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Wie 'modern' war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?

Titre: Wie 'modern' war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?

Recension Littéraire , 2004 , 9 Pages

Autor:in: Thomas Gräfe (Auteur)

Histoire - Généralités
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Die Rezension bespricht die Arbeiten von Stefan Rohrbacher und James F. Harris zum Frühantisemitismus in Deutschland (1815- 1849). Ausgangspunkt ist die Frage nach der Modernität der voremanzipatorischen Judenfeindlichkeit.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Wie „modern“ war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die historische Einordnung des sogenannten „Frühantisemitismus“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und hinterfragt, ob dieser bereits als Vorstufe des modernen Antisemitismus zu betrachten ist oder eine eigene, vormoderne Qualität besaß.

  • Analyse der Begriffsdefinitionen von Antijudaismus und Antisemitismus.
  • Untersuchung judenfeindlicher Ausschreitungen im Vormärz und in der Revolution 1848/49.
  • Kritische Würdigung der Thesen von Stefan Rohrbacher und James F. Harris.
  • Diskussion über die Kontinuität von Judenfeindlichkeit zwischen Mittelalter und Moderne.
  • Reflexion über die wissenschaftliche Periodisierung des Antisemitismus in Deutschland.

Auszug aus dem Buch

Wie „modern“ war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?

In der Antisemitismusforschung gibt es, idealtypisch vereinfacht, zwei Schulen, die den Begriff Antisemitismus unterschiedlich definieren. Einige Historiker und Soziologen subsumieren unter diesen Begriff alle judenfeindlichen Äußerungen und Handlungen gleich zu welcher Zeit und an welchem Ort. Akzeptiert man diese weit gefasste Definition, stellt sich die Frage nach der Entstehung des Antisemitismus nicht, denn er bildet in letzter Konsequenz eine anthropologische Konstante in der christlich- abendländischen Geschichte. Charakteristisch für Vertreter dieses Ansatzes ist, dass sie eine langfristige Kontinuität des christlichen Judenhasses vom Mittelalter in die Moderne annehmen. Zumindest aber unterstellen sie, dass die, in der Vormoderne geprägten, judenfeindlichen Mentalitäten relativ ungebrochen im modernen Antisemitismus weiterwirken.

Die Mehrheit vor allem der Neuzeithistoriker grenzt jedoch vormoderne (Antijudaismus) und moderne (Antisemitismus) Formen der Judenfeindschaft voneinander ab. Man definiert heute in Anlehnung an Reinhard Rürup den Antisemitismus als „postemanzipatorisches Phänomen“ und betont den Paradigmenwechsel von Religion zu Rasse, der erst die Bedingung der Möglichkeit für die nationalsozialistische Vernichtungspolitik geschaffen habe. Alte Ressentiments gegenüber Juden und neue rassentheoretische „Erkenntnisse“ wurden durch den modernen Antisemitismus in eine auf dem „politischen Massenmarkt“ angebotene Ideologie transformiert, die im „Juden“ den Repräsentanten einer verhassten oder gefürchteten Moderne erblickte. In Bezug auf Deutschland verortet man den Übergang zum modernen Antisemitismus folgerichtig in den 1870er Jahren und erkennt in Phänomenen und Ereignissen wie neuer Nationalismus, Kulturkampf und „Große Depression“ seine Auslöser.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Wie „modern“ war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?: Die Arbeit analysiert den Diskurs über den Frühantisemitismus, bewertet aktuelle Forschungspositionen und plädiert für eine differenzierte Betrachtung der Kontinuität zwischen traditionellem Judenhass und modernem Antisemitismus.

Schlüsselwörter

Frühantisemitismus, Antisemitismusforschung, Judenfeindschaft, Emanzipation, Antijudaismus, 19. Jahrhundert, Stefan Rohrbacher, James F. Harris, Vormärz, Revolution 1848/49, Nationalismus, Rasse, Historische Periodisierung, Stereotype, Judenfrage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einordnung judenfeindlicher Ausschreitungen und Diskurse in Deutschland zwischen 1815 und 1870 und prüft, inwiefern diese als moderne Phänomene oder als Fortsetzung vormoderner Traditionen zu verstehen sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Begriffsabgrenzung zwischen Frühantisemitismus und modernem Antisemitismus, die Untersuchung von Gewaltformen gegen Juden sowie die Analyse der Rolle von politischen Reformen und der Emanzipationsbewegung.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die klassische Periodisierung des modernen Antisemitismus als „postemanzipatorisches Phänomen“ zu hinterfragen und zu klären, ob die Judenfeindlichkeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits moderne politische Züge trug.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor führt eine kritische Literaturanalyse und einen Forschungsbericht durch, in dem er existierende Studien (insbesondere von Rohrbacher und Harris) vergleicht und ihre Thesen an Hand historischer Evidenz neu bewertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Gewaltformen des 19. Jahrhunderts, die Rolle der sozialen Herkunft von Tätern, die Bedeutung religiöser Stereotype und die Auswirkungen der offiziellen Emanzipationspolitik auf die Wahrnehmung der Juden in der Bevölkerung.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Frühantisemitismus, Judenemanzipation, Antijudaismus, Statuszuweisung, christlich-jüdischer Alltag, sowie die Unterscheidung zwischen symbolischer und eliminatorischer Gewalt.

Warum spielt die Studie von Stefan Rohrbacher eine wichtige Rolle?

Rohrbachers Studie ist zentral, da sie einen alltagsgeschichtlichen Ansatz wählt und judenfeindliche Ausschreitungen als symbolische Gewalt interpretiert, die aus sozialen Spannungen im christlich-jüdischen Alltag resultierte.

Welche These vertritt James F. Harris zur Einordnung des Antisemitismus?

Harris argumentiert, dass der Widerstand gegen die Judenemanzipation in Bayern bereits als moderne politische Bewegung zu verstehen ist und somit die Entstehung des modernen Antisemitismus vor das Jahr 1870 rückdatieren könnte.

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Résumé des informations

Titre
Wie 'modern' war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?
Université
Bielefeld University
Auteur
Thomas Gräfe (Auteur)
Année de publication
2004
Pages
9
N° de catalogue
V66695
ISBN (ebook)
9783638599252
ISBN (Livre)
9783656775461
Langue
allemand
mots-clé
Antisemitismus Reichsgründung Frühantisemitismus Antisemitismusforschung politische Gewalt Petitionen Judenemanzipation Emanzipation Stefan Rohrbacher James F. Harris Rezensionen Bayern
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GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Thomas Gräfe (Auteur), 2004, Wie 'modern' war der Antisemitismus vor der Reichsgründung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66695
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