich ihn kurzerhand: „Vous voulez voyager au Sénégal“? Und sein Gesicht erhellt sich mit den Worten, „Yes, I‘ll go to Dakar“.

Der Mann ist also kein Senegalese, welcher, aus dem geographischen Herzstück des ehemaligen französischen Kolonialstrebens stammend, mir sicherlich lieber in französischer Sprache geantwortet hätte. Sollte ich wirklich das unverschämte Glück haben, schon hier auf einen Gambier zu treffen ?

Nachdem wir uns mittels afrikanischen Händedrucks begrüßt haben, fragen sich beide Seiten weiter vor. Der freundliche Mann, welcher trotz seinen 1,90 m dennoch eine eher zähe als gewaltige Figur abgibt, kommt aus dem kleinen Ort Kololi, welcher tatsächlich nur wenige Kilometer von Banjul an der Meeresküste entfernt liegt. Unglaublich!

Von nun an sind wir Freunde! „What’s your name, young friend ? ... oh, that’s a very nice name... Me, I’m called Pa. Pa Dem, but just call me Pa“. Er versichert mir freudestrahlend, dass ich in seinem Land „fully fully welcome“ sei.

Unsere Konversation erfährt eine kleine Unterbrechung während des Flugs nach Mailand, der neben ein paar relativ heftigen Turbulenzen, welche meinen italienischen Nachbarn fast umzubringen scheinen sowie einer geschäftig freundlichen Stewardeß, unerwähnt bleiben kann.

Mit einem einnehmenden „You’re fully welcome to Italy“ treffe ich meinen schwarzen Genossen wieder, die afrikanische Begrüßung gerne mehrmals wiederholend. Zusammen mit dem weltenbummlerisch anmutenden Manfred suchen wir uns zu dritt in einer der großen Hallen des Mailänder Flughafens ein abseits gelegenes ruhiges Café, in dem eine interessante Unterhaltung zwischen dem ehemaligen Journalisten, dem gambischen Koch und dem unerfahrenen juristischen Bücherwurm aus dem provinziellen Münster beginnt – schließlich haben wir ja 5 ½ Stunden Wartezeit zu überbrücken.

Manfred war schon ein dutzend Mal in afrikanischen Gefilden und ist somit gewissermaßen ein alter Reisehase. Pa ist gerade auf der Rückreise in seine Heimat, die er wegen eines mehrwöchigen Aufenthalts in Dortmund bei seiner deutschen Gattin verlassen hat. Er erzählt mir von den unglaublich vielen Autos, die in der Borussia-Metropole herumführen, dem ersten Schnee, den er vor wenigen Wochen zum ersten Mal in seinem Leben erblickte, wobei er selbst seiner Frau nicht glauben wollte, dass dieses Zeugs tatsächlich vom Himmel gekommen sei. Und kalt war dieses Ding gewesen, „fully fully cold“. Nach vielen weiteren Gesprächsthemen wie den ökonomischen Verhältnissen Gambias, dem tribalen Zusammenleben der gambischen Gesellschaft sowie dem Dorf, aus dem Pa stammt etc., betreten wir nach weiteren umständlichen Sicherheitschecks, deren Bestandteil selbst das Ausziehen des Schuhwerks ist, ein brutal riesiges Flugobjekt. Nach dem sich die zu ¾ Viertel Schwarzen sowie gemischte europäische Passagiere langsam gesetzt haben, hebt das so voll geladene scheinbar nicht flugfähige Monstrum kurze Zeit später wundersamerweise tatsächlich ab.

Auf meine bisherigen Reisebegleiter muß ich nun für einige Stunden verzichten, lerne dafür aber direkt neben zwei etwa 50jährigen französischen Sextouristen auf dem Weg zum körperlichen Glück eine Rucksacktouristin aus Berlin sowie ein dutzend Westafrikaner kennen, welche sich meistenteils bei Freunden oder Verwandten in Europa aufgehalten haben.

Etwa eine Stunde vor der Landung in Dakar werden etwas primitiv wirkende Füllbogen des senegalesischen „Immigration Office“ verteilt, auf dem neben den üblichen Daten auch Beruf, Grund und Dauer der Reise etc. eingetragen werden sollen. Das Dasein als weiße Brillenschlange, die wohl etwas von einem Intellektuellen vermuten läßt, bringt mir einen zutiefst dankbaren Analphabeten aus dem Senegal an meinen Platz, der mich darum bittet, dieses komische Stück Papier, von dem die problemlose Reise in sein Heimatdorf abhängt, auszufüllen. „Merci beaucoup mon pote, t’es mon ami maintenant“, versichert er mir händeschüttelnd, nachdem ich die Daten seines Reisepasses auf das Official Paper projiziert habe.

Dakar, Donnerstag, den 14. März 2002

Nach einer ruckeligen Landung am fast westlichsten Punkt Afrikas bleibt der von mir erwartete Hitzeschwall beim Verlassen des Fliegers zunächst aus. Die Afrikaner regen sich darüber auf, dass es doch nur unverschämt kalte 17 °C sei.

Glücklich, unser Gepäck vom stark umkämpften Transportband erhascht zu haben, traue ich mich mit meinen mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit vermittelnden Mitreisenden in die Vorhalle des Flughafens hervor. Direkt hinter der mit einem finster dreinblickenden aber gelassenen dicken Mann besetzten Paßkontrolle tut sich eine sicherlich mehr als 200 wild um sich schreiende, geschäftstüchtige, sehr schlitzohrig aussehende Senegalesen zählende Menschenmenge auf, die die Namens- und Logoschilder verschiedener angeblich tadelloser Hotels hochhalten und lautstark anpreisen. „Hotel, Hotel, Taxi, Taxi pour pas cher, Monsier, not expensive at all, Mister. Come with me, trust me. I’ll will bring you to this place, c’est vrai, exactement.“

Glücklicherweise kennt Manfred ein akzeptables Hotel namens „Via Via“, das von einer Flämin geführt wird. Nach kurzer durch Pa geführte Verhandlung bringt uns ein Mercedes hierhin, welcher in Deutschland wohl selbst vor 30 Jahren nicht mehr die TÜV-Untersuchung überstanden hätte. Pa vertrauend mache ich mir bereits nur noch halb so viele Sorgen um das wertvolle Gepäck, welches mir die Haut meiner Schulter eindrückt. Nach zunächst wilder, dann mit viel Lachen und viel Händeschütteln geführten Preisverhandlungen im Hotelempfang, werden wir auf die Zimmer verteilt. Manfred allein, ich in einem mit Moskitonetz geschmückten Ehebett mit Pa! Mein privater Beschützer für die Nacht... denke ich noch, bevor ich gegen 2 Uhr morgens mich unter das Laken hüllend in einen tiefen Schlaf versinke, welcher gegen halb fünf, fünf und sechs von einem minarettischen Lautsprecher, der den maghrebinisch-inbrünstigen Gesang eines Muezin in die warme Nacht des „Little Paris“ überträgt, kurzzeitig unterbrochen wird.

Dakar, Freitag, den 15. März 2002

Nach dem Erwachen trete ich auf den kleinen Balkon vor der Fenstertür, den ich am Abend noch gar nicht bemerkt habe. Ich blicke auf ein nordafrikanisch Häuserkonglomerat, einen kleinen sandigen Pfad sowie ein paar Bauarbeiter im Rohbau von gegenüber. This is Dakar... denke ich mir still. Pa frönt seinen morgendlichen 50 Liegestützen.

Beim Frühstück um 8 Uhr bin ich froh über heißen Tee, welcher die Angst vor Durchfall verursachenden Bakterien nimmt.

Gegen 10 Uhr verabschieden Pa und ich uns von unserem Begleiter Manfred, den wir zwischenzeitlich den „Funny man“ getauft haben. Dieser möchte zwecks Akklimatisierung einige Tage in Dakar verbringen. Sofern er die Zeit finde, wolle er mich in Banjul besuchen...

Auf dem Weg zur Straße lachen mich ein paar freundliche Schulkinder in Uniform an, welche hier im Sand spielen. Nach kurzem Feilschen bringt uns ein mißmutiger Taxifahrer in seinem alten gelben Gefährt zu einem großen Markt in Dakar - Centre ville !

Dort angekommen, wird mir erst vollends bewusst, welches Glück ich gehabt habe, mich im Düsseldorfer Shuttle-Bus für den schwarzen Mann entschieden zu haben... denn hier wäre ich wohl buchstäblich zwischen Stände und Räder, Bettler, Gauner und Kinder, Autos, Früchte und Gerüche gekommen.

Ein „Moneytaker“, der dafür verantwortlich ist, dass sich ein Taxi mit Gästen füllt, bringt uns zu einem wahrscheinlich 200 Jahre alten Peugeot, welcher wie alles hier von einer schier unglaublichen Menschentraube umringt ist. Ein Taschendieb muss sich hier wohl wie Alice im Wunderland fühlen. Wie gut, dass ich noch unlängst im Trekkingshop eine hinter dem Gürtel verstaubare Bauchtasche käuflich erworben habe. Auch der Brustbeutel, in dem sich Reisepass und andere wichtige Dokumente eingefunden haben, vermittelt wohl kaum Sicherheit – denn immerhin ist die Schnur um meinen Hals unverkennbar verräterisch. Nach wiederholten zunächst rauh geführten und dann mit einer Ur-Plötzlichkeit in freundschaftliche Heiterkeit umschlagende Feilschereien quetscht man ca. 15 Koffer, Rucksäcke und Taschen in den kleinen Kofferraum des Peugoets und bittet uns, bereits Platz zu nehmen, während weitere Fahrgäste des Taxis eingefangen werden sollen. Den kleineren Rucksack, welcher meinen Laptop enthält, den ich mitgenommen zu haben nun fast bereue, habe ich behalten und halte ihn wie ein Schmuckstück fest zwischen meinen Beinen eingeklemmt.

Durch das Fenster reichen mir freundliche Gestalten die verschiedensten Verkaufsgüter. Von gut zu gebrauchenden Uhren erster Qualitätsstufe aus China über praktische Plastikfiguren aus Thailand bis zu wohl seit Jahren nicht mehr haltbaren Sugar-Biscuits von irgendwo wird alles zur Ansicht und Übereignung dargereicht. „Eh, Monsieur, 100 Franc CFA, d’accord ?“ ... „Non merci, j’en ai pas besoin“ geht es unaufhörlich hin und her. Zwischenzeitlich kommen zwei süsse tiefschwarze Mädchen von vielleicht 16 Jahren ans Fester und lassen mir bewusst tiefe Einblicke in ihre Weiblichkeit zu, fordern mich auf, doch auszusteigen, um mit ihnen zu tanzen ... ou bien peut-être autre chose... Ich entgegne ihnen, dass mir ihr Vorschlag doch ein wenig zu heiß sei... und das wohl nicht nur im Hinblick auf die Skala des Quecksilbers.

Lautstark hupend setzt sich das urtümliche Gefährt nach ca. einer Stunde in Fahrt, in dem neben Pa, dem Fahrer, den der Moneytaker zwischenzeitlich vom Kaffeschlürfen und Plaudern aus irgendeiner Menschentraube geholt hat, noch weitere 5 fünf Personen Platz genommen haben. Nachdem wir unzählige Menschenansammlungen sowie doppelt so viele Schlaglöcher umfahren haben, holt der, wie sich herausstellt, gambischer Sitznachbar zur Rechten ein Dokument aus seiner Plastiktüte, als er mitbekommen hat, dass ich aus „German“ stamme. „I have been to German, yu know, it’s a very nice place German, yu know, that’s why I luv it, yu know, definately“... I was married before, but then I got divorced and now I have a wife in Berlin, yu know, we are not yet married, but we have a small child, some weeks ago, very lovely, yu know“. Das Dokument bringt in seinem Briefkopf die Adresse der deutschen Botschaft in Dakar zum Vorschein. In bestem Amtsdeutsch steht dort in etwa geschrieben „Ich erkenne hiermit meine Vaterschaft für das Kind ... nach § 15... BGB an, weiß um die erb- und familienrechtlichen Folgen ich verzichte auf die Hinzuziehung eines Dolmetschers etc. Dakar, den...“

Am Ende des Markts fahren wir an einem kleinen pechschwarzen Jungen vorbei, der ein rotes Trikot mit einer Nummer und dem Namen „Effenberg“ verziert trägt, was zwei der Fahrgäste unseres Autos laut „Baierrn Mühnschen“ schreien lässt, worauf der Träger des Stückes Stoff feundlich-stolz lächelnd hinter uns her winkt.

Auf der (noch) gut ausgebauten Straße, schlängelt sich der Fahrer gekonnt dreist durch die verschieden Mobiles verschiedenster Couleur. Von großen MAN-Lastern über schäbige 190er-Mercedes bis zu verschimmelten Peugeots wie dem unsrigen sowie vereinzelt auch Eselkutschen ist hier eigentlich so ziemlich alles vertreten.

Meine Augen scheinen sich nicht einmal für einen Augenblick schließen zu können, so wundersam ist alles um mich herum: Meine sieben schwarzen Gefährten, die sich lautstark in der durch die verschiedene koloniale Vorgeschichte besonders zwischen Gambiern und Sengalesen gebrauchten Verkehrssprache Wolof unterhalten, die rauschende islamisch wirkenden Musik aus dem leiernden Radio unserer Metallkutsche, die Landschaft, die Leute, welche am Rande der Straße Hütten oder Ähnliches aufgebaut haben, um dort zu leben oder Geld zu machen, die Unerschrockenen, welche sich waghalsig zwischen den vielen Autos bewegen, meistenteils mit scheinbar tonnenschweren Lasten auf dem Kopf... welcome to Afrika, small white boy !!

Bei alledem kommen mir die Worte des Klappentexts meines Reiseführers wieder in den Sinn, welche ich später noch einmal nachschlage:

„The Gambia and Senegal are an ideal gateway to the diversity and cultural richness of West Africa. Discover the fringes of the Sahara, immerse yourself in Banjul’s vibrant Albert market, or soak up the fades elegance of St-Louis‘ imperial past...“.

Hier scheint man nichts nicht erwarten zu können, da ohnehin alles anders kommt als man denkt, nichts ist unmöglich und Unmögliches gibt es nicht!

Nach ca.1 Stunde entkommen wir den schlimmsten Wirren des „Little Paris“ und fahren daher immerhin mit ca. 60 km/h, was ich allerdings nur schätzen kann, da der Tachometer – wie wohl auch einiges anderes im Auto – nicht funktionsfähig ist. Jeweils durch ein Klappern der rechten Hintertür aufmerksam gemacht, fordert der Fahrer den jungen Vater, der laut eigenen Angaben in Gambia ein bekannter Rap-Musiker ist, auf, doch die Tür noch einmal fest zuzuknallen, sofern er auch weiterhin noch die Präsens unter den Reisenden genießen wolle...

Am Rande der Straße wird die Flora zunehmend kahl. Der Boden ist trocken und staubig. Die teils recht großen Baobab-Trees beherrschen die Szenerie vermischt mit einigen kleineren Büschen und größeren und kleineren Steinen. Ein ziemlich karges Stück Landschaft.

Dann und wann taucht eine kleine Siedlung auf. Neben einer Umzäunung aus Stöcken erkennt man diese auch von weitem an ihren kreisrunden Strohdächern, welche auf die viereckig gesetzten Stein- oder Lehmmauern positioniert sind. An der Straße sieht man hier und da auf kleinen Bänken oder mit dem Rücken an einen hölzernen Schattenspender gelehnt ältere Männer und Frauen, welche ihren Nachwuchs säugen sowie umhertollende Kinder und grasende Ziegen oder schlafende Hunde.

Die Menschen, die ich hier erblicke, scheinen so gelassen, als gäbe es keine Zeit. Ich denke unwillkürlich an die Worte meines Münsteraner kamerunischen Mitbewohners und Freundes „Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit“, welche nun offenbar mit Leben erfüllt eine ganz andere Bedeutung für mich bekommen.

Noch immer kommt sie mir wie ein Traum vor, diese Welt, durch die ich gefahren werde. Die Natur, so fremd, freundlich winkende Menschen am Straßenrand, die darauf warten, dass ein Taxifahrer als Dank für das Stopfen eines „Pot holes“ ein paar Francs CFA oder Dalasi aus dem Fenster wirft... Diese teilweise extrem tiefen Löcher im Asphalt, welche der Fahrer mit Kauwurzel im Mundwinkel jeweils durch halsbrecherische Ausweichmanöver in Elchtestmanier zu umschiffen sucht, lassen mich jedesmal auf einen Achsenbruch warten. Bislang glücklicherweise vergeblich. Bei den ca. 40 °C, die in dieser kargen Landschaft herrschen, will ich mit meiner noch im Hotel erworbenen, kostbaren Sprudelflasche, welche bereits weniger als halb voll ist, nicht unbedingt die Ausdauer des menschlichen Wesens ohne Wasser ausreizen.

Zweimal halten wir an, damit die Fahrgäste einen Meter neben dem Wagen dem Urinieren frönen können, was den weiblichen Fahrgast nicht zu verwundern scheint. Auch ich wage mich einmal aus dem Schatten spendenden Metallkasten heraus, der bei Fahrt noch erträglich erscheint. Die Sonne scheint hier im westlichsten Afrika eine unglaubliche Kraft zu besitzen. Es wäre verwunderlich, wenn hier nicht einige Naturreligionen dem Sonnengott frönen.

Die größeren Siedlungen auf unserem Weg seit Dakar heißen Mbour, Fatick und Kaolack, gefolgt von Passi, Sokone und Toubakouta. Ab und zu sieht man am Straßenrand Schulkinder auf ihrem kilometerlangen Marsch oder es tauchen ältere Männer in bunten Gewändern und interessanten Kopfbedeckungen auf, welche durch ihren kleinen Gebetsteppich unter dem Arm verraten, dass sie gerade aus der Moschee kommen – oder dort hingehen. Bei überwiegend muslimischer Bevölkerung wird sich dieses Bild für mich wohl zur Normalität verändern.

Nach ca. 5 Stunden Fahrt, während der ich mehrere Male Angst habe, unser Wagen könnte sich überschlagen, als der Fahrer den nicht endenden Schlaglöchern ausweichend das Auto mit der rechten Seite mutwillig in den Straßengraben lenkt und damit den Schwerpunkt des Gefährts mehr als auszureizen scheint, kommen wir endlich an die Grenze zwischen dem Senegal und Gambia.

Nachdem ein Customer zunächst sehr mißtrauisch meinen großen Rucksack beäugt und mich zum Öffnen des kleineren auffordert, wird er auf einmal sehr freundlich, als der den Laptop erblickt. „Ok, no problem, you can go“, erfahre ich von ihm. Pa lässt sich aus Wut über das Durchsuchen seiner Sachen auf eine hitzige Diskussion mit einem dicken Beamten ein, sodass ich schon fast fürchte, er würde nicht ins Land gelassen, – jedoch löst sich alles genau so schnell wie aufgetaucht wieder in afrikanisches Wohlgefallen auf. Nächste Station ist ein kleines Häuschen, in das ich zum Eintragenlassen eines Stempels hineinzugehen aufgefordert werde.

Aus Angst, dass sich hier die im Vorfeld meiner Vorbereitungen von der zuständigen deutschen Botschaft in Dakar erhaltene Warnung über das problemreiche Einreisen ins Land bewahrheitet, besinne ich mich auf die von mir manchmal angewandte „Doctrine of brutal friendliness“. Als ich das Office betrete, blickt mich etwas verdutzt ein kleiner schmaler Beamter hinter einem Schreibtisch an, der gerade ein Schwätzchen mit einem „local inhabitant“ hält. Sofort gebe ich beiden einnehmend die Hand und frage unvermittelt danach, ob ich nicht von diesem tollen Büro mit ihm in seiner „very very beautiful uniform“ ein Photo machen könne. Als der Mann voller Stolz selbige zurechtrückt, um einen photogenen Eindruck zu machen, weiss ich, dass ich gewonnen habe...

Wie sich hinterher herausstellt, war Pa mit dem gebauchpinselten Grenzbeamten vor einigen Jahren in Sierra Leone stationiert als Mitglied der sog. UNOMOC-Truppe zur Konsolidierung eines der unzähligen Friedensabkommen zwischen den Rebellen mit ihren Scharen an Kindersoldaten und der nicht viel integeren Regierung des verworrenen Landes. Ich lichte beide alten Freunde ab. Der Stempel wird mir beiläufig in meinen Reisepass gedrückt, während eine kleine Lobeshymne über Germany ergeht. Dem befriedigten Beamten herzlich dankend und die Hand mehrmals schüttelnd verlasse ich das Büro und besteige, nachdem ich einige Gestalten, welche mir einen (für sie) äußerst vorteilhaften „money change“ anbieten, abgeschüttelt habe, ein anderes Auto mit gleichem Fahrer sowie gleicher Besetzung, da unser altes Gefährt nur im Senegal fahren darf.

Diesmal darf ich auf die Rückbank, wodurch ich den Kopf und die Beine einzuhiehen gezwungen werde, während ich versuche, meinem Gesicht mit schwitzender Hand ein wenig Schatten zu spenden.

Glücklicherweise kommen wir bereits nach einer Stunde an der Mündung des Flusses Gambia an. Der Punkt afrikanischer Vielfalt heißt Barra. Der hier mit seinen Stahlarmen in den Himmel ragende „Ferry Terminal“ dient mit seinen zwei Fähren dem Überqueren des Stroms, um in die Hauptstadt Banjul zu gelangen. In einer riesigen Menschenmenge, in der ich der einzige weisse Fleck zu sein scheine, warte ich nun mit meinem schwarzen Engel Pa, ohne den ich hier wohl viel (Angst-)Schweiss gelassen hätte. Anstatt wie im Reiseführer eindringlich warnend beschrieben als „easy target“ eines Taschendiebstahls zu enden, komme ich durch Vermittlung von Pa abwechselnd ins Gespräch mit ca. 20 Schwarzen, welche mich alle freundlichst begrüßen und mir jeweils mehrmals die Hände schütteln und sehr „happy to see me“ sind. Als Pa dann einige Aufmerksamkeit – nicht nur seines fremden Gastes sondern auch seiner (lautstarken) Erzählkunst wegen – auf sich gezogen hat, gibt er vor drei etwa 25jährigen an, er habe in Germany in Dortmund, also einer Stadt, schon einmal Schnee gesehen. Die drei lachen zunächst lautstark über so einen puren Blödsinn, doch als ich dann als Kronzeuge diene und ihnen versichere, dass es bei uns manchmal auf den Wiesen und selbst den Straßen wegen des Schnees weiß sei, schütteln sie staunend den Kopf und fahren sich wegen der vorgestellten Kälte dieser komischen Vorgänge in Germany reibend über den unter dem langen Gewand versteckten Bauch, welcher übrigens bei allen drei als Zeichen einer gewissen Prosperität bereits ein wenig viel zu groß ist.

Nachdem die Fähre, welche eigentlich um 18 Uhr ankommen sollte, dann endlich um 19.40 Uhr herannaht, wünsche ich mir, sie wäre es lieber doch nicht. Pa versichert mir, dass dieser rostige Koloß ständig dazu diene, die Menschen sicher von Barra nach Banjul zu bringen und dass die Fähre mit dem Tanklastzug und anderen Lkws sowie den ca. 500 Leuten doch auf keinen Fall überladen sei. Welcome to Afrika, honey! Nach der Fahrt, welche als nur 30 Minuten dauernd angepriesen nach 1 ½ Stunden endet, muss ich abermals meinen Pass zeigen. Ich halte mein kostbares Gepäck in der sich demonstrationszugartig voran bewegenden Menschenmasse so fest wie ich kann. Das also ist Banjul ! Wow !

Banjul, Freitag, den 15. März 2002

Während ich mich noch nach den im Kolonialstil erbauten Häusern sowie der großen Menge von Menschen umschaue, entscheidet Pa sich für den etwa zehnten Taxifahrer, der uns zu überzeugen versucht. Dieser bringt uns zunächst zu einer Straße, in der eine alte Frau wohnt.

Diese soll uns „weissagen“, wo sich die „Banjul Catholic Mission“ befindet, welche zwar meine Behausung darstellen soll, jedoch adressentechnisch weder Pa noch dem Taxifahrer bekannt ist. Wie sich später herausstellt, liegt dies wohl mit daran, dass in Banjul in letzter Zeit einige Straßen umbenannt wurden. Auch ich war bislang blauäugig davon ausgegangen, dass die Mission in der 50.000-Stadt wohl jedem bekannt sein müsse und konnte wenig hilfreich nur mit P.O. Box-Number dienen.

Die gute Frau schickt uns ihre Tochter mit ins Taxi und diese führt dann den Taxifahrer durch die nun um 20 Uhr nach einer nur eine Viertelstunde dauernden Dämmerung bereits durch nächtliche Dunkelheit geprägte Straßenvielfalt bis in die Hagan Street – welche nun offiziell Daniel Goddard Street heißt, jedoch von niemanden so genannt wird.

Der verantwortliche Priester Father Pascal Mendi befindet sich zwar wider anderer Verlautbarungen gerade in einer entlegenen Provinz, jedoch erweisen sich die Öffnenden gleich als sehr freundlich. Nachdem ich voller Dankbarkeit den guten Pa in die Arme schließe und dieser per Taxi in sein Heimatdorf Kololi fährt, wird mir umgehend mein Zimmer gezeigt.

Dieses stellt sich als durchaus geräumig, ordentlich, schlicht und sauber dar, sowie mit Moskitonetzen vor den Fenstern bestückt. Auch das Badezimmer ist vergleichsweise hygienisch, eine Tatsache, die wohl der katholisch geführten Häuslichkeit zu zuschreiben ist.

Alsdann werde ich von Joe, einem Senegalesen, der froh ist, sich mit mir in Französisch unterhalten zu können, in einen Aufenthaltsraum geführt, in dem neben mehreren Kreuzen und äußerst kitschig dreinblickenden doch ernst gemeinten Marienbildchen ein Fernseher mit Videorecorder auffallen. Hier blicken mich die nächsten drei Handshaker an, welche alle zwar interessante Namen haben, die ich völlig überfordert jedoch zunächst wieder vergesse.

Aus Höflichkeit schaute ich mir neben den wortlos sitzenden freundlichen Gestalten für eine Viertelstunde den schlechten amerikanischen 60-Jahre-Action-Film auf Video an, bevor ich mich dafür entschuldige, es vorzuziehen, mich nun zurückzuziehen.

Nachdem ich mir die braunen Hände im kleinen Waschbecken in der Ecke sauber geschrubbt habe, fülle ich meine Wasserflasche neben Wasser mit einigen Tropen „Certisil“ – Chlor mit Silberionen, welche den ungewohnten Magen vor tropischen Bakterien schützen sollen. Die guten alten Leibniz-Butterkekse, die ich auf Anraten Mamas widerwillig in den Rucksack gestopft habe, verleihen mir nun in wohltuender Weise ein stoffwechselphysiologisches Gefühl von Heimat. Mit Autan beschmiert und ins Moskitonetz gehüllt, verfalle ich gegen 22 Uhr trotz lauten Straßenlärms in einen tiefen Schlaf. Die Metamorphose vom Stein in einen brauchbaren Menschen vollzieht sich erst 10 Stunden später.

Banjul, Samstag, den 16. März 2002

Voller Bewunderung und Ungläubigkeit luge ich am nächsten Morgen hinter dem Vorhang hervor auf die Straße und verfolge den Weg der großen und kleinen schwarzen Menschen, der Tiere, die sie mit sich führen, der Mercedes- oder Peugeot-Karossen und anderer möglicher und unmöglicher Dinge, welche hier zu erblicken sind.

Als ich aus meinem Zimmer trete, werde ich freundlich von einem Menschen, den ich am Vorabend noch nicht erblickt habe, aufgefordert, zu frühstücken. Er heißt Gabriel und kommt aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Am Tisch sitzt bereits ein junges Ehepaar aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK, bis 1996 Zaire), welche hier in Gambia wie so viele wohl als Flüchtlinge Schutz suchen (Gambia hat den prozentual höchsten Anteil an Flüchtlingen in ganz Afrika, was eine Folge der mit extremer Heftigkeit geführten Bürgerkriege in Sierra Leone, Liberia, in der näheren Umgebung jedoch auch im zentralen Afrika in Angola, DRK und an vielen anderen Orten ist). Das Frühstück verläuft nahrungstechnisch betrachtet nicht außergewöhnlich – es gibt frisches Baguette mit Butter und heißem Tee. Das Tischgespräch, welches teils in Englisch, teils in Französisch geführt wird, schneidet viele Punkte an. Ich werde nach den Ansichten der Europäer über Afrika gefragt. Maßlos dem Euphemismus frönend gebe ich an, dass nicht alle Menschen in Europa sehr viel über Afrika wissen.

Erstaunt bin ich darüber, dass selbst im Senegal und in Gambia Namen von „Helbuth Koll“ und Geräth Schrodeer“ fallen. Erster war laut ihrer Einschätzung ein sehr sehr guter Mann. Und außerdem habe er nach seiner Wahlniederlage ganz einfach den Platz geräumt. Zwar ist dies bei der Machtübernahme von Prädident Diouf vor nicht all zu langer Zeit zwar auch im nahen Senegal geschehen, jedoch kann dies in den westlichen Medien bisweilen verwunderlich hochgelobte Ereignis wohl getrost als positive Ausnahme afrikanischer Politik angesehen werden. Als Beispiel dafür, dass es nur all zu oft anders läuft, kann nicht nur erwähnt werden der immer wieder zitierte 30jährige Despotismus des „großen Leoparden“ im damals noch Zaire heißenden Land, welches acht mal so groß wie Deutschland mit besten Rohstoffen wie Gold und Diamanten, Kohle und Mineralien einen der reichsten Menschen der Welt als Führer hatte, wohingegen die Bevölkerung mit dem Überleben beschäftigt war, sondern auch ganz aktuell die zu Beginn des Monats März 2002 geführte und kräftig manipulierte Wahl in Simbabwe, wo Präsident Mugabe nicht von der Macht lassen möchte. Jedoch soll sich dieser bescheidene Reisebericht nicht mit der politischen Bewertung afrikanischer Staatengebilde beschäftigen, für die sowohl Wissen als auch Erfahrung des Autors bei wohl als lückenhaft bezeichnet werden müssen.

Erwähnenswert bei diesem morgendlichen Tischgespräch ist noch die Deutung meines ghanaischen Tischnachbarn der Herkunft des HIV-Virus. Dieses, so meint er voller Überzeugung, sei zweifelsfrei ein gewolltes Produkt der Labors des FBI, da es als biologische Waffe eingesetzt werden solle. Durch Experimente an Gefangenen habe sich das Virus dann ausbreiten können. Gleichzeitig wird dazu das auch mir bereits bekannte teilweise im westlichen Gefilden vertretende Gegenstück präsentiert, dass der Krankheitserreger sich aus einer unheimlichen Kohabitation zwischen Menschen und Affen des afrikanischen Urwalds entwickelt habe. Die letzte Theorie, so mein Lehrer, sei allerdings lediglich ein Versuch des „West“ (womit wohl am ehesten die USA gemeint sind), alles Schlechte auf Afrika abzuwälzen und diesem Kontinent die Schuld an „all these negative things“ zu geben. Nachdem ich meine Gesprächspartner darüber beruhigen habe können, dass die „Mad cow disease“ in Europa fürs erste gebannt sei, und somit wohl keine virulente Gefahr für den afrikanischen Kontinent bedeute, löst sich die interessante Runde langsam auf.

Ich wage mich auf den inzwischen erhitzten Innenhof und treffe auf den Gärtner der Mission, einen Mann, der mir abgesehen von seiner Freundlichkeit durch die dunkel-violette Farbe seines Zahnfleisches, in dem sich noch etwa 10 (faule) Zähne befinden, auffällt. Er zeigt mir das Gelände und steigt mit mir auf den ca. 40 Meter hohen Turm der Kathedrale, von dem ein herrlicher Blick auf ganz Banjul möglich ist. Nachdem mir der Mann versichert hat „I like you, you are a very nice boy, I can see that“, betrete ich die Kathedrale selbst, welche mich durch Größe wie Eleganz erstaunt. Wie ich erfahre, wurde all dies vor etwa 150 Jahren von Spaniern erbaut. In einer der Kirchenbänke unterbricht ein betender Mann seine Worte und grüsst mich leise. Ich gebe ihm die Hand und höre, dass er aus Nord-Nigeria stammt. Hier in der Mission und der Kathedrale wolle er seinen „spiritual peace“ wiederfinden, welchen er durch „many problems“ verloren habe. Welcher Natur diese sind, frage ich aus Höflichkeit nicht. Neben dem Einsatz in einem der dutzend sub-saharischen Kriegsherde als Unterstützung der einen oder anderen Partei, ob als UNO-Truppe oder nationales Kontingent wie auch dem Beklagen von Opfern der kürzlichen Explosionskatastrope in südnigerianischen Lagos gibt es wohl viele Möglichkeiten, die in Nigeria zur Sorge Grund sein können. Auch könnte vielen Menschen nicht so wirklich gefallen, dass in einigen Provinzen Nigerias die Scharia eingeführt wurde – und erwartet wird, dass diesem Beispiel andere Teile des Landes folgen werden. In einer auf dem Tisch liegenden Zeitung erblickte ich just am heutigen Morgen das Bild einer bis zur Brust eingegrabenen Frau, die wegen angeblichen Ehebruchs in irgendeinem nigerianischen Landstrich gesteinigt wurde.

Nach dem schmackhaften Mittagessen, bestehend aus chinesischem Reis und einer Soße aus Spinat, Fisch und viel Palmöl, lege ich mich erschöpft von allem Neuen und der Hitze abermals zur Ruhe.

Danach trete ich wieder in den Hof und treffe weitere Leute, die mir bislang unbekannt sind. Sie setzen sich zu mir und fragen mich über das Leben in Deutschland und berichten darüber, dass die immer hörten, dass Deutschland mit Abstand das reichste in Europa sei, dass dort die meisten Leute einen Mercedes fahren und die Autobahnen keine Löcher haben. Auf meine Anmerkung, dass sich einen großen Mercedes eher nur die reichen Leute leisten können, wird mir die Frage erwidert: „Aren’t they all rich there in Germany?“.

Kurz bevor es dunkel wird, erfahre ich noch auf meine Bemerkung hin, dass vor dem Haus von gegenüber so viele süsse kleine Kinder herumtollen (es sind etwa 30), dass das Haus dort „UNICEF“ genannt werde. Dort, sagt mir Joe von der Mission, lebt ein Moslem mit 6 Frauen. „Deshalb hat er auch so viele Kinder“.

Das schmackhafte Abendessen besteht aus Kartoffeln, Baguette und Rindfleisch. Ich lerne einen der Priester, Father Bruno, kennen und errege beim Tischgespräch Erstaunen mit der Tatsache dass ich kein Handy besitze... im Gegensatz zu drei der 4 anderen Personen im Raum.

Banjul, Sonntag, den 17. März 2002

Es ist Sonntag, und daher gehe ich nach kalter Dusche und Frühstück über den Innenhof der Mission in die Kathedrale. Kurz vor 10 Uhr ist diese bereits gut gefüllt. Neben Männern und Frauen jeden Alters fallen insbesondere die vielen Kinder auf, die alle schick gekleidet auf den hölzernen Bänken des Gotteshauses Platz genommen haben oder gerade Hand in Hand mit einem kleinen Geschwisterchen dort hinein strömen. Neben mir Bleichhaut haben sich unter den ca. 300 Kirchenbesuchern vier weitere Weiße eingefunden – Touristen, wie man unschwer an der typischen Bekleidung erkennen kann. Ich selbst habe sogar mein weißes Hemd und die schwarzen Schuhe aus dem Rucksack gekramt.

Stola und Tabernakel sind der Fastenzeit angemessen in dunklem Violett gehalten. Ein kleiner Chor singt von der Orgelempore. Später erfahre ich, dass die von mir vermissten afrikanischen Trommeln erst nach dem Osterfest wieder zum Einsatz kommen werden. Dann, so verspricht mir Father Bruno, sei der Gottesdienst wieder lebendiger.

Nach der Messe werde ich freundlich von einer Heerschar von Jugendlichen zur sog. Youth-Versammlung eingeladen. Es soll heute besprochen werden, wer wie wann wo das geplante Fußballspiel gegen eine Nachbargemeinde organisieren soll. Die interessante Körpersprache der mitunter lautstark argumentierenden, sich gegenseitig ständig im Redefluß unterbrechenden Jugendlichen ist sehenswert. Zur visuellen Unterstützung des zu Sagenden werden jeweils Arme und Hände bewegungsreich in das Vorbringen des angeblich wichtigsten Arguments mit eingebracht.

Nach fröhlicher Auflösung der turbulenten Runde, werde ich von Philip, einem Pristeranwärter, gefragt, ob ich Lust habe, mit ihm zu einer befreundeten Familie zu gehen. Nicht lange überlegend gehe ich mit ihm mit und überquere sonnengeblendet die verschiedenen unüberschaubaren und gefüllten Straßen der Hauptstadt.

Von größeren Straßen biegen wir in kleinere, von diesen wiederum gelangen wir zu nicht geteerten, sandigen Nebenstraßen, die eigentlich eher als ein Pfad bezeichnet werden könnten. Da hier die Kanalisation an vielen Stellen offen zu tage liegt, beschweren sich dann und wann die Sinneszellen meines Riechorgans, was ich jedoch gerne in Kauf nehme bei all dem Fremden, Neuen, Interessanten, was das Auge hier zu sehen bekommt. Die Kinder, die uns über den Weg laufen, geben mir spontan die Hand und oder fassen bewundernd mein nach der Messe nicht gewechseltes weißes Hemd an. Von den meisten hört man dazu noch ein wenn auch eher rhetorisches so doch freundliches „How are you ?“.

Nach ca. 10 Minuten gelangen wir an ein durch Sauberkeit und durch die frisch gestrichene Wände auffallendes Haus. Die Tür steht offen, und Philipp fordert mich auf, hineinzugehen.

Ich gelange offensichtlich direkt ins Wohnzimmer. Auf zwei Couchen erblicke ich eine ältere Frau größeren Ausmaßes, eine weitere mittleren Alters, sowie drei breit grinsende Mädchen, eines hübscher als das andere. Alle begrüßen mich sehr herzlich mit Handschlag und geleiten mich mit Philip direkt zum Tisch im hinteren Teil des Raumes. Hier wird mit einladenden Worten ein Fischgericht namens „Ebbeh“ mit einer unglaublich schmackhaften Soße und Rindfleisch serviert, welche wir, da hungrig, beide gerne verschlingen, worüber die Hausmutter sehr zufrieden zu sein scheint.

Danach werde ich freundlichst mit auf die Couch eingeladen, wo ich Beobachter der familiären Sozialisation werden kann. Mit Fürsorge, gepaart mit pflegelhaften Albereien, Käbbeleien haben alle Beteiligten sichtlich ihren Spaß. Es wird ausgiebig mit der Oma geschmust, mit Mama gekitzelt und mit den Schwestern gekichert. Aus Rücksicht auf den fremden Gast werden in die englische Konversation nur sehr wenige Worte der Wolof-Sprache eingestreut. Ich werde abermals über das Land meiner Herkunft gefragt und darüber, ob es dort wirklich manchmal so kalt sei. Man habe schließlich gehört, dass es dort manchmal fast 0 °C sein soll, unglaublich !

Alsbald werde ich durch das ganze Haus geführt, welches allerdings bei genauerem Hinsehen recht überschaubar ist. Neben dem Wohnzimmer, in dem sich neben den Couchen und dem Eßtisch ein großer Fernseher befinden, in dem gerade CNN läuft, gibt es noch zwei Zimmer, die wohl als Kinderzimmer funktionieren, sowie ein winziges Badezimmer neben dem Elternschlafzimmer. Spannend ist auch der Balkon, der praktischer Weise fast um das gesamte Haus herumgebaut ist und daher herrlich als Abstellkammer und Wäschetrockner in einem benutzt werden kann. Da die umliegenden Gebäude, welche wohl eher die Bezeichnung Hütten verdienen, niedriger gewachsen sind, hat man einen relativ guten Ausblick auf zwei direkt benachbarte Moscheen.

Ich werde eingeladen, mich zur Mutter und einem Bekannten aufs Bett zu setzen. Neben den gewohnten Fragen zu Deutschland wird abermals das Bedauern darüber geäußert, dass die westlichen Medien stets ein so stark negatives Bild über den afrikanischen Kontinent zeichneten. Bei den Dingen, die in Europa angeblich allen über Afrika bekannt sind, zähle ich unter anderem Nelson Mandela auf, dessen Biographie der interessierte Mann zu meiner Rechten gerade liest.

Bereits nach ca. 1 Stunde hat die älteste Tochter abermals ein schmackhaftes Essen zubereitet, diesmal aus Kartoffeln mit einer ebenfalls extrem fremden und scharfen, jedoch sehr mundenden Soße bestehend. Ich esse mit den Töchtern des Hauses auf Töpfen sitzend in der Küche mit Fingern. Ich staune, wie geschickt die Mädels sich die besten Stücke aus den für meine ungewohnten Fingern heissen Kartoffeln herausfischen. Knochenstücke der Soße werden gekonnt knapp vor den Topf auf den Boden gespuckt, welcher später einfach wieder gefegt wird. Obwohl ich dieses Haus erst vor vielleicht 2 Stunden das erste Mal betrat und unsere Welten bisher wohl nur relativ wenig gemeinsam hatten, sitze ich wie ein alter Bekannter in der Runde, der mit in die Scherze und Flacksereien eingebaut wird.

Ein weiterer Bewohner der Mission, der sich inzwischen in das gastfreundliche Haus gesellt hat, heißt ebenfalls Gabriel, weshalb dieser nun „Gabriel Number One“ gerufen wird und ich auf den Namen „Gabriel Number Two“ höre.

Zwischendurch lauschen wir vor dem Fernseher den Worten der aus Marokko stammenden First Lady des Landes, die gerade auf einem „National Women Meeting“ über die Ursachen und Auswirkung von HIV/AIDS referiert, unterbrochen von mehreren traditionellen Tanz- und Trommeldarbietungen, über die meine Sitznachbarn sehr amüsiert zu sein scheinen. Wahrscheinlich rümpfen sie ebenso die Nase wie jemand aus dem Ruhrpott, der einen bayrischen Schuhplattler in Lederhosen sieht...

Von Gabriel werde ich auf dem Balkon über das Sexualverhalten der deutschen Frauen ausgefragt, bevor wir dann gegen 18 Uhr auf dem Balkon anfangen, Karten zu spielen, wobei ich neugierig zuschaue, wer wen am besten zu betrügen vermag. Wird jemand dabei erwischt, wie er am Ende einer Runde beim Auszählen der Punkte Karten unter T-Shirt oder Bein versteckt hat, wird er mit viel Lachen und gespieltem Protest vertrümmt. Auch das Hausmädchen und ihr kleiner Sohn scheinen eigentlich doch eher vollwertige Familienmitglieder zu sein. Gambisches Familienleben pur ! Und schon wieder bin ich unglaublich froh, dass ich nicht zu den Touristen gehören muss, die einige Kilometer entfernt im klimatisierten Hotel mit 4-Sterne-Blick auf den Strand hausen und wahrscheinlich – was man ihnen natürlich nicht vorwerfen kann – wohl niemals solch unverfälschte und nahe Einblicke bekommen wie ich es nun darf. Unbezahlbar ! Nach einer Stunde des stürmischen Spiels gibt es ein weiteres Mal ein weiteres schmackhaftes Essen in einer weiteren fröhlichen Runde der gemütlichen Küche. Alles läuft hier in einer unglaublichen Harmonie ab. Jeder Pädagoge würde hier wohl Lobeshymnen über das vorbildliche Sozialverhalten der Interakteure anstimmen.

Gegen 21 Uhr abends wird Philip, Gabriel und mir noch die Ehre zuteil, von den drei Mädels bis in die Mission zurück begleitet zu werden, nicht ohne vorher einen herzlichen Dank der guten Hausmutter für den Besuch sowie eine Einladung für „whenever you may want“ bekommen zu haben. Ein solches wird bestimmt kommen...

In der Mission gehe ich nach einem erfrischenden Gutenachtgespräch auf Französisch mit dem netten Jean aus der DRK in das Reich des Moskitonetzes, um ausgeruht für den ersten Tag des Praktikums zu sein.

Banjul, Montag, den 18. März 2002

An einer größeren Straßenkreuzung in Banjul City nehme ich gegen 8 Uhr Morgens eines der gelben Taxis. Der ausgehandelte Preis bis zum „UN House“ in Cape Point, Bakau beträgt 50 Dalasi (ca. 3,50 Euro). Der Fahrer stellt sich mit Youssuf vor und läßt verlautbaren, dass ich von nun an sein Freund sei. Mit zur Freundschaft gehört selbstverständlich, dass er mir anbietet, mich jeden Tag an der Mission abzuholen und am Abend wieder dort hinzubringen. Da ich gehört habe, dass es auch einen Minibus geben soll, der in etwa die gleiche Strecke fährt und dies für nur 4 Dalasi, lasse ich ihn wissen, dass ich sehr unregelmäßige Arbeitszeiten habe und daher keine genauen Absprachen mit ihm treffen könne.

Am von der Mission etwa 10 Kilometer entfernten „UN House“ angelangt, schreite ich am freundlichen Torwärter problemlos vorbei. Ich werde zum Mister Salifu Jarsey gebracht, welcher mein „Internship Supervisor“ sein wird. Dieser erweist sich als sehr freundlich und stellt mich sofort dem gesamten UNICEF-Team vor, welches in ca. 20 Büros in der 2. Etage des Hauses residiert. Neben dem obligatorischen „How are you ?“ höre ich mehrmals ein herzliches „You’re fully welcome to the Gambia“.

Die etwa 20 UNICEF-Mitarbeiter sind bis auf zwei Ausnahmen alle Gambier. Zu den Ausnahmen zählt auch Ms. Maria Theresia Hevia, die „Representative“ von -Banjul sowie Landesleiterin in Personalunion. Die herzliche Dame in den frühen 50igern aus Santiago de Chile begrüßt mich mit einem „I’m happy to see you alive“. Sie warnt mich sofort vor dem Verzehr von ungekochten Früchten und dem Konsum von aus möglicherweise zweifelhaften Quellen stammendem Wasser, da in der letzten Zeit wieder vermehrt ernst zu nehmende Krankheiten in verschiedenen Teilen des Landes ausgebrochen seien.

Alsbald werde ich in den Raum gebracht, der von nun an meinen Arbeitsplatz darstellen soll. Am Ende des geräumigen Zimmers sitzt bereits eine freundliche schwarze Frau an einem Computer. „Oh, this is my new room mate!!“ begrüßt sie mich stürmisch. Ich werde aufgefordert, an dem zweiten Schreibtisch Platz zu nehmen, welcher mich wie das ganze Zimmer als sehr konfortabel und modern in Empfang nimmt. An den verschiedenen Wänden stehen Regale, vollgestopft mit verschiedenen Büchern mit Titeln wie „Deseases in Afrika“, „Food and Agriculture Organisation-Statistics for the year 2001“ „Child Labour in the 3rd World“ etc.

Mein Supervisor Salifu erklärt mir meine bisher nur durch E-Mail-Kontakt beschriebene Aufgabe. Die Republik Gambia hat 1990 die „Convention on the Rights of the Child“ (Kinderschutzkonvention der UNO) ratifiziert, und ist dadurch die Verpflichtung eingegangen, seine nationalen Gesetze an die in der Konvention niedergelegten Bestimmungen anzupassen. Auch nach nunmehr ca. 11 Jahren ist auf diesem Feld allerdings noch nicht all zu viel passiert, lässt mich Salifu wissen. Mir soll nun obliegen, das nationale gambische Gesetzessystem auf Schutzlücken bzgl. Kinder zu untersuchen und dann ggf. Empfehlungen abgeben, wie diese durch Modifizierung oder Neuschaffung von Gesetzen behoben werden können. Zwar habe ich von der Konvention noch kaum, vom gambischen Gesetzessystem noch überhaupt keinen blassen Schimmer, aber auf jeden Fall hört sich das alles extrem spannend an... Auch wenn aus meiner Arbeit mit Sicherheit nur kleinste Ansätze entstehen werden, so ist dies, denke ich mir ein wenig stolz, doch immer noch besser, als sich im Ordnungsamt Münster am Verfassen einer Ordnungsverfügung wegen Falschparkens im Innenstadtbereich zu versuchen...

Kurz nachdem diese Gedanken durch meinen Kopf geschossen kommen, betritt ein kleiner dicker schwarzer Mann ganz aufgeregt das Büro. Er unterhält sich zunächst mit meiner „Room mate“, welche den lustigen Namen Lisong Bah trägt, auf Wolof und erklärt mir dann kurz darauf auf Englisch, dass in einer der Provinzen des Landes eine Meningitisepidemie ausgebrochen sei und bereits mehrere Dörfer davon betroffen seien. U.a. UNICEF obliege es nun, so erklärt er mir, in diesen Regionen mit zwei Ärtzte-Teams das Schlimmste zu verhindern. Eines von ihnen soll Impfungen an die noch nicht Betroffenen verteilen, das andere soll die bereits Kranken notdürftig mit medizinischer Hilfe versorgen.

Nachdem der Mann das Büro Nr. 210 verlassen hat, bekomme ich von Salifu einen ganzen Stapel von Akten auf den Tisch gelegt. Hier finden sich eingehende Informationen über das Land, erste Stellungnahmen der Regierung sowie des Genfer „Commitee on the Rights of the Child“ hinsichtlich der Kinderschutzkonvention etc. Mit meinem dicken Lexikon bewaffnet mache ich mich an den Wust von Papier heran. Meine Arbeitszeiten hier werden von 8 Uhr morgens bis um 17 Uhr abends sein, Wochenende frei. Ich bin gespannt, wieviel ich in den 10 folgenden Wochen lernen werde...

Gegen Mittag merke ich, wie ich seltsam müde werde und leichte Kopfschmerzen bekomme. Dieses Gefühl verstärkt sich bis 17 Uhr zunehmend und ich bin daher froh, als ich das Büro um diese Zeit verlasse und nach dem Benutzen des Busses die Mission erreiche. Da ich den ganzen Tag noch nichts gegessen habe, stürze ich mich hier umgehend auf den Topf Reis auf dem Tisch. Danach gehe ich direkt ins Bett.

Banjul, Dienstag, den 19. März 2002

Am nächsten Morgen sind die Kopfschmerzen zwar weg, jedoch verspüre ich relativ starke Schmerzen im Bauch. Diese steigern sich rapide, sodass ich beschließe im Büro anzurufen, um dort zu sagen, dass ich wohl erst später kommen könne. Ich bleibe ansonsten verkrampft im Bett und warte auf ein Abklingen der zunehmenden Schmerzen. Nach ca. 4 Stunden fange ich an, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Die Schmerzen lassen sich im Unterbauch lokalisieren und ich denke bereits an eine Blinddarmentzündung. Inzwischen fangen meine Bauchmuskeln wegen der Schmerzen bereits an zu zittern. Ich versuche abzuwägen, was wohl schlimmer ist: Ein Appendix-Durchbruch oder eine Operation um selbigen zu verhindern – in Banjul, Westafrika, mit vermuteten Fliegen und Kakerlaken im OP...

Gegen 17 Uhr fährt mich dann Father Pascal Mendi zu einem privaten Artzt, dessen Praxis bis auf die übrigen Klienten eigentlich relativ gepflegt aussieht. Der Artzt tastet meinen Bauch ab und diagnostiziert recht schnell, dass es sich wohl einfach um eine bakterielle Infektion handeln könne. Er gibt mir diverse Tüten mit bunten Pillen mit. Ich schleppe mich immer noch bleich und schmerzverkrümmt ins Auto und schmeisse mich nach Einnahme der Chemiekeule aufs Bett und wispere noch schnell ein paar Worte des Dankes gen Himmel bevor ich langsam zunehmend vom Schmerz befreit dahinschlummere.

Banjul, Mittwoch, den 20. März 2002

Am nächsten Morgen sind weiterhin keine Schmerzen zu verspüren, jedoch bin ich extrem müde. Mit Absprache des UNICEF-Büros entschließe ich mich, erst am Donnerstag wieder zur Arbeit zu gehen. Der 35°C heisse Tag schleppt sich unter Einnahme weiterer Pillen, Wasser und trocken Brot dahin. Nicht wirklich besonders spannend...

Banjul, Donnerstag, den 21. März 2002

Heute habe ich mich wieder zur Arbeit aufgemacht. Ich schreite weiter mit der Lektüre über das Land und die bisherigen – bislang nicht sehr durchschlagenden Bemühungen um eine Angleichung des gambischen Gesetzessystems an die Bestimmungen der Kinderschutzkonvention. Am Nachmittag gehe zur Nachkontrolle beim Arzt; alles scheint in Ordnung zu sein. Auf dem Rückweg vom Arzt zur Mission erblicke ich auf einem alten Mercedes-Benz-Taxi einen großen Aufkleber mit dem Gesicht von Kumpel Osama Bin Laden. Ich frage mich, ob dies hier im religiös sehr gemäßigten Gambia wohl eine ernst gemeinte Symphatie-Bekundung ist oder eher nur eine nicht mit viel Überlegung angebrachte Huldigung für jemanden, „von dem man schon mal etwas gehört hat“... immerhin erspähte ich vorgestern an einem ähnlichen Gefährt mit gleichem Aufkleber direkt neben dem bärtigen Mann eine recht unseriöse Abbildung von Popsängerin „Madonna“ was wohl eigentlich nicht wirklich zusammenpaßt.

Banjul, Freitag, den 22. März 2002

Auf dem Rückweg von der Arbeit treffe ich im gewohnheitsmäßig mit ca. 16 Fahrgästen normal gefüllten Mini-Bus (diesmal ein roter Mitsubishi, auf dem noch blaß zu erkennen ist, dass er mal einer deutschen Klempnerei gedient hat), auf einen älteren Mann, der mir erzählt, er stamme aus dem Senegal. Sein Französisch ist brutal.

Er fragt mich, welcher Religion ich angehöre. Jovial bemerkt er, dass der Katholizismus auch für ihn als Moslem kein Problem sei. Überhaupt seien sich gerade diese beiden Formen von Religion ja sehr nahe. Nein, vielmehr sei es doch sogar so, dass es zwischen beiden keinen wirklichen Unterschied gebe... außer einem vielleicht: „Die Moslems beten fünf Mal am Tag, und die Christen nur einmal in der Woche am Sonntag“ ! Ich scheine einen theologisch fundamental tief Gebildeten vor mir zu haben.

Am Abend holt mich mein Freund Father Gabriel Secka zum Essen ab, den ich vor einiger Zeit in Münster, wo er mehrere Jahre studiert hat, kennengelernt habe und über den sich überhaupt die Möglichkeit für mich eröffnete, während meines Aufenthaltes in der Mission in Banjul zu wohnen. Wir fahren gemeinsam mit Joe und Edward, den ich wegen seines Namens stets nur mit einem „My distinguished Sir King Edward I.“ begrüße, nach Kololi, einem kleinen Küstenort, der stark vom Tourismus geprägt ist. Hier gibt es die meisten Hotels und Restaurants der Gegend, erfahre ich von meinen Mitstreitern. Auf der Straße sehe ich sehr viele weiße Menschen – ein Anblick, der mir aus Banjul City völlig fremd ist. „Scheiß Touristen“ denke ich mir (vielleicht ein wenig überheblich). Wir nehmen Platz im Restaurant Ali Baba und speisen Shrimps mit Chips und Salat. Lecker ! Während und nach dem Essen beobachten wir die vorbeiziehenden Leute. Hier sieht man langbeinige, schlecht geschminkte schwarze Pseudoschönheiten beim Balztanz um die Gunst der reichen fetten weißen Touris. Dazu fällt mir das kamerunische Sprichwort ein: „If you make yourself bananas, monkeys will eat you !“ Solche Monkeys lassen sich hier mehrfach beobachten. Dicke 50jährige Deutsche, Holländer oder Engländer mit einer 25Jährigen im Arm. Andersherum sieht man auch weiße Frauen im Vorruhestandsalter, welche im Arm von knackigen schwarzen Twenties liegen. „Shame on you“ denke ich mir. Hier scheint jeder Topf seinen Deckel und jeder Arsch seinen Eimer zu finden...

Banjul, Samstag, den 23. März 2002

Nach dem Frühstück mache ich mich auf in Richtung Bakau, wo ich zwei deutsche Bekannte besuchen möchte, die sich hier z.Z. aufhalten. Sie wohnen auf dem Gelände des britischen „Medical Research Center“. Das letzte Stück des Weges, das der Minibus von Banjul City nicht mehr befährt, nehme ich mir ein Taxi. Allerdings steige ich beim geschäftigen Fahrer nicht ein, bevor ich ihn auf ca. ein Drittel des zunächst geforderten Preises heruntergehandelt habe... Er wundert sich ein wenig, dass ich als augenscheinlich kleiner weißer Tourist so hartnäckig bleibe.

Vom Medical Research Center machen wir uns auf zum Stadium von Bakau. Dort findet heute eine Fußballspiel zwischen der besten Mannschaft Gambias und dem 1. Team aus Marokko statt – Champions League auf afrikanisch. Im Stadion befinden sich ca. 5000 gut gelaunte Gambier sowie eine Hand voll Marokkaner. Kurz vor Spielbeginn heulen plötzlich Sirenen auf und es fährt eine Flotte von böse aussehenden Jeeps vor. Aus einem von ihnen steigt die Gattin des Präsidenten Gambias aus. Sie ist marokkanischen Ursprungs und will daher wohl verfolgen, ob sich ihre Landsmänner wacker schlagen werden. Wahrscheinlich ist sie nicht unzufrieden, denn das Spiel geht mit 3 : 1 Treffern für die marokkanische Mannschaft aus...

Banjul, Sonntag, den 24. März 2002

Heute ist Palmsonntag. Ich habe von Joe eines seiner afrikanischen Hemden bekommen und wirke so ein wenig angeglichener. Es ist ganz angenehm, einmal kein europäisch aussehenden Hemd anzuhaben. Diese habe ich bei UNICEF innerhalb der Woche ohnehin ständig an. Die Kirche ist gut gefüllt mit so schick wie möglich in Schale geworfenen Schwarzen. Neben den buntesten Kleidern, interessanten Frisuren und kitschig rosa und goldenen Handtäschen erblickt man hier Krawatte bei Männern und Kindern. Neben dem irischen Priester bin ich die einzige Bleichhaut. Die Leute grüßen mich nett und wünschen mir ein fröhliches „Welcome“. Der schon etwas gealterte Priester hält eine Predigt, die leider mehr durch die Angst als durch die Einsicht der Menschen wirken soll. „If you don’t do this and that... than you’re also one of those you are crucifying Jesus.“, ruft der bemühte Mann vom Ambo. Als während der Predigt irgendwo ein Handy losklingelt maßregelt er den Betroffenen ärgerlich darüber, dass ihm ein schnöder Anruf wohl wichtiger sei als der liebe Herrgott. Man solle doch gefälligst sein Handy für die Messe ausschalten oder rausbringen...

Nach dem Verlassen der heiligen Hallen nehmen Joe und ich einen Minibus und fahren ca. 20 Kilometer bis zur Ortschaft Lamin, in der Father Gabou Secka im St. Peters Seminary wohnt. Er unterrichtet dort neben den Seminaristen auch viel an der weiterführenden Schule der Ortschaft. Das Gelände zeigt sich als sehr geräumig und vor allem, was man hier eigentlich nirgendwo sieht, als sehr sauber. Vergeblich halte ich nach dem gewöhnlich überall zu findenden Müll Ausschau. Im privaten Aufenthaltsraum von Gabriel schauen wir uns mit zwei anderen Bekannten auf Video die Priesterweihe Gabriels an. Diese war hier ein durchschlagendes Ereignis. Hunderte Menschen waren angereist, neben vielen Priestern anderer Orte auch Vertreter von Regierung und anderen Religionen.

Wir bleiben ca. 5 Stunden hier und ich habe viel Zeit mit Gabriel zu quatschen – übrigens auf Deutsch, denn der sprachbegabte Mann spricht ein sehr gutes Deutsch. Selbst seltene Vokabeln gehen ihm fix und fast fehlerfrei über die Lippen. Er ist in seinem Leben schon viel herumgekommen. Neben seinem Theologiestudium in Münster (7 Jahre) war er mehrere Jahre in Chile und Argentinien. Neben Deutsch, dem zu erwartenden Englisch sowie Wolof und Mandinka spricht er daher fließend Spanisch und auch noch ein akzeptables Französisch.

Er zeigt sich als ein sehr klarsichtiger Mann. Ich befrage ihn über viele Probleme des Landes. Auch kommt zur Sprache, dass, wie ich von verschiedenen Quellen bereits vernommen habe, das Verhältnis vieler katholischer Priester in Gambia und Senegal zum Prinzip des Zölibats ein recht lockeres sei. Gabriel zeigt sich darüber sehr betrübt. Wenn diese Priester so handeln, meint er, sei das natürlich kein sehr gutes Vorbild für die Menschen.

Er selbst hat hier dennoch Visionen, größere und kleinere. Zu der zweiten Kategorie gehört beispielsweise das Errichten eines funktionierenden Gartens auf dem Gelände des Priesterseminars. Von ein wenig gespartem Geld hat er bereits ein paar Schweine gekauft, welche friedlich in ein paar Ställen auf dem Compound grasen.

Später fahren wir nochmals in die „Senegambia Area“, in der wir schon am Freitag Abend zum Essen waren. Man schlürft ein köstliches Eis in einem schmucken Restaurant, dessen geographischen Standpunkt man just 30 Meter vor der Brandung des Ozeans gewählt hat. Elfenbeinweißer Sand, 3-Meter-Wellen, ein herrlicher Sonnenuntergang... was will man mehr an einem Sonntag Abend ?

Später begeben wir uns noch einmal in ein Restaurant namens Ali Baba. Hier spielt eine lustige Band gar keine so schlechte Musik. Die gewohnten schwarz-weißen Pärchen zeigen sich leider auch hier. Besonders abstoßend finde ich eine ca. 70 Jahre alte bestimmt 200 Pfund wiegende weiße Frau, die gleich von drei 20- 25jährigen Schwarzen umringt ist. Das bereits angedeutete Prinzip von „Arsch und Eimer“ scheint hier in besonders brutaler Weise verwirklicht zu werden.

Banjul, Montag, den 25. März 2002

Obwohl Montag ist, fahre ich nicht ins Büro, denn heute ist ein muslimischer Public Holiday, der für alle öffentlichen Einrichtungen und somit auch für das UN-House gilt. Am Nachmittag besuche ich die sympathische Familie Gomez, bei der ich vor einer Woche Sonntag meine ersten Erfahrungen mit dem gaumenfreundlichen „Ebbeh“ machen durfte. Hier quatsche ich ausgiebig mit den köstlichen drei Mädels und tauche so weiter in die afrikanische Kultur ein...

Banjul, Dienstag, den 26. März 2002

Am Morgen geht es wie gewohnt früh um kurz nach 7 Uhr aus dem Haus ab in den Minibus Richtung Bakau und dem UN House. Kurz bevor ich das Büro erreiche, rasen ein mit seiner Sirene dröhnendes Motorrad und drei moderne Jeeps mit amerikanischen rotblauen Signallichtern auf dem Dach an mir vorbei. Die Jeeps tragen im Kennzeichnen die Kennung „UNICEF“. Beim kurzem Schwätzchen mit dem netten Security Officer am Tor erfahre ich, dass dies die Delegation des UNICEF Regional Director für Westafrika, Madame Rimah Salah war. Very Important Person!

Ich spurte ich in den 2. Stock in das Büro Nr. 210. Meine Room Mate Lisong ist heute nicht da, da sie für den Regional Director durch das Land reist, um einige demographische Informationen einzuholen. Wie gewohnt arbeite ich mich weiter in meinem „Welcome-Kit“ voran. So lerne ich heute unter anderem, dass unter den ca. 1,2 Mio. Gambiern ca. 75 % Analphabeten sind – davon 68 % Frauen... Kein Wunder, dass hier bei der AIDS-Aufklärung eher auf Schulungen und persönliche Gespräche wert gelegt wird, als auf das Verteilen von bunten Hochglanzbroschüren, welche wohl doch eher als tägliches Brennmaterial für den Ofen umfunktioniert würden.

Auf dem Rückweg vom Büro warte ich vor dem Supermarkt in Bakau die Menschen musternd auf eine Verabredung. Mehrere Leute kommen an mir vorbei und grüßen mich freundlich. Unter ihnen sind auch drei wohl so um die 20 Jahre alte Jungs. Einer von ihnen erzählt mir, dass er gerade heute erst stolzer Vater geworden sei. Ich gratuliere ihm und versichere, dass ich ihm für sein Kind nur das Beste wünsche. Er zeigt sich sehr erfreut, und bietet mir sogar an, es mir zu zeigen... er wohne schließlich nur um die Ecke.

Da mir noch ein paar Minuten bis zum verabredeten Zeitpunkt bleiben, entschließe ich mich kurzerhand mit den drei Jungs mitzugehen. Wir biegen in einen kleinen sandigen Seitenpfad ein und kommen an vielen slumartig anmutenden Wellblechhütten vorbei.

Nach ca. 500 Metern biegen wir unvermittelt in das Eingangsloch einer solchen Hütte ein und ich betrachte tatsächlich ein winziges süsses schwarzes Baby, welches friedlich auf der schäbigen Plüschkausch schlummert. Ich werde aufgefordert, Platz zu nehmen und mich wohl zu fühlen. Ein weiterer scheinbar Befreundeter der Familie betritt die Hütte und offenbart mir, dass auch der Vorsteher der örtlichen Moschee gerade von meinem Erscheinen informiert worden sei und mich willkommen heiße. Der junge Vater lobt die netten Touristen, denen er heute bereits sein Baby gezeigt habe... sie alle hätten ihm ein kleines Geschenk für das Kind dagelassen. Ich beginne zu wittern, woher der Wind weht und wie er seine Duftnote subversiv ändert... im nächsten Moment wird mir auch bereits eine kleine Liste auf den Schoß gelegt, auf dem ein paar (angebliche) Namen geschrieben stehen... wie mir auffällt, mit einer erstaunlich überall gleich gekritzelten Handschrift. Jeweils mit Datum versehen stehen hier bereits ca. 7 Beiträge... erstaunlich hohe, versteht sich. Ich werde höflich aber bestimmt gefragt, ob ich nicht auch sicherlich bereit sei, dem kleinen Wonneproppen eine kleine Starthilfe zu gewähren. Ich erinnere mich an den 10-Dalasi-Schein in meiner Tasche. Na ja, zumindest die Armut ist hier wohl echt...

Als ich diesen dem jungen Vater hinhalte, entgegnet dieser, dass der Imam es nicht dulde, wenn die Leute Geld von den Touristen annähmen. Die gewöhnliche Art, seine Gabe zu entrichten sei es, einfach einen kleinen Sack Reis im nahegelegenen Shop zu erwerben. Und so ziehen wir los... und ich staune nicht schlecht, als ich in diesem Shop nur riesige Säcke von Reis erblicke, die immerhin stattliche 400 Dalasi (knappe 30 Euro) kosten. Von diesen könne ich doch einen kaufen, reden die drei Jungs auf mich ein.

Ich erkläre ihnen – auch wenn man mir das in meinem gestriegelten blauen Hemd und meinen ordentlichen schwarzen Schuhen hier wohl nicht so wirklich abnehmen will –, dass ich lediglich ein Student, also keiner dieser reichen Touristen sei und somit auch nur über begrenzte Ressourcen verfüge; denn einerseits finde ich die erwünschte Gabe doch ein wenig exorbitant und außerdem beginnt mir die Masche der drei Twenties doch ein wenig zu dreist zu werden. Allerdings scheinen die drei nicht bereit, sich mit einer so kleinen Gabe wie von der mir vorgeschlagenen zufrieden zu geben. Als die drei mir zu aufdringlich werden und auch ihre Wortwahl zu deutlich wird, mache ich ihnen höflich aber deutlich klar, dass ich nun zu meiner Verabredung müsse. Sie könnten meine 10 Dalasi annehmen oder ich könne diese auch wieder mitnehmen. Auf jeden Fall müsse ich nun gehen. Für diesen Schritt ernte ich zwar böse Blicke, jedoch lassen die drei mich immerhin unbehelligt den Weg zurück an die Straße bestreiten. Ein weiteres Baby werde ich mir wohl nicht zeigen lassen...

Als ich bei Dämmerung in Banjul nochmals die Straße betrete, um ein wenig frische Luft zu schnappen, kommt ein neugierig dreinblickender Schwarzer auf mich zu. Mit gebrochenem aber doch verständlichen Deutsch erzählt er mir, dass er als Drummer einer Musikband schon einige Male in Europa und auch in Deutschland gewesen sei. Er wolle mir gerne das Restaurant gleich um die Ecke zeigen, in dem er hier in Banjul stets spiele.

Ein wenig neugierig geworden überlege ich nicht lange und so ziehen wir zum besagten Restaurant, in dem mir alle Anwesenden ein jederzeitiges „Fully Welcome“ anbieten.

Auf dem Rückweg zur Mission, auf dem mich der Mann namens Mustafa begleitet, fragt mich dieser kurz vor dem Tor, ob ich ihm nicht zufällig „bis morgen“ 20 Dalasi borgen könne. Sogar der Wahrheit entsprechend gebe ich an, kein Geld bei mir zu haben. Etwas enttäuscht, sich aber dennoch nett verabschiedend trottet der Gescheiterte „Bumpster“ – so werden hier die Einheimischen genannt, welche versuchen durch trickreiche Geschichten den (vermeintlichen) Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen – von dannen.

Banjul, Mittwoch, den 27. März 2002

In der Nacht wache ich auf mit furchtbaren Ohrenschmerzen. Obwohl ich normalerweise nur äußerst selten mit Krankheiten zu kämpfen habe, scheine ich mir nach meiner Bauchgeschichte von letzter Woche nun eine Mittelohrentzündung eingefangen zu haben. Schuld daran ist wohl die Klimaanlage des UNICEF-Büros...

Etwa drei Stunden liege ich mit starken Schmerzen wach im Bett und warte auf ein Abklingen der selbigen. Um ca. 6 Uhr morgens schlummere ich wieder dahin. Als mein Wecker um 7 Uhr klingelt, scheinen die Schmerzen fast weg zu sein.

Als ich mich jedoch im Bett aufrichte, habe ich für etwa 5 sehr lange Sekunden das Gefühl, als ob mir jemand mit einem Stück glühenden Eisens ins Ohr sticht. Ich glaube schon fast in Ohnmacht zu fallen, als der Schmerz plötzlich genauso plötzlich wieder nachläßt, wie er gekommen ist. Ich höre, wie in meinem Ohr ein Luftaustausch stattfindet. Der vorherige Druck scheint irgendwie nachgelassen zu haben. Als ich noch ein wenig blasser als gewöhnlich vor den Spiegel trete, bemerke ich, wie mir an meiner linken Wange langsam eine rötlich eitrige Flüssigkeit aus dem Ohr die Wange herunter läuft. Ich tupfe diese mit einem Taschentuch weg und stopfe einfach eine Kugel des weichen Papiers in den Gehörgang. Da ich nicht schon wieder krankheitsbedingt meine Arbeit schleifen lassen möchte, gehe ich trotz allem ins Büro. Dort wechsele ich den ganzen Tag alte – nun rötlich gefärbte – Taschentuchkugeln gegen neue aus... Zumal ich ohnehin meine deutschen Bekannten, welche gleich neben einem „British Medical Research Center“ wohnen, besuchen möchte, gehe ich hier nach der Arbeit vorbei, um nachschauen zu lassen, was Grund meiner neuesten Beschwerden ist. Das Center war mir von meinem UNICEF-Supervisior Salifu Jarsey als sehr modern angepriesen worden.

Nachdem ich den Security Officer am Eingangstor passiert habe, betrete ich einen recht großen Hof, der gut gepflegt und fast wie ein Park wirkt. Ich schreite auf eines der weißen flachen Gebäude zu, welches mir der Officer als das richtige angedeutet hat. Ich treffe dort auf eine Schwester, welche mir sagt, dass das gesamte Personal schon zu Hause sei, sie jedoch einen Artzt herbeirufen könne. Ich setze mich auf einen der verschmutzen Stühle und blicke mich um. Ich befinde mich in einer Art Wartezimmer, welches sich direkt neben den zwei großen (und einzigen) Krankenzimmern befindet. Allerdings haben diese wohl eigentlich eher den Namen Krankensaal verdient. In jedem Raum stehen ca. 30 Betten. An jedem Bett sitzen mehrere Verwandte, welche den Kranken Nahrung, Wasser etc. bringen oder einfach nur dasitzen und zuschauen, wie der Kranke dahinsiecht. Von mir wird nur wenig Notiz genommen – die Anwesenden haben wohl andere Sorgen. Wie ich später erfahre, haben die meisten der hiesigen Patienten mit AIDS, Meningitis, Malaria und anderen üblen Krankheiten zu kämpfen – oder den Kampf auch schon verloren. Ein schrecklich dürrer und kraftloser Mann schlurft mit einem Tröpfler an mir vorbei. Wahrscheinlich wiegt trotz seiner beachtlichen Größe wohl nicht mehr als 45 Kg.

Nach ca. einer Stunde trifft endlich der ersehnte Doktor ein. Er nimmt mich mit in ein Behandlungszimmer neben einem der Krankensäle. Die Klimaanlage tut zu viel des Guten und lässt mich arg frösteln. Der freundliche und einigermaßen kompetent wirkende Mediziner schaut mit einem Trichter in das betroffene Ohr und erkennt schnell, dass der morgendliche Schmerz vom Platzen des Trommelfells herrührte. Die „Inflammation of the middle ear“ hat wohl einen zu großen Druck ausgeübt. Der gelassene Doktor sagt mir, ich solle mir von einer Schwester Antibiotika mitgeben lassen und mich am nächsten Morgen im Staatlichen „Victoria Hospital“ in Banjul City vorstellen, da man dort genauer untersuchen könne, was nun zu tun sei. Die in sich ruhende Schwester deutet mir an, dass sie keinen Schlüssel für den Medikamentenraum habe und daher erst die zuständige Schwester gerufen werden müsse, welche sich allerdings nicht auf dem Compound des Centers befinde und ich mich abermals dem Warten hingeben solle. Entkräftet durch Entzündung und Schmerzen, das Hin- u. Herfahren mit Bus und Taxi sowie das Warten im unterkühlten Raum fühle ich mich sehr ermattet und ich beginne immer stärker zu zittern. Da die Schmerzen im Ohr wieder zunehmen, kommt mir das Warten auf die richtige Schwester mit dem richtigen Schlüssel zum richtigen Raum wie eine Ewigkeit vor. Tja, so ist das eben, wenn man deutschen medizinischen Standard und Komfort gewohnt ist. Hier merkt man mal, wie es ist, wenn alles ein bisschen beschwerlicher ist und vieles einfach länger dauert. Ich versuche mich mit dem Gedanken zu trösten, dass ich ja schließlich nicht auf eine Operation warte und dass es mir wohl immer noch bedeutend besser geht als denjenigen, die rechts und links von mir in den 60 Betten liegend ihre Leiden ertragen. Nach ca. einer weiteren Stunde trifft die „richtige“ Schwester ein, überreicht mir ein wenig gelangweilt die bestimmte Medizin und wünscht mir einen „good evening“. Ich mache mich auf den Weg zur Mission, wo ich nach dem Einwurf von 4 bunten Pillen bereits um 21 Uhr schnurstracks mein Haupt auf das Kopfkissen bette.

Banjul, Donnerstag, den 28. März 2002

Wie mir vom Artzt aufgetragen, begebe ich mich am Morgen zum Victoria Hospital, welches am Independence Drive erbaut nur ein paar hundert Meter von der Mission entfernt liegt. Ich frage mich bei verschiedenen wichtigen Officers zum Raum der „Ontiology“ durch, vor dem sich im Gegensatz zu den zum Teil extrem langen Schlangen, die sich vor anderen Behandlungsräumen befinden, die zahlenmäßige Belagerung noch einigermaßen in Grenzen hält. Einen kleinen Jungen von etwa 4 Jahren scheint das gleiche Schicksal wie mich ereilt zu haben. Sein schmuddeliges knöchellanges Hemd ist im Schulterbereich mit Blut getränkt.

Er wird auf dem vermutlich aus einer europäischen Artztpraxis ausrangiertem Behandlungsstuhl von seiner Mutter auf dem Schoß festgehalten. Die für meinen Geschmack äußerst rauh mit dem kleinen Mann umgehende Schwester zieht Wasser in einer Spritze auf und setzt diese dann an das Ohr des herzzerreißend schreienden und weinenden Jungen an. Jedesmal, wenn die Schwester von neuem einen Wasserstrahl in das Ohr hineinspritzt, bäumt sich der Junge fürchterlich auf und dicke Tränen schießen aus seinen Wangen. Was mich neben dem Mitleid mit dem Kleinen beunruhigt, ist die Vorstellung, dass die rabiate Schwester wohl Gleiches mit mir im Schilde führen könnte. Als ich schließlich nach einiger Zeit auf dem Stuhl Platz nehme und ihr meine Krankengeschichte erzähle, schreitet die Schwester tatsächlich zum Waschbecken im Nebenraum, füllt eine Schüssel mit Wasser und greift zur Spritze. Aus Angst, durch dieses Wasser von möglicherweise fragwürdiger hygienischer Qualität der Entzündung des Ohrs eher zusätzliche Nahrung zu geben, als etwas Gutes zu bewirken, erzähle ich der Schwester – nicht der Wahrheit entsprechend -, dass der Doktor des MRC am Vorabend gesagt habe, dass ich das Ohr auf keinen Fall mit Wasser säubern solle, da hierdurch die Entzündung eher noch schlimmer werde. Dies beeindruckt die Schwester allerdings nur wenig und sie erklärt mir ärgerlich, dass an einer Säuberung des Ohres kein Weg vorbeigehe.

Und so lasse ich die gleiche Prozedur, die ich kurz zuvor beobachtete, schmerzvoll selbst über mich ergehen. Wenigstens ist das Wasser, mit der die Schwester scheinbar eine Gehirnwäsche vollziehen möchte, relativ heiß, sodass wohl wenigstens einige Bakterien abgetötet sind – so zumindest rede ich es mir ein. Nach der unangenehmen Spülung setzt Schwester Rabiata noch eine Art Miniaturstaubsauger an, scheinbar mit dem Ziel, mir das Innenleben des Mittelohrs zu rauben. Glücklicherweise ist damit die Behandlung auch schon vorbei und ich begebe mich mit den Ohrentropfen aus der dem Krankenhaus gegenüber gelegenen Apotheke bewaffnet zurück zur Mission, wo ich ziemlich ermattet die nächsten Stunden mit Watte im Ohr im Reich der Federn verharre.

Als ich am späten Nachmittag aufwache, höre ich von der Straße her starken Lärm. Neben einem großen Stimmengewirr sind es vor allem Trommeln, die sich Gehör verschaffen. Da ich mich nicht mehr ganz so schwach fühle, beschließe mit dem Photoapparat in der Hand, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Tor der Mission blicke ich auf einen Menschenzug von etwa 700 Menschen, die mit Transparenten, Tanz, Gesang, Sprechchören und traditionellen Kleidern eine Demonstration für die Bürgermeisterwahl machen. Fast die gesamte Menge tanzt wild und fröhlich durcheinander zu den laut erschallenden Trommeln. Sieht fast mehr nach einem Strassenfest als nach einer wirklichen politischen Kundgebung aus. Zwei verkleidete Gestalten bauen sich vor mir auf und tanzen heißblütig vor mir um ihre Botschaft besonders eindringlich zu übermitteln. Von oben bis unten sind sie mit Masken, Schilf und afrikanischen traditionellen Waffen behangen. Ihr Schreien ist ohrenbetäubend und da auf Wolof leider unverständlich für mich. Ohne die zwei Priester, die sich in meiner Nähe befinden, hätte ich mich in diesem Wirrwarr hier wohl fast ein wenig unsicher gefühlt...

Banjul, Karfreitag, den 29. März 2002

Der sog. „Good Friday“ ist selbst hier im überwiegend muslimischen Land ein Public Holiday, weshalb ich mich nicht auf den weg zu UNICEF mache. Um 13 Uhr nehme ich am Kreuzgang in der Kathedrale teil. Die Kirchenbesucher haben sich mal wieder besonders herausgeputzt. Mir fällt dabei speziell eine recht korpulente Frau auf, die die Stationen der Passion auf ihrem Kleid in einer Art Comic-Zeichnung mit sich trägt. Abgerundet wird die (wohl nur aus nicht-afrikanischer Sicht) skurrile Erscheinung durch rosa Lackschuhe und ein goldenes Handtäschchen am mehrfach silbern bereiften Arm.

Am frühen Abend mache ich mit Father Gabou Secka auf, um einen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Wir biegen in eine der großen Straßen ein, die am zentral gelegenen Sportplatz vorbei führen. Am Rande der Straße und auf dem Bürgersteig werden alle möglichen Waren feil geboten. Hier sieht man neben Erdnüssen und Tüchern auch Bestecke, Kerzen und Klempnerutensilien. Die verschiedenen Händler zischen mich auffordernd an und machen einladende Handbewegungen. Wir begeben uns durch das große Tor auf den zentralen Markt der Stadt, der hier gewöhnlich „Albert Market“ genannt wird.

Hier herrscht wahrlich ein chaotisches Wirrwarr. Die Stände der Trödler stehen dicht gedrängt mit Sonnenschirmen bestückt soweit das Auge reicht. Teilweise sieht man hier (noch) lebende Ziegen und Hühner in Ställen, andernorts bereits geschlachtete Tiere und in der Sonne trocknende Fische – allesamt mannigfach von Fliegen belagert. Einige Stände bieten große Säcke fein duftender Gewürze an, andere Kleidungsstücke und Schuhe – vornehmlich das National-Schuhwerk Badelatsche einfacher Ausführung.

Sobald mich die verschiedenen Händler erblicken, beginnen sie, mich freundlich einzuladen, doch näher zu treten. Mit gestenreichen Worten werden mir die Vorzüge und der selbstverständlich außergewöhnlich niedrige Preis ihrer mannigfachen und schillernden Waren dargebracht. Im hinteren Teil des händlerischen Allerleis besuchen wir eine Bekannte von Father Gabou. Sie veräußert vornehmlich bunte Kleider sowie kunstreiche hölzerne Figuren und Tiernachahmungen. Nach einem sympathischen Small Talk brechen Gabou und ich wieder auf und gelangen nun an den hohen Mauern des vornehmen Präsidentenpalastes vorbei zum nahegelegenen ozeanischen Strand. Wir streifen durch den weißen Strand und erblicken neben vereinzelten Joggern oder Fußball spielenden Jugendlichen einige der traditionellen Fischerbote, welche auf der Suche nach den Kiementieren ihre Netze durch die Wellen ziehen.

Nach ein paar hundert Metern kommen wir an das vornehme „Atlantic Hotel“, wo wir in der Nähe der Bar Platz nehmen, um eine gekühlte Cola zu schlürfen. Im Hintergrund sieht man dicke weiße Touristen, die sich im Swimming Pool oder auf diversen Liegen aalen und sonnen. Wer hier als Schwarzer arbeitet, muss eigentlich zwangsläufig die Überzeugung gewinnen, dass wohl alle weißen Leute betucht, beleibt und behäbig sind.

Nachdem ich am frühen Abend in der Mission ein weiteres schmackhaftes Essen – Reis mit Fisch – genossen habe, folge ich, froh, einen weiteren Einblick in afrikanisches Privatleben zu bekommen, der Einladung des Gärtners John, welcher zwar 45 Jahre alt ist – jedoch nach mindestens 55 aussieht.

Wir gelangen an ein Haus, welches durch einen Wellblechzaun umrundet ist. Zunächst gehen wir in den ersten Stock, wo mir ein älteres Ehepaar vorgestellt wird. Die Frau begrüßt mich interessiert und bekundet mir, sich zu freuen, jemand aus „Deutslad“ zu sehen. Ihr Mann, der regungslos auf dem Sofa ruht, sei leider sehr krank, bemerkt die Frau. John führt mich wieder die Treppe herunter und führt mich durch einen schmalen Gang. Wir erreichen eine Art Hinterhof, der aus einem Berg Schutt und Lehm besteht. Hier gibt es in der Wand des Hauses eine kleine gezimmerte Holztür, die durch ein Vorhängeschloß gesichert ist. „Dahinter, so John, befindet sich mein Haus“.

Er öffnet die Tür und ich blicke in ein schwarzes Loch. Als ich in den Raum trete, bin ich ein wenig fassungslos – was ich mir natürlich nicht anmerken lasse. Das Haus von John ist wohl etwa 5 m² groß. Mangels Strom gibt es kein Licht. Ein Fenster gibt es auch nicht. Die Wände grinsen betonfarben und bilderlos. Die Inneneinrichtung besteht aus einem alten dreckigen Bett, einer kleinen Metalltruhe, einer zerrissenen Sporttasche sowie einem kleinen alten Kassettenrecorder mit Batteriebetrieb und ein paar abgebrannten Kerzen neben dem Bett. Das war’s. Mehr ist hier nicht. Was mich neben der Enge des Verschlages bestürzt, ist vor allem die Dunkelheit und die ärmliche Einrichtung. John lässt den leiernden Klang einer Kassette erklingen und öffnet seine Metalltruhe. Aus einer kleinen lateinischen Bibel holt er ein paar alte Fotos hervor. Er zeigt mir seinen Vater, aufgebahrt in einem Sarg sowie andere Familienmitglieder bei verschiedenen Festlichkeiten. Auch befindet sich unter den Bildern die Ablichtung eines Soldaten, der mit Sonnenbrille und Sturmgewehr stolz in die Linse schmunzelt. Dies, so berichtet mir John voller Stolz, ist mein Freund in Amerika ! Aus dem untersten Winkel der Truhe kramt der durch meinen hohen Besuch ganz aufgeregte Gärtner eine alte Plastiktüte mit einigen Kassetten hervor. Es sucht zwei der Tonbänder aus und hält sie mir vor die Nase. „For you, my friend“. Ich weiß zunächst gar nicht was ich sagen soll. Schnell merke ich, dass ich um eine Annahme des kostbaren Geschenkes nicht herumkommen werde. Ich bedanke mich mindestens 5 Mal und lasse mehrmals verlautbaren, dass ich mich sehr geehrt fühle und die Kassetten auf jeden Fall meinen Freunden in Deutschland vorspielen würde. Mein Trost ist Johns Freude. Wie kommt ein so armer Mensch dazu, mir reichem Sack etwas so kostbares von sich zu geben, frage ich mich still bei mir ? Ich muss mir eingestehen, dass der Fotoapparat in meiner Hand wohl den mehrfachen Wert des gesamten Eigentums meines Gegenübers hat und dazu wohl problemlos den Mietzins der Behausung für mehrere Monate oder auch mehr übertrifft. Als wir nach ca. einer halben Stunde wieder auf den Innenhof treten, fällt mir ein alter spröder Gummischlauch auf, der von der oberen Etage herunterhängt. Dies ist die Dusche. Und die kleine Anhöhe Lehms in der Ecke des Hofes dient wahrscheinlich als Stelle der Notdurftentrichtung. Bevor wir das trostlose Reich endgültig verlassen, verschließt John die Holztür wieder gewissenhaft mit dem Vorhängeschloß. Hoffentlich bricht hier nie jemand ein und nimmt dem Mann noch das Letzte, was er hat, geht es mir durch den Kopf. Zwar, so muss man wohl bedenken, mag es John immer noch besser gehen als vielen anderen hier. Immerhin hat er eine trockene Unterkunft und dazu sogar noch einen Job – und damit das Gefühl, gebraucht zu werden sowie ein geregelten Einkommen. Damit ist also prinzipiell sein Überleben gesichert und auch das hier viel beobachtete Betteln bleibt ihm erspart. Wenn man allerdings aus einem Land stammt, in dem selbst manche Hundehütten komfortabler zu sein scheinen als dieser Raum, dann ist wirkt so etwas schon ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Wir treten wieder auf die um 20 Uhr in der kurzen Dämmerung liegende belebte Straße, kommen an einer Hochzeitsgesellschaft vorbei, die ihre Festlichkeit auf der Straße zelebriert und biegen in eine kleine Seitenstraße ein. Hier, so teilt mir John mit, wohnen Freunde von ihm. Wir gelangen an ein schäbiges Haus, vor dem wohl ein Dutzend Kinder spielt. Als sie John und mich erblicken, kommen sie auf uns zugelaufen und schütteln mir allesamt die Hand. Besonders ein kleines Mädchen von wohl kaum 4 Jahren scheint besonderen Gefallen an meiner weißen Gestalt zu finden. Sie lässt meine Hand gar nicht mehr los und fragt mich ununterbrochen „How are you, Tubab ?“. Das Wort Tubab ist einerseits eine Bezeichnung für die „Weißen“, jedoch auch für besonders gebildete und vornehme Einheimische, vor denen der „gewöhnliche Mann“ eine gewisse Hochachtung hegt...

Wir steigen eine Treppe hinauf und ich werde an zwei sich nicht an meiner Erscheinung störenden nackten Frauen, die sich gerade auf dem Gang waschen, vorbeigeschoben. Die Wand wird an einer Stelle durch eine mittels eines Tuches verdeckten Öffnung unterbrochen. Als ich hineintrete werde ich erstaunt von etwa 25 Schwarzen angestarrt, welche in dem wohl kaum 15 m² messenden Raum gemeinsam vor dem rauschenden Fernseher hocken. Sofort stehen vier Mädchen von einem Sessel auf, um dem unvermittelt aufgetauchten Gast Platz und Ehre zu gewähren. Ich bekomme von allen Anwesenden die Hand gedrückt und antworte auf die gewohnten Fragen nach Land, Herkunft und andere Punkte von Interesse. Nach etwa zwei Minuten scheint der Wissensdurst allerdings schon gestillt und die Gesellschaft gibt sich wieder dem Beäugen der Flimmerkiste hin. Ich bin ja nun jemand, den man kennt und daher scheint es normal, dass ich das tue, was alle anderen auch tun. Daher verfolge auch ich einen afrikanischen Wrestling-Kampf, welcher im Osten des Landes gelegenen Dorf des Präsidenten stattfindet. Nach etwa 10 Minuten steht John vom Boden auf und verkündet der Gesellschaft, dass ich hungrig sei und in der Mission das Essen auf mich warte. Begleitet von erneutem Händeschütteln und guten Wünschen steige ich Tubab mit dem kleinen Mädchen an der Hand die Treppe herab und erfreue sie und zwei ihrer Schwestern noch schnell vor meinem endgültigen Entschwinden, als ich sie mit Stolz erfüllend phototechnisch ablichte.

Banjul, Samstag, den 30. März 2002

Um 22 Uhr startet die festliche Ostermesse in der Kathedrale. Die Kirchenbänke sind bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine ganze Heerschar von Meßdienern und Priestern umringt den irischen Bischof. Ganze 18 Lesungen werden durchgeführt – allesamt auf Wolof, weshalb ich nicht wirklich viel von der frohen Botschaft verstehe. Na ja, der gute Wille zählt. Bestandteil der Messe ist u.a. die Taufe und die gleichzeitige Firmung von 12 jungen Damen, welche sich allesamt mit weißen Seidenkleidchen geschmückt haben – ein in wenig kitschig, aber schön. Der Kirchenchor schallt von der Orgelbühne. Sogar das staatliche Fernsehen „Gambian Radio and Television Service, GRTS“ ist mit einem Kameramann vor Ort, um das feierliche Geschehen auch dem Fernsehzuschauer und den Radiohörern zugänglich zu machen. Mit drei Stunden ist dies wohl eine der längsten Messen, die ich je erlebt habe...

Im Eßzimmer der Mission treffe ich nach der Auferstehung Jesu die diversen Priester und anderen bekannten Gesichter beim festlichen Mahl wieder.

Gegen 2 Uhr morgens mache ich mich noch mit Father Gabou, dem Priesteranwärter Philip und dem Senegalesen Joe auf den Weg zum Touristenort Kololi in der sog. „Senegambia Area“, denn, so erfahre ich, es ist hier Tradition, in der Osternacht nach der Messe auszugehen, egal wie spät es ist. Ich bekomme von Father Gabou wortlos den Schlüssel zum neuen Clio überreicht und bin folglich beauftragt, uns durch das nächtliche afrikanische Straßen-, Schlagloch- u. Staubgewirr zu schiffen. Auto fahren mal anders !

Banjul, Ostersonntag, den 31. März 2002

Obwohl wir noch bis 4.30 Uhr morgens unterwegs waren, fahren wir morgens zur Messe nach Serekunda... das vierte Mal in 4 Tagen befinde ich mich in einer Kirche... mir kommt es fast so vor, als wenn meiner Heiligsprechung nicht mehr viel im Wege stehen kann.

Auch hier ist es wieder der ehrwürdige Bischof, der zelebriert. Ich bestaune abermals die mannigfachen kunstvollen Gewänder und versuche die vielen verschiedenen Möglichkeiten des Flechtens von Haaren zu zählen. Die Kirche von Serekunda ist ziemlich groß – und auch zur zweiten Messe mit ca. 1000 Personen mehr als gut gefüllt. Insbesondere fallen mir hier wieder die vielen Kinder auf. Hier scheint besonders deutlich zu werden, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung Gambias noch unter 18 Jahren ist.

Am Nachmittag steht ein Ausflug zum Strand in der Nähe von Kololi auf dem Plan. Mit Father Gabou und einem Dutzend Jugendlicher aus dem Kirchenchor geht es in zwei vollbepackten Autos in Richtung Meer. Nachdem wir im heißen Sand des Ozeans Platz unter Schatten spendenden Palmen genommen haben, wundere ich mich ein wenig, wieviel Essen mitgeschleppt worden ist. Neben einem riesigen Topf mit dem bereits bekannten Gericht „Ebbeh“ gibt es Zitronenkuchen, Hähnchenkeulen, Plätzchen sowie einen Kanister mit gesüsstem Baobab-Tree-Saft. Vermutlich kann damit 30 hungrige Mägen mit Kohlehydraten füllen. Am Strand wird Fußball gespielt, auch sieht man einige Schwimmer.

Etwas abseits im hinteren Strandbereich steht ein verlassenes Haus, auf dessen Terrasse eine etwa 10köpfige Truppe von Kerlen bewaffnet mit Trommeln ein unaufhörliches Beat-Konzert gibt. Der unverkennbare Geruch verrät, dass zur Unterstützung des Rhythmusgefühls reichlich THC konsumiert wird... was auch hier zwar verboten ist, jedoch aufgrund des geringen Preises wohl kaum interessiert.

Etwa 10 Straßenkinder, die man auch hier erblickt, schleichen sich an unsere Sitzgruppe heran, als bemerkt worden ist, dass wir reichlich mit Nahrung versorgt sind. Vielen von ihnen sieht man an, dass sie wirklich sehr hungrig sind. Gierig verschlingen sie ein paar Teller mit Ebbeh und ein paar Stücke des leckeren Kuchens, welche sie von einem der Mädchen bekommen.

Je mehr die Zeit voranschreitet und sich der Abend nähert, desto mehr füllt sich der Strand mit Jugendlichen. Überall sieht man kleine Sitzgruppen. Vielerorts sieht man Gruppierungen, die sich tanzend um einen Kassettenrecorder scharen, vereinzelt sieht man hier sogar einen weißen Touristen, der sich in einer solchen Gruppe befindet. Alles wirkt ein wenig wie eine riesige Klassenfahrt. Wie ich von Father Gabou höre, ist hier ein beliebter Treffpunkt für viele der Flüchtlinge aus der Casamanche im Senegal, Sierra Leone und Liberia. Aus den heimatlichen Bürgerkriegsgebieten entflohen muss ihnen die hier vorherrschende friedliche Stimmung wohl wie ein Paradies vorkommen.

Kurz bevor wir schon wieder zur Mission aufbrechen, steht auf einmal ein großer schwarzer Mann vor mir, der laut schreiend seine Arme ausbreitet. Unglaublich: Der gute alte Pa steht vor mir. Per Zufall sind wir uns also doch noch einmal in die Arme gelaufen. Er erzählt mir, dass er mich eigentlich schon ein paar Mal habe besuchen wollen, er jedoch wegen der Ankunft seiner Frau aus Deutschland einfach zu „busy“ gewesen sei. Er verspricht mir, mich in nächster Zeit mit einem Besuch zu beehren.

Am Ende des schönen Strandausflugs spiele ich nochmals den Conducteur für die Versammelten und bin dann nach dem Essen und den neuesten Informationen von CNN, welche mal wieder von den letzten kriegerischen Entwicklungen im nahen Osten bestimmt werden, froh, als ich mich in mein Bett begebe, um meiner dritten Praktikumswoche entgegen zu schlummern.

Banjul, Ostermontag, den 1. April 2002

Nach kurzem Fußmarsch erreiche ich das staatliche Victoria Hospital, wohin ich mich heute nochmals zwecks Kontrolle meines Ohres begeben soll. Vor den Behandlungszimmern sieht man wieder extrem lange Schlangen. Überwiegend stehen und sitzen hier junge Mütter mit ihren Kindern. Die mir nicht all zu angenehm in Erinnerung gebliebene Schwester ist wieder mit von der Partie. Zum Glück bleibt mir eine Waschung mit heißem Wasser diesmal erspart, lediglich der bereits erwähnte „Staubsauger“ kommt wieder zum Einsatz. Sollte ich bis zum nächsten Freitag keine Beschwerden mehr haben, so die Schwester, könne ich davon ausgehen, dass wieder alles in Ordnung sei. Voyons ce que l’avenir m’apportera...

Nach Verlassen des Krankenhauses marschiere ich auf dem lebendigen „Independence Drive“ in Richtung des zur Erinnerung der (militärischen, jedoch später durch Wahlen legitimierten) Machtübernahme des Präsidenten Yaya Jammeh erbauten Triumphbogens „Arch 22“ und biege danach in die Straße ein, welche nach Bakau zum „UN House“ führt. Bald schon kommt ein Minibus vorbei, dessen „Boy“ mir den Namen des Reiseziels zuruft, worauf ich ihm zum Anhalten Zeichen gebe. Auf der „Denton Bridge“, welche einen Arm des Gambia überbrückt, kommt es für eine halbe Stunde zu einem Stau, da mal wieder eine der herzlich nutzlosen Polizeikontrollen stattfindet. Der Minibus erhitzt sich unsäglich und mir läuft der Schweiß in Strömen von Stirn und Wangen.

Nach Verlassen des UNICEF-Büros wiederum in einem der Minibusse sitzend, schiele ich auf die Unterlagen, die mein etwa 25jähriger Sitznachbar gerade durchliest. Ich erkenne etwas von „Human Rights“ und lese den Namen „Daily Observer“. Auf meine Frage hin, ob er in diesem Bereich tätig sei, antwortet mir der freundliche Schwarze, er sei ein Reporter des Daily Observer – also der hier neben einigen wöchentlich oder sogar nur monatlich erscheinenden Blättern einzig täglich erscheinenden Zeitung. Der journalistische Acker, den er bestelle, sei vor allem der Sektor von „Human Rights and Rights in general“. Er erzählt mir, dass er jeden Donnerstag einen Bericht über menschenrechtsbezogene Themen bringe, so z.B. über das kürzlich von UNICEF organisierte „Forum on the Rights of the Child“. Ich berichte ihm von meinem Praktikum und erwecke damit ernst erscheinendes Interesse. Vielleicht, so Bakare Murtila, der mir seinen Namen und die Telefonnummer des Office aufschreibt, werde er mich demnächst mal für ein Interview für die Donnerstagsausgabe kontaktieren...

In der Mission stelle ich mich nach Einbruch der Dunkelheit an das Eingangstor und beobachte das Treiben der verschiedenen Gestalten, die auf der Straße vorbeihuschen. Neben in den gewohnten Badelatschen daher schluffenden Frauen mit Kindern auf Rücken oder Arm und einem Sack Reis oder anderen Nahrungsmitteln auf dem Kopf sieht man viele junge Männer, die zwecks Verkauf kleine gelbe Orangen in Schubkarren vor sich herschieben. Nach einiger Zeit taucht Jean-Paul auf, der hier jedoch von allen einfach nur „Sam“ genannt wird. Er ist ein Sekretär des irischen Bischofs und hat damit eine feine Arbeitsstelle ergattert. Etwa eine halbe Stunde lang tauschen wir interessante Gedanken aus.

Noch bevor wir unser Gespräch am Tor beenden, kommt Joe zurück zur Mission. Er hat heute mit einem Bruder den ganzen Tag ein Grab geschaufelt, da ein Cousin von ihm gestorben ist. Der verblichene Mann klagte am Abend über Bauchschmerzen und am Morgen raffte es ihn bereits dahin – mit 37 Jahren. Glücklicherweise, so Joe, hinterläßt er nur vier Kinder. Da ist es mir mit meinen Bauchschmerzen von neulich wohl noch wirklich glimpflich ergangen...

Banjul, Dienstag, den 2. April 2002

Bevor ich am Morgen das Büro erreiche, steht der mit 16 Personen normal gefüllte Mitsubishi-Kleinbus fast eine ganze Stunde lang am „Police Checkpoint“ auf der Denton Bridge. Mangels Fahrtwind und wegen der auch schon jetzt um 7.30 Uhr schon recht starken Sonneneinstrahlung heizt sich das Fahrzeug übelst auf. Nach einiger Zeit fangen die Fahrgäste an, leidenschaftlich auf die Polizei zu schimpfen. Wie einige andere Fahrer stimmt auch unser Driver mit in das Hup-Konzert ein, welches mich ein wenig an den Klang erinnert, der zu einem heraufdringt, wenn man am Ende der Champs-Elysées auf dem Pariser Triumphbogen stehend die „Place Charles de Gaule Etoile“ betrachtet...

Am Abend lerne ich in der Mission einen Bekannten des Priesteranwärters Philip kennen. Er befragt mich über meine Hauptaktivitäten bei UNICEF. Wir kommen u.a. anderem auf das Kapitel der auch hier in Gambia sehr weit verbreiteten sog. „Female Genital Mutilation“ („Weibliche Genitalverstümmelung“, auch „weibliche Beschneidung“ genannt) zu sprechen. Ich habe einige Mühe, meinen Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass es lohnenswert und richtig sei, gegen diese traditionelle Praxis vorzugehen. Indes scheint mein Argument, dass das Ritual neben schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen auch psychologische u.a. Konsequenzen für die meist sehr jungen Opfer habe, ihn nicht voll zu überzeugen. Vielmehr, so meint der junge Mann, solle sich UNICEF doch lieber um andere Dinge kümmern. Man habe eben die althergebrachten Traditionen der Bevölkerung zu respektieren und überhaupt habe die (weibliche) Bevölkerung das Ritual bislang ja schließlich überlebt. Auf meine Frage, wie er denn eine hypothetische Tradition beurteilen würde, die dahin ginge, allen Männern zum 20. Geburtstag den rechten Arm abzuhacken, weicht er mit einem etwas unbeholfenen Lachen aus. Hier erlebe ich eine Sichtweise, die mich enttäuscht von jemandem, der in einer christlichen Familie aufgewachsen ist – das Ritual wird in den christlich geprägten Bevölkerungsgruppen fast überhaupt nicht vollzogen – und eine für gambische Verhältnisse gute Schuldbildung hinter sich hat und damit eigentlich bereits zu einer privilegierten, aufgeklärten Gruppe gehört.

Banjul, Mittwoch, den 3. April 2002

Ich steige morgens – wenn auch eine Dreiviertelstunde später als zum verabredeten Zeitpunkt – in den weißen Toyota-Geländewagen und brause mit des Bischofs Sekretär Sam über die bekannten Straßen. Da er heute zur selben Zeit wie ich anfängt, hat er mir angeboten, mich am UN House vorbei zu bringen. Wir fahren eine leicht andere Route als die Minibusse. So cruisen wir an der „Kairaba Avenue“ entlang, welche hier die reichste und geschäftigste Straße ist. Man erblickt mehrere Supermärkte und ein Internet-Café. Eine riesiger Haufen von Händlern hat sich an der Kreuzung versammelt und versperrt mit Gewürzen und Tieren, Bananen und Mangos den Weg der Taxis und Kleinbusse, die sich hier an der verkehrstechnischen Mündung tummeln. Überall wird kräftig gefeilscht, gehupt, gelacht und gestritten. Von riesigen Zäunen umgeben und einer Heerschar von Sicherheitsleuten umzingelt fällt daneben noch die amerikanische Botschaft auf.

Am Nachmittag gehe ich mit Philip auf dem Schwarzmarkt US-Dollar gegen Dalasi tauschen. Nachdem uns etwa 5 Geschäftstüchtige kein gutes Geschäft angeboten haben, bekomme ich schließlich für 1 US-Dollar 19,2 Dalasi - ein gar nicht mal so schlechter Kurs.

[...]

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Des Firmaments weiße Sommersprossen - Mit dem Taxi von Dakar nach Banjul und andere Geschichten aus Westafrika - Reisetagebuch
Veranstaltung
Praktikum im Feldbüro von Unicef sowie im Justizministeriumin Banjul, Gambia
Autor
Jahr
2002
Seiten
121
Katalognummer
V66218
ISBN (eBook)
9783638588966
Dateigröße
1019 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Text stellt ein authentisches Tagebuch des Autors da. Er wurde verfasst während eines Praktikums im Unicef Feldbüro sowie im Justizministerium in Banjul, Gambia
Schlagworte
Firmaments, Sommersprossen, Taxi, Dakar, Banjul, Geschichten, Westafrika, Reisetagebuch, Praktikum, Feldbüro, Unicef, Justizministeriumin, Gambia
Arbeit zitieren
Master of Arts in Diplomacy, Law and Global Change Gabriel Vockel (Autor), 2002, Des Firmaments weiße Sommersprossen - Mit dem Taxi von Dakar nach Banjul und andere Geschichten aus Westafrika - Reisetagebuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66218

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Des Firmaments weiße Sommersprossen - Mit dem Taxi von Dakar nach Banjul und andere Geschichten aus Westafrika - Reisetagebuch


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden