Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?


Wissenschaftliche Studie, 2007

5 Seiten


Leseprobe

Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?

Von Armin Feldmann

Im „Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik“ steht im Beitrag zu Herzberg: „Hier erbauten die Grafen von Brehna eine heute nicht mehr erkennbare Burg, verlegten etwa 1184 ihren Sitz nach hier und betrieben eine 1254 bezeugte Münze.“[1]

Da eine solche Feststellung aus anderen Stellen der Literatur bisher nicht bekannt war, bot es sich an ihr nachzugehen. Das Ergebnis der entsprechenden Recherche soll hier vorgelegt werden.

Grafen von Brehna werden erstmals in einer Urkunde vom 29. September 1053 genannt, mit der Erzbischof Adalbert von Bremen das eben gegründete Kloster Goseck seiner Bremischen Kirche übertrug. Wenn auch die Urkunde hinsichtlich ihres Datums als eine Fälschung angesehen wird – tatsächlich ergibt sich aus zeitlichen Unstimmigkeiten in ihr, dass sie einiges jünger sein muss -, so wird doch die Existenz einer Grafschaft Brehna um die Mitte des 11. Jahrhunderts nirgends in Frage gestellt.

Ein Höhepunkt, aber auch eine Wende in der Entwicklung dieser Grafschaft war die Herrschaft Markgraf Konrads des Großen von Meißen, der als Erbe seines kinderlosen Onkels Thimo zusätzlich zu seiner Markgrafschaft auch die Grafschaften Wettin, Brehna und Eilenburg besaß. Ein Wendepunkt kam mit seinem Eintritt in das Kloster auf dem Lauterberg (heute Petersberg bei Halle/Saale), da er seine Besitzungen an seine fünf Söhne aufteilte. Der jüngste von ihnen, Friedrich, erhielt die Grafschaft Brehna als Allodialbesitz, d.h. ‚ganz eigens’ Land, das keinem höheren, ihm übergeordneten Lehnsherrn unterstellt war. Mitunter wird er in der Literatur deshalb als der Begründer des Brehnaer Grafengeschlechts bezeichnet; dann wird allerdings vergessen, dass es dieses bereits seit mindestens einhundert Jahren gab.

Friedrich I. war zwischen dem 27.02.1142 und dem 19.05.1145 geboren. Das kann deshalb so genau bestimmt werden, da von diesem Tag des Jahres 1142 die letzte Urkunde vorliegt, die seinen Namen nicht enthält, während mit dem Datum des Jahres 1145 die erste vorliegt, in der sein Name erscheint, er also inzwischen geboren war. Verheiratet war er mit Hedwig von Böhmen-Jamnitz, Tochter Herzog Diepolds I. Ihre beiden Söhne, die nacheinander dem Vater in der Grafschaft Brehna folgten, waren Otto I. (1182-1203) und Friedrich II. (1203-1221; u. U. hatte Friedrich II. bereits mit seinem Bruder seit 1182 gemeinsam regiert); dazu kam als Tochter Sophia, Äbtissin in Quedlinburg (1203-1225 mit kurzer Unterbrechung). Ihr Vater starb am 04.01.1182.

Wenn der oben zitierte Zeitpunkt der Verlagerung des Grafschaftssitzes nach Herzberg zutreffen sollte, wäre diese so gut wie unmittelbar nach dem Tode Friedrichs I. erfolgt.

Ein genaues Datum der Gründung Herzbergs liegt – wie das meist bei der Gründung von Ortschaften, auch bei Brehna, der Fall ist – nicht vor. In der ältesten regionalen Literatur[2] geht der Verfasser von einer Gründung durch Albrecht den Bären aus und gibt dafür etwas willkürlich das Jahr 1160 an[3], das oben zitierte „Lexikon Städte ...“ nennt die Mitte des 12. Jahrhunderts. Damit liegt die Entstehung des Ortes in der Zeit der mittelalterlichen deutschen Ostexpansion bzw. der bäuerlichen Landnahme östlich der Saale. Angesiedelt wurden vorwiegend Menschen aus den heutigen Niederlanden, damals Bestandteil des Deutschen Kaiserreichs und damit Deutsche: Herzberg ist eine deutsche Gründung, das Wort „Herz“ soll sich allerdings entwickelt haben aus dem damaligen „Hirz“ oder „Hirsch“[4], es verweist auf die Legende, die es um die Entstehung des Ortes gibt: Albrecht der Bär hatte auf seinem Schloss Bärwalde von einem mächtigen Hirsch gehört, der beobachtet worden war. Nach langem Bemühen konnte er ihn mit einem Pfeilschuss zur Strecke bringen, und er befahl an der Stelle, wo ihm das geglückt war, eine Stadt zu bauen, die er Hirzberg nannte[5]. Auch Hertisberg, Herceberch, Hirzberge, Hertzberg, Hertzeberg und Hertzbergk treten als Namensformen auf.[6] Bis heute steht der Hirsch – ein Zehnender – im Wappen der Stadt.[7]

Die erste urkundliche Nennung Herzbergs erfolgte am 14.06.1239 in einer am Ort ausgestellten Urkunde, mit der Graf Dietrich von Brehna (1234-1266/67) auf Drängen oder Bitten „unserer getreuen Bürger, die unsere Stadt bewohnen, die Hertisberg genannt wird“, einen Wald bei der Stadt überließ.[8] Damit haben wir gleichzeitig das erste urkundliche Auftreten der Grafen von Brehna im Zusammenhang mit Herzberg, das sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits zu einer Stadt entwickelt hatte. Alle früheren Bezugnahmen sind urkundlich nicht belegt.

[...]


[1] Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Leipzig 1984, S. 199.

[2] Schulze, Johann Christian: Chronik der ehemaligen Chur- und jetzigen Kreisstadt Herzberg. Herzberg 1842.

[3] a.a.O., S. 164.

[4] a.a.O.

[5] vgl. a.a.O., S. 45.

[6] vgl. a.a.O., S. 176 f.

[7] Lexikon Städte..., Abb. S. 198.

[8] Schulze, a.a.O., S. 404 f.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?
Autor
Jahr
2007
Seiten
5
Katalognummer
V66398
ISBN (eBook)
9783638584722
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einzeiliger Zeilenabstand, Zitierung über Fußnoten
Schlagworte
Sitz, Brehnaer, Grafschaft, Herzberg
Arbeit zitieren
Dipl.-Lehrer Armin Feldmann (Autor), 2007, Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66398

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sitz der Brehnaer Grafschaft in Herzberg?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden