Mehrdeutige, unstrukturierte, erwartungswidrige, widersprüchliche und ungewohnte Situationen werden von manchen Menschen vermieden, von anderen wiederum gezielt aufgesucht. Beobachter fragen sich, warum die Menschen so unterschiedlich auf solche Situationen reagieren. In diesem Zusammenhang erscheint der Begriff der Ambiguität.
Der Begriff der Ambiguität lässt sich aus dem Lateinischen ableiten. „Ambiguitas“ bedeutet die Mehrdeutigkeit von Wörtern, Werten, Symbolen und Sachverhalten, Zweideutigkeit, Doppelsinn (Fremdwörter-Duden, 1990).
Die Reaktionen auf Ambiguität (Ambiguitätsintoleranz bzw. Ambiguitätstoleranz) gehen auf bestimmte Charaktereigenschaften und Vorlieben zurück und korrelieren unterschiedlich stark mit ihnen. In meiner Semesterarbeit werde ich auf die schon erforschten Zusammenhänge der Skalen zur Erfassung der Ambiguitätsintoleranz mit anderen Frageninventaren zur Eigenschaftsmessung eingehen und nach Gemeinsamkeiten mit neuen Skalen suchen. Zusätzlich wird die subjektive Wahrnehmung der Ambiguität als eine relative Größe genauer betrachtet. Schließlich werden die nationalen Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz zwischen Deutschen und Polen erwähnt.
Inhaltsverzeichnis
1. Theorieteil
1.1. Einleitung
1.2. Ambiguitätsintoleranz (AIT)
1.2.1. Begriffsklärung und wichtigste Definitionen
1.2.1.1. Ambiguitätsintoleranz (AIT) nach Frenkel-Brunswik (1949)
1.2.1.2. Bochner (1965)
1.2.1.3. AIT-Definition von Norton (1975)
1.2.1.4. Definition der AIT von Kischkel (1975)
1.2.1.5. Definition von Budner (1962)
1.2.2. Begriffsklärung des Unwohlseins und der Bedrohung bei AIT
1.2.2.1. Erklärung nach Budner (1960)
1.2.1.6. Ansatz von Mac Donald (1970)
1.2.3. Die Rolle der subjektiven Wahrnehmung der Ambiguität für die Ambiguitäts(in)toleranz
1.3. Zusammenhänge des Konstrukts (AIT) mit anderen Eigenschaften
1.3.1. Glauben / Dogmatismus
1.3.2. Konservatismus
1.3.3. Bedürfnis nach Kategorisierung und nach Gewissheit (als Teilaspekte)
1.3.4. Sozial-politische Ideologie, z.B. Extremismus
1.3.5. Rassismus und ethnische Vorurteile
1.3.6. Aggressives Verhalten
1.4. Zusammenhänge zwischen der Ambiguitätstoleranzskala und den Skalen für Ambiguität, Aggression, Lehrerselbstwirksamkeit, Allgemeine Selbstwirksamkeit und SIA
1.5. Mögliche nationale Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz
2. Methode
2.1. Versuchspersonen
2.2. Überblick / Versuchsdurchführung
2.3. Material / Die Skalen des Fragebogens
2.3.1. Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz / IMA (Reis, 1996)
2.3.2. Ambiguity (Ambiguität – Skala)
2.3.3. Scale-Interpersonal-Ambiguity-tolerance (SIA)
2.3.4. Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit – allgemeine Definitionen
2.3.4.1. Generalized-Self-Efficacy (Allgemeine Selbstwirksamkeit)
2.3.4.2. Teacher-Self-Efficacy (Lehrer-Selbstwirksamkeit-Skala)
2.3.5. Rosenberg – Skala
2.3.6. Aggressionsskala
2.3.6.1. Selbstkonzeptklarheit, überhöhtes Selbstwertgefühl und aggressives Verhalten
3. Ergebnisse
3.1. Fragestellung 1
3.2. Fragestellung 2
3.2.1. Welche Zusammenhänge ergeben sich zwischen der Ambiguitätstoleranzskala und den anderen Skalen ?
3.2.2. Faktorenanalytische Zusammenhänge zwischen den Skalen
3.3. Fragestellung 3
4. Diskussion
4.1. Faktoranalytische Trennung aller Items in zehn Faktoren
4.1.1. Eine sinnvolle Unterscheidung zwischen Ambiguität und AIT
4.1.2. Beschreibung der einzelnen Faktoren und Erläuterungen ihrer Ladungen
4.1.2.1. Faktor 1 „Causes for spontaneous aggression”
4.1.2.2. Faktor 2 „Subjective spontaneity of aggression“
4.1.2.3. Faktor 3 „AIT: Social Conflicts“
4.1.2.4. Faktor 4 „Self-Efficacy / Indirect Ambiguity Tolerance“
4.1.2.5. Faktor 5 „Ambiguity Tolerance“
4.1.2.6. Faktor 6 „Physical aggression“
4.1.2.7. Faktor 7 „Heavy spontaneous aggression“
4.1.2.8. Faktor 8 „Social competence“
4.1.2.9. Faktor 9 „Mixed“
4.1.2.10. Faktor 10 „Ambiguity / Negative Self-Efficacy“
4.2. Zusammenhänge zwischen der Ambiguitätstoleranzskala und den anderen Skalen
4.2.1. Ambiguity und Inventar zur Messung von Ambiguitätstoleranz (IMA)
4.2.2. Ambiguity und Generalized-Self-Efficacy
4.2.3. Teacher-Self-Efficacy und Generalized-Self-Efficacy
4.2.4. Generalized-Self-Efficacy und Scale-Interpersonal-AT (SIA)
4.2.5. Generalized-Self-Efficacy und Aggression
4.3. Nationale Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz-Ausprägung der Deutschen und der Polen
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das psychologische Konstrukt der Ambiguitätstoleranz, erforscht dessen Zusammenhänge mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Aggression und Selbstwirksamkeit und beleuchtet interkulturelle Unterschiede zwischen deutschen und polnischen Probanden mittels verschiedener Skalen.
- Definition und theoretische Grundlagen der Ambiguitätsintoleranz (AIT)
- Zusammenhang zwischen Ambiguitätstoleranz, Selbstwirksamkeit und aggressivem Verhalten
- Einsatz und Validierung verschiedener Fragebogenskalen (IMA, SIA, Aggressionsskala)
- Faktorenanalytische Untersuchung von Ambiguitätswahrnehmung und AIT
- Interkultureller Vergleich der Ambiguitätstoleranz zwischen deutschen und polnischen Studenten
Auszug aus dem Buch
1.2.1.1. Ambiguitätsintoleranz (AIT) nach Frenkel-Brunswik (1949)
Das Konzept zur AIT wurde von Else Frenkel-Brunswik definiert als „tendency to resort to black-white solutions, to arrive at premature closure as valuative aspects, often at the neglect of reality; and to seek for unqualified and unambiguous overal acceptance and rejection of other people” (S.115) Hier wird der aktive Handlungsaspekt betont. Frenkel-Brunswik unterscheidet auch zwischen einer kognitiven (zum Beispiel beim Probleme lösen) und einer emotionalen (gegenüber bestimmten Gefühlssituationen) Ambiguitätsintoleranz (vgl. Wolfradt & Rademacher 1999).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theorieteil: Dieses Kapitel führt in den Begriff der Ambiguität ein, diskutiert verschiedene Definitionen der Ambiguitätsintoleranz (AIT) und erläutert die Zusammenhänge des Konstrukts mit anderen Persönlichkeitseigenschaften wie Glauben, Konservatismus und aggressivem Verhalten.
2. Methode: Hier werden die Stichprobenzusammensetzung der 117 Lehramtsstudenten, das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die verwendeten Skalen und deren psychometrische Eigenschaften im Detail beschrieben.
3. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der Hypothesen mittels SPSS, inklusive der Korrelationen zwischen den Skalen sowie der faktorenanalytischen Ergebnisse und dem Ländervergleich.
4. Diskussion: Hier erfolgt die Interpretation der Ergebnisse, insbesondere der faktorenanalytischen Trennung der Items in zehn Faktoren und der Bedeutung der gefundenen Korrelationen zwischen Ambiguitätstoleranz und Selbstwirksamkeitskonzepten.
5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, insbesondere die Bestätigung der Mehrdimensionalität des Konstrukts und die Bestätigung signifikanter interkultureller Unterschiede.
6. Literaturverzeichnis: Umfasst die Liste der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur zur Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Ambiguitätstoleranz, Ambiguitätsintoleranz, AIT, Selbstwirksamkeit, Aggression, Persönlichkeitspsychologie, IMA-Skala, SIA-Skala, interkulturelle Forschung, Faktoranalytische Untersuchung, soziale Konflikte, Selbstkonzept, psychometrische Skalen, Lehrer-Selbstwirksamkeit, interpersonale Aspekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Ambiguitätstoleranz, also der Fähigkeit oder Tendenz, mehrdeutige und unstrukturierte Situationen als positiv oder zumindest als akzeptabel wahrzunehmen, anstatt sie als bedrohlich oder unwohlseinserzeugend zu interpretieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Definition von AIT, der Zusammenhang des Konstrukts mit Persönlichkeitseigenschaften wie Konservatismus und Aggressivität sowie die Messung dieser Aspekte durch verschiedene psychologische Testskalen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Skalen zur Erfassung von Ambiguitätstoleranz und anderen Konzepten wie Selbstwirksamkeit und Aggression zu erforschen sowie eine interkulturelle Vergleichsstudie zwischen deutschen und polnischen Studenten durchzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung nutzt eine quantitative empirische Methode, bei der Fragebogendaten von 117 Lehramtsstudenten erhoben und mittels statistischer Verfahren (SPSS), einschließlich Interkorrelationen und Faktorenanalysen, ausgewertet wurden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Theorieteil zur Begriffsklärung, eine ausführliche Methodendarstellung der verwendeten Erhebungsinstrumente, die deskriptive und inferenzstatistische Ergebnispräsentation sowie eine Diskussion der faktorenanalytischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ambiguitätstoleranz, Selbstwirksamkeit, Aggression, interkultureller Vergleich und psychometrische Konstruktvalidierung mittels Faktorenanalyse.
Welche Bedeutung haben die zehn identifizierten Faktoren?
Die Faktorenanalyse zeigt, dass die Testitems keine eindimensionale Struktur aufweisen, sondern in unterschiedliche Cluster zerfallen, wie etwa "Social Conflicts", "Physical aggression" oder "Self-Efficacy", was eine differenziertere Betrachtung der Ambiguitätstoleranz in verschiedenen Lebensbereichen ermöglicht.
Was lässt sich aus dem Ländervergleich ableiten?
Der Vergleich ergab, dass deutsche Probanden durchgehend eine signifikant höhere Ambiguitätstoleranz aufwiesen als die untersuchten polnischen Studentinnen, was die Autorin auf unterschiedliche politische und kulturelle Hintergründe, insbesondere die Zeit des Sozialismus in Polen, zurückführt.
Warum wurde die "Aggressionsskala" speziell angepasst?
Da die ursprüngliche Skala für Schulkinder konzipiert war und physische Aggression bei Studenten selten auftritt, wurden die Items für die Stichprobe der Studenten auf verbale und indirekte Aggressionsformen sowie die "Sie-Form" angepasst.
- Citation du texte
- Sonia Sippel (Auteur), 2003, Ambiguiät und Ambiguitäts(in)toleranz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67279