Bis in die 90er Jahre herrschten in der Unternehmenswelt das Bild fordistischer UN und das tayloristische Arbeitskonzept vor. Merkmale eines fordistischen UN sind die zentralen Entscheidungs- und Kontrollmechanismen, die starr festgelegte Arbeitsteilung und die hierarchisch aufgebauten Unternehmensebenen. Zudem sehen fordistische UN die Notwendigkeit darin, „die konkreten Produktionsabläufe gegenüber den Unabwägbarkeiten des Marktes“ abzuschotten. Das tayloristische Arbeitskonzept vereint dagegen eine weitgehende Arbeitsteilung und -verteilung mit der Trennung von dispositiver und exekutiver Arbeit (sowohl personell als auch räumlich) und beinhaltet eine Zerlegung von komplexen in elementare Aufgaben, wobei die Aufgaben durch Vorgesetzte verteilt und dauerhaft einer Arbeitskraft zugeordnet werden.
Mit der Sättigung der Nachfrage in den 80er und 90er Jahren entsteht ein neuer Flexibilisierungsdruck und somit Handlungsbedarf für die UN, denn fordistisch-tayloristische UN sind zu starr und zu träge, um sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und zu reagieren. Der Wandel der Umwelt, der Wettbewerbsbedingungen und des Marktes wird in Kapitel 2.1 thematisiert. In Kapitel 2.2 wird verdeutlicht, welchen Erfordernissen ein UN gegenüber steht, um angemessen auf die Dynamik der Unternehmensumwelt reagieren zu können.
Seit den 80er Jahren ist eine kontinuierliche betriebliche Reorganisation und Rationalisierung zu beobachten, die eine „Neuordnung betrieblicher Funktionen und Abläufe, ihre prozess- und betriebsübergreifende Integration und Vernetzung auf Basis neuer IuK-Technologien“ beinhaltet. Welche neueren Tendenzen der Unternehmensreorganisation vorherrschen, um eine Flexibilisierung und schnellere Anpassung an Umweltbedingungen vornehmen zu können, ist Gegenstand von Kapitel 3. Im einzelnen setzt sich Kapitel 3 aus den Reorganisationsmaßnahmen Dezentralisierung (Kapitel 3.1), Vermarktlichung (Kapitel 3.2) und Informatisierung (Kapitel 3.3) zusammen, welche zu einem globalen Überblick über die Tendenzen der Unternehmensreorganisation verhelfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Neue Umweltbedingungen
2.1 Dynamische Märkte und veränderte Wettbewerbsbedingungen
2.2 Erfordernisse im Rahmen der neuen Umweltbedingungen
3 Tendenzen der Unternehmensreorganisation
3.1 Dezentralisierung
3.2 Vermarktlichung
3.3 Informatisierung
4 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Tendenzen der betrieblichen Reorganisation, die als Antwort auf veränderte Marktbedingungen und den zunehmenden Flexibilisierungsdruck in Unternehmen entstanden sind. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, welche spezifischen Maßnahmen Unternehmen ergreifen, um durch Neuordnung betrieblicher Funktionen und Abläufe wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Analyse veränderter Wettbewerbsbedingungen und Marktdynamiken
- Dezentralisierung als strukturelle Reorganisationsmaßnahme
- Vermarktlichung betrieblicher Prozesse und Schnittstellen
- Die Rolle der Informatisierung als treibende Kraft für organisatorische Veränderungen
- Neugestaltung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Dezentralisierung
Strukturell bezieht sich Dezentralisierung im Zuge der Unternehmensreorganisation auf die Segmentierung von Prozessen sowie von Abteilungen bzw. Funktionsbereichen, die bisher integriert oder funktional miteinander verknüpft waren. Damit ist zudem eine prinzipielle Neugestaltung betrieblicher Arbeitsaufgaben verbunden, in deren Zuge auch eine Externalisierung von Teilaufgaben an andere UN oder Kooperationspartner möglich wird. Zusätzlich sind zwei Formen der Dezentralisierung zu unterscheiden: die operative und die strategische Dezentralisierung (s. Abb. 1).
Strategisch ist Dezentralisierung vor allem dann, wenn über die Neudefinition von Produktlinien und Geschäftsfeldern eine bessere Verwirklichung der Unternehmensziele Marktnähe, Flexibilität, Kostensenkung und Zeitersparnis verwirklicht werden soll. Hierzu zählt, dass Abstimmungsprobleme durch Schnittstellenmanagement gelöst werden, eine prozessorientierte Motivation (und Gratifikation) mithilfe eines sich entfaltenden internen Markdruckes aufgebaut wird und sich die Prozessorientierung in einer prozess- und objektorientierten Segmentierung niederschlägt.
Im Zentrum steht jedoch die operative Dezentralisierung. Die Reorganisation von Abteilungen bzw. Funktionsbereichen umfasst v. a. die Dezentralisierung von planenden, steuernden und kontrollierenden Aufgaben und Bereichen. Es findet eine „Zerlegung des UN in kleine, überschaubare nach Produkten, Leistungen und Technologien voneinander abgegrenzte Organisationseinheiten [statt], die im Rahmen der übertragenen Aufgaben eine weitgehend geschlossene und ganzheitliche Bearbeitung ermöglichen“. Wertschöpfungsprozesse werden folglich in möglichst autonome Organisationseinheiten zusammengeführt. Hierbei kommt eine neu gestaltete Arbeitsteilung zum Ausdruck, die von Selbstorganisation und Gruppen bzw. Projektarbeit gekennzeichnet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert den Übergang vom fordistisch-tayloristischen Modell hin zu einem neuen Bedarf an Flexibilität in Unternehmen aufgrund gesättigter Märkte.
2 Neue Umweltbedingungen: Hier werden die veränderten globalen Rahmenbedingungen sowie die Notwendigkeit für Unternehmen dargestellt, durch Marktnähe und technologische Anpassung wettbewerbsfähig zu bleiben.
3 Tendenzen der Unternehmensreorganisation: Dieses Hauptkapitel detailliert die drei zentralen Säulen der Reorganisation: Dezentralisierung der Strukturen, Vermarktlichung interner Prozesse und die Informatisierung zur Vernetzung.
4 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Unternehmensreorganisation als einen andauernden, notwendigen Prozess, dessen Zielrichtung jedoch im Wandel bleibt.
Schlüsselwörter
Unternehmensreorganisation, Dezentralisierung, Vermarktlichung, Informatisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Flexibilisierung, Wertschöpfungskette, IuK-Technik, Prozessorientierung, Kundenorientierung, Organisationsstruktur, Marktmechanismen, Innovationsgeschwindigkeit, Selbstorganisation, Netzwerkunternehmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuellen Trends und Wandlungsprozesse innerhalb von Unternehmen, die durch den globalen Wettbewerbsdruck und technologische Fortschritte notwendig wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit konzentriert sich primär auf die Bereiche Dezentralisierung, Vermarktlichung und die zunehmende Informatisierung der Unternehmensstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie moderne Unternehmen ihre Abläufe reorganisieren, um eine höhere Flexibilität und schnellere Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung soziologischer und betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse zum Wandel der Arbeits- und Unternehmensorganisation.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die strukturelle Segmentierung von Prozessen, die Implementierung marktähnlicher Steuerungsmechanismen (wie Profit Center) sowie die Rolle der Internet- und IuK-Technologie.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Unternehmensreorganisation, Flexibilisierung, Marktbezug, Wertschöpfungsprozesse und technologische Transformation.
Was genau bedeutet der Begriff "Vermarktlichung" im Kontext der Arbeit?
Vermarktlichung beschreibt das "Hereinholen" des Marktes in das Unternehmen, bei dem Prozesse nicht mehr rein hierarchisch, sondern nach Marktgesichtspunkten wie Rentabilität und Wettbewerb gesteuert werden.
Welche Rolle spielt die Informatisierung bei der Dezentralisierung?
Die Informatisierung dient als notwendige technische Basis, die es ermöglicht, trotz dezentraler Strukturen eine zentrale Koordination und Kontrolle der Unternehmenseinheiten aufrechtzuerhalten.
Warum wird die Unternehmensreorganisation in der Arbeit als "Dauerzustand" bezeichnet?
Aufgrund der sich permanent wandelnden globalen Markt- und Wettbewerbsbedingungen ist die Reorganisation kein einmaliges Projekt, sondern eine kontinuierliche Anpassungsleistung von Organisationen.
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- Dagmar Gnida (Author), 2006, Tendenzen der Unternehmensreorganisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66257