Mezzanine-Kapital für den Mittelstand - Ein wirksames Mittel zur Sicherung von Wachstumschancen


Diplomarbeit, 2006

121 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Ausgangslage der Mittelstandsfinanzierung
2.1 Charakterisierung des Mittelstands
2.2 Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen
2.3 Aktuelle Finanzierungsstruktur des Mittelstandes
2.4 Ursachen für die Dominanz der Kreditfinanzierung
2.4.1 Steuerliche Rahmenbedingungen
2.4.2 Personenbezogene Ursachen
2.4.3 Bankenorientiertes Finanzsystem
2.4.4 Wettbewerb im Bankensektor
2.5 Finanzierung von Wachstum
2.5.1 Notwendigkeit von Wachstum
2.5.2 Wachstumsstrategien
2.5.3 Bestimmung des Finanzierungsbedarfs
2.5.4 Determinanten der Kreditfinanzierung
2.5.4.1 Verschuldungskapazität
2.5.4.2 Besicherungspotenzial
2.5.4.3 Rating
2.6 Wirkung der Finanzierungsstruktur auf die Wachstumsfähigkeit
2.7 Zwischenfazit

3 Wesen des Mezzanine-Kapitals
3.1 Definition
3.2 Vergütungsstrukturen
3.2.1 Equity Kicker
3.2.2 Non-Equity Kicker
3.3 Voraussetzungen für eine Finanzierung mittels Mezzanine-Kapital
3.4 Vor- und Nachteile des Einsatzes von Mezzanine-Kapital für KMU
3.5 Anbieter von Mezzanine-Kapital
3.6 Einsatzmöglichkeiten von Mezzanine-Kapital für KMU
3.6.1 Leveraged Buy-outs
3.6.2 Bridge Loan
3.6.3 Rekapitalisierung
3.6.4 Wachstumsfinanzierung

4 Erscheinungsformen des Mezzanine-Kapitals
4.1 Nachrangdarlehen
4.1.1 Rechtliche Grundlagen
4.1.2 Bilanzierung nach HGB und steuerliche Behandlung
4.1.3 Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital
4.1.4 Sonderform: Seller´s Note
4.2 Partiarisches Darlehen
4.2.1 Rechtliche Grundlagen
4.2.2 Bilanzierung nach HGB und steuerliche Behandlung
4.2.3 Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital
4.3 Genussrechtskapital
4.3.1 Rechtliche Grundlagen
4.3.2 Bilanzierung nach HGB und steuerliche Behandlung
4.3.3 Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital
4.4 Stille Gesellschaft
4.4.1 Rechtliche Grundlagen
4.4.2 Bilanzierung nach HGB und steuerliche Behandlung
4.4.3 Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital

5 Mezzanine-Kapital im Mittelstand am Beispiel der ECO Schulte GmbH & Co. KG .
5.1 Strategische Ausgangslage
5.2 Strategische Zielsetzung
5.3 Strukturierung der Mezzanine-Finanzierung
5.3.1 Gewählte Erscheinungsform
5.3.2 Bilanzierung nach HGB
5.3.3 Steuerliche Behandlung
5.3.4 Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital
5.4 Wirkung auf die Kapitalstruktur
5.5 Auswirkung des Genussrechtskapitals auf das Finanzierungspotenzial

6 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

Aktuell scheint sich die Finanzierungssituation des deutschen Mittelstandes nach langer Zeit restriktiver Kreditvergabepolitik allmählich wieder zu entspannen. Die Banken entdecken den Mittelstand wieder und das klassische Finanzierungsinstrument deutscher Mittelständler, der Bankkredit, wird tendenziell wieder leichter gewährt.1 Das wiedererwachte Interesse am Mittelstand hat einen Grund; das Tal scheint durchschritten und die deutsche Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Sowohl die Bundesregierung als auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten sowohl für das Jahr 2006 als auch für 2007 höhere Wachstumsraten. So wurden die zu Beginn des Jahres 2006 veröffentlichte Prognosen für das Jahr 2006 von durchschnittlich 1,8 % von den Instituten auf aktuell durchschnittlich 2,4 % angehoben.2

Trotz dieser für die Unternehmen positiven Entwicklung hat sich an der grundlegenden Finanzierungsstruktur des Mittelstandes nichts geändert. Die Kreditfinanzierung steht weiterhin im Fokus und die Eigenkapitalquoten im deutschen Mittelstand sind bei Werten von durchschnittlich 17 % - 22 % nach wie vor gering.3 Zwar verbessert sich durch die anziehende Konjunktur auch die Ertragslage der Mittelständler, aber eine Verbesserung des Ratings wird hierdurch kurzfristig nicht erzielt. Die größte Wirkung auf das Rating, und somit auf die Kreditgewährung, hat die Eigenkapitalquote eines Unternehmens. Konzentrieren sich die Unternehmen weiterhin auf die Kreditfinanzierung, führt dies nach Basel II zu einer Verschlechterung der Bonität und somit zumindest auch zu höheren Kreditzinsen, wenn nicht im schlimmsten Fall zum Verlust der Kreditwürdigkeit.4

Zwar scheinen die zu erwartenden Margenaufschläge für schlechte Bonität angesichts der aktuell relativ niedrigen Kreditzinssätze noch akzeptabel und bezahlbar, doch langfristig können sie gerade bei steigenden Kapitalmarktzinsen bedrohliche Auswirkungen auf die Unternehmen haben. Doch nicht nur die Angst vor zu hohen Zinsen, sondern insbesondere die Erfahrungen der letzten Jahre sollten den Mittelstand dazu bewegen, die aktuellen Finanzierungsstrukturen zu überdenken. Dem Mittelstand wurde in den vergangenen sechs Jahren auf schmerzhafte Weise die Abhängigkeit von der Finanzierung über den Bankkredit vor Augen geführt.

Die wichtigste Finanzierungsquelle stand plötzlich nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung. Aufgrund der mangelnden Ertragskraft der hiesigen Kreditinstitute und hoher Ausfälle im Kreditgeschäft distanzierten sich die Banken zunehmend vom Mittelstand.5 Somit ließen sich für mittelständische Unternehmen, wenn überhaupt, lediglich zwingend notwendige Ersatzinvestitionen realisieren. Investitionen in Wachstum oder grundlegende Modernisierung zur Wahrnehmung unternehmerischer Chancen und strategischer Neuausrichtung waren für den breiten Mittelstand nicht möglich.6

Die Finanzierungssituation entspannt sich aus Sicht der mittelständischen Unternehmen zum rechten Zeitpunkt. Die Konjunktur zieht wieder an und selbst die Prognosen für das Jahr 2007 stimmen optimistisch. Um von der positiven Entwicklung der Wirtschaft zu profitieren und zukünftige Erträge zu sichern, ist es für mittelständische Unternehmen wichtig, in wachstumsfördernde Projekte oder Strategien zu investieren. Auch wenn zur Zeit eine Finanzierung von Wachstum mittels Bankkredit für viele Unternehmen wieder möglich ist, sollten Mittelständler, im Rahmen ihrer Finanzplanung um die Erfahrungen der letzten Jahre bereichert, bestrebt sein, die Finanzierungstrategie derart zu gestalten, dass der Spagat gelingt, die Abhängigkeit von der Kreditvergabepolitik der Banken zu reduzieren und gleichzeitig den Finanzierungsspielraum des eigenen Unternehmens langfristig auszuweiten.

Eine 2006 veröffentlichte Studie von Ernst & Young ergab, dass dieser Spagat durch Einbindung alternativer Finanzierungsinstrumente in die Unternehmensfinanzierung gelingen kann. So wurde festgestellt, dass mittelständische Unternehmen, welche bereits Alternative Finanzierungsinstrumente nutzten, von 2002 bis 2005 trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage ein durchschnittliches Wachstum von 8,6 % erzielen konnten. Unternehmen, die ausschließlich den Bankkredit nutzten, sind im gleichen Zeitraum um 2,9 % geschrumpft.7

Im Zusammenhang mit der mittelständischen Unternehmensfinanzierung in Deutschland wird aktuell Mezzanine-Kapital als Alternative zum Bankkredit von Banken, Beratern und diversen Institutionen gleichermaßen hoch gehandelt.8 Fraglich ist jedoch, inwiefern die einzelnen Spielarten dieser Finanzierungsform den aktuellen Anforderungen wachstumsorientierter Mittelständler tatsächlich entsprechen.

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, Mezzanine-Kapital als innovative Möglichkeit der Finanzierung des Wachstums mittelständischer Unternehmen umfassend vorzustellen und die einzelnen unter dem Oberbegriff Mezzanine-Kapital zu subsumierenden Erscheinungsformen hinsichtlich ihrer potenziellen Wirkung auf die Wachstumsfähigkeit eines Unternehmens zu untersuchen. Das Management mittelständischer Unternehmen soll in die Lage versetzt werden, eine Auswahl derjenigen Erscheinungsform zu treffen, welche in Bezug auf das zukünftige Finanzierungspotenzial, und somit auch auf die zukünftige Wachstumsfähigkeit, des eigenen Unternehmens die optimale Wirkung entfaltet.

Da die vorliegende Arbeit an mittelständische Unternehmen adressiert ist, erfolgt die Untersuchung ausschließlich aus der Perspektive dieser Unternehmen. Erscheinungsformen von Mezzanine-Kapital für börsennotierte Unternehmen, wie zum Beispiel Optionsanleihen, Wandelanleihen, Hybridanleihen und Vorzugsaktien werden im Rahmen dieser Arbeit daher nicht behandelt.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im zweiten Kapitel wird zunächst die aktuelle Finanzierungsstruktur des deutschen Mittelstandes untersucht und es werden theoretische Grundlagen zur Unternehmensfinanzierung und zu den Wachstumsstrategien erarbeitet. Ziel hierbei ist es, eine Aussage über die Wirkung der aktuellen Finanzierungsstruktur auf das zukünftige Finanzierungspotenzial und somit auch auf die Wachstumsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen zu treffen. Um mittelständische Entscheider in die Lage zu versetzen, die langfristige Wachstumsfähigkeit aktiv zu steuern, werden zunächst Determinanten der Kreditfinanzierung beleuchtet. Abschließend wird ein vereinfachtes Modell der Wechselbeziehungen ebendieser Determinanten aufgestellt, um die wesentliche Einflussgröße zur Optimierung des langfristigen Finanzierungspotenzials ableiten zu können.

Das dritte Kapitel beginnt mit der Erläuterung wesentlicher Charakteristika von Mezzanine-Kapital und den Strukturierungsmöglichkeiten der Vergütungskomponenten. Anschließend werden die notwendigen Voraussetzungen für die Finanzierung mittels Mezzanine-Kapital, die Vor- und Nachteile, die möglichen Anbieter sowie die Einsatzmöglichkeiten aus der Perspektive mittelständischer Unternehmen beleuchtet.

Die einzelnen Erscheinungsformen von Mezzanine-Kapital werden in Kapitel 4 hinsichtlich ihrer Wirkung auf das zukünftige Finanzierungspotenzial auf ihre bilanziellen Stellung, ihre steuerliche Behandlung und ihre für den Ratingprozess wichtige Zuordnung zum wirtschaftlichen Eigenkapital analysiert.

Im fünften Kapitel wird der Einsatz von Mezzanine-Kapital im Rahmen einer Wachstumsstrategie am Beispiel der ECO Schulte GmbH & CO. KG, eines mittelständischen Unternehmens, illustriert. Die zur Finanzierung verwendete Erscheinungsform des Mezzanine-Kapitals wird analog zur Vorgehensweise in Kapitel 4 analysiert und in Bezug auf die Wirkung auf das langfristige Finanzierungspotenzial des untersuchten Unternehmens bewertet.

Im sechsten Kapitel wird auf Grundlage der in Kapitel 4 vorangegangenen Analyse und des in Kapitel 5 dargestellten Fallbeispiels eine Auswahl derjenigen Erscheinungsformen des Mezzanine-Kapitals vorgenommen, die sich zur Optimierung des zukünftigen Finanzierungspotenzials von mittelständischen Unternehmen am besten eignen.

2 Ausgangslage der Mittelstandsfinanzierung

2.1 Charakterisierung des Mittelstands

Die Abgrenzung mittelständischer Unternehmen von Unternehmen anderer Größenordnung erfolgt in der Betriebswirtschaftslehre sowohl anhand quantitativer als auch mittels qualitativer Kriterien.9 Es existiert keine allgemein akzeptierte Definition für den deutschen Mittelstand, vielmehr scheinen vieldimensionale, fließende Grenzen, die Uneinheitlichkeit und die Beweglichkeit des Mittelstandes geradezu ein Merkmal des Mittelstandes selbst zu sein.10

International wird zur Abgrenzung verschiedener Unternehmenstypen lediglich nach quantitativen Aspekten differenziert und man unterscheidet dort kleine und mittlere Unternehmen (KMU)11 von Großunternehmen.12 So werden sowohl von der EU als auch vom Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) quantitative Merkmale zur Abgrenzung herangezogen. Wie Abb. 1 zeigt, bezieht sich die Europäische Union (EU) auf die Merkmale Anzahl der Beschäftigten, Jahresumsatz und Bilanzsumme.13

Abb. 1 Größendefinition der EU

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Kreditanstalt für Wiederaufbau, 2006, S. 197.

Zusätzlich zu den obigen Kriterien muss für die Zuordnung zu den KMU die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Unternehmens vorliegen. Diese gilt als nicht gegeben, sofern 25 % der Stimmanteile in Hände eines oder mehrerer Großunternehmen liegen. Unter dem Begriff Mittelstand werden demnach laut EU-Definition die Ein-Personen- und Kleinstunternehmen, die kleinen sowie die mittleren Unternehmen zusammengefasst.14

Das IfM unterteilt die deutsche Unternehmenslandschaft mit Hilfe der beiden quantitativen Merkmale Anzahl der Beschäftigten und Jahresumsatz lediglich in drei Gruppen. Dem Mittelstand werden hiernach die kleinen und mittleren Unternehmen zugerechnet.15

Abb. 2 Größendefinition des Instituts für Mittelstandsforschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Mittelstandforschung, 2002, S. 20.

Nach Abgrenzung des IfM ist die Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Volkswirtschaft klar erkennbar. Hiernach sind ca. 3,3 Mio. Unternehmen mit über 20,1 Mio. Beschäftigten dem deutschen Mittelstand zuzurechnen. Der Mittelstand erwirtschaftet insgesamt rund 50 % des BIP und stellt dabei ca. 70 % der deutschen Arbeitsplätze.16 Vergegenwärtigt man sich diese Zahlen, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine ausreichende Versorgung des Mittelstandes mit Kapital aus volkswirtschaftlicher Sicht hohe Priorität genießen sollte.

Zur Analyse des Mittelstandes im volkswirtschaftlichen Kontext lässt sich aufgrund der ausgewählten Merkmale auf eine vorhandene Datenbasis zurückgreifen und somit diverse Entwicklungen relativ gut und schnell auswerten. Zur Analyse der Finanzierungssituation und der Finanzierungsprobleme ist die Abgrenzung mittelständischer Unternehmen über ausschließlich quantitative Merkmale, zumal die Anzahl der Beschäftigten aufgrund steigender Automatisierung an Aussagekraft verliert17, nicht ausreichend und vor allem nicht zweckmäßig. So sind bei der Charakterisierung des Mittelstandes aus der Perspektive der Finanzwirtschaft auch qualitative Merkmale heranzuziehen.

Zentrale qualitative Merkmale sind die Identität des Eigentümers und des verantwortlichen Managements, die vorherrschende Koalitionsunwilligkeit, die sich im Wunsch des Eigentümer-Managers18 manifestiert, Herr im Haus bleiben zu wollen, und insbesondere der fehlende direkte Zugang zum organisierten Kapitalmarkt.19 In diesem Zusammenhang spricht auch die IKB Deutsche Industriebank AG bei Unternehmen, die obige qualitative Merkmale zum Teil erfüllen und Jahresumsätze von 50 Mio. € bis zu 500 Mio. € erzielen, von etablierten und wachstumsstarken Mittelständlern.20

Im Laufe der weiteren Betrachtung werden - obwohl rund 2,8 Mio. der mittelständischen Unternehmen21 einen Jahresumsatz von unter 5 Mio. aufweisen - auch Unternehmen zum Mittelstand gezählt, welche die vom IfM gesetzte Umsatzgrenze überschreiten, sofern die qualitativen Merkmale erfüllt sind.

Zum Zwecke einer Analyse der Mittelstandsfinanzierung werden nachfolgend zunächst die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen behandelt und wesentliche Unterschiede herausgearbeitet.

2.2 Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen

Die Finanzierungsmöglichkeiten, die mittelständischen Unternehmen theoretisch zur Deckung ihres Finanzierungsbedarfs in Anspruch nehmen können, sind vielfältig. Zum besseren Verständnis der unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten ist es notwendig, diese anhand verschiedener Kriterien abzugrenzen und in Gruppen zusammenzufassen. Wesentliche Abgrenzungskriterien für die weitere Betrachtung sind die Mittelherkunft und die rechtliche Stellung der Kapitalgeber und die damit verbundene Kapitalhaftung.22

Zunächst kann nach der Mittelherkunft aus Sicht des Unternehmens in Außen- und Innenfinanzierung unterschieden werden. Der Mittelzufluss bei der Innenfinanzierung geht aus der operativen Tätigkeit des Unternehmens auf den Abs.- und Beschaffungsmärkten hervor und basiert daher auf unternehmensinternen Quellen. So fließen etwa frei werdende Mittel aus dem operativen Geschäft wieder in das Unternehmen zurück. Hierzu zählen die Finanzierung aus Gewinnen, die Finanzierung aus Rückstellungen und die Finanzierung durch Kapitalfreisetzung.23 Außenfinanzierung ist hingegen die Deckung des Kapitalbedarfs durch unternehmensexterne Quellen, wie die Finanzierung durch Kredite und durch Einlagen.24

Nach dem Kriterium der rechtlichen Stellung des Kapitalgebers und der Kapitalhaftung unterscheidet man Eigen- und Fremdfinanzierung. Unter Eigenfinanzierung subsumiert man die Zuführung und Erhöhung des Eigenkapitals einer Unternehmung durch Einlagen der bestehenden oder neuen Unternehmenseigner oder aus dem Gewinn des Unternehmens.25

Zur Fremdfinanzierung gehört jede Art der Kapitalzuführung, bei der die Kapitalgeber eine Gläubigerposition gegenüber der Unternehmung haben.26

Die Abgrenzung der unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten wird durch Abb. 3 verdeutlicht und anschaulich dargestellt.

Abb. 3 Einteilung der Finanzierung nach dem Kriterium der Kapitalhaftung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten27

Quelle: Perridon/Steiner, 2004, S. 360.

Das Eigenkapital einer Unternehmung haftet für die Verpflichtungen gegenüber Dritten und stellt somit Haftkapital dar.28 Es steht dem Unternehmen in der Regel mit unbeschränkter Laufzeit zur Verfügung. Eigenkapitalgeber erwerben Eigentum an der Unternehmung und haben daher einen Anspruch auf eine Beteiligung am Gewinn und am Vermögenszuwachs. Darüber hinaus verfügen Eigenkapitalgeber über Mitspracherechte und Mitwirkungsrechte an der Unternehmensführung. Ein Rückzahlungsanspruch für die gezahlte Einlage hingegen besteht nicht.29

Das im Rahmen der Fremdfinanzierung zugeführte Fremdkapital haftet nicht für Verbindlichkeiten der finanzierten Gesellschaft. Es steht der Unternehmung lediglich befristet zur Verfügung und muss zu den vereinbarten Terminen getilgt werden. Fremdkapitalgeber besitzen in der Regel einen Rückzahlungsanspruch auf den Nominalbetrag und Anspruch auf Zahlung vereinbarter Zinsen. Der Rückzahlungszeitpunkt wird vertraglich fixiert und ist unabhängig vom Erfolg der finanzierten Unternehmung.30

Ein Fremdkapitalgeber erwirbt kein Eigentum am Unternehmen31 und erhält daher auch keine Mitspracherechte bei der Geschäftsführung und keine Beteiligung am Vermögenszuwachs und den stillen Reserven. Die Kosten einer Fremdfinanzierung können in Deutschland steuerlich in Abzug gebracht werden und fallen auch dann an, wenn das Unternehmen keinen Gewinn erzielt.32

Die unterschiedlichen Finanzierungsinstrumente der Außenfinanzierung lassen sich anhand der obigen Merkmale in Eigenkapital- und in Fremdkapitalinstrumente unterteilen und sind in der folgenden Abbildung aufgeführt.33

Abb. 4 Instrumente der Außenfinanzierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

eigene Darstellung in Anlehnung an Credit Suisse, 2005, S. 5 sowie Dahmen/Jacobi/Rossbach, 2001, S. 189 ff..

Erschwerend kommen hohe Transparenzanforderungen und Rechnungslegungsvorschriften hinzu, welche selbst etablierte und wachstumsstarke Mittelständler34 dazu verleiten, vom Einsatz von Kapitalmarktinstrumenten Abstand zu nehmen.35 Nachdem die theoretischen Grundlagen der Unternehmensfinanzierung skizziert wurden, wird im folgenden Abschnitt untersucht, welche Finanzierungsmöglichkeiten von deutschen KMU in Deutschland am stärksten genutzt werden.

2.3 Aktuelle Finanzierungsstruktur des Mittelstandes

Betrachtet man die Finanzierungsstruktur mittelständischer Unternehmen in Deutschland, so fällt auf, dass die langfristige Unternehmensfinanzierung traditionell in erster Linie auf Fremdfinanzierung über den Bankkredit fußt.36

Dieses Finanzierungsverhalten schlägt sich unmittelbar in den Eigenkapitalquoten der mittelständischen Untenehmen nieder. Zur Messung der Eigenkapitalquote besteht in Deutschland nicht die Möglichkeit, auf ein zentrales Unternehmensregister zurückzugreifen. Vielmehr veröffentlichen die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Bundesbank und andere Institutionen Eigenkapitalquoten, die sich lediglich auf Bilanzdaten ihrer Kundschaft und somit auf nur einen kleinen Ausschnitt aus der Unternehmenslandschaft beziehen.37

Die veröffentlichten durchschnittlichen Eigenkapitalquoten reichen von rund 17 % bis 22 %, wobei die Eigenkapitalschwäche mit abnehmender Unternehmensgröße zunimmt.38 Doch unabhängig davon, welche dieser Größen man für einen internationalen Vergleich zu Grunde legt, steht fest, dass die Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstands als mager zu bezeichnen ist. Wie Abb. 5 dokumentiert, besteht nicht nur eine hohe Diskrepanz zur durchschnittlichen Eigenkapitalquote in den USA, sondern auch zur durchschnittlichen Eigenkapitalquote anderer europäischen Nationen. Der Durchschnitt in der EU beträgt aktuell rund 35 % und ist somit wesentlich stabiler.39

Abb. 5 EK-Quoten mittelständischer Unternehmen im internationalen Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ernst & Young, 2006, S. 11.

Zwar attestieren deutsche Mittelständler in einer von der KfW 2005 durchgeführten Umfrage, dass der Innenfinanzierung, zum Beispiel über einbehaltene Gewinne, in der Regel der Vorzug gewährt wird, jedoch überschreiten gerade langfristige und strategisch wichtige Investitionen regelmäßig das Innenfinanzierungspotenzial der Unternehmen. In solchen Fällen wird der Finanzierungsbedarf notgedrungenermaßen von außen gedeckt, und zwar überwiegend über Bankkredite. Alternative Finanzierungsformen wie zum Beispiel Private Equity werden bislang nur von wenigen, meist größeren Mittelständlern genutzt.40

Besonders hervorzuheben ist die Beziehung der Mittelständler zu ihren Hausbanken, die in der Regel von Langfristigkeit und enger Zusammenarbeit geprägt ist. Wie die Ergebnisse einer Studie des DSGV von 2005 zeigen, unterhalten rund 56 % der mittelständischen Unternehmen ihre Hauptbankverbindung seit mindestens 10 Jahren.41

Die traditionell große Rolle des Bankkredits zur Sicherung der Finanzierung von KMU in Deutschland hat verschiedene Ursachen. Diese wurden in der Literatur oft untersucht und lassen sich teilweise aus dem vorherrschenden bankenorientierten Finanzsystem, aber auch aus den Besonderheiten des Mittelstandes erklären.42

2.4 Ursachen für die Dominanz der Kreditfinanzierung

2.4.1 Steuerliche Rahmenbedingungen

Größter Anreiz für die Aufnahme von Fremdkapital und somit auch Bankkrediten ist seit jeher die steuerliche Absetzbarkeit von Fremdkapitalzinsen. Verstärkt wurde dieser Anreiz durch den Umstand, dass bei Kapitalgesellschaften bis zum Jahr 2000 thesaurierte Gewinne höher besteuert wurden als ausgeschüttete Gewinne.43

Gerade mittelständische Unternehmer konnten sich diesem Anreiz nicht entziehen, da sie anders als Großunternehmen nicht der Beobachtung seitens des Kapitalmarktes unterliegen. Die Optimierung der Finanzierungsstrukturen erfolgte primär unter steuerlichen Gesichtspunkten und hatte weniger das Ziel, Signale für potenzielle Investoren zu setzen.44 Fremdkapital verursacht im Vergleich zur Eigenkapitalfinanzierung geringere Finanzierungskosten und stellt die günstigste Finanzierungsform dar.

Dass im Rahmen der Kreditfinanzierung beim Mittelstand nahezu ausschließlich vom Bankkredit Gebrauch gemacht wird und keine Anleihen begeben werden, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass das Finanzierungsvolumen oft nicht das benötigte Volumen erreicht, welches bei 100 Mio. Euro liegt.45

Doch selbst bei Mittelständlern, welche das kritische Finanzierungsvolumen von 100 Mio. Euro erreichen, wird von dieser Form der Fremdkapitalbeschaffung in der Regel Abstand genommen. Strenge Börsenzulassungsbedingungen, hohe Transparenzanforderungen und Publizitätspflicht, bei in der Regel gleichzeitig fehlender Bereitschaft zu einer offensiven Informationspolitik seitens mittelständischer Unternehmen, lassen diese Finanzierungsalternative für den Mittelstand wenig attraktiv erscheinen.46

2.4.2 Personenbezogene Ursachen

Im Gegensatz zu Großunternehmen hat die mittelständische Unternehmensleitung maßgeblichen Einfluss auf das Finanzierungsverhalten. Rund drei Viertel der mittelständischen Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen werden vom EigentümerUnternehmer47 selbst getroffen und sind somit in hohem Maße abhängig von den Präferenzen und Einstellungen dieses Entscheiders. Viele betriebswirtschaftliche Entscheidungen werden daher aufgrund im Regefall starker Einbindung ins operative Geschäft eher intuitiv statt geplant getroffen.48 In der Literatur wird dieser Umstand mit dem Begriff Managementlücke umschrieben.49

Mittelständischen Unternehmer befassen sich üblicherweise mit dem operativen Geschäft. Daher sind oft fehlende oder nur unzureichende Kenntnisse über Finanzierungsalternativen zum Bankkredit zu konstatieren. Effizienzreserven werden in erster Line im operativen Bereich gesucht, wobei Optimierungspotenziale im Finanzierungsbereich tendenziell weniger ins Kalkül gezogen werden. Finanzierungsalternativen wurden in der Vergangenheit nur dann in Betracht gezogen, wenn die traditionellen Finanzierungsquellen, Innenfinanzierung und Bankkredit, erschöpft waren.50

Das im Rahmen finanzwirtschaftlicher Überlegungen zu beachtende Ziel der Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit ist im Mittelstand besonders stark ausgeprägt. Der Mittelständler will Herr im Haus bleiben und so erfolgt konsequenterweise eine Bevorzugung der Finanzierungsquellen anhand der Einflussnahmemöglichkeiten potenzieller Kapitalgeber. Und im Gegensatz zur Aufnahme neuer Gesellschafter ist bei einer Kreditfinanzierung über Banken eine substanzielle Einflussnahme auf die Unternehmensentscheidungen nicht zu befürchten.51 Unterstützend kam in der Vergangenheit hinzu, dass die geringen Informationsanforderungen der Banken dem vorhandenen Widerwillen, interne Daten an Externe weiterzugeben, entgegen kam.52

Die Präferenz der Kreditfinanzierung, welche nicht nur bei KMU anzutreffen ist, wurde auch theoretisch durch die Pecking-Order-Theorie der Unternehmensfinanzierung unterlegt. Diese besagt, dass bei Investitionsprojekten zunächst nur interne Finanzierungsquellen genutzt werden. Reichen diese nicht aus, wird im Rahmen der Außenfinanzierung zunächst auf Finanzierungsinstrumente ausgewichen, welche aus Sicht des Unternehmens in Bezug auf Einflussnahmemöglichkeiten des Kapitalgebers als sicherer eingestuft werden, das heißt Fremdkapital- vor Eigenkapitalinstrumenten.53

Das Streben nach Unabhängigkeit und der damit einhergehende Verzicht auf bestimmte Finanzierungspotenziale spiegelt sich insbesondere in der Tatsache wider, dass familiengeführte Unternehmen, auch wenn sie im Gegensatz zum breiten Mittelstand über das kritische Finanzierungsvolumen verfügen, meist Zugang zum organisierten Kapitalmarkt suchen, indem sie Anleihen oder Aktien emittieren.54

2.4.3 Bankenorientiertes Finanzsystem

Im Gegensatz zu den kapitalmarktorientierten Finanzsystemen ist die Unternehmensfinanzierung in Deutschland vom Hausbankenprinzip geprägt.55

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass sich 75 % der gesamten Verschuldung mittelständischer Unternehmen auf Bankkredite konzentrieren, wobei 40 % der mittelständischen Unternehmen sogar lediglich eine Bankverbindung besitzen.56 Das in Deutschland anzutreffende Hausbankenprinzip, auch Relationship Lending genannt, reduziert aus Sicht der Banken die Agency Costs, welche durch die Informationsasymmetrie zwischen Schuldner und Gläubiger hervorgerufen werden.57

Viele Banken in Deutschland fühlten sich aufgrund der oft langjährigen Geschäftbeziehung und der geringen Informationsprobleme besser in der Lage, die wirtschaftliche Situation des zu finanzierenden Unternehmens einzuschätzen, als Kapitalgeber des anonymen Kapitalmarktes. Dies führte in der Vergangenheit dazu, dass Banken eine höhere Bereitschaft zur Kreditvergabe zu günstigen Zinssätzen hatten und das Kreditrisiko bei den Konditionen nur unzureichend berücksichtigt wurde.58

Begünstigt wurde diese relativ lockere Kreditvergabepolitik der vergangenen Jahre zudem durch den Umstand, dass Gläubiger nach dem deutschen Insolvenzrecht eine besonders starke Stellung innehaben. Geforderte Kreditsicherheiten können, anders als in Rechtsystemen, in denen bei Insolvenz die Fortführung des Unternehmens im Vordergrund steht, leichter verwertet werden.59

2.4.4 Wettbewerb im Bankensektor

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Dominanz der Kreditfinanzierung im Rahmen der mittelständischen Unternehmensfinanzierung ist das Drei-Säulen-Modell der deutschen Bankenlandschaft. Der Bankensektor setzt hierzulande aus privaten Banken, öffentlichrechtlichen Banken60 und Genossenschaftsbanken zusammen. Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken unterscheiden sich in einigen Merkmalen deutlich von privaten Kreditinstituten.

Während die privaten Kreditinstitute primär das Ziel der Gewinnmaximierung verfolgen, steht bei Sparkassen und Landesbanken satzungsgemäß die Förderung der regionalen Wirtschaft bzw. der Mitglieder im Vordergrund. So ist nicht verwunderlich, dass Sparkassen61 und Genossenschaftsbanken einen dominierenden Anteil der mittelständischen Unternehmen zu ihren Kunden zählen.62

Die Tatsache, dass im öffentlich-rechtlichen Bankensektor die Gewinnerzielungsabsicht ein Geschäftsziel unter vielen ist, gepaart mit den bisher günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten durch die Gewährträgerhaftung seitens der Bundesländer63, führte in der Vergangenheit dazu, dass Kreditinstitute dieses Sektors Kredite zu relativ günstigen Konditionen ausreichten und das Preisgefüge der Unternehmensfinanzierung maßgeblich bestimmten. Die privaten Banken haben sich, mit dem Ziel ihre Marktanteile zu verteidigen, häufig diesem Wettbewerb gestellt und Unternehmen zu vergleichbar günstigen Konditionen finanziert. Sie gingen im Rahmen der Unternehmensfinanzierung mittelständischer Unternehmen oft hohe Risiken ein und ließen sich diese nicht über angemessen hohe Kreditkonditionen vergüten.64

Die Rahmenbedingungen der mittelständischen Finanzierung haben sich in den letzten sechs Jahren stark verändert. Obwohl der Wettbewerb unter den Banken keinesfalls abgenommen hat, machen die Banken die Kreditvergabe und die Konditionsgestaltung verstärkt vom individuellen Risiko des zu finanzierenden Unternehmens abhängig. Sogar bei öffentlich-rechtlichen Banken fand aufgrund des festgelegten Wegfalls der Gewährträgerhaftung ab 2007 und Einführung der neuen Eigenkapitalrichtlinien für Kreditinstitute65 ein Umdenken statt.

Die Kreditaufnahme für den Mittelstand wird hierdurch aktuell in einer Phase tendenziell erschwert, in der, wie eine Umfrage des Mittelstandmonitors 2006 belegt, viele Mittelständler aufgrund der anziehenden Konjunktur wieder bereit sind, in Wachstumsprojekte zu investieren.66

Zentrale Fragestellungen, mit denen sich das Management wachstumsorientierter Mittelständler demnach aktuell befassen muss, sind, wie das angestrebte Wachstum realisiert, und ob und wie dieses finanziert werden kann. Darüber hinaus sollten Maßnahmen erarbeitet werden, mit welchen mittel- bis langfristig eine Reduzierung der Anhängigkeit vom Bankkredit erreicht werden kann.

2.5 Finanzierung von Wachstum

2.5.1 Notwendigkeit von Wachstum

Der zunehmende globale Wettbewerb beeinflusst direkt und indirekt fast alle Abs.- und Beschaffungsmärkte. Auch binnenmarktorientierte Mittelständler können sich dieser Entwicklung nicht entziehen und treten im Inland unfreiwillig zunehmend mit internationalen Wettbewerbern in Konkurrenz.67

In einem Umfeld dynamischer Veränderungen in politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht sehen sich Unternehmen zunehmend gezwungen, rechzeitig operative und strategische Anpassungen vorzunehmen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Kaum ein Unternehmen ist in der Lage, in einem dynamischen Umfeld den permanenten Wandel ungestraft zu ignorieren.68 Die Lebenszyklen von Produkten und Technologien werden immer kürzer, Produktentwicklungskosten steigen an und die Konkurrenz wird immer härter.69

Rationalisierungs- und Restrukturierungsprogramme standen in den Jahren der Konjunkturflaute im Fokus vieler Unternehmen. Auch an den mittelständischen Unternehmen ging dieser Trend nicht vorbei. Rationalisierungs-und Restrukturierungsprogramme können zwar kurzfristig zur Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens beitragen, langfristig wird jedoch die Wettbewerbssituation eines Unternehmens durch Innovations- und Anpassungsfähigkeit bestimmt.70

Um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben, reicht es nicht, nur die eigenen Kosten zu reduzieren, es müssen vielmehr neue Ertragspotenziale erschlossen werden. Größenbedingt agieren mittelständische Unternehmen oft in Nischenmärkten und weisen einen hohen Spezialisierungsgrad auf. Aufgrund kürzerer Entscheidungswege sind sie organisatorisch tendenziell gut in der Lage, zügig auf die geänderten Wettbewerbsbedingungen zu reagieren.

Im Gegensatz zu einem diversifizierten Großkonzern kann es sich ein mittelständisches Unternehmen noch weniger erlauben, Trends oder technologische Entwicklungen in seiner Marktnische verspätet anzugehen, indem es Innovationen im Sinne einer „Me-too-Strategie“ nachahmt. Vielmehr sind Mittelständler im Interesse der Existenzsicherung gezwungen, als Strategieführer aktiv zu agieren und selbst Wachstumsstrategien zur Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolges zu entwickeln.71

Hungrige Wettbewerber versuchen gezielt, ihre Position auf Kosten der Konkurrenz zu vergrößern. In zahlreichen Märkten der Industrienationen ist die Sättigungsphase bereits erreicht. Die Ausstattung der Verbraucher mit Konsumgütern und der Industrie mit Investitionsgütern befindet sich auf einem sehr hohen Niveau. Die Folge sind sinkende Margen aufgrund gesteigerter Wettbewerbsintensität. Wird keine Wachstumsstrategie entwickelt und bleiben die Umsätze in solchen Märkten konstant, erzielen die Unternehmen zwangläufig geringere Gewinne.72 Stagnation führt in gesättigten Märten zu Rückschritt.73

2.5.2 Wachstumsstrategien

Wachstum lässt sich nach Ansoff (1965), wie folgende Abbildung veranschaulicht, durch die Strategien Marktdurchdringung, Produktentwicklung, Marktentwicklung und Diversifikation erreichen.74

Abb. 6 Produkt-Markt-Matrix nach Ansoff

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Welge/Al-Laham, 2001, S. 438.

Ziel der Marktdurchdringungsstrategie ist es, mit bestehenden Produkten auf einem bestehenden Markt durch Erhöhung des Abs.es zu wachsen. Erreicht werden kann dies über eine Intensivierung der Marketingaktivitäten. Hierzu zählen beispielsweise die Erhöhung des Werbebudgets, die Schulung von Verkaufspersonal oder die Nutzung zusätzlicher Distributionskanäle.75

Bei der Produktentwicklungsstrategie wird der bisherige Markt über die Neuentwicklung von Produkten bedient.76 Zu unterscheiden sind hier die Produktentwicklung zum Zwecke der Sortimentserweiterung und der Produktssubstitution. Unabhängig davon welchem dieser beiden Stränge der Produktentwicklung nachgegangen wird, erfordert diese Strategie eine Intensivierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten.77

Sollen bereits entwickelte Produkte auf neuen Märkten abgesetzt werden, so spricht Ansoff (1965) von einer Marktentwicklungsstrategie. Diese Strategie ist stark vertriebsorientiert und zielt darauf ab, neue Abnehmergruppen anzusprechen, neue Distributionskanäle zu eröffnen und neue Märkte zu erschließen.78

Versucht ein Unternehmen, neue Produkte auf bisher nicht bearbeiteten Märkten zu platzieren, so geht es einer Diversifikationsstrategie nach. In Abhängigkeit von der Positionierung der neuen Produkte in der Wertschöpfungskette können horizontale, vertikale und konglomerate Diversifikation unterschieden werden. Bei Produkten auf derselben Wertschöpfungsstufe handelt es sich um eine horizontale Diversifikationsstrategie. Ist das neue Produkt in der Wertschöpfungskette vor- oder nachgelagert, spricht man von einer vertikalen Diversifikationsstrategie. Konglomerate Diversifikationsstrategien zielen auf Produkte ab, die keinen Bezug zu den bisherigen Produkten haben.79

Bei der Festlegung von Wachstumsstrategien mittelständischer Unternehmen stellt sich zudem die Frage, auf welchem Wege das Wachstum realisiert werden soll. Es lassen sich internes80 und externes Wachstum unterscheiden. Internes Wachstum erfolgt von innen heraus und bietet den Vorteil, dass das Wachstum innerhalb bekannter Strukturen erfolgt. Externes Wachstum erfolgt über eine Firmenakquisition. Externes Wachstum ist zwar schneller zu realisieren als organisches Wachstum, birgt dafür aber ein höheres Risiko eines Misserfolges.81

Unabhängig von der Art der gewählten Wachstumsstrategie und dem Wachstumsweg82 lässt sich Wachstum nur realisieren, wenn ausreichend finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Wachstumsziele erfordern massive Ressourceneinsätze, welche je höher ausfallen, desto höher die geplante Wachstumsrate und desto schneller die Marktdurchringung erfolgen soll.83 Zwar stellen die finanziellen Ressourcen nicht den alleinigen Schlüsselfaktor für den Erfolg einer Wachstumsstrategie dar, sie sind jedoch in der Regel ein strategischer Engpassfaktor.84

Laut einer Studie des DSGV aus dem Jahre 2005 planen rund 18 % der mittelständischen Unternehmen in Deutschland ihrer Wettbewerbsposition durch Expansion zu stärken. Rund 25 % dieser Unternehmen möchten dieses Wachstum im Ausland erzielen.85

2.5.3 Bestimmung des Finanzierungsbedarfs

Wachstumsprojekte zur Erzielung von organischem Wachstum erfordern meist erhebliche Vorinvestitionen in Forschung und Entwicklung, Know-how, Marktforschung, Aufbau von Verkaufs- und Vertriebsorganisation, Werbung und/oder externe Beratung. Parallel zu diesen Vorleistungen müssen fast immer auch die bisherigen Fertigungskapazitäten und die Abwicklungs- und Logistikprozesse dem geplanten Wachstum entsprechend erweitert werden. Alle Vorinvestitionen haben die Gemeinsamkeit, dass sie in der Regel erst mittel-oder langfristig einen positiven Cashflow generieren können und mit hoher Unsicherheit behaftet sind.86

Ist die Wachstumsstrategie erfolgreich, so steigen bei anziehenden Umsätzen naturgemäß die Warenlagerbestände und die Debitorenausstände an und somit auch das Working Capital87. Auch hierfür sind bei der Planung des Wachstums weitere finanzielle Ressourcen anzusetzen.88

[...]


1 Vgl. Eschmann, Handelsblatt, 2006, S. b15.

2 Vgl. Marschall/Proissl, Financial Times Deutschland, 2006, S. 23.

3 Vgl. Plankensteiner/Rehbock, ZfK, 2005, S. 24.

4 Vgl. Köhler, Handelsblatt, 2006 , S. b01.

5 Vgl. Deloitte & Touche, 2004, S. 9.

6 Vgl. Eschmann, Handelblatt, 2006, S. b15.

7 Vgl. Ernst & Young, 2006, S. 8.

8 Vgl. Plankensteiner/Rehbock, 2005, ZfgK, S. 24.

9 Vgl. Krimphove/Tytko, 2002, S. 4.

10 Vgl. Niederöcker, 2002, S. 19.

11 Auch smal- and medium-sized enterprises (SME) genannt.

12 Vgl. Achleitner/Fingerle, 2004, S. 6.

13 Vgl. Krimphove/Tytko, 2002. S. 4.

14 Vgl. Achleitner/ Fingerle, 2004, S. 6.

15 Vgl. ebenda, S. 6.

16 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 197.

17 Vgl. Niederöcker, 2002, S. 20.

18 Vgl. Achleitner/Fingerle , 2004, S. 9.

19 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 197.

20 Vgl. Achleitner/Fingerle, 2004, S. 7.

21 Im Sinne der obigen Definition des Instituts für Mittelstandsforschung.

22 Vgl. Wöhe/Bilstein, 2002, S.11.

23 Vgl. Bösl/Sommer, 2006, S. 5.

24 Vgl. Busse, 2003, S. 63.

25 Vgl. Perridon/Steiner, 2004, S. 360 ff..

26 Vgl. Busse, 2003, S. 64.

27 Vgl. Perridon/Steiner, 2004, S. 360.

28 Vgl. ebenda, S. 359.

29 Vgl. Busse, 2003, S. 40.

30 Vgl. Künting/Dürr, DB, 2005, S. 1529.

31 Vgl. Weber, 2005, S. 32.

32 Vgl. Perridon/Steiner, 2004, S. 390 f..

33 Eine Erläuterung der in Abb. Bearbeitung nicht statt.

34 Siehe Kapitel 2.1.

35 Vgl. Tytko, 1999, S. 1. 4. genannten Instrumente der Außenfinanzierung findet im Rahmen der

36 Vgl. Ernst & Young, 2006, S. 11.

37 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 157 f..

38 Vgl. ebenda, S. 159.

39 Vgl. Plankensteiner/Rehbock, ZfK, 2005, S. 24.

40 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 140.

41 Vgl. DSGV, 2005. S. 31.

42 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 142.

43 Erst seit 2001 gilt ein einheitlicher Steuersatz von 25 % auf die Gewinne von Kapitalgesellschaften.

44 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 144.

45 Vgl. Ahrweiler/Börner, 2003, S. 37.

46 Vgl Tytko, 1999, S. 1.

47 Vgl. Niederöcker, 2002, S. 21.

48 Vgl. ebenda, S. 22.

49 Vgl. Krimphove/Tytko, 2002, S. 6.

50 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 144.

51 Vgl. Tytko, 1999, S. 48.

52 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 144 f.

53 Vgl. Achleitner/Fingerle, 2004, S. 19.

54 Vgl. Niederöcker, 2002, S. 22.

55 Vgl. Achleitner/Fingerle, 2004, S. 19 sowie DSGV, 2005, S. 31.

56 Vgl. Ahrweiler/Börner, 2003, S. 14.

57 Vgl. Ahrweiler/Börner, 2003, S. 14.

58 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 142.

59 Vgl. ebenda, S. 143.

60 Hierzu zählen die Sparkassen und die Landesbanken.

61 Allein die Sparkassen zählen nach eigenen Angaben rund 75 % des Mittelstandes zu Ihren Kunden. Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 143.

62 Vgl. Engel/Kohlberger/Paffenholz/Plattner, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 143.

63 Da die Bundesländer im Rahmen der Gewährträgerhaftung für Verluste ihrer Sparkassen eintreten, haben Sparkassen und Landesbanken aus Sicht des Kapitalmarktes die gleiche erstklassige Bonität wie die Bundesrepublik Deutschland.

64 Vgl. Stäglich, 2003, S. 353.

65 Basel II.

66 Vgl. Borger/Stuck, Mittelstandsmonitor, 2006, S. 20 f.f.

67 Vgl. UBS outlook, 2005, S. 18.

68 Vgl. UBS outlook, 2005, S. 18.

69 Vgl. Baum/Coenenberg/Günther, 2004, S. 130 ff..

70 Vgl. Feldmann, Finance, 2006, S. 36 f.

71 Vgl. Bea/Haas, 2005, S. 179.

72 Vgl. Schwenker/Bötzel, 2006, S. 12 ff..

73 Vgl. ebenda, S. 11.

74 Vgl. Bea/Haas, 2005, S. 171 ff..

75 Vgl. Welge/Al-Laham, 2001, S. 438 f..

76 Vgl. Bea/Haas, 2005, S. 172.

77 Vgl. Welge/Al-Laham, 2001, S. 438 f..

78 Vgl. ebenda, S. 439.

79 Vgl. Bea/Haas, 2005, S. 172 f.

80 Auch als organisches Wachstum bezeichnet.

81 Vgl. UBS, 2005, S. 21.

82 Im Sinne von internem oder externem Wachstum.

83 Vgl. Baum/Coenenberg/Günther, 2004, S. 202.

84 Vgl. Lauer/Römer, ProFirma, 2006, S. 40 sowie Behr/Gusinde, DST, 2003, S. 153.

85 Vgl. zit.: DSGV, mind 04, 2005, S. 24.

86 Vgl. UBS, 2005, S. 51.

87 Die Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten.

88 Vgl. Dörscher, FB, 2004, S. 162 ff..

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Mezzanine-Kapital für den Mittelstand - Ein wirksames Mittel zur Sicherung von Wachstumschancen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
121
Katalognummer
V67303
ISBN (eBook)
9783638585583
Dateigröße
1199 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ziel dieser Arbeit ist es, Mezzanine-Kapital als innovative Möglichkeit der Finanzierung des Wachstums mittelständischer Unternehmen umfassend vorzustellen und die einzelnen unter dem Oberbegriff Mezzanine-Kapital zu subsumierenden Erscheinungsformen hinsichtlich ihrer potenziellen Wirkung auf die Wachstumsfähigkeit eines Unternehmens zu untersuchen.
Schlagworte
Mezzanine-Kapital, Mittelstand, Mittel, Sicherung, Wachstumschancen
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann (FH) Bekim Asani (Autor), 2006, Mezzanine-Kapital für den Mittelstand - Ein wirksames Mittel zur Sicherung von Wachstumschancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67303

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