Der Übergang von der Schule zu einer Universität oder Fachhochschule stellt für jeden Studenten eine Herausforderung dar. Das Leben an einer Hochschule unterscheidet sich in vielen Bereichen von bisherigen Erfahrungen. Nicht selten befinden sich die Hochschulen außerhalb des Heimatorts und die Studenten müssen in diesem Fall entweder von Zuhause ausziehen oder pendeln. Eine universitäre Ausbildung verlangt von Studierenden viel Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Dies führt dazu, dass viele Studienanfänger sich gerade in der Anfangszeit an das Leben an der Universität anpassen müssen. Die Umstellung gelingt den Studierenden unterschiedlich leicht und schnell. Es gibt diverse Anforderungen, die bewältigt werden müssen. Nicht nur das Lernen und Studieren an sich muss erst erlernt werden, auch die sozialen Kontakte, finanzielle Aspekte, persönliche Erwartungen und Ziele werden teilweise neu strukturiert. Während der Anpassung an die neue Studiensituation können Schwierigkeiten auftreten. Um die zu unterscheidenden Problembereiche gezielt und separat aufgreifen zu können, ist eine Erfassung der Stärken und Schwächen des Studenten erforderlich. Auf diese Weise kann im Anschluss eine passende Intervention angewendet werden.
Baker und Siryk haben 1984 die erste Version eines Fragebogens zur Erfassung der multifaktoriellen Struktur der Anpassung an ein Studium entwickelt. Der Student Adaptation to College Questionnaire (SACQ) ist inzwischen erweitert worden und beinhaltet in seiner Endfassung 67 Items. Der große Vorteil dieses Messinstrumentes (1999) liegt daran, dass es mehrere Aspekte der Anpassung an die Anforderungen eines Studiums berücksichtigt und voneinander trennt. Es handelt sich um ein Selbstbeurteilungsverfahren. Der SACQ ist ein englischsprachiger Test und liegt bis jetzt nur in englischer und holländischer Sprache vor. In Europa fand bis jetzt nur eine Übersetzung im holländischsprechenden Teil von Belgien statt. Das Ziel dieser Diplomarbeit besteht darin, eine deutschsprachige Fassung des Student Adaptation to College Questionnaire zu entwickeln, diese psychometrisch zu überprüfen und zu validieren. Der Fragebogen soll reliabel, stabil und valide sein. Damit wäre die Anwendung dieses Untersuchungsinstrumentes auch bei deutschsprachigen Studenten möglich und somit in Forschung und Praxis einsetzbar.
Inhaltsverzeichnis
I. Theoretischer Teil
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Adaptation an das Studium als ein mehrfaktorielles Konstrukt
2.1.1 Akademische Anpassung
2.1.2 Soziale Anpassung
2.1.3 Emotionale Anpassung
2.1.4 Institutionelle Bindung
2.2 Adaptation beeinflussende Faktoren
2.2.1 Das longitudinale Modell von Tinto
2.2.2 Allgemeine Faktoren
2.2.3 Charakteristika der seelischen Gesundheit und Persönlichkeitseigenschaften
2.2.3.1 Angst und Depression
2.2.3.2 Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit
2.2.3.3 Internaler vs. Extrenaler Locus of Control
2.2.4 Umwelteinflüsse
2.2.4.1 Lebens-Stressoren
2.2.4.2 Familie
2.2.4.3 Soziale Unterstützung
2.2.5 Geschlecht
2.3 Korrelationen der Anpassung mit beobachtbarem Verhalten
2.3.1 Noten (Grade Point Average)
2.3.2 Soziale Aktivitäten
2.3.3 Studienabbruch
2.3.4 Beratungsstellenbesuche
2.4 Implikationen für die Messung der Adaptation
2.4.1 Vorteile der Anwendung
2.4.2 Interventionsmöglichkeiten
2.5 Zielsetzungen und Hypothesen
2.5.1 Zielsetzungen
2.5.1.1 Reliabilität
2.5.1.2 Faktorielle Struktur
2.5.1.3 Stabilität
2.5.2 Konstruktvalidität
2.5.2.1 Erfasste Konstrukte und ihre Zusammenhänge mit dem SACQ
2.5.2.2 Interkorrelationen
II. Empirischer Teil
3 Übersetzung
3.1 Entwicklung einer deutschen Fassung des „Student Adaptation to College Questionnaire“
4 Vorstudie
4.1 Methode
4.1.1 Stichprobe
4.1.2 Messinstrument
4.1.3 Leistungsvariablen
4.2 Ergebnisse
4.2.1 Statistik und Reliabilität
4.2.2 Faktorenanalytische Datenauswertung
4.2.3 Trennschärfen
4.2.4 Korrelationen mit Leistungsvariablen
4.3 Diskussion: Befunde, Probleme und Verbesserungen
4.3.1 Reliabilitäten
4.3.2 Änderungen in der Übersetzung
4.3.3 Faktorielle Struktur
4.3.4 Korrelationen mit Leistungsvariablen
5. Hauptuntersuchung
5.1 Methode
5.1.1 Stichprobe
5.1.2 Untersuchungsinstrumente
5.1.2.1 Adaptation an das Studium
5.1.2.2 Studienbezogene Einschätzungen
5.1.2.3 Selbst-Regulation und Selbst-Wirksamkeit
5.1.2.4 Persönlichkeitsmerkmale
5.1.2.5 Anwendung von Lernstrategien
5.1.2.6 Personenbezogene Fragen
5.2 Ergebnisse
5.2.1 Deskriptive Statistik und Reliabilität
5.2.1.1 Student Adaptation to College Questionnaire
5.2.1.2 Weitere Messinstrumente
5.2.2 Untersuchung der faktoriellen Struktur
5.2.2.1 Student Adaptation to College Questionnaire
5.2.2.2 Faktorenextraktion der verwendeten Messinstrumente
5.2.3 Trennschärfen (SACQ)
5.2.4 Korrelationen
5.2.4.1 Interkorrelationen des SACQ
5.2.4.2 Korrelationen mit anderen Messinstrumenten
5.2.4.3 Korrelationen aller verwendeten Messinstrumente
5.2.5 Vergleich der Ergebnisse nach Geschlecht
5.2.6 Zusatzergebnisse für Skalen nach der faktoriellen Struktur
5.2.7 Lineare Regression
5.2.8 Stabilitätsüberprüfung
5.2.8.1 Reliabilität
5.2.8.2 Faktorenanalyse für den Retest
5.2.9 Unterschiede zwischen den Teilnehmern von Hauptuntersuchung und Retest
5.3 Diskussion: Befunde, Probleme und Verbesserungen
5.3.1 Reliabilität
5.3.2 Faktorielle Struktur (SACQ)
5.3.3 Stabilität
5.3.4 Konstruktvalidität
5.3.4.1 Faktorenanalytische Datenauswertung
5.3.4.2 Korrelationen mit Validierungsvariablen
5.3.4.3 Interkorrelationen des SACQ
5.3.5 Weitere Befunde: Trennschärfe
5.4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit hat zum Ziel, eine deutschsprachige Fassung des „Student Adaptation to College Questionnaire“ (SACQ) zu entwickeln, psychometrisch zu überprüfen und zu validieren, um das Instrument für deutschsprachige Studierende in Forschung und Praxis anwendbar zu machen.
- Entwicklung und psychometrische Überprüfung der deutschen SACQ-Version.
- Analyse der faktoriellen Struktur und Reliabilität des Fragebogens.
- Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Studienanpassung und Leistungsvariablen.
- Überprüfung der Stabilität durch eine Retest-Studie.
- Validierung durch Konstruktanalysen unter Einbeziehung weiterer Variablen wie Studieninteresse, Selbstregulation und Persönlichkeitsmerkmale.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Der Übergang von der Schule zu einer Universität oder Fachhochschule stellt für jeden Studenten eine Herausforderung dar. Das Leben an einer Hochschule unterscheidet sich in vielen Bereichen von bisherigen Erfahrungen. Nicht selten befinden sich die Hochschulen außerhalb des Heimatorts und die Studenten müssen in diesem Fall entweder von Zuhause ausziehen oder pendeln. Eine universitäre Ausbildung verlangt von Studierenden viel Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Dies führt dazu, dass viele Studienanfänger sich gerade in der Anfangszeit an das Leben an der Universität anpassen müssen. Die Umstellung gelingt den Studierenden unterschiedlich leicht und schnell. Es gibt diverse Anforderungen, die bewältigt werden müssen. Nicht nur das Lernen und Studieren an sich muss erst erlernt werden, auch die sozialen Kontakte, finanzielle Aspekte, persönliche Erwartungen und Ziele werden teilweise neu strukturiert. Während der Anpassung an die neue Studiensituation können Schwierigkeiten auftreten. Um die zu unterscheidenden Problembereiche gezielt und separat aufgreifen zu können, ist eine Erfassung der Stärken und Schwächen des Studenten erforderlich. Auf diese Weise kann im Anschluss eine passende Intervention angewendet werden.
Baker und Siryk haben 1984 die erste Version eines Fragebogens zur Erfassung der multifaktoriellen Struktur der Anpassung an ein Studium entwickelt. Der Student Adaptation to College Questionnaire (SACQ) ist inzwischen erweitert worden und beinhaltet in seiner Endfassung 67 Items. Der große Vorteil dieses Messinstrumentes (1999) liegt daran, dass es mehrere Aspekte der Anpassung an die Anforderungen eines Studiums berücksichtigt und voneinander trennt. Es handelt sich um ein Selbstbeurteilungsverfahren. Der SACQ ist ein englischsprachiger Test und liegt bis jetzt nur in englischer und holländischer Sprache vor. In Europa fand bis jetzt nur eine Übersetzung im holländischsprechenden Teil von Belgien statt. Das Ziel dieser Diplomarbeit besteht darin, eine deutschsprachige Fassung des Student Adaptation to College Questionnaire zu entwickeln, diese psychometrisch zu überprüfen und zu validieren. Der Fragebogen soll reliabel, stabil und valide sein. Damit wäre die Anwendung dieses Untersuchungsinstrumentes auch bei deutschsprachigen Studenten möglich und somit in Forschung und Praxis einsetzbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Herausforderungen beim Übergang von der Schule zur Universität und begründet die Notwendigkeit einer deutschsprachigen Validierung des SACQ zur Erfassung der studentischen Anpassung.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert das Konstrukt der Studienanpassung, zentrale theoretische Modelle wie das von Tinto sowie beeinflussende Faktoren wie psychische Gesundheit, Umwelteinflüsse und persönliche Eigenschaften.
3 Übersetzung: Dieser Abschnitt beschreibt den Prozess der Erstellung einer deutschen Fassung des SACQ, inklusive der wörtlichen Übersetzung, Rückübersetzung und inhaltlichen Anpassung für eine natürliche Sprachform.
4 Vorstudie: Hier wird die Vorstudie mit 99 Psychologie-Studierenden präsentiert, die statistische Analysen zur Reliabilität und Faktorenstruktur enthält und erste Hinweise für notwendige Item-Umformulierungen liefert.
5 Hauptuntersuchung: Die Hauptuntersuchung mit 452 Lehramt-Studierenden analysiert umfassend die Reliabilität, faktorielle Struktur, Validität und Stabilität der deutschen SACQ-Version und vergleicht diese mit anderen Messinstrumenten.
Schlüsselwörter
SACQ, Studienanpassung, Validierung, Reliabilität, akademische Anpassung, soziale Anpassung, emotionale Anpassung, institutionelle Bindung, Studienabbruch, psychometrische Überprüfung, Selbstwirksamkeit, Lernstrategien, Persönlichkeit, Tinto-Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Übersetzung, psychometrischen Überprüfung und Validierung des „Student Adaptation to College Questionnaire“ (SACQ) für den deutschsprachigen Raum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die mehrdimensionale Struktur der Studienanpassung, Einflussfaktoren wie Persönlichkeit, soziale Unterstützung und Motivation sowie deren Zusammenhang mit dem Studienerfolg oder Studienabbruch.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein reliables und valides Messinstrument zu schaffen, das es ermöglicht, die Anpassung deutschsprachiger Studierender an die akademischen und sozialen Anforderungen der Hochschule systematisch zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es werden quantitative psychometrische Methoden angewandt, darunter Faktorenanalysen, Korrelationsberechnungen, Regressionsanalysen sowie die Ermittlung von Reliabilitäten wie Cronbachs Alpha.
Was wird im empirischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl eine Vorstudie zur Übersetzung und Item-Optimierung als auch eine umfassende Hauptuntersuchung mit 452 Probanden präsentiert, die die psychometrische Güte und Konstruktvalidität des deutschen SACQ bestätigt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Studienanpassung, psychometrische Validierung, der SACQ als Testinstrument sowie theoretische Konzepte wie das Tinto-Modell und psychologische Konstrukte wie Selbstwirksamkeit.
Warum wurde bei den Items der Übersetzung nachjustiert?
Die Vorstudie ergab bei einigen Items eine unzureichende Trennschärfe oder semantische Unklarheiten in der deutschen Übersetzung, weshalb 16 Items für die Hauptuntersuchung präzisiert wurden.
Was ist das wichtigste Ergebnis der Stabilitätsüberprüfung?
Die Retest-Reliabilität nach sechs Wochen ergab einen Korrelationswert von r = .83, was die Stabilität und damit die Brauchbarkeit des Messinstruments bestätigt.
- Citation du texte
- Sonia Sippel (Auteur), 2006, Der "Student Adaptation to College Questionnaire (SACQ)" von R. W. Baker und B. Syrik. Entwicklung, psychometrische Überprüfung und Validierung einer deutschen Fassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67278