Der Mythos Mafia hat in der Vergangenheit viele Menschen, vor allem Regisseure und Autoren in ihren Bann gezogen. Dabei hat sicher jeder eine andere, ganz eigene Vorstellung, welche Eigenschaften und Vorkommnisse er mit dem Begriff “Mafia” in Verbindung setzt.
Gegenstand dieses Aufsatzes ist das 1970 erschienene Buch von Henner Hess, dass den Namen “Mafia” trägt.
Der Zeitraum der Untersuchung die Hess anstellte und deren Ergebnisse sich zum größten Teil aus archivierten Akten und vergangenen Geschehen zusammensetzen, sind die Jahre zwischen 1880 und 1890, die Provinzen, auf die seine Ausführungen bezogen sind, liegen im westlichen Siziliens.
Die Jahre zw. 1880 und 1890 können als die “klassischen Jahre” der Mafiosi angesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Mythos Mafia
2. Der Zeitraum der Untersuchung
3. Definition mafioser Verhaltensweisen
3.1 Abgrenzung zum Brigantaggio
3.2 Der Typ des ladrismo
4. Mafia als psychische Attitüde
5. Grundlagen der Entstehung des Typus Mafioso
5.1 Historische Hintergründe und koloniale Beherrschung
5.2 Die doppelte Moral
6. Strukturierung mafioser Gruppierungen
6.1 Die Cosca und ihre Funktionsweise
6.2 Das Partito als Machtnetzwerk
6.3 Die Faktio als Gesamtheit der Verbindungen
7. Kritische Auseinandersetzung mit anderen Autoren
8. Das Normensystem der Omertà
9. Die Funktion mafiosen Verhaltens
10. Mafioso versus Gangster
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Henner Hess’ Werk „Mafia“ auseinander, um den Mythos Mafia zu dekonstruieren und ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis für die Strukturen, Normen und Funktionen mafioser Gruppierungen im Sizilien des späten 19. Jahrhunderts zu entwickeln.
- Dekonstruktion des populärkulturellen Mafia-Mythos
- Analyse soziologischer Entstehungsfaktoren mafioser Macht
- Unterscheidung zwischen kriminellen Banden und mafiosen Strukturen
- Erläuterung der Funktionsweise von „Cosca“, „Partito“ und „Faktio“
- Reflektion über das Normensystem der „Omertà“
Auszug aus dem Buch
Strukturierung mafioser Gruppierungen
Nun geht Hess auf die genauere Strukturierung mafioser Gruppierungen ein. Diesen Bereich werde ich nicht in seiner gesamten Breite ausführen, sondern nur einen Einblick in die wichtigsten Verzweigungen der mafiosen Gebilde geben. Als erstes wende ich mich der bereits genannten „cosca“ zu. Es sollte im Vorfeld nicht der falsche Eindruck entstehen, es handle sich dabei um eine einzige Gruppe. Es handelt sich um eine Vielzahl von dyadischen Beziehungen eines Mafioso. Bei diesen Beziehungen handelt es sich teils um einzelne Personen, teils um ganze Banden. Oft werden auch verschieden, unabhängige Personen durch den Mafioso zum gemeinsamen Handeln beauftragt. Das einzige Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht in der Tatsache, dass alle dieselben Feinde bzw. das gleiche Ziel vor Augen haben. Zwischen dem Mafioso und den voneinander unabhängigen Personen (sog. „bassi mafiosi“) entsteht ein Tauschverhältnis von Waren aber auch von verschiedenen Leistungen, die erfüllt werden müssen, z.B. das Ausführen eines Mordes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Mythos Mafia: Einführung in die Faszination, die das Thema auf Regisseure und Autoren ausübt, sowie Vorstellung des zu analysierenden Werks.
2. Der Zeitraum der Untersuchung: Eingrenzung der historischen Untersuchung auf das westliche Sizilien zwischen 1880 und 1890.
3. Definition mafioser Verhaltensweisen: Differenzierung zwischen der Mafia und anderen kriminellen Formen wie dem Brigantaggio oder dem ladrismo.
4. Mafia als psychische Attitüde: Interpretation der Mafia nicht als Organisation, sondern als moralischer Code und Lebenseinstellung.
5. Grundlagen der Entstehung des Typus Mafioso: Analyse der soziologischen Hintergründe, insbesondere der „doppelten Moral“ und des Misstrauens gegenüber dem Staat.
6. Strukturierung mafioser Gruppierungen: Detaillierte Darstellung der informellen Beziehungsgeflechte durch Begriffe wie Cosca, Partito und Faktio.
7. Kritische Auseinandersetzung mit anderen Autoren: Widerlegung verbreiteter Thesen über zentrale Geheimgesellschaften anhand von Beispielen wie Ed Reid oder Norman Lewis.
8. Das Normensystem der Omertà: Erläuterung des subkulturellen Normensystems, das auf Schweigen und physischer Gewalt basiert.
9. Die Funktion mafiosen Verhaltens: Untersuchung der Rolle des Mafioso als Mittler und Schutzherr innerhalb eines schwachen Staates.
10. Mafioso versus Gangster: Zusammenfassende Abgrenzung des klassischen Mafioso von modernen Gangster-Strukturen und Fazit der wissenschaftlichen Betrachtung.
Schlüsselwörter
Mafia, Henner Hess, Kriminalsoziologie, Sizilien, Omertà, Cosca, Partito, Faktio, organisierte Kriminalität, Subkultur, Macht, Gewalt, Brigantaggio, Mafia-Mythos, soziale Struktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit einer wissenschaftlichen Analyse des Phänomens Mafia unter Bezugnahme auf das Werk „Mafia“ von Henner Hess aus dem Jahr 1970.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die soziologische Entstehung mafioser Strukturen, die Abgrenzung von organisierter Kriminalität und die Analyse informeller Machtmechanismen im westlichen Sizilien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den populären Mythos der Mafia als straffe Organisation zu dekonstruieren und ein realistisches, auf historischen und soziologischen Fakten basierendes Bild der Mafiosi zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine theoretisch-analytische Herangehensweise, indem er archivierte Akten auswertet und existierende Theorien anderer Autoren mit belegbaren Fakten konfrontiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte, die informellen Beziehungsstrukturen (Cosca, Partito), das Normensystem der Omertà sowie die Funktion des Mafioso als Schutzherr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Mafia, Kriminalsoziologie, Omertà, Machtstrukturen, Sizilien und informelle Herrschaft definieren.
Wie unterscheidet Hess den Mafioso vom klassischen Banditen?
Der Mafioso findet in der Volksmoral Legitimation und Respekt, während der Bandit als Außenseiter ohne gesellschaftliches Ansehen agiert.
Was bedeutet der Begriff „doppelte Moral“ im Kontext des Textes?
Er beschreibt das Dualsystem aus staatlicher Rechtsordnung, die von der Bevölkerung abgelehnt wurde, und einer informellen Volksmoral, der man sich stattdessen unterordnete.
- Citation du texte
- Daniel Valente (Auteur), 2006, Essay zum Thema 'Mafia', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66262