Königsstraßen im Reich der Achämeniden


Seminararbeit, 2002

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Quellen
1. Persische Quellen
2. Griechische und römische Quellen
a) Herodot
b) Xenophon
c) Andere Autoren

III. Das Straßennetz der Perser
1. Vorpersische Straßen
2. Ausbau und Vermessung der persischen Straßen
3. Die wichtigsten Straßenverbindungen
a) Von Sardes nach Susa
b) Von Persepolis nach Susa
c) Andere Verbindungen

IV. Die Funktion der Königsstraßen
1. Militärische Funktion
2. Nachrichtenübertragung
3. Handel
a) Handelsprodukte
b) Nachweise in den Quellen
c) Einschränkung des Handelsverkehrs
d) Andere Handelswege
e) Schussfolgerung

V. Die Organisation des Verkehrswesens
1. Die Versorgung der Reisenden
a) Wegstationen
b) Proviantrationen
2. Die Sicherheit auf den Straßen
3. Reisebegleiter

VI. Schluss

I. Einleitung

Schon allein ein kurzer Blick auf die geographischen Gegebenheiten des Perserreiches der Achämeniden verdeutlicht die Bedeutung eines gut ausgebauten Straßennetzes für seinen inneren Zusammenhalt. Vom persischen Kernland aus betrachtet mussten sowohl in westlicher Richtung nach Kleinasien und Ägypten als auch in östlicher Richtung nach Zentralasien und Indien Tausende von Kilometern durch hohe Gebirge und weite Wüsten überbrückt werden.

In dieser Arbeit soll nach einer kurzen Beschreibung des vorliegenden Quellenmaterials und der wichtigsten Straßenverbindungen verdeutlicht werden, welchen Funktionen die persischen Königsstraßen vorrangig gewidmet waren, und durch welche Maßnahmen der Verkehr im Großreich sichergestellt und unterstützt wurde, um so einen kleinen Einblick in die inneren alltäglichen Abläufe im Reich der Achämeniden zu erhalten.

II. Quellen

1. Persische Quellen

Eine ganze Reihe der in Persepolis gefundenen Tontafeln enthalten Hinweise über Reisende, die auf persischen Straßen unterwegs waren. Bei den Tontafeln der Serie Q[1] handelt es sich um kurzgefasste Verwaltungsnotizen der Proviantausgabe an Reisende. Sie sind recht einheitlich aufgebaut und enthalten Angaben über die Menge an Lebensmittel, die Namen der Geber und Empfänger, die Zusammensetzung der Reisegruppen, die Auftraggeber, die Ausgangs- und Endpunkte der Reisen und ihre Datierung.

Die Texte sind in elamischer Sprache und in Keilschrift verfasst und lassen sich auf die Jahre 509 – 494 v.Chr. datieren, wobei der größte Teil der Tafeln aus den Jahren 500-499 v.Chr. stammen[2]. Sie zeigen gewissermaßen eine Momentaufnahme der täglichen Handlungen des hochentwickelten Reisesystems der Perser[3]. Entwicklungslinien lassen sich aus ihnen jedoch nicht ableiten. Darüber hinaus wird in fast allen Texten erwähnt, dass der Empfänger der Proviantrationen die schriftliche Autorisation des Königs[4], eines hohen Beamten[5] oder eines Satrapen[6] vorzeigen konnte. Daraus ist zu schließen, dass nur von Reisenden die Rede ist, die in offiziellem Auftrag unterwegs waren. Zudem ist der Inhalt der Überlieferung stark beeinflusst von der Art der Archivierung und dem Zufall ihrer Entdeckung. Außerdem sind viele der Tontafeln noch nicht ausgewertet[7]. Dies alles ist zu beachten, wenn Verallgemeinerungen über die Nutzung der Straßen aus den Tontafeln gezogen werden sollen.

2. Griechische und römische Quellen

Erzählende Quellen über das Straßensystem der Perser sind ausschließlich von nichtpersischen Autoren überliefert.

a) Herodot

Die ausführlichsten Hinweise über persische Straßen und deren Nutzung finden sich bei Herodot. Er beschreibt beispielsweise in Exkursen die Königsstraße von Sardes nach Susa[8] und das Postreitersystem[9].

Aus der Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten lässt sich allerdings ablesen, dass seine Kenntnis nach Osten hin stark abnimmt,[10] und sein geographischer Horizont geht über Babylon und Susa nicht heraus[11]. Wahrscheinlich hat Herodot Mittel- und Ostanatolien nicht selbst besucht, sondern stützte sich auf ein älteres, möglicherweise persisches Dokument[12]. Im Ganzen wird die Beschreibung Herodots aber als zuverlässig betrachtet[13].

b) Xenophon

Eine Reihe interessante Hinweise über die persischen Straßen finden sich bei Xenophon in der Anabasis[14] und der Kyropaedia[15]. Anders als Herodot war Xenophon selbst als Söldner tief ins Perserreich vorgedrungen[16] und stützt sich zudem auf andere Quellen[17].

c) andere Autoren

Das persische Straßensystem findet außerdem Erwähnung bei Diodor[18] und Quintus Curtius[19]. Bei diesen Autoren ist zu beachten, dass es sich um Militärhistoriker handelt und ihre Sicht auf die Funktionalität der Straßen in dieser Hinsicht gelenkt ist[20]. Darüber hinaus schreiben sie in späterer Zeit.

Bessere Voraussetzungen liegen beim Werk des Ktesias vor, der Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. als Gefangener in Persien lebte[21]. Die für das Thema interessantesten Teile des Werkes[22] sind jedoch nicht überliefert[23].

III. Das Straßennetz der Perser

1. Vorpersische Straßen

Als die Perser die Nachfolge der elamischen, medischen, assyrischen, babylonischen, lydischen und ägyptischen Herrscher antraten, fanden eine ganze Reihe uralter Karawanenwege vor[24]. In der Nähe von wichtigen Städten Babyloniens und Assyriens waren die Straßen bereits mit Stein oder Ziegel gepflastert oder mit Bitumenbelag versehen[25]. Längere Handels- und Militärstraßen waren noch nicht gepflastert[26].

2. Ausbau und Vermessung der persischen Straßen

Diese Straßen wurden von den Persern planmäßig ausgebaut und erweitert[27], so dass auf ihnen auch Reisewagen fahren konnten[28]. Ein archäologisch näher untersuchter Straßenabschnitt bei Naqsh-i Rustam weist eine Breite von fünf Metern auf[29].

Da die Straßen jedoch größtenteils weiterhin nicht gepflastert wurden[30], verwandelten sich mitunter in der Regenzeit die staubigen Pisten in schlammige Wege, in denen die Wagen stecken blieben[31]. Problematisch war auch die Überwindung der zahlreichen großen Flüsse. Dies wurde durch permanente Brücken[32] und Brückenboote[33] gelöst. Xenophon berichtet, dass über den Tigris eine Pontonbrücke aus 37 ineinander verhakten Schiffen führte[34].

[...]


[1] PF 1285-1579 (publiziert bei: Hallock, R.T.: Persepolis Fortification Tablets) und Pfa 12-23 (publiziert bei: Hallock R.T.: Selected Fortification Texts, in CDAFI, 8 (1978), S. 109-136.

[2] Hallock, R.T.: Persepolis Fortification Tablets, S. 74.

[3] Ebd., S. 6.

[4] PF 1364, 1440, 1795 u.a.

[5] PF 1369, 1374, 1462 u.a.

[6] PF 1404, 1455 u.a.

[7] Briant, P.: De Sardes à Suse, AchHist VI, S. 69.

[8] Hdt. 5, 52

[9] Hdt. 9,98.

[10] Chaumont, M.L.: L’Arménie et la route royale des Perses, in REArm 20 (1986/87), S. 287, 291.

[11] Briant, P.: Histoire de l’Empire Perse, S. 369.

[12] How, W.W./ Wells, J.: A commentary on Herodotus, Bd. 2, S. 21.

[13] Müller, D.: Von Kritalla nach Doriskos, in IM 44 (1994), S. 17, 38.

[14] Xen. Anab. 1, 2, 16; 1,5,7; 2, 4, 24

[15] Xen. Kyr. 8, 6, 17

[16] Tuplin, Ch.: Ancient Travellers, AchHist VII, S. 44; Koch, H.: Es kündet Dareios der König, S. 25.

[17] Joannes, F.: L’itinéraire des Dix-Mille en Mésopotamie, in Pallas 43 (1995), S. 173.

[18] Diod. 19, 17, 7

[19] Curt. 5, 8, 5

[20] Briant, P.: Histoire de l’Empire Perse, S. 370.

[21] Koch, H.: Es kündet Dareios der König, S. 25.

[22] Ktesias, Persika 64.

[23] How, W.W./ Wells, J.: A commentary on Herodotus, Bd. 2, S. 21.

[24] Wiesehöfer, J.: Handel des Achämenidenreiches, in MBH I/1 (1982), S. 5, 7; Carvaignac, E.: Les deux routes d’Asie Mineure, in JA 244 (1956), S. 341, 345.

[25] Schmidt, H.J.: Straßen in altorientalischen Wohngebieten, in BM 3 (1964), S. 125.

[26] Forbes, R.J.: Ancient Roads, S. 70.

[27] Wiesehöfer, J.: Handel des Achämenidenreiches, in MBH I/1 (1982), S. 5, 7.

[28] Hdt. 7, 83; Xen. Kyr. 6, 2, 36; Diod. 18, 26.

[29] Kleiss, W.: Ein Abschnitt der achämenidischen Königsstraße, in AMI N.F. 14 (1981), S. 45, 48.

[30] Hdt. 7, 115; Graf, D.F.: The Persian Royal Road System, AchHist VIII, S. 167, 173.

[31] Xen. Anab. 1, 5, 7.

[32] Hdt. 1, 186.

[33] Xen. Anab. 1, 2, 5.

[34] Xen. Anab. 2, 4, 24.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Königsstraßen im Reich der Achämeniden
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Perserkriege
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V6696
ISBN (eBook)
9783638142090
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit befaßt sich mit einem zentralen Aspekt der inneren Struktur des Perserreiches - dem beeindruckenden Straßenwesen. Hierzu wurden zahlreiche griechische Quellen und auf Tontafeln erhaltene persische Verwaltungsnotizen sowie die entsprechende deutsche, französische und englische Literatur verarbeitet.
Schlagworte
Perser, Achämeniden, Straßen, Verwaltung, Postwesen
Arbeit zitieren
Thomas Woelki (Autor), 2002, Königsstraßen im Reich der Achämeniden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6696

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