Erstschrift und Ausgangsschrift in der Grundschule


Hausarbeit, 2000

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erstschrift- und Ausgangsschrift im Rahmenplan

3. Vorteile der Druckschrift als Erstschrift

4. Ausgangsschriften im Vergleich

Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit unterschiedlichen Schriftformen des Alphabets, die in der Grundschule für den Erwerb der Schriftsprache Anwendung finden. Der Beginn des Schreibens ist durch Lehr- und Rahmenpläne der einzelnen Bundesländer - was die Schriftform betrifft - nämlich nicht einheitlich geregelt.[1]

Schreiben ist ein graphomotorischer Vorgang, der auf Kommunikation abzielt. Im Vordergrund dieser Arbeit steht dabei das Schreiben als Kommunikationsmittel. Wenn der kommunikative Prozess beim Schreiben Priorität besitzen soll, rückt dagegen der graphomotorische Prozess - zumindest was diesen als Teillernprozess, getrennt von anderen Prozessen, betrifft[2] - in den Hintergrund. Dies kann jedoch nur mit leicht erlernbaren Buchstabenformen geschehen. Das folgende Kapitel geht auf Erstschrift und Ausgangsschrift, mit Berücksichtigung der Lehrpläne für die Grundschule, ein. Kapitel 3 erläutert die verschiedenen Vorteile für den Schriftspracherwerb, die sich ergeben, wenn dieser mit der Druckschrift beginnt. In Kapitel 4 erfolgt ein Vergleich der Ausgangsschriften, die derzeit durch die jeweiligen Lehrpläne der Bundesländer vorgegeben sind.

Unter Erstschrift versteht man die Schrift, die Schulanfänger und Schulanfängerinnen als erste Schrift erlernen. Der Begriff Ausgangsschrift meint Schreibschriftvorlagen, die zuerst normgerecht geschrieben und später zur individuellen Handschrift werden. Die Schriftvorlage einer Ausgangsschrift dient, wie der Name schon sagt als, als Ausgang.

Die Druckschrift ist in vielen Bundesländern Erstschrift; als Ausgangsschrift schließt sich oft die Vereinfachte Ausgangsschrift an.[3]

Das Fundament für diese Arbeit bildet in erster Linie folgende Literatur: Mehr gestalten als verwalten, herausgegeben von Gabriele Krichbaum; Von der Druckschrift zur Schreibschrift von Gudrun Spitta und diverse Beiträge zur Erst- und Ausgangsschrift aus der Zeitschrift Grundschule aus den Jahren 1990 und 1992.[4]

2. Erst- und Ausgangsschrift im Rahmenplan

Die kommunikative Funktion des Schreibens im Anfangsunterricht ist den jeweiligen Rahmenplänen der Bundesländer ein wichtiges Anliegen.[5] Im Rahmenplan für die Grundschulen in Hessen beispielsweise ist die „Hinführung zur Schriftkultur“ Ziel und Aufgabe des Unterrichtsfaches Deutsch.[6] In den weiteren Ausführungen des Rahmenplans wird auf die „sinnvollen Anlässe zum Schreiben und Lesen“ hingewiesen, und es finden sich Beispiele dafür wie „Namensschilder anfertigen [mit dem eigenen Namen]..., eine Geschichte zu einem Bild/ Foto/ gemeinsamen Thema diktieren und ggf. abschreiben, ... Postkartengrüße verschicken.“[7] Nur die Druckschrift als Erstschrift kann weitgehend die Forderung nach sofortigem Schreibbeginn mit dem Inhalt des Kommunizierens erfüllen, da sie am leichtesten erlernbar und kindgerecht ist.[8] Der hessische Rahmenplan - sowie einige der übrigen Lehrpläne der einzelnen Bundesländer - verlangt einen Beginn mit der Druckschrift. Hier heißt es: ...“das Schreiben muß mit der Druckschrift beginnen.“[9] Jedoch nicht jedes Bundesland sieht die Druckschrift als Erstschrift vor. Es gibt Rahmenpläne, die die Wahl zwischen verschiedenen Schriftformen lassen oder aber den Beginn mit einer Schreibschrift vorgeben. Laut Niedersächsischen Rahmenrichtlinien von 1984 wird die Wahl zwischen Lateinischer Ausgangsschrift, Vereinfachter Ausgangsschrift und Druckschrift gelassen; in Sachsen sowie Sachsen - Anhalt ist die Schulausgangsschrift Erstschrift und in Schleswig - Holstein ist es die Lateinische Ausgangsschrift.[10] Die Entwicklung in den Bundesländern zeigt aber einen Weg in Richtung einheitlichen Schreibbeginn an, da immer mehr Rahmenpläne die Druckschrift als Erstschrift vorschreiben.

Ähnlich verhält es sich mit der Vereinfachten Ausgangsschrift (VA), die gegenüber der Lateinischen Ausgangsschrift (LA) eben wegen ihrer entwickelten Vereinfachungen in immer mehr Bundesländern als Ausgangsschrift bevorzugt wird. Der Rahmenplan Hessen ordnet die Vereinfachte Ausgangsschrift als Schreibschrift an: „Die Vereinfachte Ausgangsschrift ist in ihrer Zweigliedrigkeit strukturell den Formen der Druckschrift ähnlich ... Als Orientierungshilfe auf dem Weg zur individuellen Handschrift ist ihr Vorrang einzuräumen,“[11] was bedeutet, dass der Vorzug der VA als Ausgangsschrift anzuerkennen ist.

Seit der Angliederung der östlichen Bundesländer an die Bundesrepublik ist noch eine dritte Form der Schreibschrift, die seit 1968 Ausgangsschrift in der DDR war, hinzugekommen: die Schulausgangsschrift (SAS). Sie enthält einerseits Elemente von Vereinfachungen, die der VA ähneln, aber andererseits immer noch Elemente von Erschwerendem (Überflüssigem), die der LA ähneln.[12] Die SAS ist weitgehend als Ausgangsschrift in den östlichen Bundesländern vorgeschrieben.

3. Vorteile der Druckschrift als Erstschrift

Die Druckschrift (DS) ist leichter erlernbar als Schreibschriften, und deshalb ist ein Schreibbeginn mit dieser schon am Anfang des ersten Schuljahres möglich. Das Schreibenlernen kann sinnvoll beginnen, Schwung- und Bewegungsübungen entfallen. Es steht nun nicht mehr die Ausbildung der Motorik als Ausgangspunkt für das folgende Schreiben im Vordergrund. Denn besonders die LA mit ihren häufigen Drehrichtungsänderungen innerhalb eines Buchstabens erfordert Übung.[13] Aber gerade Teillernprozesse wie die Motorikschulung, Rechtschreibschulung oder Sinnverständnisschulung führen zur Motivationsabnahme des Schulkindes. Erstklässler / Erstklässlerinnen erwarten, dass sie schon in den ersten Schultagen schreiben dürfen.[14] Denn der Lernerfolg wiederum durch die eigene Wort- und Textproduktion steigert die Motivation.[15]

Was aber kennzeichnet das Einfache an der DS ?

Die Buchstabenformen der DS sind schlichter und klarer als die der Schreibschriften. Es gibt nur die Formelemente Gerade und Oval[16], aus denen ein einzelner Buchstabe bestehen kann. Günther Schorch schreibt hierzu: „Dieser Rückgriff auf die einfachsten Urformen der Buchstaben erleichtert dem Schulanfänger die Schreibtechnik.“[17] Das Schulkind braucht die einzelnen Buchstaben nicht zu verbinden und daher nicht auf den Schreibfluss zu achten. Deshalb ist das Schriftbild deutlich gegliedert und die Wahrnehmung wird insgesamt erleichtert.[18] Auch das Lesenlernen wird mit dem Druckschriftbeginn unterstützt, da auf Papier Reproduziertes in der Regel in Druckschrift zu lesen ist und somit vorerst nur eine Schriftform erlernt werden muss.

Mit dem Erlernen der DS als Erstschrift wird eine Anknüpfung an das Alter des Erstklässlers / der Erstklässlerin vollzogen. Diese Schrift ist kindgerecht, nicht nur, weil sie einfacher zu erlernen ist (wie im vorangegangenen erläutert wurde), sondern auch weil sich im Umfeld des Kindes zumeist Schrift in Form von Druckschrift findet.[19] Deshalb benutzt ein Kind beim Schreiben spontan die DS. Es greift Bekanntes aus der es umgebenden Schriftumwelt auf.

Werden ausschließlich große Druckbuchstaben für das Erstschreiben verwendet, so ist der Beginn des Schreiben noch einmal etwas vereinfacht. Großbuchstaben führen zu weniger Verwechslungen, da sie sich nicht so sehr ähneln wie einige der Kleinbuchstaben. Verwechslungen können beispielsweise zwischen n und h auftreten, da diese sich nur durch die Oberlänge beim h unterscheiden. Aus dem Buchstaben b wird durch Symmetrie an der linken Seite dessen der Buchstabe d, was oft zur Vertauschung der beiden führt.[20] Da sich Groß- und Kleinbuchstaben oft sehr voneinander unterscheiden, reduziert sich die zu erlernende Buchstabenmenge bei Verwendung von Großantiqua außerdem erheblich. Die Beachtung der Größenverhältnisse zwischen Groß- und Kleinbuchstaben entfällt überdies. Berichte aus der Praxis belegen, dass die Großantiqua am vorteilhaftesten als Erstschrift ist: „Selbst Kinder, die motorische Schwierigkeiten aufwiesen, waren von Beginn an in der Lage, die formklaren Großbuchstaben in angemessener Zeit als gut gegliederte Wörter und Sätze aufzuschreiben. ... Die Kinder werden ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert, sie haben es vom Beginn an genossen, schreiben zu können.“[21] Renate Valtin beobachtete das Benutzen von Großantiqua bei selbständigen Schreibversuchen selbst dann, „wenn sie in Gemischtantiqua oder Schreibschrift unterrichtet werden.“[22]

Zudem ist das Schreiben in DS eine Übung für das spätere verbundene Schreiben. Das Einfache ist Training für die schwierigere Schreibschrift. Ein Nebeneffekt entsteht durch den Beginn mit der Druckschrift: die Entlastung des Anfangsunterrichts insgesamt. Dies kann anderen Lernbereichen und dem allgemeinen Schulleben zugute kommen.[23]

[...]


[1] Vgl. Peter Igl, Schriftspracherwerb im Spiegel der Lehrpläne in: Ludowika Huber, Gerd Kegel, Angelika Speck-Hamdan (Hrsg.), Einblicke in den Schriftspracherwerb (Braunschweig 1998), S. 9f.

[2] Vgl. Kapitel 3, S. 5 in dieser Arbeit.

[3] Vgl. Kapitel 2, S. 3f.

[4] Siehe Literaturverzeichnis.

[5] Vgl. Igl, Schriftspracherwerb im Spiegel der Lehrpläne in: Huber u.a., Einblicke in den Schriftspracherwerb,

S. 8.

[6] Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hrsg.), Rahmenplan Grundschule (Wiesbaden 1995), S. 92.

[7] Ebd. S. 95.

[8] Im dritten Kapitel werden die Vorteile der DS erläutert.

[9] Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hrsg.), Rahmenplan Grundschule, S. 93.

[10] Die Informationen über die Erstschrift (und im folgenden über die Ausgangsschriften) in den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer wurden folgendem Buch entnommen: Huber u.a. (Hrsg), Einblicke in den Schriftspracherwerb, S. 9f. Entstehungsjahr war 1998. Mögliche zwischenzeitliche Änderungen in den Lehrplänen wurden nicht berücksichtigt.

[11] Vgl. Hessisches Kultusministerium, Rahmenplan Grundschule, S. 93.

[12] Vgl. Kapitel 4 über die verschiedenen Ausgangsschriften.

[13] Nachteile der LA werden in Kapitel 4 erläutert.

[14] Vgl. Gudrun Spitta, Von der Druckschrift zur Schreibschrift (Frankfurt a.M. 1988), S. 15ff.

[15] Gudrun Spitta zeigt in ihrem Buch Von der Druckschrift zur Schreibschrift, mit welchen Hilfsmitteln (Schreibmaschine, verschiedene Stifte, Stempelkasten u.a.) bestimmte erste Wörter geschrieben und geübt werden können; z.B. S. 24ff.

[16] Günther Schorch, „Das Problem der Erst- und Ausgangsschrift aus grundschuldidaktischer Sicht“ in: Germanistische Linguistik 1988, Nr. 93/94, S. 61.

[17] Ebd.

[18] Vgl. Spitta, Von der Druckschrift zur Schreibschrift, S. 66.

[19] Vgl. Renate Valtin, „Erstunterricht mit Großbuchstaben“, 2.Teil in: Grundschule 1990, Heft 6, S. 47.

[20] Vgl. Spitta, Von der Druckschrift zur Schreibschrift, S. 63f. über Buchstabenvertauschungen.

[21] Vgl. Susanne Wessels, „Lesen- und Schreibenlernen mit Großantiqua“ in: Grundschule 1992, Heft 12, S. 20.

[22] Vgl. Valtin, „Erstunterricht mit Großbuchstaben“, 3.Teil in: Grundschule 1990, Heft 7 und 8,

S. 81.

[23] Vgl. Schorch, „Das Problem der Erst- und Ausgangsschrift aus grundschuldidaktischer Sicht“ in: Germanistische Linguistik 1988, S. 63.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Erstschrift und Ausgangsschrift in der Grundschule
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Schreiben lernen - Freies Schreiben in der Grundschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V67243
ISBN (eBook)
9783638608527
ISBN (Buch)
9783640788743
Dateigröße
1114 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erstschrift, Ausgangsschrift, Grundschule, Schreiben, Freies
Arbeit zitieren
MA Angela Exel (Autor), 2000, Erstschrift und Ausgangsschrift in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67243

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