Furcht vor (Jugend-) Kriminalität in Ost- und Westdeutschland


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 10


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Geschichte der Furchtforschung
2.1 USA
2.2 Bundesrepublik Deutschland

3 Arten der Erkundung
3.1 dichotome Frage und Standardfrage
3.2 weitere Fragestellungen
3.3 weitere Definitionen

4 Entwicklung von Kriminalität und Kriminalitätsfurcht in der Bundesrepublik Deutschland
4.1 allgemeine Entwicklung
4.2 Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht zwischen Männern und Frauen und zwischen Alt und Jung
4.3 Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht zwischen Ost und West

5 Erklärungsansätze zur Kriminalitätsfurcht
5.1 Viktimisierung
5.2 Soziale-Kontroll-Perspektive
5.3 Soziale-Problem-Perspektive

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Furcht der Menschen vor Kriminalität und Verbrechen.

Das Phänomen der Kriminalitätsfurcht ist in den letzten Jahrzehnten- sowie in der Bundesrepublik besonders seit der Wende- mehr und mehr in das Blickfeld von Kriminologen geraten. Man hat erkannt, dass nicht nur die Kriminalität an sich, sondern auch die Furcht der Menschen vor ihr ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellen kann. Menschen, die Angst davor haben, Opfer von Verbrechen zu werden, leiden unter Umständen unter einer verminderten Lebensqualität, da sie angesichts vermeindlicher oder tatsächlicher Gefahren viele Bereiche des öffentlichen Lebens meiden und etwa abends nicht mehr ausgehen, weil sie beispielsweise Angst davor haben, allein durch die Strassen ihrer Stadt zu laufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Das Vorhandensein von Kriminalitätsfurcht, Unterschiede in ihrem Auftreten zwischen verschiedenen Bevölkerungsteilen, Erklärungsversuche, sowie ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft sind Gegenstand dieser Arbeit.

2 Geschichte der Furchtforschung

2.1 USA

Die Beschäftigung mit der Erforschung der Kriminalitäts- oder Verbrechensfurcht durch die Wissenschaft beginnt etwa im Jahre 1965 in den USA. In diesem Jahr setzte Präsident Lyndon B. Johnson die presidents` commission on law enforcement and administration of justice (die sog. „Katzenbach-Kommission“) ein, die das gesamte System der amerikanischen Kriminalitätskontrolle und Strafrechtspflege untersuchte. Diese Kommission, geleitet von Nicholas de B. Katzenbach und eingesetzt im Zuge aufkommender law and order -Mentalität angesichts steigender Kriminalitätszahlen und anwachsender Beunruhigung in der Bevölkerung, führte unter anderem die ersten drei Opferbefragungen durch, wobei auch Daten zu Kriminalitätseinstellungen und speziell zur Kriminalitätsfurcht erhoben wurden. Insgesamt wurden von der Katzenbach-Kommission etwa 300 Projekte durchgeführt und als sie ihren Abschlussbericht im Jahre 1967 vorlegte, erregte besonders eine nationale Repräsentativerhebung von über 9600 Haushalten mit 13000 befragten Personen Aufmerksamkeit aus der hervorging, dass die Dunkelziffer der Kriminalität zwei- bis dreimal höher lag als im „uniform crime report“, der amerikanischen Kriminalstatistik. Ferner hatte man festgestellt, dass Frauen, ältere Menschen und finanziell besser Gestellte sowie Weisse ein geringeres Risiko eingingen, Opfer von Verbrechen zu werden als Männer, Jüngere, Bezieher niedriger Einkommen und Schwarze[1]. Damit erreichte die Kommission durch ihre Opferbefragung vor allem eines, nämlich die Aufhellung des Dunkelfeldes. Aber auch die Kriminalitätsfurcht rückte damit in das Blickfeld von Politik und Wissenschaft. So warnte die Kommission im Zusammenhang mit der Kriminalitätsfurcht mehrfach vor der Wirkung der Massenmedien und einer Instrumentalisierung des Phänomens für eine übereifrige law and order -Politik. Ferner forderte die Kommission im Abschlussbericht zu einer differenzierten Betrachtung der Kriminalität im Hinblick auf die Verteilung der Delikte auf (getrennte Erfassung von Gewalt- und Eigentumsdelikten in der Statistik, Hinweis auf die vergleichsweise geringe Anzahl schwerer Gewaltdelikte)[2].

Die Arbeit der Katzenbach-Kommission markierte weiterhin eine Wende in der Kriminalpolitik, indem sie erstmals das Opfer in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte, und die wachsende Verunsicherung in der Bevölkerung als zunehmend ernstes Problem neben der steigenden Gewaltkriminalität thematisierte[3].

Seit dieser Zeit ist die Erforschung der Kriminalitätsfurcht eng mit Opferbefragungen verknüpft[4].

In den USA werden seitdem regelmässig Opferbefragungen und Erhebungen zur Kriminalitätsfurcht durchgeführt.

2.2 Bundesrepublik Deutschland

Die Erforschung der Kriminalitätsfurcht in der Bundesrepublik spielte bis zur Wende 1990 keine so grosse Rolle wie in den USA. Von 1965 bis 1990 existieren nur fünf Vergleichswerte zur Verbrechensfurcht (gegenüber 18 in den USA im gleichen Zeitraum)[5]. Desweiteren entsprangen die Untersuchungen in der Bundesrepublik nicht wie in den USA der aufkommenden law and order -Bewegung[6] und der auch bei uns ansteigenden Kriminalität in den siebziger und achtziger Jahren, sondern dem Interesse an der Aufhellung des Dunkelfeldes und der Einstellung der Bundesbürger zu Kriminalität und Polizei[7].

Als man jedoch nach der Wende in den neuen Bundesländern eine erheblich steigende Kriminalität und Kriminalitätsfurcht erwartete, begann man auch bei uns sich eingehend mit der Furcht der Menschen vor Kriminalität in diesem Land zu beschäftigen. Dies schlägt sich in zahlreichen Untersuchungen und Umfragen seit 1990 nieder, welche im weiteren Verlauf der Arbeit näher beleuchtet werden.

3 Arten der Erkundung

Um etwas über die Furcht der Menschen vor Kriminalität und Verbrechen zu erfahren, benötigt man dementsprechende Operationalisierungen.

3.1 dichotome Frage und Standardfrage

Die häufigsten Fragestellungen sind zum einen die sogenannte dichotome Frage: „Fühlen Sie sich unsicher, wenn Sie nachts allein durch die Strassen Ihres eigenen Wohnviertels gehen – ja oder nein“, und die Standardfrage: „Wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie nachts allein durch die Strassen Ihres eigenen Wohnviertels gehen? – sehr sicher, ziemlich sicher, etwas unsicher oder sehr unsicher“.

Beide Fragen berühren die Angst der Menschen vor gewaltsamer Strassenkriminalität wie Raub, Körperverletzung oder Sexualdelikten, welche die eigentlich angsterregenden Delikte im Gegensatz zu reinen Eigentums- oder Vermögensdelikten wie Diebstahl oder Betrug darstellen[8] und entsprechend des Themas dieser Arbeit auch einen Grossteil der Jugendkriminalität ausmachen, sei diese Angst nun berechtigt oder unberechtigt.

Gelegentlich wird neben der Standardfrage nach dem Unsicherheitsgefühl am Tage, in der eigenen Wohnung oder in der Innenstadt gefragt[9].

3.2 weitere Fragestellungen

Desweiteren wird ein Indikator eingesetzt, der danach fragt, ob es in der näheren Umgebung (Umkreis etwa ein Kilometer) eine Gegend gibt, wo der Befragte nachts nicht allein hingehen möchte[10] und die Frage nach dem Stellenwert der Kriminalität als gesellschaftlichem Problem gegenüber anderen besorgniserregenden Problemen[11]. Daneben erlaubt noch die Frage nach der Zufriedenheit mit der öffentlichen Sicherheit und der Bekämpfung der Kriminalität[12] - auf einer Skala von 1 bis 10 – Rückschlüsse auf das subjektive Bedrohungsgefühl, die Kriminalitätsfurcht, der Befragten.

Schliesslich gehören auch noch Risikoeinschätzungen zum Inventar der Furchtforschung, in denen nach der persönlichen Einschätzung der Probanden gefragt wird, in nächster Zeit (z.B. einem Jahr) selbst Opfer bestimmter Delikte zu werden.

3.3 weitere Definitionen

Wichtig für das Verständnis verschiedener Kriminalitätseinstellungen, insbesondere der Kriminalitätsfurcht, sind Einstellungskomponenten, die sich vielfach an einem sozial-psychologischen Attitüdenkonzept orientieren[13]. Hierbei werden die affektive, die kognitive und die konative Komponente unterschieden, wobei nur die affektive Komponente die eigentliche Verbrechensangst bezeichnet, also die Furcht davor, abends allein durch eine dunkle Strasse zu gehen, oder die Angst, die man hat, wenn man nachts in der eigenen Wohnung einem Einbrecher gegenübersteht. Die Abgrenzung zwischen den Begriffen Angst und Furcht ist selbst in der psychologischen Literatur alles andere als eindeutig und wird vielfach sogar als überflüssig bezeichnet[14], so dass auch hier auf eine nähere Unterscheidung verzichtet werden kann.

[...]


[1] Boers 1991, S. 19

[2] Boers 1991, S. 20

[3] Boers, Kriminalitätsfurcht 1993, S. 66

[4] Boers 1991, S. 18

[5] Boers, Kriminalitätsfurcht 1993, Schaubild S. 68

[6] eingehend dazu Arzt, Seite 1ff

[7] Boers1991, S. 33f

[8] Boers, Kriminalitätsfurcht 1993, S. 67

[9] Boers, Kriminalitätsfurcht 1993, S. 67

[10] Reuband 1995, S. 42f

[11] Reuband 1995, S. 42

[12] Reuband 1995, S. 42f

[13] Boers, Kriminalitätsfurcht 1993, S. 67

[14] Boers 1991, S. 42

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Furcht vor (Jugend-) Kriminalität in Ost- und Westdeutschland
Hochschule
Universität zu Köln  (Kriminologische Forschungsstelle)
Veranstaltung
Kriminologisches Seminar über aktuelle Probleme der Jugendkriminalität
Note
10
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V6688
ISBN (eBook)
9783638142045
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriminologie, Furchtforschung
Arbeit zitieren
Daniel Walkenbach (Autor), 2001, Furcht vor (Jugend-) Kriminalität in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6688

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