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Zwischen Geschichte und Dichtung: "Der Dreißigjährige Krieg" von Ricarda Huch

Titre: Zwischen Geschichte und Dichtung: "Der Dreißigjährige Krieg" von Ricarda Huch

Dossier / Travail de Séminaire , 2004 , 20 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Monika Braun (Auteur)

Philologie Allemande - Divers
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„Dient die Geschichte der Dichtung oder umgekehrt?“ 2 stellt Ruth Klüger zur Diskussion. Kann man Geschichtsschreibung der Literatur gleichsetzen, ist sie nur ein ganz bestimmter Zweig der Literatur, wie es Golo Mann formuliert? 3 Wo liegt der Unterschied zwischen Dichter und Historiker? Diesen und ähnlichen Fragen gingen wir im Rahmen unseres Seminars zu Geschichte und Dichtung nach. Das Besondere an diesem Seminar war, dass wir Studierende der Geschichte uns auf literaturwissenschaftliches Terrain begaben. Für ein Semester durften wir unser quellenkritisches Werkzeug, mit dem wir - unserer Zunft gemäß -historische Schriftstücke bearbeiten, einmal aus der Hand legen. Wir tauschten die oft recht verschraubt formulierten Geschichtsdarstellungen auf unseren Schreibtischen gegen erlesene literarische Texte verschiedener Epochen von Autoren wie Balzac, Schiller, Hugo und Camus, in denen voller Spannung historische Ereignisse in vollendeter Sprache erzählt werden. Unser Leitsatz und thematischer Rahmen war also nach Ruth Klüger: „Dort, wo Geschichte zu Literatur verarbeitet wird, überschneiden sich die beiden Bereiche, und an dieser Schnittstelle wollen wir uns eine Weile aufhalten.“ 4 Zwischen eben diesen Bereichen bewegt sich auch der Gegenstand der vorliegenden Arbeit: „Der Dreißigjährige Krieg“ von Ricarda Huch ist ein Werk, in dem der Spagat zwischen Geschichte und Dichtung auf einzigartige Weise gelungen ist. Man liest nicht nur von den Ereignissen, Entwicklungen und intriganten Geflechten, die mit jenem Krieg verbunden waren und in einer absolut quellengetreuen Genauigkeit dargestellt werden, man tut dies auch noch mit Vergnügen. Man wird selbst - dank des erzählerischen Könnens der Autorin - gleichsam zum Augenzeugen des Geschehenen, zum engen Vertrauten der historischen Figuren. In dieser Arbeit soll an Hand von Textbeispielen gezeigt werden, wie die Autorin dies vollbrachte. Das Augenmerk liegt dabei auf der Figur Wallenstein, dessen Laufbahn und Charakter voller dichterischem Einfühlungsvermögen geschildert werden, ohne dabei die historischen Quellen zu vernachlässigen. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ricarda Huch

3 Über das Werk „Der Dreißigjährige Krieg”

4 Die von der Kritik aufgegriffenen Probleme

4.1 Das Problem der Gattung: Fiktion oder Geschichte?

4.2 Das Problem der Komposition: Mangel an Stringenz?

4.3 Das Problem der Objektivität

5 Die Figur Wallenstein

5.1 Das ‚Teuflische’ im Wesen Wallensteins

5.2 Der Politiker Wallenstein

5.3 Sein Sturz

5.4 Memento mori – Wallenstein und der Tod

5.5 Die fehlende Mordszene

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Roman „Der Dreißigjährige Krieg“ von Ricarda Huch im Spannungsfeld zwischen historiographischer Fakten-Treue und dichterischer Gestaltungskraft. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie es der Autorin gelingt, historische Ereignisse und die komplexe Figur Wallensteins mit erzählerischem Einfühlungsvermögen lebendig darzustellen, ohne den quellenkritischen Anspruch zu vernachlässigen.

  • Die Gattungsfrage: Fiktion oder Geschichtsschreibung?
  • Strukturanalyse: Komposition und episches Panorama des Krieges.
  • Die literarische Konstruktion der Figur Wallenstein.
  • Epische Distanz und das Verhältnis von Autorin zu ihren historischen Quellen.
  • Die Ästhetik der Aussparung (am Beispiel der Mordszene).

Auszug aus dem Buch

5.3 Sein Sturz

Ein Bild aber, das weit unter die Oberfläche seiner Verhaltensweise geht, zeichnet uns Ricarda Huch in seinem Zimmer im Schloss Kaunitz, das er „nach seinem Geschmack und Bedürfnis“ hat einrichten lassen. Auch hier ist kein historisches Detail verfälscht. Es ist die Szene, in der der zum ersten Mal abgesetzte kaiserliche General durch einen Gichtanfall Schmerzen leidet. Seine Krankheit, wie die übrigens der meisten anderen Personen des Werks, ist schon ein Symptom für die zersetzende Kraft in seinem Innern und das der ganzen Zeit. Nachdem Wallenstein den Arzt fortgeschickt hat, sieht er sich in seinem Zimmer um, seine äußere und innere Lage kommt ihm zu Bewusstsein:

„Durch das hohe, schmale, von schwarzem Tuch umrahmte Fenster fiel trüber, gelber Schein, der den Winkel, wo er saß, nicht erreichte; nur das Messinggestell, das eine Himmelskugel faßte und auf dem Tische stand, entzündete er zu gelbem Glimmen. Die Wände waren, um Geräusche abzuhalten, überall mit schwarzem Tuch verkleidet, nur ein Teil war von einem Gobelinteppich bedeckt, der das Paradies vorstellte. Auf der einen Seite sah man Löwen, Elefanten, Papageien und Meerkatzen, die mit lächelnden Gesichtern bunte Früchte von Palmbäumen pflückten, auf der anderen Seite die Vertreibung Adams und Evas, über deren tiefgebeugten Nacken sich eine Mähne ährengelber Locken ergoß. Die Dunkelheit schien diese Szenen mit einem Zauberstabe berührt und inmitten ihrer Wonne und Trauer entseelt zu haben.“

Die Passage besticht durch ihren besonderen Ton der Gedämpftheit, das Erzähltempo ist wesentlich herabgesetzt. Der Leser erlebt den langsam umherschweifenden Blick des Kranken förmlich mit. Auch seine Reizbarkeit, seine Melancholie gibt sich zu erkennen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zum Verhältnis von Geschichte und Literatur sowie Zielsetzung der Arbeit.

2 Ricarda Huch: Kurzer biographischer Abriss der Autorin und Einordnung ihres Werkes in ihre Zeit.

3 Über das Werk „Der Dreißigjährige Krieg”: Entstehungsgeschichte, Aufbau und allgemeine Merkmale des Romans.

4 Die von der Kritik aufgegriffenen Probleme: Diskussion der zeitgenössischen Kritik zu Gattung, Komposition und dem Anspruch auf Objektivität.

5 Die Figur Wallenstein: Detaillierte Analyse der Darstellung Wallensteins als ‚teuflische’ Figur, Politiker und Sterbender.

6 Schluss: Reflexion über den Wert des Werkes als Verbindung von Literatur und Geschichtswissenschaft.

Schlüsselwörter

Ricarda Huch, Der Dreißigjährige Krieg, Wallenstein, Geschichtsschreibung, Dichtung, Historischer Roman, Objektivität, Episodenhafte Komposition, Epische Distanz, Literaturwissenschaft, Quellenkritik, 17. Jahrhundert, Mordszene, Literatur, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert Ricarda Huchs Werk „Der Dreißigjährige Krieg“ als ein literarisches Werk, das den Anspruch erhebt, historische Fakten quellengetreu zu verarbeiten.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Arbeit behandelt die Gattungszugehörigkeit zwischen Roman und Geschichte, die Komposition des Werkes und die psychologische Darstellung der historischen Figur Wallenstein.

Was ist das primäre Ziel?

Es soll aufgezeigt werden, wie Ricarda Huch den Spagat zwischen historischer Authentizität und dichterischer Freiheit meistert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Auseinandersetzung mit der Kritik am Werk sowie eine detaillierte Charakterstudie Wallensteins.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Historische Authentizität, episches Erzählen, Quellenkritik und die literarische Gestaltung historischer Figuren.

Wie bewertet die Autorin Ricarda Huch den Mord an Wallenstein?

Ricarda Huch verzichtet bewusst auf die unmittelbare Darstellung der Mordszene, um stattdessen die psychologische und symbolische Wirkung des Geschehens in den Vordergrund zu stellen.

Welche Bedeutung hat die Himmelskugel für Wallenstein?

Sie fungiert als Symbol für seinen Herrscherwillen und sein Streben, während sie gleichzeitig die Diskrepanz zwischen seinen früheren Ambitionen und der gegenwärtigen Entmachtung verdeutlicht.

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Résumé des informations

Titre
Zwischen Geschichte und Dichtung: "Der Dreißigjährige Krieg" von Ricarda Huch
Université
Technical University of Berlin  (Institut für Geschichte und Kunstgeschichte)
Cours
Geschichte und Dichtung
Note
1,0
Auteur
Monika Braun (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
20
N° de catalogue
V66673
ISBN (ebook)
9783638599115
ISBN (Livre)
9783656250685
Langue
allemand
mots-clé
Geschichte Dichtung Dreißigjährige Krieg Ricarda Huch historischer Roman Ricarda Huch Wallenstein
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Monika Braun (Auteur), 2004, Zwischen Geschichte und Dichtung: "Der Dreißigjährige Krieg" von Ricarda Huch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66673
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Extrait de  20  pages
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