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Eine Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes während der deutschen Kolonialzeit (1884-1918)

Title: Eine Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes während der deutschen Kolonialzeit (1884-1918)

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 36 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Franziska Irsigler (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

In der heutigen Gegenwart existieren noch immer Vorurteile, Stereotype und Wertbilder von 'Negern', (oder als Intensivum: von 'Niggern') – obgleich der Begriff an sich veraltet ist. Woher stammen diese Klischees? Und warum verbinden wir – unfreiwillig oder freiwillig – diskriminierende und beleidigende Begriffe mit dunkelhäutigen Menschen?
Um diesen Fragen nachzugehen, beschäftigte sich die Autorin mit der deutschen Kolonialzeit (1884-1918) – jenen 40 Jahren deutscher Geschichte, als der Kontakt zwischen Afrikanern und Deutschen intensiver und eindringlicher war, als er in den Jahrhunderten davor und auch in den Jahrzehnten danach je möglich war.
Das Thema dieser Arbeit soll somit eine Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes während der deutschen Kolonialzeit darstellen. Diese Aufgabe basiert auf der These, dass die Bezeichnungen und Zuschreibungen dunkelhäutiger Menschen – welche ja bereits vor dieser Zeit in mannigfaltiger Form existierten, sich durch den vermehrten Kontakt zwischen Deutschen und Afrikanern und die Beschäftigung der Deutschen mit den Afrikanern in den unterschiedlichsten Formen zum einen festigten, zum anderen veränderten. So wurden verschiedene Zuschreibungen, Klischees und Vorurteile, welche über die Jahrhunderte entstanden, durch die in dieser Zeit neu entstehende Rassenkunde erneut aufgerufen oder 'wissenschaftlich' belegt.
Diese Rekonstruktion speist sich aus folgenden Quellen: Zum einen wird sozialhistorisch untersucht, durch welche Quellen, geschichtliche Ereignisse und Einstellungen die Zu- und Beschreibungen des Negers entstanden sind. Die Adjektive und Synonyme werden dann onomasiologisch und semantisch analysiert.
Dann werden die verschiedenen Zuschreibunge hinsichtlich ihres Ursprungs, Bestands und Wandels untersucht.
Es liegt auf der Hand, Quellen für diese Untersuchung in der Rassenkunde zu suchen.Joseph Arthur Comte de Gobineauwird dabei besonders intensiv betrachtet, da er die Zivilisations- und Kulturunfähigkeit der 'Neger' besonders hervorhob und sich somit von anderen Rassenkundlern unterschied.
Schließlich folgt noch ein Exkurs über die Zuschreibungen der 'Negerin', entwickelt anhand von Quellen der Bildenden Kunst. Diese nichtlinguistische Untersuchung soll die zuvor entwickelten Ergebnisse aus einem anderen Sichtwinkel bestätigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

a) Zur Zugangsmethode

b) Zum Forschungsstand

2. Geschichtliche Grundlagen: Der deutsche Kolonialismus

3. Die Grundlagen der Diskriminierung

4. Sprache als Herrschaftsmittel – Bezeichnungen des Negers

5. Die Rassenforschung – Zuschreibungen des Negers

a) Joseph Arthur Comte de Gobineau

b) Geistige Merkmale

c) Körperliche Merkmale

d) Zivilisation und Kultur

e) Textverlaufsanalyse: De Gobineaus Theoriebekräftigung und seine Abgrenzungsbereiche

6. Wandlungen und Veränderungen während und durch die deutsche Kolonialzeit

7. Exkurs: Die Negerin

8. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit rekonstruiert das Bild des 'Negers' während der deutschen Kolonialzeit (1884-1918) und untersucht, wie rassistische Bezeichnungen und Zuschreibungen durch direkten Kontakt und pseudowissenschaftliche Rassenkunde geprägt, verfestigt oder verändert wurden.

  • Onomasiologische und semantische Analyse kolonialer Sprachbilder
  • Einfluss der Rassenforschung (insbes. Gobineau) auf die Zuschreibung negativer Eigenschaften
  • Die Funktion von Stereotypen in der deutschen Kolonialgesellschaft
  • Untersuchung der Konstruktion des 'Fremden' und des 'Exotischen'
  • Rezeption und bildliche Darstellung in Kunst und Unterhaltung

Auszug aus dem Buch

Textauszug:

A „Es ist ein Neger von der Westküste Afrikas, groß, von kräftigem Aussehen, plumpen Gliedern, mit einer entschiedenen Hinneigung zur Fettleibigkeit. Die Farbe ist nicht mehr gelblich, sondern vollkommen schwarz; die Haare sind nicht mehr spärlich und dünn, sondern im Gegentheil dicht, stark, wollicht und in üppiger Fülle wachsend; der Unterkiefer springt vor, der Schädel nimmt mit Vorliebe die Form an, welche man „prognath“ genannt hat, und was den Wuchs anlangt, so ist er nicht weniger eigenthümlich. (...)

B Wenn der Blick einen Moment auf einem so gestalteten Individuum gehaftet hat, ruft man sich unwillkürlich den Bau des Affen ins Gedächtnis zurück und fühlt sich zu der Annahme geneigt, dass die Negerracen Westafrikas einem Stamm entsprossen sind, der außer gewissen allgemeinen Uebereinstimmungen in den Formen mit der mongolischen Familie Nichts gemein hat.

C Es kommen dann Stämme, deren Anblick für die Eigenliebe der Menschheit noch weniger schmeichelhaft ist, als der des Congonegers. Es ist ein besonderer Vorzug Ozeaniens, dass es so ziemlich die würdelosesten, scheußlichsten, abstoßendsten Specimina jener elenden Wesen liefert, welche dem Anschein nach gebildet sind, um als Uebergang vom Menschen zum reinen lieben Vieh zu dienen.

D Mehreren australischen Stämmen gegenüber hebt sich selbst der Neger Afrikas, gewinnt an Werth und scheint eine bessere Abkunft zu verrathen. Bei vielen der unglücklichen Völkerschaften dieses letztentdeckten Welttheiles bieten die Dicke des Kopfes, die übermäßige Magerheit der Glieder, die ausgehungerte Gestalt des Körpers einen scheußlichen Anblick dar. Die Haare sind glatt oder gewellt, öfters wollicht, die Hautfarbe ist schwarz auf grauem Grunde.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Bild-Rekonstruktion und erläutert die methodische Herangehensweise mittels Onomasiologie und Semantik innerhalb der Sprachgeschichte.

2. Geschichtliche Grundlagen: Der deutsche Kolonialismus: Dieses Kapitel skizziert den zeitlichen Rahmen der deutschen Kolonialgeschichte von 1884 bis 1918 und beschreibt die rassistische Rechtfertigung der Schutzgebiete.

3. Die Grundlagen der Diskriminierung: Hier werden die historischen Ursprünge der Vorurteile gegen Afrikaner untersucht, die weit vor die Kolonialzeit zurückreichen und durch religiöse sowie pseudowissenschaftliche Mythen genährt wurden.

4. Sprache als Herrschaftsmittel – Bezeichnungen des Negers: Das Kapitel analysiert, wie Sprache als Medium diente, um Hierarchien zu schaffen und das 'Andere' durch Begriffe und Neuwortschöpfungen abzuwerten.

5. Die Rassenforschung – Zuschreibungen des Negers: Es wird die Rolle der Rassenkunde untersucht, wobei insbesondere die Theorien von Gobineau analysiert werden, um aufzuzeigen, wie 'wissenschaftliche' Klassifizierungen diskriminierende Zuschreibungen legitimierten.

6. Wandlungen und Veränderungen während und durch die deutsche Kolonialzeit: Die Arbeit beleuchtet, wie der direkte Kontakt zwischen Kolonisatoren und Afrikanern zu einer Veränderung und Festigung kolonialer Stereotype beitrug.

7. Exkurs: Die Negerin: Dieser Teil betrachtet die spezifische Behandlung der Frau als 'sexuelles Begehrobjekt' in Literatur und bildender Kunst.

8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie pseudowissenschaftliche Theorien und koloniale Kontakte ein rassistisches Bild prägten, das teilweise bis in die heutige Sprache nachwirkt.

Schlüsselwörter

deutsche Kolonialzeit, 'Neger'-Bild, Rassenkunde, Rassentheorie, Stereotype, Semantik, Onomasiologie, Diskriminierung, Kolonialismus, Joseph Arthur Comte de Gobineau, Sprachgeschichte, Fremdheit, Exotik, kulturelle Überheblichkeit, eurozentrischer Blick

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen und sozialhistorischen Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes in Deutschland während der Kolonialzeit von 1884 bis 1918.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Sprache als Herrschaftsinstrument, die Entwicklung pseudowissenschaftlicher Rassentheorien und deren Einfluss auf die Konstruktion kolonialer Feindbilder.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Autorin fragt, wie sich die Bezeichnungen und Zuschreibungen dunkelhäutiger Menschen durch den verstärkten Kontakt während der Kolonialzeit gefestigt und verändert haben.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine linguistische Methode angewendet, die primär auf der Onomasiologie (Bezeichnungslehre) und der Semantik (Bedeutungslehre) basiert, ergänzt durch Textverlaufsanalysen nach Peter von Polenz.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Diskriminierung, die Rolle der Rassenforschung (insbesondere am Beispiel Gobineaus) und untersucht mittels Exkursen die Darstellung der 'Negerin' in Kunst und Medien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rassenkunde, Stereotype, Kolonialismus, Semantik und eurozentrischer Blick geprägt.

Welche Bedeutung misst die Autorin der 'sexuellen Zügellosigkeit' bei?

Die Autorin identifiziert diese Zuschreibung als eine der wichtigsten, die während der Kolonialzeit in ihrer Intensität entstand und bis heute als Klischee nachwirkt.

Warum wird Manets Gemälde 'Olympia' im Exkurs analysiert?

Das Gemälde dient als Beispiel für die Bildtradition, in der eine dunkelhäutige Nebenfigur zur Kontrastierung der hellhäutigen Hauptfigur genutzt wurde, um Machtverhältnisse und soziale Abgrenzung sichtbar zu machen.

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Details

Title
Eine Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes während der deutschen Kolonialzeit (1884-1918)
College
University of Trier
Course
Hauptseminar Sprachgeschichte im 20. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Franziska Irsigler (Author)
Publication Year
2006
Pages
36
Catalog Number
V66723
ISBN (eBook)
9783638599436
ISBN (Book)
9783638711227
Language
German
Tags
Eine Rekonstruktion Neger Kolonialzeit Hauptseminar Sprachgeschichte Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Irsigler (Author), 2006, Eine Rekonstruktion des 'Neger'-Bildes während der deutschen Kolonialzeit (1884-1918), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66723
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