Sprechen wir heute über den Prozess des Aufwachsens, die Adoleszenz, also den Zeitraum, in dem ein Kind zum Erwachsenen heranreift, so fällt sicherlich so manches Erlebnis in diesen Lebensabschnitt, in dem Jeder mit vielen Dingen konfrontiert wird, die ihn später als Individuum ausmachen – der Prozess der Sozialisation durch Familie, Freunde, Umfeld, Gesellschaft und letztlich auch durch die Schule formt und formte uns zu dem, was wir sind, waren und werden. Doch inwiefern ist die Schule in Westdeutschland nach 1970 nun als ein signifikanter Faktor der Adoleszenz betrachtenswert, interessiert sich man sich für den Vergleich mit dem Schulwesen gleichen Zeitraumes in der Deutschen Demokratischen Republik in den letzten 20 Jahren, nach Inkrafttreten der letzten bedeutenden Schulreformen, vor der Wiedervereinigung Deutschlands ? Welchen Einfluss übt eine Art von Bildungswesen auf Persönlichkeitsbildung gewollt oder ungewollt aus ?
Inhaltsverzeichnis
1. Der Einfluss von Schule auf die Adoleszenz ?
1.1 Schule und Adoleszenz in Westdeutschland nach 1970
1.2 Begriffsdefinitionen
2. Aufwachsen mit und in der Schule in Westdeutschland seit 1970
2.1 Schulsysteme Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik
2.2 Zensuren, Leistung und Beurteilung
2.3 Orientierungsstufe, Wettbewerb und Leistungsdruck
2.4 Schulangst
3. Der ökonomische Aspekt – Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss das Schulsystem in Westdeutschland – insbesondere die Orientierungsstufe nach 1970 – auf die Adoleszenz und die Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen ausübte, wobei ein kritischer Vergleich mit dem Bildungssystem der DDR gezogen wird.
- Die Rolle der Schule als signifikanter Faktor der Sozialisation während der Adoleszenz.
- Die selektive Funktion der Orientierungsstufe und ihre Bedeutung für die berufliche Zukunft.
- Kritische Analyse der Leistungsbewertung (Zensuren) und deren psychologische Auswirkungen.
- Die Entstehung von Schulangst durch Wettbewerbsdruck und soziale Labelingprozesse.
- Der ökonomische Aspekt des Bildungssystems und der Wettbewerbsgedanke.
Auszug aus dem Buch
2.3 Orientierungsstufe, Wettbewerb und Leistungsdruck
Die Orientierungsstufe ist ein im Lehrplaninhalt weitgehend homogener Zeitabschnitt, welcher schulartabhängig dennoch aufgrund der Intensität der Lehrstoffbehandlung und der abverlangten Leistungen Unterschiede aufweist, die gewollt aufzeigen, ob der neue Schüler den Anforderungen des angestrebten Abschlusses und der damit verbundenen Schule gewachsen sein wird. Diese Art des Umfeldes, die eine Beurteilung ermöglichen soll, erzeugt simultan einen permanenten Wettbewerb zwischen den konkurrierenden Schülern.
Bereits in der Grundschule damit konfrontiert, besser oder schlechter zu sein als Freunde oder Mitschüler, geht es hier um den mindestens elterlich gewollten Verbleib an der höchstwertigen Bildungseinrichtung, meist dem Gymnasium, und dem daraus entstehenden Leistungsdruck. Die Schule versucht hier einen Spagat, der nicht klar erkennbar macht, wo die Prioritäten liegen: Ist es wichtiger, zu selektieren oder wichtiger, Lehrinhalte möglichst verständlich zu vermitteln? Ist es wirklich der Schüler, der nicht geeignet ist, eine bestimmte Einrichtung zu besuchen, oder ist es vielleicht die Schuld eines Lehrers, der bestimmte Inhalte nicht allgemein zugänglich vermittelte?
Die Orientierungsstufe dient faktisch der Auslese, es herrscht Wettbewerb, Leistungsdruck, immerwährender Vergleich, es gilt das Tüchtigkeitsprinzip – alles zum Zwecke der Selektion, die der richtigen Bildungseinstufung und damit dem Kind an sich dienen soll, doch dieser Wettbewerb verzerrt nicht nur das Bild der Schule, er ist auch einem Prozess der Gemeinschaftsfindung abträglich – meist in neuer Konstellation an einer neuen Institution wird den Kindern kaum soziale Kompetenz gelehrt, Gruppendynamisches oder Teamfähigkeiten stehen nicht in den Curricula der Orientierungsstufe und sind auch nicht Schwerpunkt oder Inhalt einer Lehrkraftausbildung – hier ist anderes im Schwerpunkt der Bildungseinrichtung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Einfluss von Schule auf die Adoleszenz ?: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und beleuchtet die Schule als prägenden Sozialisationsfaktor während der Adoleszenz in der westdeutschen Gesellschaft nach 1970.
2. Aufwachsen mit und in der Schule in Westdeutschland seit 1970: Das Hauptkapitel analysiert die Strukturen der Orientierungsstufe, den Einfluss von Zensuren und Leistungsdruck sowie die psychologischen Auswirkungen, wie etwa Schulangst.
3. Der ökonomische Aspekt – Fazit: Das Fazit fasst die ökonomische Ausrichtung des Schulsystems als Selektionsinstrument zusammen und stellt den Wettbewerbsgedanken dem fördernden Bildungsauftrag gegenüber.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Sozialisation, Orientierungsstufe, Westdeutschland, DDR, Leistungsdruck, Wettbewerb, Zensuren, Schulangst, Selektion, Bildungsbiografie, Schulerfolg, Pädagogische Diagnostik, Persönlichkeitsbildung, Bildungssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss der westdeutschen Schulstruktur, speziell der Orientierungsstufe nach 1970, auf den Entwicklungsprozess der Adoleszenz bei Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die schulische Sozialisation, das Selektionssystem nach der Grundschule, den Leistungsdruck durch Zensuren und die psychologischen Belastungsfaktoren der Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Bildungssystem durch frühen Wettbewerbsdruck die Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst und ob dieser Prozess eher der Auslese als der individuellen Förderung dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die pädagogische Theorien (u.a. von H. Becker und E. Jürgens) mit bildungspolitischen Rahmenbedingungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Schulsystemen, der Funktion der Orientierungsstufe, der Problematik von Noten und der Entstehung von Schulangst in einem wettbewerbsorientierten Umfeld.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Adoleszenz, Selektion, Leistungsdruck, Orientierungsstufe und der systemische Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland.
Warum wird in der Arbeit ein Vergleich zur DDR gezogen?
Der Vergleich dient dazu, das westdeutsche, eher selektive System der Orientierungsstufe einem theoretisch fordernden Einheitsschulsystem gegenüberzustellen, um die spezifischen Auswirkungen auf den Jugendlichen deutlicher hervorzuheben.
Welchen Einfluss hat das Labeling laut der Arbeit auf Schüler?
Die Arbeit argumentiert, dass eine frühe Kategorisierung als "schwacher Schüler" durch Lehrkräfte zu Nachteilen führt, da Etiketten schwer abzulegen sind und die objektive Leistungsbeurteilung durch Erwartungseffekte verzerrt wird.
- Quote paper
- Sven Hosang (Author), 2005, Der Einfluss von Schule auf die Adoleszenz in Westdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67209