In den letzten Jahren wuchs die Zahl derjenigen Unternehmen, die sich freiwillig für den Umweltschutz engagieren und proaktive (Umweltschutz-) Strategien verfolgen, stetig an. Während diese Tatsache auch durch den Einfluss strengerer Gesetzgebung, steigender Erwartungen von Anspruchsgruppen und kritischer Medienberichte erklärt werden kann, finden sich doch einzelne Unternehmen, die aus eigenem, freiwilligem Antrieb heraus innovative, über dem Durchschnitt liegende Lösungen verfolgen.
Diese Tatsache widerspricht der so genannten institutionellen Organisationstheorie, die unter vergleichbaren Unternehmen eine gleichartige strategische Ausrichtung - bedingt durch Erwartungen unternehmensexterner Anspruchsgruppen - vorhersagt. Es stellt sich somit die Frage, wie diese Unterschiede in der verfolgten Strategie erklärt werden können. Auch im Rahmen der institutionellen Organisationstheorie wird dabei die Bedeutung unternehmensinterner Faktoren, insbesondere die des letztlich über die Strategie entscheidenden Managers, anerkannt.
Ziel dieser Arbeit soll sein, die Bedeutung, die die subjektive Wahrnehmung des Managers von seiner Umgebung auf die Wahl der Umweltstrategie seines Unternehmens hat, zu untersuchen. Zunächst werden dazu in Abschnitt 2 die institutionelle Organisationstheorie und die von ihr vorhergesagten homogenen Strategien erläutert. Unter Gliederungspunkt 3 wird eine von der Homogenität abweichende, freiwillige Umweltstrategie beschrieben. Darauf folgend werden im vierten Kapitel verschiedene unternehmensexterne und -interne Ansätze, mit denen freiwillige Umweltstrategien erklärt werden, vorgestellt, um dann unter Punkt 5 die Wahrnehmungen des Managements in den Mittelpunkt zu stellen. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Risikowahrnehmung (5.1) - also der Einstufung eines Themas als Chance oder Bedrohung für das Unternehmen - und die Risikoneigung des einzelnen Managers (5.2) gelegt. Abschließend werden die theoretischen Überlegungen in einem Modell zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Homogene Strategien durch unternehmensexterne Einflüsse
3 Freiwillige Umweltstrategien
4 Erklärungsansätze für freiwillige Umweltstrategien
5 Der Managementeinfluss
5.1 Risikowahrnehmung
5.1.1 Einfluss der Corporate Identity
5.1.2 Einfluss der Firmengeschichte
5.1.3 Einfluss ungebundener Ressourcen
5.1.4 Einfluss von Umweltspezialisten im Unternehmen
5.1.5 Bereichsübergreifende Kommunikation
5.2 Risikoneigung
6 Theoretisches Modell des Managementeinflusses
7 Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Bedeutung, welche die subjektive Wahrnehmung eines Managers von seiner Umgebung auf die Wahl der Umweltstrategie seines Unternehmens ausübt. Dabei wird hinterfragt, warum Unternehmen von homogenen, durch externe Zwänge geprägten Strategien abweichen und stattdessen freiwillige, proaktive Umweltmaßnahmen verfolgen, wobei der individuelle Entscheidungsprozess des Managements im Zentrum steht.
- Institutionelle Organisationstheorie vs. freiwillige Umweltstrategien
- Die Rolle der Risikowahrnehmung bei der Strategiewahl
- Einflussfaktoren wie Corporate Identity, Firmengeschichte und Ressourcen
- Die Bedeutung interner Kommunikation und von Umweltspezialisten
- Die moderierende Wirkung der individuellen Risikoneigung des Managements
Auszug aus dem Buch
5.1 Risikowahrnehmung
Das Verfolgen freiwilliger Umweltstrategien birgt Risiken, indem es durch vermehrte Investition in integrierte Umweltschutztechnik und innovative Lösungsansätze, deren zukünftiger Erfolg sich nicht vorhersagen lässt, zusätzliche Komplexität in den betrieblichen Abläufen verursacht. Zudem ist an die Gefahr finanzieller Verluste zu denken. Manager müssen die sich ihnen bietenden Handlungsalternativen interpretieren. Eine Möglichkeit des Managements besteht hierbei darin, umweltbezogene Themen als Chance oder als Bedrohung für das eigene Unternehmen zu kategorisieren. Es hat sich gezeigt, dass die Einstufung von Umweltbelangen als Chance, zusätzliche Gewinne für das Unternehmen zu erwirtschaften, eine Voraussetzung für freiwillige Umweltstrategien ist. Das Empfinden einer Bedrohung durch eine freiwillige umweltstrategische Ausrichtung führt tendenziell zu reaktivem Verhalten und somit zu steigendem institutionellen Einfluss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik freiwilliger Umweltstrategien ein, stellt den Gegensatz zur institutionellen Organisationstheorie dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses des Managements.
2 Homogene Strategien durch unternehmensexterne Einflüsse: Hier wird erläutert, wie externe Anspruchsgruppen und institutionelle Zwänge Unternehmen zu einer gleichartigen strategischen Ausrichtung (Isomorphie) drängen.
3 Freiwillige Umweltstrategien: Dieses Kapitel beschreibt Verhaltensweisen von Unternehmen, die über das von externer Seite geforderte Mindestmaß hinausgehen und eine freiwillige Abweichung von der Homogenität darstellen.
4 Erklärungsansätze für freiwillige Umweltstrategien: Es werden verschiedene Kategorien von Einflussfaktoren vorgestellt, die das Ausbrechen aus der Isomorphie erklären können, unterteilt in unternehmensexterne und -interne Ansätze.
5 Der Managementeinfluss: Dieser zentrale Abschnitt analysiert, wie die individuelle Wahrnehmung des Managers – beeinflusst durch Faktoren wie Corporate Identity, Geschichte, Ressourcen und Kommunikation – die Interpretation von Umweltfragen als Chance oder Bedrohung bestimmt.
6 Theoretisches Modell des Managementeinflusses: Dieses Kapitel führt die theoretischen Überlegungen in einem Modell zusammen, das den Prozess der Strategieentscheidung unter Berücksichtigung der Risikowahrnehmung und -neigung illustriert.
7 Schlussteil: Zusammenfassend wird betont, dass die Wahl einer Umweltstrategie kein rein deterministischer Prozess durch externe Kräfte ist, sondern maßgeblich durch die Interpretation und Risikoneigung des Managements geprägt wird.
Schlüsselwörter
Managementeinfluss, Umweltstrategie, Freiwilligkeit, Risikowahrnehmung, Risikoneigung, Corporate Identity, Firmengeschichte, Organisationstheorie, Unternehmensumfeld, Umweltschutz, Proaktivität, Entscheidungsfindung, Ressourcen, institutioneller Druck, strategische Ausrichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die beeinflussen, warum einige Unternehmen freiwillige, proaktive Umweltstrategien verfolgen, während andere lediglich externe Anforderungen erfüllen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verbindet die institutionelle Organisationstheorie mit Ansätzen aus der Management- und Entscheidungsforschung, um das Zustandekommen umweltstrategischer Entscheidungen zu erklären.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie die subjektive Wahrnehmung eines Managers von seiner Unternehmensumgebung die Wahl einer bestimmten Umweltstrategie beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert, um ein Modell für den Managementeinfluss auf umweltstrategische Entscheidungen zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit externen institutionellen Einflüssen, der Definition freiwilliger Strategien und insbesondere dem psychologischen Entscheidungsprozess des Managements unter Berücksichtigung von Risikowahrnehmung und -neigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Managementeinfluss, Umweltstrategie, Risikowahrnehmung, Risikoneigung und die institutionelle Organisationstheorie.
Welchen Einfluss hat die Corporate Identity auf die Umweltstrategie?
Die Corporate Identity fungiert als Rahmen für das Selbstverständnis. Je stärker ökologische Verantwortung Teil dieser Identität ist, desto eher werden Umweltaspekte als Chance für das Unternehmen wahrgenommen.
Wie moderieren ungebundene Ressourcen die Strategiewahl?
Freie Ressourcen ermöglichen Managern den Spielraum für kreatives und experimentelles Verhalten, das über die bloße Bewältigung akuter operativer Probleme hinausgeht, wodurch innovative Umweltlösungen erst möglich werden.
- Quote paper
- Florian Lüders (Author), 2006, Managerial Influence On Corporate Choice Of Environmental Strategy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66473