Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Furcht der Menschen vor Kriminalität und Verbrechen. Das Phänomen der Kriminalitätsfurcht ist in den letzten Jahrzehnten- sowie in der Bundesrepublik besonders seit der Wende- mehr und mehr in das Blickfeld von Kriminologen geraten. Man hat erkannt, dass nicht nur die Kriminalität an sich, sondern auch die Furcht der Menschen vor ihr ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellen kann. Menschen, die Angst davor haben, Opfer von Verbrechen zu werden, leiden unter Umständen unter einer verminderten Lebensqualität, da sie angesichts vermeindlicher oder tatsächlicher Gefahren viele Bereiche des öffentlichen Lebens meiden und etwa abends nicht mehr ausgehen, weil sie beispielsweise Angst davor haben, allein durch die Strassen ihrer Stadt zu laufen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.
Das Vorhandensein von Kriminalitätsfurcht, Unterschiede in ihrem Auftreten zwischen verschiedenen Bevölkerungsteilen, Erklärungsversuche, sowie ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft sind Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichte der Furchtforschung
2.1 USA
2.2 Bundesrepublik Deutschland
3 Arten der Erkundung
3.1 dichotome Frage und Standardfrage
3.2 weitere Fragestellungen
3.3 weitere Definitionen
4 Entwicklung von Kriminalität und Kriminalitätsfurcht in der Bundesrepublik Deutschland
4.1 allgemeine Entwicklung
4.2 Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht zwischen Männern und Frauen und zwischen Alt und Jung
4.3 Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht zwischen Ost und West
5 Erklärungsansätze zur Kriminalitätsfurcht
5.1 Viktimisierung
5.2 Soziale-Kontroll-Perspektive
5.3 Soziale-Problem-Perspektive
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kriminalitätsfurcht, ihre empirische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland sowie die verschiedenen Erklärungsmodelle für dieses gesellschaftliche Problem. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen objektiver Kriminalitätsrate und subjektivem Bedrohungsgefühl kritisch zu hinterfragen und die Auswirkungen der Furcht auf das soziale Leben sowie die Gesellschaft zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der Furchtforschung in den USA und Deutschland.
- Methodische Erfassung von Kriminalitätsfurcht durch verschiedene Fragestellungen.
- Analyse geschlechtsspezifischer, altersbedingter sowie regionaler Unterschiede (Ost/West).
- Kritische Diskussion theoretischer Erklärungsansätze wie die Viktimisierungstheorie.
- Untersuchung der gesellschaftlichen Folgen, insbesondere durch Vermeidungsverhalten.
Auszug aus dem Buch
3.1 dichotome Frage und Standardfrage
Die häufigsten Fragestellungen sind zum einen die sogenannte dichotome Frage: „Fühlen Sie sich unsicher, wenn Sie nachts allein durch die Strassen Ihres eigenen Wohnviertels gehen – ja oder nein“, und die Standardfrage: „Wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie nachts allein durch die Strassen Ihres eigenen Wohnviertels gehen? – sehr sicher, ziemlich sicher, etwas unsicher oder sehr unsicher“.
Beide Fragen berühren die Angst der Menschen vor gewaltsamer Strassenkriminalität wie Raub, Körperverletzung oder Sexualdelikten, welche die eigentlich angsterregenden Delikte im Gegensatz zu reinen Eigentums- oder Vermögensdelikten wie Diebstahl oder Betrug darstellen und entsprechend des Themas dieser Arbeit auch einen Grossteil der Jugendkriminalität ausmachen, sei diese Angst nun berechtigt oder unberechtigt.
Gelegentlich wird neben der Standardfrage nach dem Unsicherheitsgefühl am Tage, in der eigenen Wohnung oder in der Innenstadt gefragt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Phänomen der Kriminalitätsfurcht und ihre Bedeutung als ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem.
2 Geschichte der Furchtforschung: Überblick über die Ursprünge der Forschung in den USA und die spätere Etablierung in Deutschland nach der Wende.
3 Arten der Erkundung: Darstellung der methodischen Instrumente, wie dichotome und Standardfragen, zur Operationalisierung von Sicherheitsgefühlen.
4 Entwicklung von Kriminalität und Kriminalitätsfurcht in der Bundesrepublik Deutschland: Analyse der zeitlichen Entwicklung, Unterschiede nach demographischen Merkmalen sowie der spezifischen Situation in Ost- und Westdeutschland.
5 Erklärungsansätze zur Kriminalitätsfurcht: Diskussion der theoretischen Ansätze zur Erklärung, warum Menschen Furcht vor Kriminalität entwickeln, ungeachtet der tatsächlichen Kriminalitätsraten.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und Einordnung der Bedeutung für die Kriminalpolitik.
Schlüsselwörter
Kriminalitätsfurcht, Verbrechensfurcht, Viktimisierung, Opferbefragung, Kriminalitätsrate, Sicherheitsgefühl, Deutschland, Sozialwissenschaft, Gewaltkriminalität, Prävention, Vermeidungsverhalten, Furcht-Paradoxon, Kriminalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Kriminalitätsfurcht in Deutschland, betrachtet ihre historische Entwicklung und untersucht, warum Menschen Angst vor Verbrechen haben, auch wenn keine direkte Korrelation zur realen Kriminalitätsrate besteht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die methodische Erfassung von Furcht, die zeitliche Entwicklung der Kriminalitätsraten im Vergleich zur subjektiven Angst, Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und die theoretische Erklärung des sogenannten Furcht-Paradoxons.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Entstehungsfaktoren der Kriminalitätsfurcht zu entwickeln und aufzuzeigen, dass strafrechtliche Verschärfungen allein nicht zur Lösung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse empirischer Studien, Opferbefragungen und sozialwissenschaftlicher Konzepte, um den aktuellen Forschungsstand zur Kriminalitätsfurcht darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der Erhebung, die empirische Analyse der Entwicklung von Kriminalitätsraten und Furchtwerten sowie die theoretische Auseinandersetzung mit Erklärungsmodellen wie der Viktimisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kriminalitätsfurcht, Viktimisierung, Kriminalitätsrate, Sicherheitsgefühl, Vermeideverhalten und Furcht-Paradoxon sind zentrale Begriffe der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich die Kriminalitätsfurcht zwischen Ost- und Westdeutschland?
Kurz nach der Wende stieg die Furchtrate in Ostdeutschland trotz unterschiedlicher objektiver Kriminalitätsverläufe massiv an, wobei sich die Werte im Laufe der Zeit zunehmend an das Westniveau angeglichen haben.
Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Opfererfahrung und Furcht?
Nein, die sogenannte Viktimisierungstheorie wird in der Arbeit kritisch betrachtet, da empirische Daten zeigen, dass Opfer nicht zwangsläufig mehr Angst haben als Nichtopfer, was das bekannte Furcht-Paradoxon verdeutlicht.
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- Daniel Walkenbach (Author), 2001, Furcht vor (Jugend-) Kriminalität in Ost- und Westdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6688