Wenn man heute als Elternteil daran interessiert ist, sein Kind ohne die familiäre Obhut in fremde Länder reisen lassen will, um auf diese Weise sowohl das interkulturelle Verständnis des Kindes zu fördern als auch um seine Selbständigkeit zu erhöhen, sein Kommunikationspotential und damit sein Sozialverhalten zu fördern und gleichzeitig dem eigenen Nachwuchs einen Urlaub ermöglichen will, der das Freizeitinteresse des Kindes maximaleffektiv abdecken soll, dann bietet der Markt in Deutschland hierfür eine sehr breite Varianz an Anbietern. Hier unterscheiden sich die Anbieter vor allem in zwei Kategorien, in „betreutem“ und „begleitetem“ Jugendreisen - in ersterem Marktsegment ist die Firma RUF in Deutschland im Jahre 2005 Marktführer. Hat aber nun die betreute Jugendreise bei RUF auch den erwünschten pädagogischen Effekt? Erfährt der Jugendliche die ihm zugedachte Entwicklung? Findet das propagierte Moment der Gruppenreise, der Gruppendynamik statt? Ist die betreute Gruppenreise der begleiteten Gruppenreise, bei der nicht steuernd eingewirkt wird, im Bereich der Gruppenbildung überlegen? Dies sind Fragen, die bisher nicht beantwortet werden konnten - und die so eine Ausgangslage zu diesem Thema bilden, welches vor allem für erziehungszielgerichtete Eltern von hohem Interesse ist, wenn es darum geht, die Entwicklung des Kindes auch in der Freizeit nachhaltig positiv zu beeinflussen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung „Das Kommunikationsverhalten Jugendlicher auf einer RUF-Jugendreise“
2. Vorstellung der Praktikumsorganisation RUF
3. Beschreibung des Tätigkeitsfeldes eines Jugendreiseleiters
3.1. Personalauswahlverfahren
3.2. Tätigkeitsumfeld, Personalstruktur
3.3. Aufgaben des Jugendreiseleiters
4. Begriffsklärung
4.1. Kommunikation
4.2. Gesteuerte gruppendynamische Prozesse
4.3. Teilnehmende Beobachtung
5. Gruppendynamik und Kommunikation auf einer Jugendreise am Beispiel
5.1. Operationalisierung von Kommunikation
5.2. Beobachtungsbogen
5.3. Veränderung von Kommunikation durch gruppendynamische Prozesse
6. Bewertung des Einflusses von Jugendreisen bei RUF auf das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen.
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen pädagogischen Einfluss die gesteuerte Gruppendynamik auf einer organisierten Jugendreise hat und ob dadurch das Kommunikationsverhalten sowie die Kohäsion innerhalb der Reisegruppe positiv beeinflusst werden können.
- Analyse des Aufgabenprofils von Jugendreiseleitern
- Definition von Kommunikation und Gruppendynamik im Reisekontext
- Methodik der teilnehmenden Beobachtung
- Operationalisierung von Gruppenprozessen
- Untersuchung von Veränderungen im Kommunikationsverhalten
Auszug aus dem Buch
3.3. Aufgaben des Jugendreiseleiters:
Primär betrachtet trägt der Teamer die Verantwortung für seine Teilnehmer, wie die jugendlichen Reisenden RUF-intern genannt werden. Dies beinhaltet die Ausübung der Aufsichtspflicht vor Ort, die Sicherstellung der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes sowohl der Bundesrepublik Deutschland als auch des Jugendschutzgesetzes der Destination, um Friktionen mit den örtlichen Behörden auszuschließen wie auch der firmeninternen Richtlinien RUFs in Bezug auf die so genannte „Firewall“, welche für die Drogen-, Gewalt- und Extremismusfreiheit der Jugendreisen bei RUF steht.
Ferner ist der Teamer 7 Tage die Woche 24 Stunden am Tag Ansprechpartner für jede Art von Fragen und Problemen der Teilnehmer, stellt für sie eine Art „großen Bruder mit Weisungsbefugnis“ dar, denn für die Dauer der Jugendreise sind ihm die Jugendlichen seitens der Eltern unterstellt worden. Der Teamer soll allerdings nur bedarfsabhängig autoritär einwirken, im Vordergrund steht seine animative Funktion sowie seine Rolle als Steuerer der gruppendynamischen Prozesse. Er soll aus den angereisten Individuen eine Gruppe formen, bei der niemand ausgeschlossen ist, die sich selbst als Gruppe sieht und auch als solche an Unternehmungen teilnehmen will bzw. selbst solche auf die Beine stellt.
Er stimmt mit der Gruppe Jugendlicher die er betreut, seinem „Meeting“ die Tagesabläufe bedarfsanhängig ab, informiert über das Programm des Urlaubsortes, begleitet Ausflüge mit, bietet selbst Workshops, Sportaktivitäten oder Gruppenevents an, übernimmt Rollen in Shows / bei Großevents / Funktionäraufgaben bei Veranstaltungen wie „Beacholympiade“ oder ähnlichem und bindet wo immer er kann Freiwillige seiner Gruppe mit ein. Hier erklären sich auch die Schwerpunkte bei der Personalauswahl, der Teamer ist ein animativer Leitwolf, er muss mitreißen können, die Maxime „alles kann, nichts muss, aber viele (sollten) wollen“ verkörpern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung „Das Kommunikationsverhalten Jugendlicher auf einer RUF-Jugendreise“: Die Einleitung thematisiert die Erwartungen von Eltern an betreute Jugendreisen und hinterfragt deren tatsächlichen pädagogischen Effekt auf die Entwicklung der Jugendlichen.
2. Vorstellung der Praktikumsorganisation RUF: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehung, Firmenphilosophie und Zielsetzung des Reiseveranstalters RUF.
3. Beschreibung des Tätigkeitsfeldes eines Jugendreiseleiters: Hier werden das Auswahlverfahren, die strukturelle Einbindung und die vielfältigen Aufgabenbereiche eines „Teamers“ vor Ort beschrieben.
4. Begriffsklärung: Dieser Teil definiert die für die Arbeit zentralen Begriffe Kommunikation, Gruppendynamik und teilnehmende Beobachtung im Kontext der Reiseleitung.
5. Gruppendynamik und Kommunikation auf einer Jugendreise am Beispiel: Das Kapitel operationalisiert die Beobachtung von Gruppenprozessen während einer Reise und dokumentiert die Interventionen des Reiseleiters zur Kohäsionssteigerung.
6. Bewertung des Einflusses von Jugendreisen bei RUF auf das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen.: Die abschließende Bewertung reflektiert die Ergebnisse der gesteuerten Gruppendynamik und ihre Auswirkungen auf das soziale Miteinander der Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Jugendreisen, RUF, Gruppendynamik, Kommunikation, Jugendreiseleiter, Teamer, Soziogramm, Kohäsion, teilnehmende Beobachtung, Sozialverhalten, Gruppenbildung, pädagogische Betreuung, Interaktion, Reiseleitung, Interventionsmethoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen während einer betreuten Jugendreise und untersucht den Einfluss gesteuerter gruppendynamischer Prozesse durch den Reiseleiter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Rolle des Jugendreiseleiters, die praktische Anwendung gruppendynamischer Interventionen und die soziometrische Erfassung von Gruppenstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, ob eine aktiv gesteuerte Gruppendynamik die soziale Kohäsion und das Kommunikationspotential der Teilnehmer im Vergleich zu ungesteuerten Reisen verbessert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt primär die Methode der teilnehmenden Beobachtung sowie die Erstellung von Soziogrammen zur Analyse des Gruppenverhaltens.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt das Anforderungsprofil und die Praxis des „Teamers“, definiert die theoretischen Grundlagen der Gruppenpsychologie und dokumentiert konkrete Fallbeispiele der Gruppenentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Jugendreisen, Gruppendynamik, Kommunikation, Teamer-Rolle und Gruppenkohäsion charakterisiert.
Wie wirkt sich die Rolle des „Teamers“ auf die Gruppenphase aus?
Durch die aktive Übernahme einer Steuerungsfunktion durch den Reiseleiter wird laut Bericht die Machtkampfphase der Gruppe deutlich verkürzt und schneller in eine produktive Phase überführt.
Welchen Stellenwert nimmt die „Firewall“ bei RUF ein?
Die „Firewall“ steht bei RUF als firmeninterne Richtlinie für die konsequente Drogen-, Gewalt- und Extremismusfreiheit während der gesamten Jugendreise.
Welche Rolle spielt die soziometrische Stimmungsanalyse im Reisealltag?
Sie dient als tägliches Feedback-Instrument, um mittels einer Zielscheibe („Optimal zufrieden“) die aktuelle Kohärenz innerhalb der Gruppe für den Reiseleiter messbar zu machen.
- Quote paper
- Sven Hosang (Author), 2005, Das Kommunikationsverhalten von Jugendlichen am Beispiel einer RUF Jugendreise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67216