'Basic Skills' in Trier - Eine Untersuchung zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Trierer Kunstgeschichtestudenten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Forschungsstand

3. Der Fragebogen – Aufbau und Intension

4. Die Ergebnisse
a. Allgemeines
b. Zur Definition von ‚Basic Skills’
c. Die einzelnen Fähigkeiten
d. Eigene Vorschläge
e. Die Berufswünsche
f. Das Vorbereitungsgefühl hinsichtlich der betreffenden Berufswahl
g. Positive und negative didaktische Methoden der Kunstgeschichte
h. Die Eigeneinschätzung der bereits erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten
i. Die Fähigkeiten vermittelnden Unterrichtsformen
j. Anmerkungen, Kritik und Ergänzungen

5. Die andere Seite – einige Einschätzungen seitens der Lehrenden

6. Ausblick: Der Bachelorstudiengang in Dresden

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
a. Der Blanko-Fragebogen

1. Einleitung

Im Wintersemester 2005/2006 bot Frau Prof. Dr. S.-L. das Seminar ‚Basic Skills’ an, welches sich mit den grundlegenden Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kunstgeschichtestudiums beschäftigt. Die Studentinnen und Studenten wurden explizit und mehrmals aufgefordert, sich zum einen mit ihren eigenen Fähigkeiten zu beschäftigen, also ihre Lücken zu schließen, zum anderen wurde in diesem Kreis von vielleicht 25 Studenten versucht festzustellen, welche Fertigkeiten sie bereits erlernen konnten und welche sie im Rahmen der angebotenen Lehrveranstaltungen vermissen. Die daraufhin genannten, nicht erlernten ‚Skills’ wurden dann in einzelnen Sitzungen von verschiedenen Seiten beleuchtet, erklärt und geübt. Das sprichwörtliche Fragezeichen, das ganz gewollt über diesem Seminar schwebte, veranlasste mich zu der Überlegung, wie wohl die KunstgeschichtestudentInnen in Trier allgemein über ihre Fähigkeiten dachten. Ist die Unsicherheit, die ein jeder sicherlich während der ersten zwei Semester verspürte, ein temporäres Phänomen oder durchzieht es auch die nächsten Semester? Besitzt das Kunstgeschichtestudium für den angestrebten Berufswunsch genügend praktische Bezüge oder wird man mit einer Menge theoretischen Wissens in das nächste unbekannte Feld entlassen?

Und schließlich ist gerade die zum Wintersemester 2007/2008 geplante Umstellung der Magister- und Promotionsstudiengänge zum Bachelor- und Masterstudiengang und damit einhergehende Verkürzung und Umstrukturierung des Studiums eine Tatsache, die Fragen nach den ‚Basics’, den elementaren benötigten Fähigkeiten, aufwirft.

Deswegen habe ich einen Fragebogen entwickelt, welcher unter meinen Kommilitonen verteilt wurde. Die Ergebnisse dieser kleinen Befragung werden in dieser Hausarbeit vorgestellt und vermitteln somit ein Bild von der momentanen selbst eingeschätzten Situation der KunstgeschichtestudentInnen. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass hier nur die Wünsche und Einschätzungen der Studenten, nicht die realen Bedingungen und Anforderungen des Lehrkörpers besprochen werden; auch entsprechen die individuellen Einschätzungen der Studierenden – im Positiven wie im Negativen – nicht immer der Realität. Außerdem möchte ich noch betonen, dass mit dieser Arbeit keine Kritik an be- oder entstehenden Strukturen geübt, sondern ‚nur’ eine unabhängige Bestandsaufnahme geliefert werden soll, welche vielleicht zu weiteren Denkanstößen anregen kann.

Ein Fragebogen bzw. eine Befragung der DozentInnen, wäre der nächste logische Schritt – die dann entstehende Diskrepanz zwischen den Wünschen der einen und Möglichkeiten der anderen eine sicherlich interessante Studie.

2. Zum Forschungsstand

Bei der Recherche zu dieser Hausarbeit wurden – wie im Literaturverzeichnis zu ersehen – nur wenige Aufsätze gefunden, die sich explizit mit den geforderten und gewünschten Fähigkeiten der KunstgeschichtestudentInnen beschäftigen. Dies liegt zum einen natürlich daran, dass Begriff und Thematik neu in der Kunstgeschichte sind, zum anderen scheint das gesamte Themenfeld nur größer zu werden, je mehr man sich damit beschäftigt: Diese Hausarbeit untersucht nur die Universität Trier – doch was ist mit der Kunstgeschichte allgemein? Sollen die besprochenen ‚Skills’ nur die Kunstgeschichte an sich betreffen oder sollen auch allgemeine, durch ein Studium erworbene, Fähigkeiten aufgenommen werden? Und betreffen diese Fähigkeiten nur das Studium an sich oder sollen sie eher auf die spätere Berufswahl und damit ihren Praxisbezug hin orientiert werden?

Es soll jedoch nicht abgestritten werden, dass es mehr als die in diesem recht übersichtlichen Literaturverzeichnis aufgeführte Literatur zu dieser Thematik gibt – doch waren mir diese nicht zugänglich und um den Gesamtumfang dieser Arbeit auf einem halbwegs akzeptablen Maß zu halten, konnten manche Aspekte dieses interessanten Themenfeldes unbeachtet bleiben.[1]

Diese Arbeit besitzt somit einen zweigeteilten Charakter: Im ersten Teil wird der Fragebogen und seine Ergebnisse vorgestellt und besprochen. Im zweiten Teil werden Kunsthistoriker durch ihre Einschätzung das Gesamtbild komplettieren und gleichzeitig aufzeigen, in welche Richtung sich die kunstgeschichtlichen Fragestellungen bewegen. Der Ausblick auf ein Modell eines Bachelor-Studienganges zeigt dann, wohin die Überlegungen der Lehrenden geführt haben und somit vielleicht auch in Trier führen werden.

3. Der Fragebogen – Aufbau und Intension

Der Fragebogen wurde in 400facher Ausführung und anonym in den einzelnen Seminaren verteilt und in der Diathek ausgelegt und die Beantwortung war natürlich freiwillig[2].

Die erste der zehn Fragen verlangte eine individuelle Definition der ‚Basic Skills’; damit sollte untersucht werden, wie geläufig der Begriff den Studenten ist und ob sie vielleicht schon in der Definition andere Maßstäbe als die von mir vorgegebenen setzten.

Die zweite Frage bzw. der zweite Fragenblock, bot nun mehrere, nach übergeordneten Kriterien strukturierte Fähigkeiten an, welche die Studierenden

a) hinsichtlich ihrer Wichtigkeit für sie selbst nach dem Schulnotensystem,
b) ihrer Bekanntheit bzw. bereits erfolgten Aneignung, oder
c) ihrer Unbekanntheit, also ihrem Wunsch nach Lernmöglichkeiten oder – durch eine angegebene Unwichtigkeit unter a) – als nicht relevant

bewerten sollten. Die vorgegebenen Fertigkeiten – welche noch durch eigene Vorschläge ergänzt werden konnten – bilden nur einen kleinen Ausschnitt aus den möglichen und bekannten Lernzielen der Kunstgeschichte, vor allem hinsichtlich der vielfältigen und weit gefächerten Berufsmöglichkeiten nach Studienabschluss konnte nur auf einige, repräsentative Fertigkeiten eingegangen werden.

Die Berufswünsche der StudentInnen wurden dann auch in der dritten Frage untersucht: schließlich bestimmt das angestrebte Berufsziel enorm die Wahl der Lehrveranstaltungen, der eigenen Interessen und individuellen Weiterbildungen.

Anschließend wurde gefragt, ob sich die Probanden durch ihr bisheriges Studium auf diesen Berufswunsch genügend vorbereitet fühlen. Gerade die Studenten, die nicht in den Hochschulbetrieb einsteigen wollen, sondern einen eher praxisorientierten Beruf anstreben, könnten, so die Überlegung, Fähigkeiten vermissen.

Die eingeschätzten didaktischen Leistungen und Missstände des Kunstgeschichtestudiums an der Universität Trier wurden anhand von individuellen, nicht vorgegebenen Angaben in Frage Fünf und Sechs untersucht.

Dann sollte überlegt werden, ob die Studierenden bisher viele verschiedene oder einige wenige Fertigkeiten erlernen konnten – die didaktische Varianz der einzelnen Seminare rückte hier also in den Vordergrund und führte gleich zur achten Frage, nämlich ob es Unterschiede in den einzelnen Seminarformen gibt, ob die StudentInnen in einem Proseminar vielleicht mehr ‚Skills’ lernen konnten als z. B. in einem Hauptseminar. Ich habe hier bewusst darauf verzichtet, nach einzelnen Dozenten und ihrer individuellen Vermittlungsfähigkeit zu fragen, da ich vermute, dass persönliche Vorlieben oder Abneigungen ein repräsentatives Bild verhindern würden.

Die neunte Frage suchte nach eigenen Anmerkungen, Vorschlägen und Ergänzungen von Seiten der Studierenden, um fehlende Punkte des Fragebogens eventuell noch ausgleichen zu können – außerdem interessierte mich eine persönliche Einschätzung hinsichtlich der Relevanz des gesamten Themenfeldes.

Unter dem zehnten Punkt sollten persönliche Angaben wie Alter, Geschlecht, Studienfächer und Semesteranzahl dabei helfen, die Ergebnisse vielleicht noch weiter aufzugliedern und festzustellen, ob es signifikante Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studenten oder Studienanfängern und Fortgeschrittenen gibt. Auch könnten so Unterschiede zwischen Haupt- und Nebenfächlern aufgedeckt werden, welche sich hinsichtlich der erforderlichen Leistungsanforderungen relativ stark unterscheiden.

4. Die Ergebnisse

a) Allgemeines

Insgesamt wurden 75 Fragebögen ausgefüllt zurückgegeben. Diese geringe Anzahl ist enttäuschend, hatte ich doch auf 200 Exemplare gehofft. Von diesen 75 Fragebögen wurden 65 von Frauen, 9 von Männern (ein Fragebogen war ohne Angaben) ausgefüllt, somit ist der Frauenanteil – wie allgemein in der Kunstgeschichte – mit 86% überwiegend und es können keine repräsentativen Untersuchungen zur Differenz von männlichen und weiblichen Antworten angestellt werden. Die Semesteranzahl der Probanden besitzt zwei Schwerpunkte: einen starken auf dem dritten und einen geringeren auf dem siebten Semester:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Somit kann vermutet werden, dass die Ergebnisse des Fragebogens einen guten Überblick über die Wünsche und Vorstellungen der Grund- und Hauptstudiumsstudenten bietet (wobei der Schwerpunkt klar auf den Grundstudiumsstudenten liegt), also weder die Erst- und Zweitsemester, noch die Langzeitstudenten in den Mittelpunkt rückt. Das Alter der Probanden entspricht diesen Ergebnissen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die meisten Studenten sind zwischen 21 und 23 Jahren alt, gefolgt von einer zweiten Gruppe mit 25-26 Jahren (die Angabe 0 entspricht erneut ‚keiner Angabe’).

64% der Studenten belegten Kunstgeschichte als Hauptfach, 29% als Nebenfach und 7% besuchten es nur als Gasthörer.

Somit sind die Grundvoraussetzungen zur Analyse des Fragebogens die folgenden: Den Großteil der Ergebnisse stellten weibliche Hauptfachstudentinnen, die sich zwischen dem dritten und siebten Semester befinden und zwischen 21 und 26 Jahren alt sind.

b) Zur Definition von ‚Basic Skills’

31% der Befragten lieferten keine Angaben zur Definition von ‚Basic Skills’. Die gegebenen Definitionen unterschieden sich in drei große Gruppen:

1. ‚richtige’, vollständige Definitionen, die den Kern des Begriffes treffen,
2. reine Aufzählungen der einzelnen Fähigkeiten ohne Definitionslieferung,
3. ‚falsche’ und unvollständige Definitionen, die vom Nichtverständnis des Begriffes zeugen.

Beispiele für die erste Gruppe sind:

„Basic Skills sollten zum einen allgemeine Fähigkeiten über die Kunstgeschichte sein (Einordnen; Beschreiben, Analysieren ...) und zum zweiten solche, die speziell auf verschiedene Berufsfelder zugeschnitten sind.“

„Die Fähigkeiten, die man für die Arbeit mit Kunstwerken braucht, also Grundlagen, z. B. ‚Beschreiben’, die man eigentlich schon mitbringen müsste.“

„Elementare Fähigkeiten, die in der Kunstgeschichte erworben werden sollten, sind für mich die Fähigkeit der Bildereinschätzung und Einordnung zu bestimmten Epochen. (Visuelles Training, Datierung, Einordnung in Gattungen/Epochen, Schriftliche Ausformulierung in wissenschaftliche Texte)“

Die VerfasserInnen dieser Definitionen stellen klar die kunstgeschichtlichen Anforderungen des Studiums in den Blickpunkt, wobei die Arbeit mit dem Bild an sich ihr Hauptinteresse weckt. Das Formulieren einer Bildbeschreibung, vor allem unter dem Erwartungsdruck der zuhörenden Dozenten und Kommilitonen, ist einer der größten Unsicherheitsfaktoren unter den Kunstgeschichtestudenten.

Natürlich ist die Bildbeschreibung der erste Aspekt, der den meisten Menschen zum Thema ‚Kunstgeschichte’ einfällt, interessant ist aber, dass schriftliche Fähigkeiten, z. B. das Ausformulieren einer Abhandlung zu einem Bild, seltener erwähnt werden – vor allem da die Erfahrung in Seminaren zeigt, dass auch schriftliche Aufgaben viele Probleme bereiten.

Zur zweiten Gruppe von Antworten gehören die folgenden Beispiele:

„Beschreiben, bewerten, interpretieren, Museums- und Ausstellungsarbeiten.“

„Beschreiben, Einordnen in die Geschichte, Interpretieren, Hintergrundwissen und Wissensvermittlung.“

„Bilder/Architektur beschreiben, datieren, einordnen (Künstler, Epoche, Schule), einordnen in geschichtlichen Zusammenhang, kritisch sehen.“

„Kunstwerke epochal einordnen können, Beschreibung, Interpretation, Bewertung.“

Da diese Antworten weder falsch sind noch Definitionen liefern und außerdem die einzelnen Fähigkeiten auf dem Fragebogen angegeben waren, lohnt sich keine genauere Betrachtung. Es soll nur erwähnt werden, dass auch hier die Fähigkeiten ‚Beschreiben’ und ‚Interpretieren’ als Desiderate stark im Vordergrund stehen.[3]

Die letzte Art von Antworten zur Definition von ‚Basic Skills’ sind, hinsichtlich der ‚Neuheit’ des Begriffs in der Kunstgeschichte, am interessantesten, da sie zum einen zeigen, wie geläufig ‚Basic Skills’ als Strukturierungsmethode sind und zum anderen darstellen, inwieweit sich die Studierenden selbst bereits mit grundlegenden Anforderungen in ihrem Studium und hinsichtlich ihres Berufswunsches beschäftigt haben. Folgende Antworten sind besonders repräsentativ:

„Ein grober Gesamtüberblick über alle Epochen der KG und deren herausragenden Werken.“

„Sehr interessant.“[4]

„Kenntnis der Grundbegriffe und Grundsachverhalte unterschiedlicher Kunstrichtungen (Architektur, Malerei...).“

„Man sollte Spaß an der Kunst haben, die Geschichte relativ gut kennen.“

„Wissen über Gestaltungsmittel in der Kunst bzw. Materialien, Allgemeinwissen über Kunstepochen.“

Die Verfasser dieser Definitionen beschränken sich ausschließlich auf die inhaltlichen Aspekte der Kunstgeschichte, nicht auf die der didaktischen Vermittlung. Obgleich somit die einzelnen Aspekte der ‚Basic Skills’ im Fragebogen ausformuliert waren und damit eine ungefähre Richtung und Definitionshilfe vorgegeben wurde, vermitteln diese Aussagen den Eindruck, als bestehe die Kunstgeschichte (oder das Studium allgemein) nur aus der Vermittlung theoretischen Wissens. Es steht außer Frage, dass ein Studium nicht nur Wissen, sondern auch allgemeine Fähigkeiten vermitteln sollte; ohne ein Referat gehalten, eine wissenschaftliche Arbeit verfasst zu haben, kann man in keinem Berufszweig bestehen, unabhängig davon, wie viel kunstgeschichtliches Wissen man mitbringt.

Glücklicherweise sind solche Definitionsvorschläge in der Minderheit – obgleich man ersehen kann, dass der Begriff ‚Basic Skills’ noch nicht Einzug in die Kunstgeschichte genommen hat. Für die individuelle Situation der Studierenden möchte ich folgende These wagen: Entweder haben diese sich ‚allgemeine’ Fertigkeiten, wie freie Rede, Kritikfähigkeit oder die Ausformulierung wissenschaftlicher Texte, nebenher angeeignet und stellen diese somit nicht in den Mittelpunkt ihres Studiums oder sie erkennen für ihr Studium nicht an, dass diese ebenso wichtig und erlernbar sind wie kunstgeschichtliche Fähigkeiten (Beschreiben, Analysieren, Lokalisieren ...).

c)Die einzelnen Fertigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der erste Block von Fertigkeiten, welcher allgemeine Skills der Kunstgeschichte umfasst, liefert die erwarteten Ergebnisse: Die Fähigkeit ‚Beschreiben’ erachten insgesamt 93% der Studierenden als sehr wichtig oder wichtig und 70 von 75 Probanden gaben an, diese Fähigkeit auch bereits erlernt zu haben. Somit wird dieses Primärwerkzeug der kunstgeschichtlichen Annäherung an der Universität Trier ausführlich vermittelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

‚Datieren’ hingegen, welches 81% der StudentInnen als sehr wichtig oder wichtig beschrieben, wird von 45 Studierenden vermisst: Diese Probanden glauben somit, dass sie diese Fähigkeit noch nicht ausreichend erlernt haben. Die Datierung von Kunstwerken ist – im Gegensatz zur Beschreibung – komplexer, da schließlich auch Epochen- und Künstlerkenntnisse vorausgesetzt werden. Während man beim Beschreiben nur auf seine Augen und gewisse ikonographische Kenntnisse angewiesen ist, vereint die Datierung theoretisches Wissen um Epochen, Stile, spezifische Eigenheiten und die praktische Anwendung der Übertragung auf ein meist unbekanntes Kunstwerk. Die Fähigkeit, diese Aspekte zu vereinen und datieren zu können, sollte somit noch ausführlicher vermittelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Lokalisierung von Kunstwerken, also die Einordnung in Länder, Städte, Museen und ‚Schulen’, schätzen immerhin 73% der Studierenden als sehr wichtig und wichtig ein, doch ähnlich wie bei der ‚Datierung’ vermissen die Vermittlung dieser Fähigkeit 43 Studenten. Die Aneignung dieser Fertigkeit erfordert auch enormes theoretisches Wissen: Die Unterscheidung von Kunstwerken nach Epochen und Ländern, die zusätzliche, landestypische, Spezifikationen erfordert, und – je kleinteiliger die Einteilung wird – noch detailreicher und spezieller wird, setzt ein umfangreiches kunstgeschichtliches Wissen voraus. Die Sicherheit in der Lokalisation wird sicherlich mit steigender Semesterzahl größer – da knapp 50% der Probanden erst im dritten Semester sind, zeigen diese Werte vor allem deren Unsicherheit und sind somit nicht sonderlich aussagekräftig.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Vergleichen zweier Kunstwerke, welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede aufdecken sollen, ist eine übliche Praxis innerhalb kunstgeschichtlicher Referate, Vorlesungen und Vorträge. 89% erkennen den Nutzen darin, indem sie diese Fertigkeit als (sehr) wichtig bewerten. 67 Studenten haben dies bereits auch erlernt. Dies erklärt sich insofern, als die Fähigkeit des Vergleichens nicht explizit Gegenstand von Proseminaren und Propädeutika ist sondern eher ‚nebenher’ vermittelt und vorgeführt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Interpretation von Kunstwerken ist wiederum eine sehr komplexe Fertigkeit und gleichzeitig unerlässlich für die kunstgeschichtliche Herangehensweise. 90% der Probanden erachten demnach auch diese Fähigkeit als wichtig und sehr wichtig. Im Gegensatz zur Lokalisation und Datierung überrascht die sehr hohe Zahl (60) der Studenten, welche angeben, die Interpretation bereits erlernt zu haben: Schließlich erfordert sie hohes theoretisches Wissen um Epochen und Geisteshaltungen; auch die Bedeutung und Wertung von Symbolen änderte sich mehrmals im Laufe der Zeit. Auch wird ein enormes Hintergrundwissen vorausgesetzt: Ohne sich einen Überblick über Altes und Neues Testament, die griechische und römische Mythologie und andere grundlegende Werke verschafft zu haben, können Kunstwerke nicht verstanden werden. Nun könnte man annehmen, dass diese theoretischen Grundlagen genügend vermittelt werden, um sich sicher im Interpretieren zu fühlen. Dem widersprechen aber einige individuelle Angaben, genau diese Grundlagen zu vermissen.[6]

[...]


[1] So hätte ich mich gerne noch genauer mit den einzelnen Fähigkeiten beschäftigt und auch eine Befragung der Dozenten durchgeführt. Außerdem hätte eine Untersuchung des momentan noch gängigen Magisterstudienganges die Unterschiede zu dem Bachelor-Modell noch deutlicher aufzeigen können.

[2] Vgl. zu den folgenden Angaben ANLAGE a).

[3] Man kann davon ausgehen, dass die Antworten innerhalb einer Studie nicht vollkommen ‚leidenschaftslos’-nüchtern formuliert wurden, sondern immer auch Wünsche und individuelle Anforderungen – eigenständig formuliert oder von Dozenten und Kommilitionen erwartet – mitspielen. Deshalb werden die Antworten hier auch – sofern es wissenschaftlich vertretbar ist – psychologisiert und interpretiert.

[4] Diese Definition wurde nicht nur zur Erheiterung aufgenommen, sondern auch weil ihre Verfasserin sogar das Seminar ‚Basic Skills’ besucht hat!

[5] Es sei denn, man erwarte auch von Drittsemestern bereits die Fähigkeit zur Lokalisation.

Hätten mehr Studenten den Fragebogen ausgefüllt, könnten die Werte noch hinsichtlich der Differenz von Grund- und Hauptstudiumsstudenten untersucht werden. So lohnt sich dies jedoch nicht bzw. liefert dies keine stichhaltigen Aussagen.

[6] Die unter Punkt j) Anmerkungen, Kritik und Ergänzungen zu ersehen sind.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
'Basic Skills' in Trier - Eine Untersuchung zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Trierer Kunstgeschichtestudenten
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Basic Skills: Beschreiben, Bestimmen, Interpretieren, usw.
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
43
Katalognummer
V66724
ISBN (eBook)
9783638599443
ISBN (Buch)
9783638711234
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Für diese Hausarbeit habe ich einen Fragebogen erstellt, der dann von Kunstgeschichtestudenten ausgefüllt und von mir ausgewertet und interpretiert wurde. Dabei ging es um die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Studenten, bzw. ihre Einschätzung des individuellen Lehrgewinns für ihre Fertigkeiten in verschiedenen Veranstaltungsarten, Themengebieten und bei verschiedenen Dozenten.
Schlagworte
Basic, Skills, Trier, Eine, Untersuchung, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Trierer, Kunstgeschichtestudenten, Beschreiben, Bestimmen, Interpretieren
Arbeit zitieren
Franziska Irsigler (Autor), 2006, 'Basic Skills' in Trier - Eine Untersuchung zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Trierer Kunstgeschichtestudenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66724

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