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Die Rezeptionsgeschichte des "Schicksalslieds" op. 54 von Johannes Brahms unter besonderer Würdigung des Nachspiels

Title: Die Rezeptionsgeschichte des "Schicksalslieds" op. 54 von Johannes Brahms unter besonderer Würdigung des Nachspiels

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Katharina Kierig (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Das Schicksalslied op. 54 von Johannes Brahms gehört zwar zu den heute noch meistgespielten Chororchesterwerken Brahms’, aber gleichzeitig hat wohl keines so widersprüchliche Reaktionen und anhaltende Diskussionen hervorgerufen.
Brahms vertonte zwischen 1868 und 1871 das Gedicht »Schicksalslied« aus dem Roman Hyperion von Friedrich Hölderlin. Dieses Gedicht schildert in extremen Farben die Gegensätzlichkeit göttlicher und menschlicher Existenzen. Grund für die Kritik an Brahms’ Komposition war seine Entscheidung, dem Werk, das musikalisch die Gegensatzstruktur des Gedichts nachzeichnet, ein instrumentales Nachspiel anzufügen, das die Einleitung aufgreift und damit thematisch der Götterwelt zugeordnet werden muss.
Dieses Nachspiel stellte für Kritiker seit Erscheinen der Komposition ein Beispiel misslungener oder wenigstens zweifelhafter Textvertonung dar, in der der Komponist seine Kompetenzen durch eine unzulässige Erweiterung der Textaussage überschritten habe. Gleichzeitig gab es jedoch auch immer Stimmen, die Brahms’ Vertonung – aus unterschiedlichen Gründen – für besonders gelungen hielten. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Rezeptionsgeschichte dieses Werkes zu geben, wobei das Hauptaugenmerk auf Äußerungen gerichtet sein soll, die sich auf das Nachspiel beziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Entstehung des Schicksalslieds

III. Analytische Beobachtungen

A. Hyperions Schicksalslied von Friedrich Hölderlin

B. Brahms’ Vertonung

C. Das Verhältnis der Musik zum Text

IV. Aufnahme durch Brahms’ Zeitgenossen

A. Lob

B. Kritik

V. Rezeption im frühen 20. Jahrhundert

VI. Wandel des Verständnisses im mittleren 20. Jahrhundert

A. Siegfried Kross und Hans Gal

B. Gerhard Schuhmacher

VII. Erkenntnisse der letzten 20 Jahre

A. Traditionelle Interpretationen

B. Neue Ansätze

VIII. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Schicksalslieds op. 54 von Johannes Brahms mit einem besonderen Fokus auf die anhaltenden Kontroversen um das instrumentale Nachspiel und dessen Berechtigung im Hinblick auf die literarische Vorlage von Friedrich Hölderlin.

  • Analyse der Entstehungsgeschichte und Brahms' Auseinandersetzung mit Hölderlins Werk.
  • Untersuchung der musikalischen Struktur und des Verhältnisses von Musik und Text.
  • Aufarbeitung der zeitgenössischen Kritik sowie der Rezeption im 20. Jahrhundert.
  • Kritische Würdigung der Forschungsansätze zur "fehlenden Hauptsache".
  • Diskussion der Bedeutung des Romankontexts von "Hyperion" für das Verständnis des Werks.

Auszug aus dem Buch

B. Brahms’ Vertonung

Die extreme Gegensätzlichkeit innerhalb des Gedichts wird sicherlich für Brahms mit ausschlaggebend für die Wahl dieses Texts gewesen sein. So besteht auch in der Komposition ein drastischer Bruch zwischen der Vertonung der ersten beiden Strophen und der letzten. Brahms’ Schicksalslied beginnt mit einer 28-taktigen Orchestereinleitung in Es-Dur, die mit „langsam und sehnsuchtsvoll“ überschrieben ist. Max Kalbeck zufolge ist dies „wohl das einzige Mal, daß Brahms neben den geläufigen Bezeichnungen wie „dolce“ und „espressivo“ ein solches empfindsames Eigenschaftswort gebraucht, um Charakter und Vortragsart eines solchen Musikstückes zu bezeichnen.“

Doch dieser sentimentalen Einschätzung darf wohl nicht zu viel Glauben geschenkt werden, denn betrachtet man beispielsweise Brahms’ Deutsches Requiem, finden sich über zahlreichen Sätzen oder Abschnitten ähnliche Spielanweisungen auf deutsch (z.B. ist der Beginn des zweiten Satzes mit „langsam, marschmäßig“ und der letzte Satz mit „feierlich“ überschrieben, um nur einige Beispiele zu nennen).

Diese „langsame und sehnsuchtsvolle“ Einleitung ist durchdrungen von einem Paukenrhythmus, der sowohl an Beethovens Schicksalsmotiv, als auch an den Paukenrhythmus zu Beginn des zweiten Satzes des Deutschen Requiems erinnert.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die widersprüchliche Rezeptionsgeschichte des Schicksalslieds und stellt die kontroverse Bedeutung des orchestralen Nachspiels in den Mittelpunkt.

II. Entstehung des Schicksalslieds: Dieses Kapitel beleuchtet die biografischen Hintergründe und die enge Auseinandersetzung des Komponisten mit Hölderlins Literatur.

III. Analytische Beobachtungen: Hier werden die Struktur von Hölderlins Gedicht, die musikalische Vertonung durch Brahms und das Verhältnis von Musik und Text im Detail analysiert.

IV. Aufnahme durch Brahms’ Zeitgenossen: Das Kapitel dokumentiert die zeitgenössischen Reaktionen, die zwischen Bewunderung für den Trostgedanken und harscher Kritik am Nachspiel schwankten.

V. Rezeption im frühen 20. Jahrhundert: Es wird untersucht, wie frühe Biografen das Werk unter dem Aspekt der persönlichen Bekanntschaft mit Brahms und dessen vermeintlicher Absicht interpretierten.

VI. Wandel des Verständnisses im mittleren 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel zeigt eine Entwicklung in der Forschung auf, die über bloße ästhetische Urteile hinaus zu einer fundierteren literarischen und musikalischen Analyse gelangt.

VII. Erkenntnisse der letzten 20 Jahre: Zusammenfassende Betrachtung moderner Interpretationsansätze, die das Werk verstärkt in den Kontext von Hölderlins "Hyperion" stellen.

VIII. Schlussbemerkung: Resümee über die fortdauernde Rezeptionsgeschichte und das Korrigieren des langjährigen Vorwurfs einer unzulässigen Textergänzung.

Schlüsselwörter

Johannes Brahms, Schicksalslied, Friedrich Hölderlin, Hyperion, Rezeptionsgeschichte, Nachspiel, Musikwissenschaft, Textvertonung, Chororchesterwerk, Trostgedanke, Interpretationsanalyse, musikalische Struktur, 19. Jahrhundert, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der wechselvollen Rezeptionsgeschichte des Schicksalslieds op. 54 von Johannes Brahms, wobei der Fokus auf der kontroversen Diskussion über das instrumentale Nachspiel liegt.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte, das Verhältnis von Hölderlins literarischer Vorlage zum Romankontext "Hyperion" sowie die wissenschaftliche und zeitgenössische Auseinandersetzung mit Brahms' Kompositionsentscheidungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch eine Analyse der Rezeptionsgeschichte nachzuweisen, dass Brahms' Nachspiel kein misslungenes Experiment darstellt, sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Kontext von Hölderlins Dichtung widerspiegelt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es werden methodisch Musik- und Textanalysen durchgeführt sowie zeitgenössische Kritiken, Biografien und musikwissenschaftliche Fachliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts ausgewertet.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Werks, dessen musikalische Struktur, die zeitgenössische und spätere Aufnahme sowie die kritische Aufarbeitung der "fehlenden Hauptsache".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Johannes Brahms, Schicksalslied, Hölderlin, Hyperion, Rezeptionsgeschichte und Musikästhetik.

Welche Rolle spielt der Roman "Hyperion" in der Arbeit?

Der Roman dient als zentraler Schlüssel zum Verständnis des Werks, da er aufzeigt, dass Hölderlins Gedicht nicht als Ausdruck eines rein antiken Fatalismus, sondern als reflektierter Teil der Romanhandlung zu verstehen ist.

Warum gab es so viel Kritik am Nachspiel?

Viele Kritiker betrachteten das Nachspiel als eine unzulässige Erweiterung des Gedichttextes, da sie den Romankontext des Dichters nicht in ihre Analyse miteinbezogen.

Wie bewerten aktuelle Forscher Brahms' Entscheidung?

Aktuelle Forschungen, etwa durch Ute Jung-Kaiser oder John Daverio, sehen im Nachspiel eine legitime und tiefgründige musikalische Ergänzung, die über die isolierte Betrachtung der Gedichtzeilen hinausgeht.

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Details

Title
Die Rezeptionsgeschichte des "Schicksalslieds" op. 54 von Johannes Brahms unter besonderer Würdigung des Nachspiels
College
University of Freiburg  (Musikwissenschaftliches Seminar)
Course
Hölderlin in Vertonungen
Grade
1,0
Author
Katharina Kierig (Author)
Publication Year
2006
Pages
30
Catalog Number
V66730
ISBN (eBook)
9783638603058
ISBN (Book)
9783640386376
Language
German
Tags
Rezeptionsgeschichte Schicksalslieds Johannes Brahms Würdigung Nachspiels Hölderlin Vertonungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Kierig (Author), 2006, Die Rezeptionsgeschichte des "Schicksalslieds" op. 54 von Johannes Brahms unter besonderer Würdigung des Nachspiels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66730
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