Die Macht des Augustus basierte im Wesentlichen auf mehreren Komponenten: so etwa auf den Amts- und Befehlsgewalten, die ihm im Laufe der Jahre von Senat und Volk übertragen worden waren, auf seinem beachtlichen Wohlstand und Vermögen und auf den klientelartigen Beziehungen zu einflussreichen Einzelpersonen oder Gruppen. Laut Vittinghoff war vor allem der Reichtum der Adelsfamilie so groß, dass der Staat ohne ihn nicht hätte funktionieren können, da durch die gewährleistete Liquidität die Soldzahlungen des Militärs gesichert waren. Überhaupt konnte sich Augustus der Loyalität der Heerestruppen sicher sein und sie stellten somit ebenfalls eine wichtige Herrschaftsstütze dar.1 Es war natürlich fraglich, ob ein Nachfolger von Augustus in der Lage gewesen wäre, diese verschiedenen Elemente zusammen zu halten oder gar auszubauen.
Wie Augustus das Problem der Nachfolge zu lösen versuchte, soll in dieser Arbeit kurz dargestellt werden. Dabei erstreckt sich die Arbeit von den Anfängen der potentiellen Nachfolge durch Marcellus bis zu dem Tode des Augustus und seinem letztendlichen Nachfolger Tiberius. In diesem Zusammenhang sollen hauptsächlich Quellen von Sueton, Tacitus und Velleius Paterculus herangezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Marcellus
3. Agrippa und seine Söhne
4. Die Adoptivsöhne
5. Die Konkurrenten des julischen und des claudischen Geschlechts
6. Der Tod der Adoptivsöhne
7. Der Tod des Augustus und sein Testament
8. Fazit
9. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Bemühungen des Kaisers Augustus, eine stabile Nachfolgeregelung für sein Prinzipat zu etablieren, wobei insbesondere die Herausforderungen bei der Übertragung formal nicht vererbbarer Amtsgewalten auf Familienmitglieder beleuchtet werden.
- Die Herausforderungen bei der institutionellen Sicherung des Prinzipats.
- Die dynastischen Ambitionen und die Rolle der familiären Einbindung.
- Der Einfluss von Schicksalsschlägen und dem Tod potentieller Nachfolger.
- Die politische Rolle von Livia und die Konkurrenz innerhalb der julisch-claudischen Familie.
- Die Bedeutung von Testament und Adoption als Instrumente der Machtübergabe.
Auszug aus dem Buch
3. Agrippa und seine Söhne
Die bevorzugte Behandlung seines potentiellen Nachfolgers Marcellus hatte zwischen einem der treuesten Gefolgsmänner von Augustus, Agrippa, und dem Herrscher selbst Verstimmungen hervorgerufen. Doch angesichts einer lebensbedrohlichen Erkrankung des Prinzeps im Todesjahr des Marcellus, fiel der Focus des Kaisers auf seinen wichtigsten Vertrauten, der zu dieser Zeit ein erfolgreicher Feldherr und Verwaltungsmann, wenn auch ignobilem loco war. Er verfügte daher schon über Machtbefugnisse, die einer Kaisernachfolge gerecht gewesen wären.
Im Jahre 18 v. Chr. wurden Agrippa die tribunizische und prokonsularische Amtsgewalt ebenso wie Augustus übertragen, und obwohl Agrippa viele Ehrentitel und Ehrungen des Augustus nicht zuteil wurden, konnte man ihn durchaus auch als eine Art „Kollegen im Prinzipat“ ansehen.
Agrippa musste sich 23 v. Chr. von seiner bisherigen Gattin, die eine Nichte des Kaisers war, trennen und die nun verwitwete Julia zur Frau nehmen. Damit sollte er in die Familie integriert werden.
Zunehmend gerieten jedoch andere Kandidaten in die engere Auswahl des Nachzufolgenden, nämlich die beiden Söhne, die aus der Ehe zwischen Agrippa und Julia resultierten: Gaius und Lucius Caesar, geboren in den Jahren 20-17 v. Chr.. Augustus adoptierte die beiden Knaben gleich nach ihrer Geburt und machte aus seinen Enkeln Söhne. Die beiden Stiefsöhne Augustus, die Livia mit in die Ehe brachte, Tiberius und Drusus, hatten zunächst einmal das Nachsehen, obwohl Livia viel daran setzte, einem ihrer Söhne die erhoffte Position zu ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Grundlagen der Macht des Augustus und die daraus resultierende Problematik der Nachfolge, unter Einbeziehung antiker Quellen.
2. Marcellus: Das Kapitel behandelt die erste Phase der Nachfolgeplanung durch die Ehe Julias mit Marcellus und den frühen Tod des designierten Nachfolgers.
3. Agrippa und seine Söhne: Hier wird die Rolle des Agrippa als treuer Gefolgsmann und dessen Integration in die Familie durch die Ehe mit Julia analysiert.
4. Die Adoptivsöhne: Der Fokus liegt auf der Adoption von Gaius und Lucius Caesar und der daraus resultierenden Konstellation als offizielle Nachfolger.
5. Die Konkurrenten des julischen und des claudischen Geschlechts: Dieses Kapitel thematisiert die Spannungen zwischen Tiberius und den jungen Nachfolgern sowie die politische Zwangslage des Augustus.
6. Der Tod der Adoptivsöhne: Es wird der tragische Verlust der Wunschnachfolger beschrieben, der Augustus zur Reaktivierung des Stiefsohnes Tiberius zwang.
7. Der Tod des Augustus und sein Testament: Die Darstellung der letzten Lebensphase des Augustus, der Machtübergabe an Tiberius und die Bedeutung des Testaments stehen im Mittelpunkt.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der autokratischen Bestrebungen des Kaisers, die Nachfolge trotz politischer und persönlicher Widerstände dynastisch zu sichern.
9. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen für diese wissenschaftliche Arbeit.
Schlüsselwörter
Augustus, Prinzipat, Nachfolgeregelung, Tiberius, Agrippa, Julia, Gaius Caesar, Lucius Caesar, Adoption, julisch-claudisches Geschlecht, Machtübergabe, Res publica, Senat, Testament, Rom.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historischen Bemühungen von Kaiser Augustus, die Nachfolge für seine Herrschaft in Rom zu regeln, da die Macht des Prinzipats formal nicht erblich war.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind dynastische Strategien, die Rolle der Adoption, der Einfluss familiärer Bindungen und die notwendige Absicherung der Macht durch militärische und zivile Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Prozess darzustellen, wie Augustus trotz politischer Instabilität und persönlicher Schicksalsschläge versuchte, die kaiserliche Macht innerhalb seiner Familie zu halten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf der Auswertung antiker Quellen wie Sueton, Tacitus und Velleius Paterculus basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den frühen Nachfolgeplänen über die Ehe mit Agrippa und die Adoption der Caesaren bis hin zum Tod des Augustus und der Machtübernahme durch Tiberius.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Prinzipat, Nachfolge, Adoptivsöhne, Machtkalkül und die Stabilität der res publica unter augusteischer Herrschaft.
Welche Rolle spielte die Ehe von Julia für die Nachfolgepläne?
Die Ehen der Tochter Julia wurden als politisches Instrument genutzt, um strategische Partner wie Marcellus, Agrippa und schließlich Tiberius eng an den Kaiser und dessen Dynastie zu binden.
Warum musste Augustus den ungeliebten Stiefsohn Tiberius wählen?
Nach dem Tod aller anderen bevorzugten Nachfolger wie Gaius und Lucius Caesar blieb Tiberius als einzige kompetente Persönlichkeit übrig, um ein politisches Vakuum zu verhindern.
Was sagt das Testament des Augustus über die Machtübertragung aus?
Das Testament sicherte Tiberius nicht nur die materielle Basis durch ein großes Erbe, sondern zementierte durch die Nennung als Nachfolger und Erben den reibungslosen Übergang des Augustus-Titels.
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- Philipp Gaier (Author), Norman Kandzia (Author), 2007, Die Nachfolgeregelungen des Kaisers Augustus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66697