Globalisierung im Kontext der Nord-Süd-Beziehungen


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen

3. Entwicklung

4. Ursachen

5. ökonomische Globalisierung
5.1. Szenarien ökonomischer Globalisierung
5.2. Globalisierung des Hungers ?

6. politische Globalisierung
6.1. Internationale Steuern und Globalisierung
6.2. Regionalisierung

7. Schlussfazit/Lösungsansätze

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Anhänger der neoliberalen Theorie befürworten die Globalisierung im Sinne einer Förderung des Freihandels zwischen den Staaten, sei es durch globale Organisationen wie der WTO mit ihren Vereinbarungen wie GATT , durch Freihandelszonen und vermehrte Sonderwirtschaftszonen oder die Abschaffung der Grenzen der Nationalstaaten. Der freie Handel trägt nach Einschätzung des Neoliberalismus zur Förderung von weltweitem Wohlstand bei. Die Einschränkung des Handels mittels tarifärer (Schutzzölle) und nicht-tarifärer Handelshemmnisse und eine Förderung bestimmter Wirtschaftszweige durch den Staat (Subventionen) hingegen führt nach neoliberaler Vorstellung zu Ungleichverteilung und Armut auf der Welt.[1]

Die Neoliberalen gehen dabei von folgenden Grundannahmen aus:

1) Alle Weltregionen unterliegen in gleichem Maße der Globalisierung, d.h. die
abnehmende Bedeutung von Zeit u. Raum trifft überall zu
2) Globalisierung bedeutet globale Vereinheitlichung
3) Globalisierung bedeutet das Ende der politische Geographie der Ersten Moderne
4) Globalisierung ist ein exogener Prozess mit eigener Logik
5) Globalisierung bedeutet den weltweiten Siegeszug der liberal-demokratischen Regierungssysteme[2]

Im Folgenden soll nun geprüft werden, ob diese Annahmen zutreffen und wie sich Globalisierung auf den Süden auswirkt. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der ökonomischen Globalisierung liegen.

2. Definitionen

Der Begriff und die Globalisierung als solches werden in der Öffentlichkeit wie auch innerhalb der Politikwissenschaft heftig diskutiert. Es existieren unzählige enger oder weiter gefasste Definitionen, je nach dem wie viele Dimensionen Berücksichtigung finden. Wichtig dabei ist, die Folgen der Globalisierung nicht zu deren Definitionsbestandteilen zu machen. Der Autor schließt sich der sehr weit gefassten Definition nach Ulrich Beck anschließen:

"Globalisierung ist die empirisch feststellbare Ausdehnung, Dichte und Stabilität wechselseitiger regionaler und globaler Beziehungsnetzwerke und ihrer massenmedialen Selbstdefinition sowie sozialer Räume auf wirtschaftlicher, kultureller, ökologischer und politischer Ebene."[3]

Die ökonomische Globalisierung ist unzweifelhaft der Motor der gesamten Globalisierung. "Ökonomische Globalisierung bedeutet den Abbau von Marktsegmentierungen im Weltmaßstab. Sie impliziert eine zunehmende Vernetzung von Märkten und repräsentiert damit eine Entwicklung vom Zustand der geschlossenen über den der offenen Volkswirtschaft bis hin zur vollständig integrierten Weltwirtschaft. Als vollständig integriert lässt sich die Weltwirtschaft beschreiben, wenn die nationale und internationale Mobilität von Gütern und Produktionsfaktoren völlig ungehindert ist."[4]

Im Kontext der Globalisierungsdebatte tauchen auch verstärkt die beiden Begriffe Globalität und Globalismus auf. Verwendung und Definition der Begriffe sind meist nicht eindeutig und trennscharf. Beide Begriffe werden im Folgenden definiert: Globalität ist demnach "die wahrgenommene, reflexive Weltgesellschaft. Diese ist bestimmt durch eine Vielheit ohne Einheit, Differenz und eine Nicht-Integriertheit der verschiedenen Weltkulturen."[5]

Globalismus dagegen ist die Auffassung das wirtschaftliches Handeln, das politische Handeln verdrängt. Über diese Ideologie der alleinigen Herrschaft des Marktes definiert sich der Neoliberalismus.

Globalisierung ist Bestandteil der Zweiten Modern, die Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Anfang hatte und Globalität beinhaltet. Die Erste Moderne, das Zeitalter der Nationen und der Industrialisierung wird zunehmend durch die Zweite Form der Moderne abgelöst. Obwohl die genaue Definition der Zweiten Moderne noch nicht fassbar ist, da sie sich ja noch in einem Entwicklungsprozess befindet, können bereits einige Merkmale ausgemacht werden z.B. die Radikalisierung der Prinzipien der Ersten Moderne, die Autonomie des Individuums, die zunehmende Rationalisierung, etc. .

Das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Erster und Zweiter Moderne ist Unrevidierbarkeit entstandener Globalität. Die Zweite Moderne gerät zunehmend in Konflikt mit den Institutionen der Ersten Moderne, z.B. mit dem Nationalstaat.[6]

3. Entwicklung

In historischer Perspektive ist die Globalisierung kein neues Phänomen. Schon vor 150 Jahren beschrieben Marx und Engels diesen Tatbestand im Kommunistischen Manifest. Eine Erste Globalisierungsphase lässt sich bereits mit Beginn des industriellen Zeitalters bis 1913 verorten. Die arbeitsteilige Weltwirtschaft, die expandierende internationale Handelspolitik und ein sich zu integrieren beginnendes Weltwirtschaftssystem waren die Merkmale. Wann die jetzige Phase der Globalisierung einsetzte ist umstritten:

- mit Ende des 2.WK
- mit Abschied vom Bretton-Woods-System, der festen Wechselkurse 1973
- Ende der 80iger mit dem Zerfall des Ostblocks[7]

4. Ursachen

Vereinfachend lassen sich bei der politischen Betrachtung der Ursachen der heutigen Globalisierung zwei Extrempositionen ausmachen.

Der ersten, der neoliberalen Position, gilt die Globalisierung als exogener Prozess mit eigener Logik. Die Triebfedern sind dieser Ansicht nach: der technologischer Fortschritt, der Fortschritt der Produktivkräfte, die tiefgreifende Veränderungen der Produktionsverhältnisse, inklusive. die Entstehung transnationaler Konzerne, die Ausdifferenzierung der internationalen Arbeitsteilung und der grundlegende soziale und kulturelle Wandel.[8]

Die zweite Position betont, dass Staaten die Rahmenbedingungen für die heute stattfindenden Globalisierungsprozesse geschaffen haben und das Globalisierung deswegen kein Naturgesetz darstellt. Es wird betont, dass die Vernetzung der Märkte nicht ohne politisch gewollte Deregulierung möglich gewesen wäre. Diese Position folgt einer politischen Logik in Tradition der idealistischen Theorie der internationalen Beziehungen. Diese zielt letztendlich auf einen universalen Weltstaat mit horizontaler Schichtung, eine Weltordnungspolitik[9]

Konkrete Gründe für die rasche ökonomische Globalisierung der letzten 20 Jahre sind vor allem erstens die Senkung der Kosten bei der Überwindung von Raum und Zeit (Telekommunikation, Informationsverarbeitung). Zweitens sinken die Barrieren an den politischen Grenzen der Länder dieser Welt. Dies ist bedingt durch die weltumspannenden Bemühungen zum Protektionsabbau (WTO/GATT), durch die Aufhebung des Ost-West-Konflikts, durch die zunehmende Öffnung der Entwicklungs- und Schwellenländer und auch durch die regionalen Integrationsprozess (z.B. EU, ASEAN)[10]

5. ökonomische Globalisierung

Ein zentraler Befund der ökonomischen Globalisierung ist die Ablösung der Staatsräume durch Wirtschaftsräume. Die nationalen Volkswirtschaften des Nordens und einiger Schwellenländer integrieren sich immer stärker. Der Welthandel wächst seit Jahren stärker als die Weltproduktion. Investitionen werden weltweit geplant, Kapital kann frei über den Globus fließen und sucht sich die besten Anlagebedingungen. 60.000 transnationale Konzerne, sogenannte "global players" gestalten den Wirtschaftsprozess. Produkte u. Dienstleistungen werden für den weltweiten Bedarf hergestellt.

Eine genauere Betrachtung der Unterdimensionen der ökonomischen Globalisierung lässt jedoch ein differenziertes Bild entstehen.

1) Handelsverflechtungen:

Die Reichweite der internationalen Handelsverflechtungen ist heut keineswegs global. Nur ca. 20% der Güter und Dienstleistungen werden international gehandelt. Nur 30% der Weltbevölkerung sind in die Weltwirtschaft integriert. Die Begriffe Regionalisierung und Internationalisierung scheinen angemessener um die Realität des weltweiten Handels zu beschreiben. Eine Gruppe von Firmen aus 16 Staaten wickelt mehr als 70% der Exporte ab. Diese Gruppe besteht ausschließlich aus westeuropäischen., nordamerikanischen und asiatischen Firmen. Die Schwellen- u. Entwicklungsländer haben nur relativ geringen Anteil am weltweiten Exportmarkt.[11]

2) Internationalisierung ausländischer Direktinvestitionen:

Zwar nehmen die grenzüberschreitende Direktinvestitionen permanent zu, die Investitionsflüsse fließen jedoch vor allem zwischen den OECD-Ländern. Die Entwicklungsländer konnten ihren Anteil zwar auf über ein Drittel steigern, der größte Teil entfällt jedoch auf die Industriestaaten. Nur 1,5 Prozent der globalen Direktinvestitionen gehen nach Afrika.[12]

[...]


[1] Busch, Andreas: Nationaler Staat und internationale Wirtschaft, Baden-Baden 1999.S.22.

[2] Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung, Frankfurt 1997. S. 31

[3] Beck, Ulrich: Was ist Globalisierung, Frankfurt 1997. S. 31.

[4] Schäfer, Wolf: Globalisierung: Entmonopolisierung das Nationalen, Berlin 1999. S. 9.

[5] Vgl. Beck, a.a.O., S. 27.

[6] Vgl. ebd.

[7] Woyke, Wichard: Handwörterbuch der Internationalen Politik, Bonn 2000. S.138.

[8] Vgl. ebd.

[9] Global Governance, aber keine Weltregierung = Global Government

[10] Vgl. Schäfer, Wolf: Globalisierung: Entmonopolisierung das Nationalen?, Berlin 1999. S. 9.

[11] Vgl. Le Monde diplomatique (Hrsg.): Atlas der Globalisierung, Paris 2003.S.23-24.

[12] Vgl. ebd. S.27

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Globalisierung im Kontext der Nord-Süd-Beziehungen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Nord-Süd-Beziehungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V66932
ISBN (eBook)
9783638592970
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Kontext, Nord-Süd-Beziehungen
Arbeit zitieren
Torsten Wieland (Autor), 2006, Globalisierung im Kontext der Nord-Süd-Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66932

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