Diese Arbeit soll vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren medial zu Jahrhundert-und gar Jahrtausendereignissen stilisierten Hochwässer einen Überblick über historische Hochwässer in Mitteleuropa, speziell Thüringen, geben. Unter dem Aspekt der drohenden Hochwassergefahr soll kurz auf die Beweggründe menschlicher Siedlungstätigkeit an Fliessgewässern in historischer Zeit eingegangen werden. Die Einordnunghistorischumfasst im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen den Zeitraum von 1500-1900, da etwa zu Beginn des 16. Jahrhunderts vielerorts eine genauere Aufzeichnung hochwasserrelevanter Daten begann. Dies ist notwendig, da von früheren Hochwasserereignissen nur sehr vage Berichte existieren, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen als äußerst kritisch zu beurteilen sind. Es werden ausschließlich historische Hochwasser an Fliessgewässern betrachtet, Küstenhochwässer sind nicht Gegenstand dieser Arbeit. Die Techniken und Methoden zur Rekonstruktion historischer Hochwasserereignisse werden vorgestellt. Dem Aspekt der natürlichen Hochwassereinflussfaktoren wird ebenso Rechnung getragen, wie der anthropogenen Einflussnahme, etwa in Form von Flussbegradigungen. Anhand einer chronologischen Auflistung bedeutender Hochwasserereignisse in Thüringen soll die Kontinuität dieser verdeutlicht werden. Besonderes Augenmerk wird auf das Saale-Hochwasser von 1890 und die Thüringische Sintflut gelegt, an denen beispielhaft Entstehung, Ausbreitung und Folgen von Hochwassern erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hochwassergeschichte, eine anthropogene Erfindung
3 Ursachen für das Auftreten von Hochwasserkatastrophen
4 Die Rekonstruktion historischer Hochwässer
5 Abflussregime
6 Intensitätsklassifizierung historischer Hochwasserereignisse
7 Chronologie bedeutender Hochwässer in Thüringen
8 Das Saale-Hochwasser von 1890
8.1 Entstehung
8.2 Verlauf
8.3 Folgen
9 Die Thüringische Sintflut
9.1 Betroffene Gebiete
9.2 Folgen des Hochwassers
10 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen Überblick über historische Hochwasserereignisse in Mitteleuropa, mit speziellem Fokus auf Thüringen, zu geben und dabei die methodischen Möglichkeiten der Rekonstruktion solcher Ereignisse sowie deren Auswirkungen auf die menschliche Besiedlung zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Hochwasserwahrnehmung und menschliche Siedlungstätigkeit in Talauen.
- Methodik der Quellenanalyse zur Rekonstruktion historischer Hochwasser (handschriftlich, gedruckt, bildlich, gegenständlich).
- Natürliche und anthropogene Ursachen für das Auftreten und die Intensivierung von Hochwasserereignissen.
- Fallstudien zum Saale-Hochwasser von 1890 und der Thüringischen Sintflut von 1613 als Beispiele für Katastrophenmanagement und Folgenabschätzung.
Auszug aus dem Buch
4 Die Rekonstruktion historischer Hochwässer
Für die Rekonstruktion der Hochwasser längst vergangener Zeiten, bedarf es ausgiebiger Quellenarbeit, anhand derer man die historischen Flutkatastrophen nachvollziehen kann. Doch handelt es sich nicht bei allen Überlieferung um verlässliche Quellen. Es gibt eine Vielzahl an Varianten, wie die Menschen ihre Hochwassererlebnisse festhalten konnten und nachfolgend sollen die wichtigsten dieser heterogenen Möglichkeiten kurz vorgestellt werden. Einige dieser Überlieferungen stellen Chroniken dar, mit deren Hilfe Gemeinden und Städte die lokale Geschichte der Hochwasser festzuhalten versuchten.
Die erste Gruppe von Quellen sind die handschriftlichen Quellen, wobei diese laut DEUTSCH & PÖRTGE (2002:14) in ihrer Aussagekraft als sehr wichtig einzustufen sind. Es handelt sich bei dieser Gruppe beispielsweise auch häufig um Augenzeugenberichte, welche in verschiedenen Chroniken oder wasserwirtschaftliche Unterlagen festgehalten worden sind so DEUTSCH & PÖRTGE (1999:31). Zum einen, können dies beispielsweise Aufzeichnungen aus Kirchenarchiven oder den Städten sein. DEUTSCH & PÖRTGE (2002:14) verweisen zudem noch auf Hinweise die sich, in Form von Bauakten oder Steueraufzeichnungen erhalten haben, was sowohl bei Orts- und Gebietsverwaltungen und Behörden denkbar ist. Seit dem beginnenden 18. Jahrhundert wurden „aufgrund landesherrlicher Befehle u. a. von Bausachverständigen und Steuereinnehmern kurz nach den Hochwassern“ DEUTSCH & PÖRTGE (2002:14) Visitationsberichte angefertigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema der historischen Hochwasser in Thüringen vor und definiert den zeitlichen Untersuchungsrahmen von 1500 bis 1900.
2 Hochwassergeschichte, eine anthropogene Erfindung: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der menschlichen Besiedlung von Flussauen und der Wahrnehmung sowie Entstehung von Hochwasserschäden.
3 Ursachen für das Auftreten von Hochwasserkatastrophen: Hier werden die natürlichen meteorologischen Faktoren den anthropogenen Einflüssen wie Flussbegradigungen und Landnutzungsänderungen gegenübergestellt.
4 Die Rekonstruktion historischer Hochwässer: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Quellengruppen, von handschriftlichen Aufzeichnungen bis zu Hochwassermarken, zur wissenschaftlichen Rekonstruktion vergangener Fluten.
5 Abflussregime: Die theoretischen Grundlagen der Abflussregime nach Pardé werden dargelegt, um das charakteristische Verhalten von Flüssen einzuordnen.
6 Intensitätsklassifizierung historischer Hochwasserereignisse: Hier wird ein System vorgestellt, das Hochwasser anhand primärer und sekundärer Indikatoren in drei Schweregrade einteilt.
7 Chronologie bedeutender Hochwässer in Thüringen: Eine tabellarische Übersicht dokumentiert die schwersten Hochwasserereignisse in der Region zwischen 1500 und 1900.
8 Das Saale-Hochwasser von 1890: Dieses Kapitel analysiert detailliert Entstehung, Verlauf und Folgen des Hochwassers von 1890 anhand präziser Pegeldaten und Überlieferungen.
9 Die Thüringische Sintflut: Eine Fallstudie zur Hochwasserkatastrophe des Jahres 1613, inklusive der Dokumentation der regionalen Schäden und Opferzahlen.
10 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Hochwasser ein natürliches Phänomen sind, deren katastrophale Folgen eng mit der menschlichen Siedlungsweise verknüpft bleiben.
Schlüsselwörter
Historische Hochwasser, Thüringen, Saale, Thüringische Sintflut, Hochwasserereignisse, Quellenarbeit, Hydrologie, Anthropogene Einflüsse, Hochwassermarken, Katastrophenmanagement, Pegelstände, Siedlungsgeschichte, Flussbegradigung, Klimatologie, Umweltgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht historische Hochwasserereignisse im mitteleuropäischen Raum, speziell in Thüringen, und beleuchtet die methodische Rekonstruktion sowie die sozioökonomischen Folgen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Quellenkritik, Ursachenanalyse von Hochwasser, die Klassifizierung von Ereignissen nach Intensität sowie Fallstudien zu spezifischen historischen Fluten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Überblick über historische Hochwasser zu geben und aufzuzeigen, wie durch quellenkritische Arbeit Erkenntnisse über Entstehung und Auswirkungen dieser Ereignisse gewonnen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und analytische Quellenarbeit durchgeführt, die auf der Auswertung historischer Dokumente, Karten, Pegelaufzeichnungen und archivarischer Daten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Aufarbeitung der Quellen und Fallstudien zu bedeutenden Ereignissen wie dem Saale-Hochwasser von 1890 und der Sintflut von 1613.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Historische Hochwasser, Thüringen, Quellenarbeit, Anthropogene Einflüsse, Hochwassermarken, Katastrophenereignisse.
Warum wird das Hochwasser von 1890 als besonders gut untersucht bezeichnet?
Weil es durch die 1889 eingeführte landesübergreifende Hochwassermeldeordnung erstmals sehr präzise Pegeldaten in Form von Messlatten gab, die eine objektive Analyse ermöglichten.
Welche Rolle spielen Hochwassermarken bei der Rekonstruktion?
Sie dienen als gegenständliche Quellen, die zwar variierende Aussagekraft besitzen, aber in Ergänzung zu schriftlichen Berichten oft wertvolle Anhaltspunkte für historische Wasserstände liefern.
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- Henning Mertens (Author), Maik Tannert (Author), 2005, Historische Hochwässer in Mitteleuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66977