Die jüngsten Vorfälle an den Berliner Hauptschulen und auch die Tatsache, dass bereits der Unterricht, die Schüler und Lehrer sowie das Umfeld der Hauptschulen ein breites Interesse in den Medien hervorrufen, zeigt deutlich, dass dort doch nicht immer alles so abläuft, wie es gemeinhin erwünscht ist. Aus den ‚Hilferufen’ der betroffenen Lehrer, sowie den Fernsehdokumentationen über den Schulalltag geht hervor, dass der Unterricht von massiven Störungen geprägt ist und teilweise sogar kein Unterricht mehr möglich ist. Worin liegt hier nun aber der Bezug zum Berufsvorbereitungsjahr? Dieser begründet sich in der Tatsache, dass ein Großteil der Schüler aus den Hauptschulen in berufsvorbereitende Maßnahmen einmündet. So zeigt der Berufsbildungsbericht 2005 des BMBF, dass rund ein Drittel (33,9%) der Hauptschulabsolventen eine Berufsfachschule besucht, ein Berufsgrundbildungsjahr absolviert oder sich in der Berufsvorbereitung befindet (vgl. BMBF 2005 a, 64). Zusätzlich sind die Schülerzahlen in der Berufsvorbereitung, im bundesweiten Durchschnitt, in den Jahren von 1992 bis 2003 um rd. 42.100 bzw. 113 % angestiegen (vgl. ebd., 78). Dies bedeutet, dass die Berufsvorbereitung innerhalb der Berufsschulen immer mehr an Bedeutung gewinnt und die Lehrkräfte der Berufsschulen sich neben dem Bereich des dualen Ausbildungssystems auch immer mehr auf die Anforderungen der Berufsvorbereitung einstellen und vorbereiten müssen. Und da anzunehmen ist, dass die Schüler beim Übergang von der Hauptschule in das Berufsvorbereitungsjahr ihre Verhalten nicht wesentlich ändern werden, müssen die Lehrer der Berufsvorbereitung sich auch immer mehr mit dem Problem der unterrichtlichen Störungen und vor allem den aber auch deren Auslösern beschäftigen, sowie Lösungsstrategien für diese Problemfeld entwickeln.
Während unterschiedlichen Hospitationen und dem Schulpraktikum, während meines Studiums, ist mir immer wieder aufgefallen, dass der Anteil unterrichtlicher Störungen vor allem in den Klassen der Berufsvorbereitung sehr hoch ist. Viele der Lehrer, in deren Unterricht ich hospitieren durfte, waren während des Unterrichts oft mehr damit beschäftigt, auf Störungen seitens der Schüler zu reagieren, diese aufzulösen und wieder auf das eigentliche Unterrichtsthema zurückzuführen, als dass sie in ihrem ursprünglich geplanten Unterrichtsverlauf fortfahren konnten. Dabei habe ich unterschiedlichste
Reaktionen seitens der Lehrer auf die einzelnen Störungen beobachten können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Rahmen der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit und methodisches Vorgehen
2. Störungen im Unterricht
2.1 Definition: Störungen
2.2 Störungsarten
2.3 Störungsrichtungen
2.4 Störungsfolgen
3. Störungspotential in der Berufsvorbereitung
3.1 Benachteiligungen der Schüler als Auslöser unterrichtlicher Störungen
3.1.1 Benachteiligungen durch schulische Voraussetzungen
3.1.2 Soziale Benachteiligungen der Schüler
3.1.3 Lernbeeinträchtigungen der Schüler
3.2 Erwartungen an Schüler und Lehrer der Berufsvorbereitung
3.2.1 Bildungsplan der Berufsvorbereitungsschule
3.2.2 Ausbildungsreife/Erwartungen von außen
4. Ansätze zur Minimierung unterrichtlicher Störungen
4.1 Cooperative Learning
4.1.1 Was ist Cooperative Learning?
4.1.2 Grundlagen von Cooperative Learning
4.1.3 Möglichkeiten der Verminderung von Störungen und der Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas durch Cooperative Learning
4.2 Themenzentrierte Interaktion
4.2.1 Was bedeutet ‚Themenzentrierte Interaktion’?
4.2.2 Die Grundlagen der TZI
4.2.2.1 Axiome
4.2.2.2 Die Postulate
4.2.2.3 Die Hilfsregeln der TZI
4.2.3 Möglichkeiten der Verminderung von Störungen und der Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas durch TZI
4.3 Handlungsorientierter Unterricht
4.3.1 Die ‚Handlung’ als Grundlage des handlungsorientierten Unterrichts
4.3.2 Merkmale des Handlungsorientierten Unterrichts nach Jank/Meyer (2002)
4.3.3 Möglichkeiten der Verminderung von Störungen und der Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas durch Handlungsorientierten Unterricht
5. Methode der Forschung
5.1 Auswahl der Methoden
5.2 Unterrichtsbeobachtungen
5.2.1 Die halb-standardisierte teilnehmende Beobachtung
5.2.2 Das Beobachtungschema
5.2.3 Durchführung der Beobachtungen
5.2.4 Auswertungsmethode: Gegenstandsbezogene Theoriebildung
5.2.5 Auswertungsprozess
5.3 Das Interview in der qualitativen Sozialforschung
5.3.1 Das problemzentrierte Leitfadeninterview
5.3.2 Entwicklung des Interviewleitfadens
5.3.3 Durchführung der Interviews
5.4 Auswertung der Interviews
5.4.1 Transkription
5.4.2 Die Auswertungsmethode des zirkulären Dekonstruierens
6. Ergebnisse der Beobachtungen und Hypothesenbildung
6.2 Ergebnisse der Auswertung
6.3 Hypothesen
7. Auswertung der Interviews
7.1 Auswertungsprozess
7.2 Interviewergebnisse
7.2.1 Probleme und Vorraussetzungen der Schüler
7.2.2 Störungen und Störungsfolgen
7.2.3 Herangehensweisen an das Problem der unterrichtlichen Störungen
7.2.4 Hilfen für den Umgang mit Störungen durch die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen
7.2.5 Abschließende Zusammenfassung der Interviewergebnisse
8. Überprüfung der Hypothesen
8.1 Der überwiegende Teil der Störungen resultiert aus der Undiszipliniertheit der Schüler und ruft dadurch neue Störungen hervor
8.2 Eine Konkrete Vorbereitung auf die im Unterricht auftretenden Störungen ist nicht möglich, da diese sich immer wieder neu gestalten und eher intuitive, als streng theoriegeleitete Reaktionen der Lehrer hervorrufen
8.3 In der BV sind schülerbezogene, störungsklärende Interventionen fruchtbarer, als autoritäre Handlungen der Lehrer
9. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die komplexen unterrichtlichen Störungen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) im Bereich Ernährung. Ziel ist es, die spezifischen Auslöser von Störungen aufzuzeigen, die Reaktionen der Lehrkräfte zu analysieren und wirksame pädagogische Ansätze zur Minimierung von Störungen sowie zur Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas zu identifizieren.
- Analyse der Ursachen für unterrichtliche Störungen im BVJ (u.a. Benachteiligungen, Motivationsdefizite).
- Untersuchung der pädagogischen Konzepte: Cooperative Learning, Themenzentrierte Interaktion (TZI) und Handlungsorientierter Unterricht.
- Empirische Erhebung durch Unterrichtsbeobachtungen und problemzentrierte Experteninterviews mit Lehrkräften.
- Reflexion der Reaktionen und Interventionsstrategien von Lehrkräften bei Störungssituationen.
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des schulischen Miteinanders und zur Störungsprävention.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Grundlagen von Cooperative Learning
Dem cooperative learning liegt der Grundgedanke, „Schülern zu helfen, in der Schule und im Leben erfolgreich zu sein“ (Miehe 2004, 54), zu Grunde. Aufbauend auf diesen Grundgedanken wird die Unterrichtsgestaltung, mit dem Ziel eines nachhaltigen Lernerfolges auf drei ‚Säulen’ aufgebaut. Dabei handelt es sich um:
• das Herstellen einer sichern Lernatmosphäre,
• eine reflektierte Prozessgestaltung, sowie
• gezielt eingesetzte, unterrichtliche Aktivitäten (vgl. Miehe 2004, 55).
1.Sichere Lernatmosphäre
Hier wird davon ausgegangen, dass eine sichere Lernatmosphäre positive Auswirkungen auf das Lernverhalten und die Lernfähigkeit der Schüler hat. Berücksichtigt werden hierbei sowohl äußere, die Lernatmosphäre beeinflussende Faktoren, wie z. B. die Raumgestaltung und Lichtverhältnisse oder Farben, sowie innere Faktoren. Bei den inneren Faktoren sind ein respektvoller Umgang miteinander und das Herstellen einer möglichst Angstfreien Lernsituation von großer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Thematik im Kontext der aktuellen Situation an Hauptschulen und dem daraus resultierenden hohen Störungsaufkommen im Berufsvorbereitungsjahr.
2. Störungen im Unterricht: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Störungsbegriffs, wobei verschiedene Arten, Richtungen und Folgeerscheinungen von Unterrichtsstörungen definiert werden.
3. Störungspotential in der Berufsvorbereitung: Dieses Kapitel beleuchtet die spezifischen Benachteiligungen und Belastungen von Schülern im BVJ und setzt diese in Bezug zu den Erwartungen an das Lehrpersonal.
4. Ansätze zur Minimierung unterrichtlicher Störungen: Es werden die drei Konzepte Cooperative Learning, Themenzentrierte Interaktion (TZI) und Handlungsorientierter Unterricht als Möglichkeiten zur Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas vorgestellt.
5. Methode der Forschung: Dieser Teil beschreibt das methodische Design der empirischen Studie, welches auf teilnehmender Beobachtung und leitfadengestützten Interviews basiert.
6. Ergebnisse der Beobachtungen und Hypothesenbildung: Aus der Auswertung der Unterrichtsbeobachtungen werden Erkenntnisse gewonnen, die zur Bildung zentraler Arbeitshypothesen führen.
7. Auswertung der Interviews: Hier werden die Experteninterviews mit Lehrkräften qualitativ ausgewertet, um die Hypothesen vor dem Hintergrund der Praxis zu prüfen.
8. Überprüfung der Hypothesen: In diesem Kapitel werden die aufgestellten Hypothesen auf Basis der empirischen Daten validiert oder diskutiert.
9. Fazit und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion und einem Ausblick auf die Möglichkeiten der Störungsprävention im Berufsvorbereitungsjahr.
Schlüsselwörter
Berufsvorbereitungsjahr, Unterrichtsstörungen, Lehr-Lern-Klima, Cooperative Learning, Themenzentrierte Interaktion, Handlungsorientierter Unterricht, qualitative Sozialforschung, Lehrerinterviews, Schülerbenachteiligung, Disziplinprobleme, Interventionsstrategien, Störungsprävention, Unterrichtsbeobachtung, Schulpädagogik, soziale Kompetenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Minimierung von Unterrichtsstörungen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), insbesondere im Fachbereich Ernährung, und sucht nach Wegen, das Lehr-Lern-Klima zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind das Störungspotential von Schülern mit Bildungsdefiziten, die Wirksamkeit pädagogischer Ansätze wie TZI und Cooperative Learning sowie die professionelle Reaktion von Lehrkräften auf Störungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche spezifischen Störungen im BVJ auftreten, wie Lehrkräfte darauf reagieren und welche Interventionsstrategien sich als erfolgreich erweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der eine Kombination aus teilnehmender Beobachtung des Unterrichts und problemzentrierten Leitfadeninterviews mit Lehrkräften nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zu Unterrichtsstörungen und erprobten pädagogischen Modellen erörtert. Daran schließt sich eine detaillierte Auswertung der empirischen Daten an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Berufsvorbereitungsjahr, Unterrichtsstörungen, Lehr-Lern-Klima, Handlungsorientierter Unterricht und qualitative Sozialforschung.
Warum wird im BVJ von einem hohen Störungspotential ausgegangen?
Das hohe Störungspotential resultiert aus der komplexen Gemengelage von mangelnder schulischer Vorbildung, sozialen Benachteiligungen, fehlender Ausbildungsreife und daraus resultierender Schulmüdigkeit.
Welche Rolle spielt die Kooperation unter Kollegen bei der Störungsbewältigung?
Die Kooperation in Lehrerteams wird als positiv bewertet, um sich über Vorfälle auszutauschen und konsequent zu handeln, auch wenn eine systematische schulweite Struktur oft noch fehlt.
Warum lehnen manche Lehrkräfte autoritäre Strafen ab?
Strafen werden oft als ineffektiv betrachtet, da die Jugendlichen durch ihre bisherigen Biografien abgestumpft sind und autoritäres Verhalten häufig ein Abwehrverhalten provoziert, statt eine Verhaltensänderung zu fördern.
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- Sören Meyer (Author), 2006, Störungen im Unterricht. Ansätze zur Verbesserung des Lehr-Lern-Klimas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67115