Zu: Ernst Cassirer, Form und Technik


Hausarbeit, 2005

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Kurzbiographie Ernst Cassirers

2. Technik als symbolische Form
2.1 Prozess der symbolischen Formung
2.2 Stellung von Philosophie und Technik
2.3 Vom Gewordenen zum Prinzip des Werdens

3. Entwicklung der Technik durch Werkzeuggebrauch
3.1 Funktion von Technik und Sprache
3.2 Entwicklung von Natur- zu Kulturvölkern
3.3 Weltwende der Erkenntnis

4. Entfremdungsproblem der Technik und anderen Lebensformen
4.1 Kritik an der technischen Entwicklung
4.2 Beziehung von Technik und Natur
4.2.1 Analogien zwischen technischen und sprachlichen Funktionen
4.2.2 Zusammenhang von Technik und theoretischer Naturerkenntnis

5. Konflikt der symbolischen Formen mit der moderne Technik
5.1 Verhältnis der Technik zur Theorie
5.2 Vergleich zwischen Technik und Kunst
5.2.1 Sinn der Schönheit
5.2.2 Künstlerisches Schaffen vs. technisches Schaffen
5.2.3 Konflikt von Technik und Ethik
5.3 Wirkung von Technik

6. Resümee

7. Literaturnachweis

1. Einführung

1.1 Einleitung

Der Philosoph Ernst Cassirer wird heute unweigerlich mit seinem dreibändigen Hauptwerk „Philosophie der symbolischen Formen“ (1923-1929) in Beziehung gesetzt. Diese Philosophie beinhaltet die Bedingung der Möglichkeit des Verstehens und des Zeichengebrauchs. In seinem 1930 erschienenen Essay „Form und Technik“ „…unternimmt Cassirer eine systematische Analyse technischen Handelns als eines spezifischen kulturellen Phänomens und skizziert die Folgen, die seine schnelle Entwicklung in unserem Jahrhundert auf die Gesellschaft hat.“[1] Die Technik wird hier als symbolische Form bezeichnet und in den Kreis der anderen symbolischen Formen (Sprache, Mythos, Religion, Wissenschaft und Kunst) aufgenommen.

In dieser Arbeit wird versucht, einen Einblick über Cassirers Auffassung der Beziehung zwischen Philosophie und Technik zu geben. Zuerst wird ein kurzer Lebenslauf Cassirers skizziert und im Folgenden wird der Aufsatz „Form und Technik“ in seine Hauptpunkte untergliedert und bearbeitet. Zum Schluss wird ein kurzes Resümee die Arbeit abschließen.

1.2 Kurzbiographie Ernst Cassirers

Der Grund warum ich einen kurzen Lebenslauf Ernst Cassirer angebe ist, dass mir der zentral zu bearbeitende Text „Form und Technik“ aus dem Jahre 1930 erst verständlich wurde, nachdem ich das Werk in die historischen Begebenheiten einordnen konnte.

Wer also war Ernst Cassirer? Am 28. Juli 1874 wird er als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Breslau geboren. Im Jahre 1892 nimmt er auf Wunsch seines Vaters das Studium der Rechtswissenschaften in Berlin auf, wechselt jedoch nach kurzer Zeit zum Studium der deutschen Literatur und Philosophie. Vier Jahre später wechselt er nach Marburg und gehört kurzerhand der Marburger Schule des Neukantianismus an. Zur Erläuterung kann die Philosophie der symbolischen Formen, wozu auch die Form der Technik gehört, nur aufgrund des Neukantianismus Marburger Prägung bestimmt werden.[2]

Der Begründungsanspruch der Neukantianer bestand aus einer erkenntnistheoretischen Philosophie, die auch die frühen Jahre Cassirers prägen. Er promoviert 1899 in Marburg über „Descartes’ Kritik der mathematischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnis“ und habilitiert 1906 in Berlin mit der Studie „Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit“, die ihn zum führenden Erkenntnisphilosophen seiner Zeit werden ließ. In seiner Tätigkeit als Privatdozent von 1906 bis 1919 erscheint das Werk „Substanzbegriff und Funktionsbegriff“ in dem schon seine Philosophie des Symbolbegriffs aufgegriffen wird, in dem er „die naturwissenschaftliche Erkenntnis als Operieren mit funktionsbestimmten Symbolen definiert.“[3] Sein Weg führt in von der Erkenntnistheorie zu einer übergreifenden, Sprache, Mythos und Technik einbeziehende Philosophie der Kulturen.[4] Von 1919 bis 1933 erhält er eine Professur für Philosophie an der Universität Hamburg und wird Anfang der dreißiger Jahre zum ersten jüdischen Rektor dieser Universität ernannt. In dieser Schaffensperiode erscheint sein dreibändiges kulturphilosophisches Hauptwerk „Philosophie der symbolischen Formen“. Wozu auch inhaltlich der Essay „Form und Technik“ ab 1930 zuzuordnen ist. Themen sind „die Formen des ‚Weltverstehens’ und der Verständigung durch die Sprache sowie durch andere symbolische Formen.“[5] Ebenfalls beschäftigt er sich in diesem Zeitabschnitt mit der Philosophie der Renaissance, die eine deutsche Entwicklungslinie der kulturellen Moderne aufzeigt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933, verlässt Cassirer Deutschland und siedelt nach England um. Dort erhält er eine Gastprofessur am All Souls College in Oxford. Doch schon 1935 übersiedelt Cassirer nach Schweden, wo er an der Göteborger Universität bis 1941 lehrte. Seine philosophischen Arbeiten sind nun immer mehr ethisch und politisch geprägt. Nach dieser Zeit immigriert Cassirer in die USA und arbeitet als Gastprofessor an der Yale University in New Haven. Ab 1944 bekommt er eine Professur an der Columbia University in New York. Es erscheint das Buch „An Essay on Man“ in dem Cassirers Kulturphilosophie sich zu einer Anthropologie wandelt. Dieses Werk ist ein Entwurf einer umfassenden Symboltheorie der menschlichen Kultur. Am 13.April 1945 stirbt Cassirer während einer Vorlesung an der Columbia University an einer Herzattacke. Postum wird sein Werk „The Myth of State

1946 veröffentlicht in dem er die Technik der modernen politischen Mythen untersucht, um die Genese des nationalsozialistischen Staates zu verstehen.

Durch diesen Lebenslauf kann skizzenhaft gezeigt werden, dass Cassirer vom Erkenntnistheoretiker zum Kulturphilosophen geworden ist. Die Kulturphilosophie wandelt sich folglich zur Anthropologie und schließlich entwickelt sich die Anthropologie zur Sozial- und Politikphilosophie. In dieser Arbeit werde ich mich, im Rahmen der Technik als symbolische Form, mit der Kulturphilosophie Cassirers beschäftigen.

2. Technik als symbolische Form

„Cassirers eigene systematische Philosophie der symbolischen Formen führen ihn zu dem Problem des Wesens und der Stellung der Technik in der Welt.“[6] Durch die Betrachtung der Technik, kann man einen sehr guten Einblick über Cassirers gesamtphilosophisches Schaffen erlangen.

2.1 Prozess der symbolischen Formung

Die ganze Realität geht in eine reine symbolische Bedeutung auf. Das Symbol bezeichnet ein Sinnliches Gegebenes, das die Verkörperung eines Sinnes darstellt. Es gibt laut Cassirer drei Grundfunktionen der symbolischen Formung: „die Ausdruckfunktion, in der Zeichen und Bezeichnetes unmittelbar miteinander identifiziert werden. (die Welt des mythischen Denkens); die Darstellungsfunktion, bei der der Symbolcharakter bewusst ist, die sich aber noch auf Gegenständliches bezieht (die alltägliche Sprache); die Bedeutungsfunktion, in der mathemat. oder logische Zeichen sich nur auf abstrakte Relationen beziehen. (Wissenschaft).“[7]

2.2 Stellung von Philosophie und Technik

Im folgenden Abschnitt wird auf die Stellung von Philosophie und Technik eingegangen. Es stellt sich heraus, dass heute wie damals das „Primat der Technik“[8] vorherrscht, d. h. der Technik wird der erste Rang gegenüber den anderen symbolischen Formen zuteil. Ein Beispiel dafür ist, dass die Mehrheit der Studenten an der Augsburger Universität ein Handy besitzt. Jedoch ist eine solche Außendetermination gegen das Wesen des Geistes. Der Geist setzt sich zur Wehr. Der Mensch fragt nach dem Kern und Sinn der Technik. Die Besinnung auf die Technik folgt schon eine eigentümliche Rückwendung und Innenwendung in sich. Durch das Erkennen der Determination erhält die Philosophie die Oberhand.[9]

[...]


[1] Krois, J. M., „Ernst Cassirers Theorie der Technik und ihre Bedeutung für die Sozialphilosophie“, S. 68-93, in: Phänomenologische Forschung 15, 1983, S. 70

[2] Metzler-Philosophen-Lexikon: von den Vorsokratikern bis zu den Neuen Philosophen, Hrsg. von Bernd Lutz, Stuttgart; Weimar, Metzler 1995, S. 167

[3] Ebd., S. 167

[4] Ebd., S. 167

[5] Ebd., S. 168

[6] Krois, J. M., 1983, S. 68

[7] dtv-Atlas Philosophie, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München, 2003, S. 175

[8] Cassirer, Ernst: „Symbol, Technik, Sprache“, S. 39-91, Hrsg. von Ernst Wolfgang Orth u. John Michael Krois, Hamburg, Meiner, 1985, S. 39

[9] Nach Cassirer, Ernst: „Symbol, Technik, Sprache“, S. 39-91, Hrsg. von Ernst Wolfgang Orth u. John Michael Krois, Hamburg, Meiner, 1985, S. 40

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Zu: Ernst Cassirer, Form und Technik
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Philosophie und Technik
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V66947
ISBN (eBook)
9783638593083
ISBN (Buch)
9783638915823
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ernst, Cassirer, Form, Technik, Philosophie
Arbeit zitieren
Melanie Wanninger (Autor), 2005, Zu: Ernst Cassirer, Form und Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66947

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