Praxisansätze zum selbstgesteuerten Lernen im Sport


Seminararbeit, 2006
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literatur

0 Einleitung - Bewegungswissenschaft vs. Sportpädagogik?

1 Transfer des selbstgesteuerten Bewegungslernens in die Praxis

2 Konzeptioneller Vergleich – fremdgesteuert vs. selbstgesteuert

3 Wie soll offener Unterricht aussehen?

4 Offener Unterricht – ein Beispiel

5 Offener Unterricht – das Maß aller Dinge?

6 Integration von offenem und geschlossenem Unterrichtskonzept – das Konzept von Proßnigg
6.1 Unterrichtsstart
6.2 Prozessbegleitung während der Lösungsfindung
6.3 Präsentation der Lösungen
6.4 Reflexion und Angebot situativer Lernziele
6.5 Überführung in den geschlossenen Lernweg

7 Zusammenfassung und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

0 Einleitung - Bewegungswissenschaft vs. Sportpädagogik?

In diesem Seminar wird das selbstgesteuerte Bewegungslernen inhaltlich vertieft erschlossen, wobei dieses Referat, im Rahmen der Bewegungswissenschaft, die Praxisansätze zum selbstgesteuerten Lernen im Sport aufzeigen wird. Dabei wird die Praxis (des selbstgesteuerten Bewegungslernens) im Spannungsfeld von Bewegungswissenschaft und Sportpädagogik beleuchtet.

Auch wenn sich beide sportwissenschaftlichen Teildisziplinen der Praxis widmen, wird diese jedoch durch die Sportpädagogik dominiert.

Die Begründung ist darin zu sehen, dass die Bewegungswissenschaft sich vorwiegend der Entwicklung der motorischen Leistung zuwendet und sich dabei fast ausschließlich auf Einzelaspekte konzentriert, was zur Folge hat dass die Praxis in stark verkürzter Sichtweise betrachtet wird (vgl. Bund S. 44f).

Die in der Bewegungswissenschaft verkürzte Sichtweise ist in der sportpädagogischen Praxis aufgehoben, wenn sie dem Sportunterricht eine erzieherische Funktion zuspricht. Diese berücksichtigt nach Bund (2004, S. 44) über die motorische Leistung hinausgehend auch emotional-motivationale Aspekte sowie:

- Förderung von Selbständigkeit
- und Eigenverantwortlichkeit,
- sowie die Entwicklung sozialer Kompetenz.

Sie sehen den Auftrag des Sportunterrichts darin, Schüler zu einer sportlich aktiven und gesundheitsorientierten Lebensführung zu motivieren (vgl. Bund 2004, S.44).

Wir wollen im Folgenden die Praxis weniger aus Sicht der Bewegungswissenschaft, als aus der sportpädagogischen Perspektive betrachten.

1 Transfer des selbstgesteuerten Bewegungslernens in die Praxis

Wie gelingt nun aus sportpädagogischer Sicht der Transfer des selbstgesteuerten Bewegungslernens in die Praxis?

Um diese Frage zu beantworten gilt es sich der Anforderungen, an einen das selbstgesteuerte Bewegungslernen berücksichtigenden Unterricht, bewusst zu werden.

Dubs (1993, zitiert nach Bund 2004, S.45) hat mittels einer Profilliste zunächst ein Idealbild des selbstbestimmten Lerners entworfen:

- setzt sich Ziele
- geht strategisch vor
- nimmt situativ angemessen unterschiedliche Formen der Unterstützung (Lehre) in Anspruch
- überwacht seinen Lernerfolg

Eine auf diese Aspekte zutreffende Forderung an den Unterricht findet sich u. a. in Friedrich (2002, zitiert nach Bund 2004, S. 45). So sollen verschiedene Bezugspunkte der Selbstbestimmung, wie:

- Lernzielbestimmung
- Lernorganisation
- Lernressourcen
- Lernerfolgskontrolle

Berücksichtigung finden. Die geschilderten Punkte und die eingangs gestellte Frage richten unseren Blick auf bestehende Unterrichtskonzepte:

- Offener Unterricht
- Genetisches Lernen

in denen selbstgesteuertes Bewegungslernen realisiert werden kann.

2 Konzeptioneller Vergleich – fremdgesteuert vs. selbstgesteuert

Wie aus den vorangegangenen Kapiteln ersichtlich wurde, führt uns der Weg zur Betrachtung verschiedener Unterrichtskonzepte, deren Historie und sportwissenschaftliche Einordnung, dem konzeptionellen Vergleich vorangestellt ist.

Wenn davon die Rede ist, dass Medaillen zwei Seiten haben, wissen wir worum es geht, ähnlich verhält es sich auch beim Bewegungslernen. Neben dem selbstbestimmten Lernen existiert noch das fremdbestimmte Lernen, jener Stil, den die meisten von uns insbesondere in ihrer schulischen Lernerkarriere erfahren haben.

Diese Form des Lernens überwiegt im so genannten lernzielorientierten Unterricht, der dadurch gekennzeichnet ist, dass der Sportlehrer im Voraus den Unterricht methodisch und inhaltich plant, so dass die von ihm vorgegebenen Ziele von den Schülern erreicht werden. Durch die klar definierten Ziele wird eine Operationalisierung möglich, weshalb sich die Sportwissenschaft aus dem Forschungsinteresse heraus besonders für diese Form des Unterrichts interessiert hat. Der Ursprung für diese Form des Unterrichtens ist in den 60er Jahren zu finden. Zu dieser Zeit entstanden nach Kurz (1998, S.200) auf Grund von Lehrermangel und durch den technologischen Optimismus, Vorgehensweisen die dem Muster der Programmierten Instruktion folgten, das durch zielgerichtetes und schrittweises Vorgehen gekennzeichnet ist.

Aus der Kritik an diesen geschlossenen Konzepten entstanden die offeneren Konzepte, die die Individualität von Schülern und Lehrern und die Ganzheitlichkeit des Unterrichts betonen sollten.

Allerdings sind die Ideen der offeneren Konzepte aus den 80ern nichts neues, sie sind eher als Renaissance reformpädagogischer Werte aus dem 19. J.h. zu sehen (vgl. Bund 2004, S. 43). Das Konzept, dass sich in den 80ern am weitesten verbreitete war das des offenen Unterrichts. Auf dieses und das genetische Lehren, soll im Folgenden näher eingegangen werden.

Während bei geschlossnem Unterricht Ziele, Methoden und Kontrollen durch den Lehrer vorgegeben sind und eine Verbesserung der motorischen Leistung von Schülern angestrebt wird, verfolgt offener Unterricht auch emotional-motivationale Aspekte und ist erlebnis- und sozialorientiert. Der Unterricht orientiert sich an Problemen, die an die Erfahrungen und Bedürfnisse der Schüler als auch des Lehrers anknüpfen. Dabei werden durchaus auch Ziele verfolgt, diese werden jedoch durch Schüler und Lehrer entwickelt. Kurz (1998, S. 202f) stellt fünf gute Gründe zur Öffnung des Sportunterrichts vor:

- Nicht alle wertvollen Unterrichtsergebnisse sind planbar
- Für kein Ziel gibt es einen optimalen Lehrweg
- Jede Unterrichtsgruppe besteht aus Individuen
- Es gibt kein ganzheitliches Lehren
- Schüler sollen in ihrer Selbständigkeit gefördert werden.

Daher ist offener Unterricht dadurch charakterisiert, dass er prinzipiell ergebnis- und verlaufsoffen, methodisch differenziert und individualisiert ist, Reflexionsphasen berücksichtigt und schüler/innenpartizipative Elemente enthält (vgl. Bund 2004, S.46).

Während der hier geschilderte offene Unterricht sich allgemein auf Sport bezieht, gilt dies für das genetische Lehren mit der Einschränkung auf die Sportspiele. Nach Loibl (2001, S.19f) verfolgt das Genetische Lehren die Entwicklung der Allgemeinen Spielfähigkeit, wie sie durch Spielreihenkonzepten nicht vermittelt werden kann. Das Genetische Lehren ist dabei durch drei Prinzipien gekennzeichnet:

- Genetisch – ausgehend von einem ursprünglichen Problem werden selbsttätig Lösungen entwickelt
- Sokratisch – Selbsttätigkeit der Lernenden wird gefordert
- Exemplarisch – zentrale und grundlegende Erkenntnisse werden an ausgewählten Beispielen erlebt (Wagenscheid 1991 zitiert nach Loibl 2001, S. 19f).

Damit lässt sich nach Loibl (2001, S.19) der Weg des Genetischen Lehrens auf die Form:

Phänomen => Problem => Lösung(en) => Üben

bringen. Dabei wird die Aufgabe (gestellt durch Lehrer / Schüler) als Phänomen aufgefasst, woraus sich Probleme ableiten lassen.

Die entscheidend Voraussetzung für das Gelingen für diesen Lehrweg, ist eine günstige Lernatmosphäre. Den Schülern muss klar sein, dass sie Raum zum Erproben haben und nicht geprüft werden, nur so können sie eigenständige Lösungen entwickeln und reproduzieren nicht vorgefertigte Techniken.

Beiden Konzepten ist u.a. auch gemein, dass sie wesentlich zur Erfüllung des Auftrags des Sportunterrichts beitragen, doch wie soll er letztlich aussehen?

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Praxisansätze zum selbstgesteuerten Lernen im Sport
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Selbstgesteuertes Lernen
Note
2,0
Autoren
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V66750
ISBN (eBook)
9783638584791
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praxisansätze, Lernen, Sport, Seminar, Selbstgesteuertes
Arbeit zitieren
Christian Klaas (Autor)Markus Eppelmann (Autor), 2006, Praxisansätze zum selbstgesteuerten Lernen im Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66750

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