Wechselkursregimes in Europa und die Theorie optimaler Währungsräume


Seminararbeit, 2006
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das europäische Währungssystem
1.1 Die Entstehung des europäischen Währungssystems
1.2 Die Funktionsweise des europäischen Währungssystems
1.3 Die Entwicklung des europäischen Währungssystems hin zur EWS Krise

2. Die europäische Währungsunion
2.1 Die historische Entwicklung der europäischen Währungsunion
2.2 Die Konvergenzkriterien
2.3 Das gemeinsame Zentralbankensystem

3. Die Theorie optimaler Währungsräume
3.1 Die grundlegenden Annahmen zur Theorie optimaler Währungsräume
3.2 Die Betrachtung der Vor- und Nachteile einer Währungsunion
3.3 Ist Europa ein optimaler Währungsraum?

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den politischen und ökonomischen Faktoren der Entwicklung hin zur europäischen Währungsunion und der Einführung des Euro als gemeinsame europäische Währung.

Der 1. Teil beschreibt die Entstehung und Funktionsweise des europäischen Währungssystems (EWS). Außerdem wird das Scheitern dieses Systems in Verbindung mit der EWS-Krise dargestellt. Das EWS war das erste offizielle Wechselkurssystem in Europa und stellt somit einen wichtigen Schritt im Hinblick auf die Währungsunion dar

Der 2. Teil der Arbeit befasst sich mit der Entstehung der europäischen Währungsunion (EWU) mit dem letztendlichen Ziel der Einführung des Euros und der Errichtung des europäischen Systems der Zentralbanken. Die Entwicklungsschritte der EWU werden im Punkt 2.1 besprochen. Der Punkt 2.2 stellt die Konvergenzkriterien vor, die den Beitritt zur EWU regeln. Im Punkt 2.3 wird das gemeinsame Zentralbankensystem etwas näher erläutert.

Die Diskussion um die Errichtung der Währungsunion und die damit verbundene Fixierung der Wechselkurse innerhalb Europas führt dann zur Theorie der optimalen Währungsräume.

Mit den allgemeinen Grundlagen dieser Theorie und der notwendigen Betrachtung von potentiellen Vor- und Nachteilen einer solchen Währungsunion beschäftigen sich dann die Gliederungspunkte 3.1 und 3.2.

Nach dieser Abhandlung der Theorie optimaler Währungsräume, handelt dann der letzte Teil der Arbeit von der Frage, ob Europa als optimaler Währungsraum bezeichnet werden kann.

1. Das europäische Währungssystem (EWS)

1.1 Die Entstehung des europäischen Währungssystems

Dem Inkrafttreten des europäischen Währungssystems im März 1979 gingen verschiedene Bemühungen voraus, die Wechselkursschwankungen der innereuropäischen Währungen einzudämmen.

Bis zum Jahr 1973 sorgte das Bretton-Woods-System für fixe Wechselkurse einer jeden Landeswährungen gegenüber dem US-Dollar. Durch diese Wechselkursvereinbarungen wurden zugleich auch die Wechselkurse zweier Nichtdollar-Währungen bestimmt.[1]

Ein wichtiger Schritt in Richtung einer währungspolitischen Einigung Europas war die Annahme des Werner-Plans durch den Rat der europäischen Gemeinschaft im März 1971. In ihm wurden, in drei Stufen, Maßnahmen festgehalten, die unveränderliche Wechselkurse und ein übergeordnetes Banksystem in Europa zum Ziel hatten.[2]Für die Bemühungen um eine währungspolitische Einigung Europas gab es verschiedene Motive. Zum einen bestand der Wunsch nach einer Stärkung der Stellung Europas vor allem gegenüber dem Wirtschaftsraum der USA. Zum anderen war die Schaffung eines einheitlichen europäischen Marktes ein Grund. Die Staatsführer erhofften sich einen effizienteren innereuropäischen Handel durch den Wegfall von Wechselkursschwankungen und Außenhandelsbarrieren.[3]

Außerdem bieten stärkere wirtschaftliche und institutionelle Verflechtungen in Europa eine Möglichkeit dauerhaft den Frieden zu sichern.

Die weitere Durchführung des Werner-Planes litt unter dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973. Bedingt durch die mit dem Zusammenbruch dieses Systems verbundenen wirtschaftlichen Störungen, war die Mehrzahl der europäischen Regierungen nicht zu einem solchen Verzicht ihrer geldpolitischen Autonomie bereit.[4]

Trotzdem bestand weiterhin ein großes Interesse daran, die Schwankungen der Wechselkurse einzudämmen. Deshalb schlossen sich Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Belgien formlos zu einem Wechselkursverbund zusammen. Sie ließen fortan ihre Währungen en bloc gegenüber dem Dollar schwanken. Dieser Verbund wurde die europäische Währungsschlange genannt und war der direkte Vorläufer des europäischen Währungssystems.[5]

Im März 1979 wurde die Währungsschlange dann vom europäischen Währungssystem abgelöst. Das EWS hatte zunächst die acht Mitgliedsstaaten Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien, Dänemark, Luxemburg, Irland und die Niederlande. Diese waren nun erstmals in einem offiziellen Wechselkurssystem aneinander gebunden.

Ziel des EWS war es, zu einer stabilen Währungszone in Europa zu führen und eine auf größere innere und äußere Stabilität gerichtete Politik für die teilnehmenden Länder zu gewährleisten. Äußere Stabilität meint dabei die Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den Teilnehmerstaaten und innere Stabilität bedeutet ein höheres Maß an Währungsstabilität in der Gemeinschaft.[6]

Durch die Ratifizierung des Vertrages von Maastricht, kam dem EWS eine weitere wichtige Bedeutung zu. Von jedem Land, dass in die EWU eintreten wollte, wurde nun verlangt, dass der Wechselkurs in den zwei Jahren vor Beitritt, die vorgegebene Bandbreite nicht überschritt. Daher wurde ein funktionierendes EWS mit stabilen Wechselkursen nun Vorraussetzung für die, im Maastrichter Vertrag vorgesehene, Währungsunion.[7]

1.2 Die Funktionsweise des europäischen Währungssystems

Ein zentraler Baustein des europäischen Währungssystems war die Schaffung der europäischen Währungseinheit ECU (European Currency Unit).

Der ECU ist eine sog. Korbwährung. Das heißt, er setzt sich aus Anteilen aller Beteiligten Währungen zusammen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Anteile der einzelnen Währungen der wirtschaftlichen Bedeutung des jeweiligen Landes entsprachen. Deshalb wurden zur Bestimmung der Anteile Größen wie z.B. das Handelsvolumen oder das Bruttosozialprodukt herangezogen.[8]

Um eine ECU Gutschrift zu erhalten, mussten die Notenbanken der teilnehmenden Länder 20 % ihrer Dollar- und Goldreserven an das Europäische Währungsinstitut übertragen.

Die wichtigste Funktion des ECU war, dass er als Bezugsgröße für den Wechselkursmechanismus diente. Es wurde für jede Währung ein Leitkurs auf Grundlage des ECU festgelegt. Somit entstand ein Paritätengitter, mit dessen Hilfe man die Kurse der beteiligten Währungen untereinander bestimmen konnte.[9]

Gilt beispielsweise für die D-Mark ein ECU-Leitkurs von 1 ECU = 3 D-Mark und für den Franc 1 ECU = 6 Franc, so ergibt sich daraus ein Kurs von 1 D-Mark = 2 Franc.

Um das Ziel einer geringeren Bandbreite der Wechselkursschwankungen zu erreichen, durften die jeweiligen Wechselkurse nur im Rahmen von ± 2,25 % gegenüber dem festgelegten Leitkurs schwanken. Für einige Länder wie z.B. Spanien, Portugal oder Italien wurden Ausnahmen von dieser Regelung zugelassen. Ihre Kurse durften zeitweise um ±6 % schwanken. Dies geschah, um diesen Ländern, die alle mit instabilen Inflationsraten zu kämpfen hatten, eine größere geldpolitische Handlungsfreiheit zu lassen.[10]

Mit Hilfe dieser erlaubten Bandbreiten konnten nun für jede Währung Höchst- bzw. Niedrigstkurse berechnet werden. Wurden diese Kurse erreicht, so war die betroffene Notenbank zur Intervention verpflichtet, um die Stabilität des Währungssystems zu gewährleisten. Diese Kurse bilden also den oberen bzw. unteren Interventionspunkt.[11]Um bei Erreichen eines solchen Punktes denn Kurs im erlaubten Rahmen zu halten, nahmen die Notenbanken sog. obligatorische Interventionen vor. Die Notenbank des Schwachwährungslandes kauft dabei auf dem Devisenmarkt ihre eigene Währung an und bezahlt in Starkwährung. Auf der Gegenseite verkauft die Zentralbank des Starkwährungslandes ihre Währung gegen Schwachwährung. Auf diese Weise bleiben die Kurse im Rahmen.[12]

Um das Funktionieren dieses Interventionssystems zu sichern, gab es im EWS die finanziellen Beistandsmechanismen. Im Rahmen dieser Geschäfte vergab die Notenbank mit der starken Währungen ein Darlehen an die Zentralbank mit der schwächeren Währung, damit diese Bank dann die entsprechenden Transaktionen auf dem Devisenmarkt vornehmen kann.

Die Notenbanken können die Kurse auch vor Erreichen eines Interventionspunktes durch sog. intramarginale Interventionen steuern.[13]

Um Spannungen von Währungen anzuzeigen, bevor die Interventionspunkte erreicht werden, wurde ein sog. Abweichungsindikator berechnet. Er zeigt an, ob sich eine Währung signifikant anders entwickelt, als die übrigen. Bei der Berechung wird die Abweichung des ECU-Tageskurses vom Leitkurs bestimmt und mit der maximal zulässigen Abweichung abgeglichen.[14]

[...]


[1]Vgl. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), S.775.

[2]Vgl. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), S.775.

[3]Vgl. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), S.775 f.

[4]Vgl. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), S. 777.

[5]Vgl. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), S. 777.

[6]Vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief Nr. 326, S. 9.

[7]Vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief Nr. 326, S. 9 f.

[8]Vgl. van Bergeijk, Peter A.G.; Berndsen, Ron J.; Jansen, W. Jos (2000), S. 28.

[9]Vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief Nr. 326, S. 14 f.

[10]Vgl. Krugmann, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003) S. 777f.

[11]Vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief Nr. 326, S. 17.

[12]Vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief Nr. 326, S. 17.

[13]Vgl. Krugmann, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003) S, 778.

[14]Zur genauen Berechnung des Abweichungsindikator vgl. Institut Finanzen und Steuern, grüner Brief

Nr. 326, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Wechselkursregimes in Europa und die Theorie optimaler Währungsräume
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V66682
ISBN (eBook)
9783638599160
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wechselkursregimes, Europa, Theorie, Währungsräume
Arbeit zitieren
Frank Lesser (Autor), 2006, Wechselkursregimes in Europa und die Theorie optimaler Währungsräume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66682

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