Gründungsbezogene Rahmenbedingungen - die Betrachtung einer politischen Pflicht mit Hilfe des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2005


Hausarbeit, 2006

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Eingrenzung des Themas

2. Beeinflussungsfaktoren individueller Gründungsentscheidungen
2.1. Die öffentliche Förderinfrastruktur in Deutschland
2.2. Gründungsbezogene Ausbildung in Deutschland

3. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Eingrenzung des Themas

Weltweit finden, vermutlich täglich, Unternehmensgründungen statt. Eine Aus- nahme, und das entspricht meiner Vermutung und soll keinen Nachweis erfahren, bildet der Vatikanstaat. Gleichwohl wird es weltweit, selbst im nicht weltlichen Staat in Rom, Gründercharaktere und Entrepreneure geben, die durch die politi- schen Systeme, welchen sie angehören, gefördert oder auch durch deren gesell- schaftliche und wirtschaftliche Normen und Gesetze behindert werden. Die Rah- menbedingungen zu schaffen, die es Entrepreneuren erleichtern, erfolgreiche und nachhaltige Unternehmen zu gründen, ist Aufgabe der Politik und erstreckt sich durch viele Ressorts. Das, was David B. Audretsch in einem Buchbeitrag als „Entrepreneurship-Politik“ bezeichnet, findet sich „innerhalb eines breiten Spekt- rums von Ministerien und Behörden wieder, die von Bildung über Handel bis zur Immigration reichen.“1 Ein gutes Benchmarking zum Thema Unternehmensgrün- dungen und der Beurteilung des staatlichen „Dazutuns“ bietet seit nunmehr 8 Jah- ren der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) des Babson College und der Lo- don Business School, ein internationales Forschungsprojekt, welches mit deutscher Beteiligung gegründet und jährlich durch einen Global Report und die dazugehörigen Länderberichte (auch für Deutschland) dokumentiert wird. „Über alle Jahre (inkl. Pilotjahr) liegen nun Daten aus 206 Erhebungswellen (Jahre mal Länder) für die Bevölkerungs- und 187 Erhebungswellen für die Expertenbefra- gungen vor.“2 Der aktuelle Länderbericht Deutschland beruht auf der Befragung von 6.577 Bürgern und 176 Gründungsexperten. Kern dieser kurzen Arbeit soll eine Betrachtung der Ergebnisse des GEM und der gründungsbezogenen Rah- menbedingungen sein, „Faktoren also, die die individuelle Gründungsentschei- dung zu beeinflussen in der Lage sind.“3

2. Beeinflussungsfaktoren individueller Gründungsentscheidun- gen

Welches sind nur die Beeinflussungsfaktoren, die einem wirtschaftlich denkenden Individuum die Entscheidung erleichtern, den Weg in die Selbständigkeit zu wa- gen? Nicht alle sind rein politischer Natur aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass nahezu alle Faktoren zumindest bedingter politischer Einflussnahme unterliegen. Daraus lässt sich schon vorweg die These ableiten, dass der Staat die entscheidende Verantwortung trägt, die Flamme des Entrepreneurship zu entfa- chen und am brennen zu halten.

Der GEM arbeitet seit der ersten Erhebung durch das Babson College und die London Business School im Jahre 1999 fast ausschließlich mit Primärdaten. So werden die mittlerweile 35 teilnehmenden Länder „vergleichbar“4, da die ver- wendeten Fragebögen identisch sind. Grundlage der Ergebnisse/Aussagen zu den Gründungsaktivitäten, der Gründungseinstellungen und -motivation ist die Be- völkerungsbefragung. Rückschlüsse über die Rahmenbedingungen für Gründer und Gründungswillige zieht der GEM in erster Linie aus den Expertenbefragun- gen. Diese werden ergänzt durch sekundärstatistische Daten zu volkswirtschaftli- chen Größen und weiteren nationalen Rahmenbedingungen u. a. der Weltbank, der Vereinten Nationen und der OECD.5

Das GEM-Modell unterscheidet allgemeine nationale (Infrastruktur, Finanzmärk- te, etc.) und gründungsbezogene (Förderinfrastruktur, Technologietransfer, etc.) Rahmenbedingungen, die aus dem sozialen, kulturellen und politischen Kontext eines Landes erwachsen. Diese Differenzierung wird im Folgenden vernachlässigt und nur noch von gründungsbezogenen Rahmenbedingungen gesprochen. Von den 13 Indizes6, welche der GEM zu einem Gesamtranking der beteiligten Länder zusammen führt, werden zwei vor allem politisch determinierte Rahmenbedin- gungen in Deutschland genauer betrachtet. Zunächst die öffentliche Förderinfra- struktur, ein aus Gründersicht positiv zu beurteilender Bereich, dann die grün- dungsbezogene Ausbildung, schulisch und außerschulisch, wo sich folgenreiche Defizite offenbaren.

2.1. Die öffentliche Förderinfrastruktur in Deutschland

Förderprogramme für Unternehmensgründer gibt es laut den Ergebnissen des GEM-Länderberichts Deutschland viele. An Quantität mangelt es nicht und die angemessene Anzahl bringt Deutschland damit auf den Rangplatz 4 im internatio- nalen Vergleich. Die Anzahl der Förderprogramme ist dennoch nur eine Seite der Medaille. „Finally, since „one size does not fit all,“ in order to be effective, entre- preneurship programs must be adapted and tailored to prevailing national circum- stances.”7 Förderprogramme müssen sich somit in das jeweilige nationale Korsett einpassen. Hinzu kommt einer der Kritikpunkte hierzulande, welcher Deutsch- land in dieser Kategorie vermutlich die „Medaillenränge“ kostete: die Transpa- renz. In der Tat führt die Größe des Angebotes und die mangelhafte Auffindbar- keit von Förderprogrammen dazu, dass das Unterstützungsportfolio bei vielen Gründern nicht optimal besetzt ist. Das zeigt schon eine oberflächliche Recherche im Internet und findet sich auch in den Ausführungen des GEM-Länderberichts 2005 aus Deutschland wieder. Auch zeigt sich hier Kritik bezüglich der Ausges- taltung öffentlicher Förderprogramme. „Ansatzpunkte zur Verbesserung bestehen ( ) hinsichtlich der Transparenz des umfangreichen, allerdings häufig immer noch unübersichtlichen Angebotes an Unterstützung, das durch die Schaffung bzw. Weiterentwicklung zentraler Anlaufstellen für Unternehmensgründer ver- bessert werden sollte.“8

2.2. Gründungsbezogene Ausbildung in Deutschland

Die Faktoren, welche der GEM untersucht, lassen sich in direkt beeinflussende, wie die Förderinfrastruktur eines Landes, und in diejenigen unterscheiden, „die in allgemeiner Weise auf die Wahrnehmung der Selbständigkeit als Alternative zur abhängigen Beschäftigung“9 hinwirken. Dazu gehört nach meiner Ansicht zwei- felsfrei das Bildungssystem eines Staates, welches schon in der schulischen Ausbildung die Weichen in Richtung eines engagierten und mutigen Unternehmertums ihrer Bürger stellen kann. Dieser sollte sich die außerschulische gründungsbezogene Ausbildung, z.B. an Universitäten, anschließen. Ist die Schaffung eines Schulsystems, welches die Saat für Gründungsbereitschaft säht, vornehmlich Aufgabe des Gesetzgebers bzw. der Politik, liegt es in der außerschulischen gründungsbezogenen Ausbildung vornehmlich in der Hand der staatlichen und privaten Bildungsträger, ihre Curricula anzupassen. „Um die Innovationskraft unserer Gesellschaft wirksam zu stärken, werden Universitäten in ihrer Ausbildung von der Job-Suche zur Job-Schöpfung umdenken müssen.“10

Die schulische gründungsbezogene Ausbildung wird nach Urteil der Experten weltweit sehr schlecht eingestuft. Laut dem GEM-Länderbericht Deutschland 2005 rangiert unser Land mit 1,71 von 5 möglichen Indexpunkten auf Platz 29 der 33 teilnehmenden Länder. Nur in Venezuela, Brasilien und Ungarn wird in der Schule offensichtlich noch schlechter auf ein unternehmerisches Verhalten hinun- terrichtet.11

Das von Malek propagierte „Umdenken“ hat an deutschen Hochschulen noch nicht stattgefunden. Auch hier bescheinigen die befragten Experten im deutschen GEM-Länderbericht einen weit abgeschlagenen Platz. In einer differenzierteren Betrachtung der nachschulischen gründungsbezogenen Ausbildung zeigt sich je- doch, dass einer international bereits durchschnittlichen hochschulischen Grün- dungsausbildung unterdurchschnittliche Management- und Berufsausbildung zur Seite steht.12

3. Fazit

Das Fazit des GEM 2005 zur Gründungsförderung in Deutschland fällt ernüch- ternd aus.

[...]


1 Audretsch, D., Innovationen: Aufbruch zur Entrepreneurship-Politik, in: Zimmermann, K. (Hrsg.), Deutschland - was nun? Reformen für Wirtschaft und Gesellschaft, München 2006, S. 248.

2 Sternberg, R. et al., Global Entrepreneurship Monitor - Länderbericht Deutschland 2005, Hannover 2006, S. 8.

3 Ronzheimer, M., Global Entrepreneurship Monitor - Zusammenfassung aus Sicht Deutschlands, in: Gründernews vom 21.04.2000, Online in Internet: URL: http://www.berlinews.de/gruendernews/426.shtml [Stand 01.10.2006].

4 Um nicht „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“ unterscheidet der GEM Global Report Länder mit geringem Pro-Kopf-Einkommen und hohen Wachstumsraten (13 Schwellenländer aus z.B. La- teinamerika und Osteuropa) und Länder, wo sich dieser Sachverhalt umkehrt (22 Industrienatio- nen, u. a. Deutschland).

5 Vgl. Sternberg, R. et al., Global Entrepreneurship Monitor - Länderbericht Deutschland 2005, Hannover 2006, S. 46.

6 siehe Anlage 1 dieser Kurzhausarbeit: Anhang 2 des GEM-Länderbericht Deutschland 2005.

7 Minniti, M. et al., Global Entrepreneurship Monitor - 2005 Executive Report, London 2006, S. 11.

8 Sternberg, R. et al., Global Entrepreneurship Monitor - Länderbericht Deutschland 2005, Hannover 2006, S. 29.

9 Ebenda, S. 27.

10 Malek, M. et al., Universitäten als Kristallisationskern für Innovationsnetzwerke, in: HUMBOLDT-SPEKTRUM 2/2004, Berlin 2004, S. 50.

11 Vgl. Sternberg, R. et al., Global Entrepreneurship Monitor - Länderbericht Deutschland 2005, Hannover 2006, S. 31 f.

12 Ebenda, S. 33.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gründungsbezogene Rahmenbedingungen - die Betrachtung einer politischen Pflicht mit Hilfe des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2005
Hochschule
Institut für Marketing Kommunikation GmbH Berlin  (Institute of Management Berlin (IMB))
Veranstaltung
Entrepreneurship
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V67054
ISBN (eBook)
9783638593496
ISBN (Buch)
9783638773874
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich um eine Kurzhausarbeit in einem MBA-Programm mit Schwerpunkt Entrepreneurial Management für den Eingangskurs Entrepreneurship.
Schlagworte
Gründungsbezogene, Rahmenbedingungen, Betrachtung, Pflicht, Hilfe, Global, Entrepreneurship, Monitor
Arbeit zitieren
Nils Werner (Autor), 2006, Gründungsbezogene Rahmenbedingungen - die Betrachtung einer politischen Pflicht mit Hilfe des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2005 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67054

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