Denkt man an die unzähligen Kriege der hellenistischen und der römischen Zeit, so denkt man meistens an blutige Schlachten und ihre Folgen, an eroberte und geplünderte Städte und an ehrenvolle oder auch unrühmliche Feldherren. Man denkt dabei jedoch selten an die vielen griechischen und römischen Soldaten, die in diesen Kriegen gegen Feinde von Innen oder Außen kämpften. Noch weniger Beachtung findet die große Zahl fremder Söldner, welche zur Unterstützung der hellenistischen und römischen Heere rekrutiert wurde. Viele dieser Söldner stammten aus den häufig armen und unwirtlichen Regionen nördlich von Griechenland. Dieses Gebiet, welches als Thrakien bezeichnet wurde, bewohnten unzählige Stämme. Viele waren bedeutungslos, andere, wie das Reich der Odrysen, erlangten auch über ihre Grenzen hinaus Macht und Einfluss.
Welche Bedeutung hatten diese thrakischen Söldner in den hellenistischen Heeren und den Armeen Roms? Wie wurden sie von den Einheimischen gesehen? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Präsenz thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren liegen. Auskunft darüber geben Schriften antiker Autoren, epigraphische Quellen, Papyri und Abbildungen auf Keramiken. Bei der Behandlung dieses Themas folgt zunächst ein historischer Überblick über die Präsenz von thrakischen Söldnern von der homerischen Zeit (ca. 8. Jahrhundert v. Chr.) bis zum ersten vorchristlichen Jahrhundert in Griechenland. Anschließend soll die Bedeutung der Thraker in den hellenistischen Heeren behandelt werden. Als nächstes wird untersucht, wie die Griechen die thrakischen Söldner sahen, welche Meinung sie von ihnen hatten. Da die Überlieferung aus dem Ägypten der ptolemäischen und römischen Zeit besonders gut ist, soll dann den thrakischen Söldnern dieser Region ein eigenes Kapitel gewidmet werden.
Die Präsenz von Thrakern in der römischen Flotte soll nur exemplarisch anhand von Flottendiplomen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. aufgezeigt werden. Abschließend zeigt eine kleine Zusammenstellung von vier thrakischen Auxiliareinheiten wie diese Truppen an verschiedenen Krisenherden des Imperium Romanum eingesetzt wurden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Thrakische Söldner in hellenistischen Heeren
1.1. Historischer Überblick
1.2. Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren
1.3. Thrakische Söldner aus der Sicht der Griechen
2. Thrakische Söldner in Ägypten während der hellenistischen und römischen Zeit
3. Thraker in römischen Heeren
3.1. Thraker in der römischen Flotte
3.2. Thrakische Hilfstruppen im römischen Heer
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Präsenz, die militärische Rolle und die gesellschaftliche Wahrnehmung thrakischer Söldner in den Heeren der hellenistischen Epoche sowie der römischen Zeit. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie diese Söldner in den militärischen Alltag integriert waren und welchen Stellenwert sie innerhalb der jeweiligen Streitkräfte einnahmen.
- Historische Entwicklung der thrakischen Söldnertätigkeit von der homerischen Zeit bis zur römischen Epoche.
- Die taktische Bedeutung der leichtbewaffneten thrakischen Peltasten in der antiken Kriegführung.
- Die Wahrnehmung und Stigmatisierung von Thrakern durch griechische Zeitgenossen und antike Autoren.
- Analyse der thrakischen Präsenz in Ägypten anhand papyrologischer und epigraphischer Quellen.
- Untersuchung des Einsatzes thrakischer Veteranen in der römischen Flotte und als Auxiliartruppen.
Auszug aus dem Buch
1.2. Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen Heeren
Thrakische Krieger waren begehrte Söldner für die griechischen Heere der hellenistischen Zeit. Thrakien bot ein beinahe unerschöpfliches Reservoir an Söldnern, die durch die ständigen Stammeskämpfe kampferprobt waren. Nach Angaben des antiken Historikers Thukydides führte der odrysische König Sitalkes 429 v. Chr. eine Armee von 100.000 Soldaten und 50.000 Reitern an. Herodot schreibt gar, „das thrakische Volk ist nach dem indischen das größte der Erde“, das, „wäre es einig und hätte [...] nur einen Herrscher, [...] das mächtigste Volk, das es gibt“, sein könnte.
Selbst wenn diese Angaben der antiken Autoren übertrieben sind, zeigen sie doch, wie groß das Potenzial an Söldnern, die sich aus den unterschiedlichen thrakischen Stämmen rekrutieren ließen, war. Dennoch spielten die hauptsächlich leichtbewaffneten thrakischen Söldner in den hellenistischen Heeren meist keine entscheidende Rolle, denn die Kampfweise der traditionellen griechischen Hopliten bestimmte weiterhin das Bild. Erst Alexander der Große setzte die Thraker in großer Zahl in seinen Armeen ein. Die Söldner wurden meist nicht speziell ausgebildet, sie zogen nur mit in die Schlacht. Alexander der Große und Philip V. sind hierbei als Ausnahmen zu betrachten, sie drillten auch ihre Söldnerheere.
Eine typisch thrakische Truppengattung waren die Peltasten. Ihren Namen erhielten sie von ihrem charakteristisch geformten Schild, der pelta. Die Griechen sahen in der pelta ein typisch thrakisches Attribut. Sie war leichter als das Schild der Hopliten und war mit Schafs- oder Ziegenleder bespannt. Häufig wurden sie mit Augen, Nase und Mund bemalt.
Die Peltasten waren nur leicht bewaffnet. Neben der bereits erwähnten pelta kämpften sie mit leichten Speeren oder Wurfspeeren. Sie waren so in hügeligem Gelände durch ihre Beweglichkeit den schwerbewaffneten Hopliten überlegen. Ein Beispiel soll die Kampfweise der Peltasten im Folgenden verdeutlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung bezüglich der militärischen Bedeutung thrakischer Söldner und erläutert die verwendete Quellenbasis sowie den Aufbau der Untersuchung.
1. Thrakische Söldner in hellenistischen Heeren: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über den Einsatz thrakischer Kämpfer und analysiert deren Kampfweise sowie ihre Wahrnehmung durch die Griechen.
2. Thrakische Söldner in Ägypten während der hellenistischen und römischen Zeit: Hier wird anhand von Papyri und Inschriften die soziale Integration und berufliche Verteilung der Thraker in Ägypten untersucht.
3. Thraker in römischen Heeren: Das Kapitel behandelt die Rolle von Thrakern in der römischen Flotte anhand von Diplomen und analysiert den Einsatz thrakischer Auxiliartruppen in verschiedenen Provinzen.
Schlüsselwörter
Thraker, Söldner, Peltasten, hellenistische Heere, römische Flotte, Auxiliartruppen, Antike, Militärgeschichte, Imperium Romanum, Papyrologie, Epigraphik, Hopliten, Rekrutierung, Alexander der Große, Thrakien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte, den Einsatz und die Bedeutung thrakischer Söldner in den Heeren des hellenistischen Griechenlands und des Römischen Reiches.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Rolle der thrakischen Peltasten, der sozialen Integration thrakischer Migranten in Ägypten sowie der administrativen Einbindung von Thrakern in römische Flotten- und Hilfstruppenverbände.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Präsenz thrakischer Söldner über verschiedene Epochen hinweg aufzuzeigen und zu klären, wie sie von ihren Dienstherren und Zeitgenossen wahrgenommen wurden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine interdisziplinäre Auswertung antiker historiographischer Texte, archäologischer Keramikfunde sowie papyrologischer und epigraphischer Zeugnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: die Entwicklung der thrakischen Söldnertätigkeit in hellenistischen Heeren, die Ansiedlung von Thrakern in Ägypten und ihre Rolle im römischen Militärwesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Thraker, Söldner, Peltasten, Auxiliartruppen, militärische Integration und antike Rekrutierung.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Thraker in der Antike von der Realität?
Während antike Autoren wie Thukydides Thraker oft als unzivilisierte "Barbaren" und Plünderer diskreditierten, belegen Quellen wie Flottendiplome ihre integrierte Rolle als Soldaten, die nach langjährigem Dienst sogar das römische Bürgerrecht erlangen konnten.
Welche Rolle spielten die Flottendiplome für die Untersuchung?
Die Flottendiplome dienen als zentrale Beweisstücke, um die Herkunft der Soldaten, ihre Dienstzeit und ihre spätere Ansiedlung sowie die gezielte Rekrutierung im thrakischen Raum zu belegen.
- Quote paper
- Gergely Kapolnasi (Author), 2006, Präsenz und Bedeutung thrakischer Söldner in den hellenistischen und römischen Heeren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66593