Während des Projektes wird der Frage nachgegangen, inwieweit ‚Pferdestärken Kinder stärken’, d.h. inwiefern die Kinder kooperative Kompetenzen im gemeinsamen Umgang mit einem Pferd erwerben und diese auf andere Situationen transferieren können. Hierzu wird zunächst von den allgemeinen Beobachtungen während des Unterrichts ausgehend im ersten Teil der Arbeit die theoretischen Grundlagen zu den Bereichen Verhaltensauffälligkeiten und soziales Lernen, speziell Kooperation erläutert und die zugrunde liegende Sichtweise und Definition für die sich anschließende Förderung klar umrissen. Aufbauend auf dem theoretischen Hintergrundwissen wird die Lerngruppe im Hinblick auf den Entwicklungsstand, die Verhaltensauffälligkeiten und sozialen Kompetenzen beschrieben und somit die Auswahl der Kinder für diese pädagogische Förderung begründet. Daran schließt sich in einem zweiten Teil die Legitimation der pädagogischen Maßnahme des Reitprojektes an. Im dritten Teil der Arbeit wird zunächst die Einbettung des Reitprojektes in den Regelunterricht erläutert. Darauf folgend werden einzelne Frequenzen des Reitprojektes dargestellt und beobachtetes Verhalten der Lerngruppe reflektiert. In der Gesamtreflexion werden projektumfassende Entwicklungen aufgezeigt und es wird analysiert, inwieweit erworbene Handlungsstrategien auf andere Unterrichtssituationen transferiert werden konnten.
Abschließend werden Überlegungen angestellt, die die Bedeutung und Wirksamkeit des Projekts hinterfragen. Gleichzeitig werden Verbesserungsvorschläge angedacht und ein Fazit für die Fortführung des Projekts gezogen.
Die Erfolge der Förderung sollen sich in beobachtbaren Veränderungen im Verhalten der Kinder niederschlagen. Die Verhaltensbeobachtung ist demzufolge sowohl zur Indikation der Verhaltensauffälligkeiten, als auch zur Erfolgskontrolle der pädagogischen Maßnahme erforderlich. Im Anhang befinden sich Beobachtungsprotokolle, die das Problemverhalten spezifizieren und als Grundlage für die Fördermaßnahme dienen. Des Weiteren sind Beobachtungsprotokolle sowie ein Dokumentarfilm angehängt, die einen Überblick über den Projektverlauf liefern, das Zielverhalten darlegen und die von den Kindern erworbenen Handlungskompetenzen verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
I. TEIL THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZU VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN UND DEM SOZIALEN LERNEN
1. VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN
1.1 DEFINITION VERHALTENSAUFFÄLLIGKEIT UND –STÖRUNG
1.2 ABGRENZUNG ZWISCHEN ‚NORMALEM’ UND ‚ABWEICHENDEM’ VERHALTEN
1.3 URSACHEN VON VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN BZW. -STÖRUNGEN
2. SOZIALES LERNEN
2.1 SOZIALES LERNEN IM SPORTUNTERRICHT
2.2 DER KOMPETENZBEGRIFF
2.3 SOZIALE KOMPETENZEN UND DER KOOPERATIONSBEGRIFF
2.4 ENTWICKLUNG SOZIALER KOMPETENZEN
2.5 ERWARTUNGSHORIZONT FÜR DIE ERSTE UND ZWEITE ENTWICKLUNGSSTUFE
3. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG
3. 1 LERNVORAUSSETZUNGEN
3.1.1 AUF WELCHER STUFE DER ENTWICKLUNG STEHEN DIE KINDER?
3.1.2 WELCHE KOMPETENZEN SIND IM BEREICH DES SOZIALEN LERNENS VORHANDEN?
3.1.3 WELCHE INNER- UND AUBERSCHULISCHEN FÖRDERMAßNAHMEN ERFOLGTEN BISHER?
II. TEIL THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUM REITPROJEKT
1. REITEN ALS BESONDERE PÄDAGOGISCHE MAßNAHME
1.1 BEZIEHUNGSFÄHIGKEIT DES PFERDES
1.2 BEWEGUNGSLERNEN UND MOTIVATIONSCHARAKTER
1.3 WAHRNEHMUNGSFÖRDERUNG
III. TEIL PRAKTISCHE DURCHFÜHRUNG DES REITPROJEKTES
1. ORGANISATION IM SCHULALLTAG
2. GRUNDMUSTER DER PROJEKTSTUNDEN
3. EXEMPLARISCHE DARSTELLUNG EINZELNER LERNSITUATIONEN IM BEREICH ‚KOOPERATION’
3.1 GEMEINSAME ZIELVERFOLGUNG UND PROBLEMLÖSUNG
3.2 AUFSCHIEBEN EIGENER BEDÜRFNISSE
3. 3 HANDLUNGSWEISEN REFLEKTIEREN
4. REFLEXION EXEMPLARISCHER LERNSITUATIONEN
4.1 REFLEXION DER GEMEINSAMEN ZIELVERFOLGUNG
4.2 REFLEXION ÜBER DAS AUFSCHIEBEN VON BEDÜRFNISSEN
4.3 REFLEXION ÜBERDACHTER HANDLUNGSSTRATEGIEN
5. GESAMTREFLEXION
6. AUSBLICK
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Wirksamkeit eines reitpädagogischen Projekts zur Förderung der sozialen Kompetenzen, insbesondere der Kooperationsfähigkeit, bei verhaltensauffälligen Kindern der Grundschule. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, inwieweit der gemeinsame Umgang mit dem Pferd die Kinder dazu befähigt, kooperative Handlungsmuster zu erwerben und diese auf andere Alltagssituationen zu übertragen.
- Soziale Entwicklung und Verhaltensauffälligkeiten in der Grundschule
- Kooperatives Lernen im Sport- und Reitunterricht
- Entwicklung sozialer Kompetenzen und Perspektivübernahme
- Praktische Implementierung eines Reitprojekts als pädagogische Maßnahme
- Beobachtung und Reflexion von Lernsituationen in Kleingruppen
Auszug aus dem Buch
1.2 Abgrenzung zwischen ‚normalem’ und ‚abweichendem’ Verhalten
„Die Kriterien, nach denen ein Verhalten als ‚normal’ oder ‚auffällig’ beurteilt wird, sind sehr unterschiedlich. Die Normalität des Verhaltens ist keine absolute, messbare Größe.“ Es existieren jedoch verbindliche Vorstellungen und Begrifflichkeiten darüber, was als verhaltensauffällig bzw. –gestört oder ‚normal’ gilt. Die Einordnung, ob ein Verhalten noch als „normal“ und altersgemäß bezeichnet wird oder schon als auffällig gilt, „hängt von dem jeweiligen Gesellschaftssystem und der jeweiligen Kultur ab.“ Ebenso entscheiden „Ausmaß, Dauer, Häufigkeit und Ausprägung der Verhaltensmerkmale“, ob ein Verhalten normal oder abweichend ist. METZINGER betont, dass drei wichtige Bezugsnormen zu beachten sind, wenn man ein Verhalten als vom „Normverhalten abweichend bestimmt“:
1. die statistische Norm
„Als Norm gilt ein statistisch errechneter Durchschnittswert.“ Das heißt, das was die Menschen am häufigsten tun, wird als Normwert definiert und muss sich nicht mit dem sozial Wünschenswerten decken.
2. die sozio-kulturelle Norm
Als Orientierung gelten bei diesem Normbegriff die vorherrschenden und allgemein gültigen Normen sowie gesetzliche Bestimmungen. Normal ist also ein Verhalten, das gesellschaftlich wünschenswert ist. Die Gesellschaft gibt einen Norm-Soll-Wert vor, d.h. ein „ideal richtiges Verhalten, das vom Einzelnen erreicht werden soll.“
3. die individuelle Norm
„Normalität wird dann beurteilt, ob es von der persönlichen Norm abweicht oder nicht.“ Hierbei gilt es zu bedenken, dass als Maßstab die subjektive Einschätzung des Beobachters dient, inwieweit das Verhalten den eigenen Normvorstellungen entspricht, d.h. noch im Toleranzbereich liegt oder bereits als Normüberschreitung gilt. Normen können über- oder unterschritten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN: Dieses Kapitel definiert Verhaltensauffälligkeiten und -störungen als Zuschreibungsprozesse und beleuchtet verschiedene theoretische Erklärungsansätze sowie Bezugsnormen für deren Bewertung.
2. SOZIALES LERNEN: Hier wird der theoretische Rahmen des sozialen Lernens abgesteckt, soziale Kompetenzen definiert und die Entwicklung der Perspektivübernahme als entscheidende Voraussetzung für Kooperation erläutert.
3. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Analyse der teilnehmenden Kinder, ihrer individuellen Problematiken und der Lernvoraussetzungen, die den Förderbedarf begründen.
1. REITEN ALS BESONDERE PÄDAGOGISCHE MAßNAHME: Der zweite Teil der Arbeit begründet das Reitprojekt wissenschaftlich durch das besondere Potential von Mensch-Pferd-Interaktionen im Bereich der Beziehungsfähigkeit und Wahrnehmungsförderung.
1. ORGANISATION IM SCHULALLTAG: Hier wird die praktische Einbettung des Reitprojekts in den schulischen Kontext sowie die strukturelle Organisation erläutert.
2. GRUNDMUSTER DER PROJEKTSTUNDEN: Dieses Kapitel stellt den pädagogisch strukturierten Ablauf der einzelnen Projektstunden von der Hinführung bis zum Abschlussgespräch vor.
3. EXEMPLARISCHE DARSTELLUNG EINZELNER LERNSITUATIONEN IM BEREICH ‚KOOPERATION’: Hier werden konkrete pädagogische Situationen beschrieben, in denen Kinder gemeinsam Ziele verfolgen und Probleme lösen.
4. REFLEXION EXEMPLARISCHER LERNSITUATIONEN: Das Kapitel reflektiert und interpretiert die beobachteten Entwicklungen der Kinder in den verschiedenen Lernsituationen basierend auf Videoanalysen.
5. GESAMTREFLEXION: Eine zusammenfassende Analyse der Fortschritte der Kinder in Bezug auf soziale Kompetenzen und der Transfererfolge in den Schulalltag.
6. AUSBLICK: Der Ausblick bewertet das Projekt positiv und spricht sich für eine Fortführung aus, um die gewonnenen Kompetenzen nachhaltig zu festigen.
Schlüsselwörter
Soziales Lernen, Verhaltensauffälligkeiten, Kooperationsfähigkeit, Reitprojekt, Sonderpädagogik, Grundschule, Handlungskompetenz, Perspektivübernahme, Inklusion, Wahrnehmungsförderung, Gruppendynamik, Schulsport, Verhaltensbeobachtung, Lernprozesse, Soziale Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz eines reitpädagogischen Projekts als Interventionsmaßnahme zur Förderung des sozialen Verhaltens bei verhaltensauffälligen Grundschulkindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Verhaltensauffälligkeiten, soziales Lernen, die Förderung kooperativer Kompetenzen und die pädagogische Nutzung des Lernorts „Reitstall“.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob und wie Kinder durch den Umgang mit dem Pferd kooperative Kompetenzen erwerben und inwieweit diese auf den Regelunterricht übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein methodischer Mix aus Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und einer empirischen teilnehmenden Beobachtung sowie Videoanalyse der Projektstunden genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Lerngruppenbeschreibung, die Begründung des Reitprojekts sowie die praktische Durchführung und Reflexion der Lernsituationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Soziales Lernen, Kooperationsfähigkeit, Verhaltensauffälligkeiten, Reitpädagogik und Handlungskompetenz.
Wie unterscheidet sich die individuelle Problematik von Amin/Aminta im Vergleich zu Loubna/Figret?
Amin und Aminta zeigen initiativloses Rückzugsverhalten und soziale Isolation, während Loubna und Figret durch ein dominantes, teils aggressives Verhalten ohne Rücksicht auf Mitschüler auffallen.
Welche Rolle spielt das Pferd in der Interaktion mit den Kindern?
Das Pferd agiert als unvoreingenommener, emotionaler Spiegel und „Brücke“ zur Kontaktaufnahme, wobei es unmittelbar durch seine Körpersprache Feedback auf das Verhalten der Kinder gibt.
- Quote paper
- Tanja Vorderstemann (Author), 2006, Mit Pferdestärken Kinder stärken - Förderung des kooperativen Verhaltens von auffälligen Zweitklässlern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66660