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Die Geschichte vom Ganzen Haus - Ein moderner Mythos?

Titre: Die Geschichte vom Ganzen Haus - Ein moderner Mythos?

Dossier / Travail , 2006 , 16 Pages , Note: 2,0

Autor:in: B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann (Auteur)

Sociologie - Habitation et Sociologie urbaine
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Begriffsklärung und zeitliche Einordnung
„Das Haus (Oikos) ist also ein Ganzes, das auf der Ungleichartigkeit seiner Glieder
beruht, die durch den leitenden Geist des Herrn zu einer Einheit werden“ (Brunner
1968: 112).
Der Begriff des „Ganzen Hauses“ steht in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte für
eine unter der autoritären Herrschaft des Hausherrn („pater familias“) stehende, autark
wirtschaftende Hausgenossenschaft. Diese ist gekennzeichnet durch Familie
und Betrieb, also Reproduktion und Produktion, unter demselben Dach und eine
subsistenzwirtschaftliche Ausrichtung, d.h. durch eine geringe Marktverflechtung
(Flüchter o.J.: 1.1.1). Ausschließlich vermittelt über den Hausherrn (bzw. evtl. seine
Witwe) partizipiert der Hausverband an übergeordneten sozialen Verbänden, wie
Dorf, Stadt oder Kirchengemeinde (ebd.).

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Was wird unter dem „Ganzen Haus“ verstanden?

1.1 Begriffsklärung und zeitliche Einordnung

1.2 Bedeutung des „Ganzen Hauses“

2. Die Begründer des Konzepts

2.1 Wilhelm Heinrich Riehl

2.2 Otto Brunner und seine „Neuauflage“

3. Kritik am Konzept des „Ganzen Hauses“

3.1 Das „Ganze Haus“ auf dem Prüfstand

3.2 Unter die Lupe genommen - Wilhelm Heinrich Riehl

3.3 Von der Idealisierung zur Ideologisierung - Otto Brunner unter der Lupe

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das geschichtswissenschaftliche Konzept des „Ganzen Hauses“ auf seine Validität und hinterfragt, ob es sich dabei um eine historische Realität oder um eine idealisierte, teils ideologisch geprägte Konstruktion handelt. Ziel ist es, die soziokulturelle Einordnung des Modells kritisch zu beleuchten und den Einfluss der Begründer, Wilhelm Heinrich Riehl und Otto Brunner, in ihrem jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext zu analysieren.

  • Historische Begriffsklärung des „Ganzen Hauses“
  • Analyse der Ansätze von Wilhelm Heinrich Riehl und Otto Brunner
  • Kritische empirische Überprüfung der Autarkie-These
  • Untersuchung patriarchaler Strukturen und Familienformen
  • Ideologiegeschichtliche Einordnung des Konzepts

Auszug aus dem Buch

3.1 Das „Ganze Haus“ auf dem Prüfstand

Zentrale Fragestellung dieses Kapitels ist nun: War die als „Ganzes Haus“ bezeichnete Lebensform, sozusagen als „anthropologische Konstante“, tatsächlich so weit verbreitet, wie uns die Begründer des Konzepts glauben machen wollen, oder handelt es sich um eine Generalisierung partieller Erscheinungen, die sozialpolitischen Zielvorstellungen unterworfen ist (vgl. Mitterauer 1978: 131)?

Laut Peter Laslett beruht das Konzept des „Ganzen Hauses“ vorwiegend auf Annahmen, die einer Überprüfung nicht standhalten können. Vielmehr sieht er die Anzahl der Dienstboten („sozusagen von bestimmten Haushalten an andere abgetretene Kinder“) in Haushalten als Indikator für deren Einflussreichtum und Wohlstand an, während in ärmeren Familien weniger Geburten, und von diesen wiederum weniger überlebende Kinder anfielen. Somit kann es nicht sein, dass die reine Kernfamilie als Lebensgemeinschaft erst mit der Industrialisierung aufgetaucht ist. Auch bestreitet er, dass Alte, Kranke, Alleinstehende und Notleidende von ihren Familien verlässlich und selbstverständlich mitversorgt wurden (Laslett 1988: 114 ff.). Das Konzept vom „Ganzen Haus“ wird den Familienzyklen innewohnenden Dynamiken in keiner Weise gerecht, denn in Wirklichkeit sind familiäre Strukturen immer zeitlich bedingten, phasenhaften Wandlungsprozessen unterworfen (LeRoy Ladurie 1983: 47 f.).

Anhand einer Reihe verschiedener Datenquellen versucht Michael Mitterauer die „wahren“ Verhältnisse bezüglich früherer Familiestrukturen empirisch zu klären. So lag die durchschnittliche Haushaltsgröße im 16., 17. und 18. Jahrhundert bei etwa 4,7 Personen (zum Vergleich: Heute sind es 2,12 [Statistisches Bundesamt 2005: 11]). Eine Schrumpfung der Haushaltsgrößen lässt sich in keiner der westlichen Industrienationen mit der Industrialisierung in Verbindung bringen, da die Haushalte erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich kleiner werden. Mittlere Haushaltgrößen, etwa zwischen drei und vier Personen, waren auch in vorindustrieller Zeit in den Städten weit verbreitet, während auf dem Land etwas größere Haushalte vorherrschten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Was wird unter dem „Ganzen Haus“ verstanden?: Dieses Kapitel definiert den Begriff als eine autarke Hausgenossenschaft unter der Herrschaft eines Hausvaters und ordnet das Phänomen zeitlich und geographisch ein.

2. Die Begründer des Konzepts: Hier werden Wilhelm Heinrich Riehl als Begründer des Konzepts im 19. Jahrhundert und Otto Brunner als dessen maßgeblicher Vertreter im 20. Jahrhundert vorgestellt.

3. Kritik am Konzept des „Ganzen Hauses“: Dieses Kapitel prüft das Konzept empirisch und ideologiekritisch, wobei insbesondere die mangelnde historische Belegbarkeit der allgemeinen Autarkie und die völkische Instrumentalisierung durch Brunner beleuchtet werden.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass es sich beim „Ganzen Haus“ primär um eine bürgerlich-romantische Idealvorstellung handelt und diskutiert die Notwendigkeit eines mehrdimensionalen Umgangs mit solchen historischen Modellen.

Schlüsselwörter

Ganzes Haus, Wilhelm Heinrich Riehl, Otto Brunner, Haushaltsstruktur, Sozialgeschichte, Patriarchat, Subsistenzwirtschaft, Familienform, Industrialisierung, Volksgeschichte, Ideologiekritik, Historische Familienforschung, Ökonomik, Autarkie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch das geschichtswissenschaftliche Konstrukt des „Ganzen Hauses“ und hinterfragt dessen wissenschaftlichen Wert sowie die ideologischen Hintergründe seiner Entstehung und Rezeption.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die historischen Familien- und Haushaltsstrukturen, die patriarchale Autorität des Hausvaters, die Autarkie von Wirtschaftsverbänden und die ideologische Aufladung dieser Begriffe in der deutschen Geschichtswissenschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, ob das „Ganze Haus“ eine historisch belegbare „anthropologische Konstante“ darstellt oder ob es sich um ein wissenschaftlich fragwürdiges, instrumentalisiertes Konstrukt handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Die Verfasserin nutzt eine Literaturanalyse, um verschiedene geschichtswissenschaftliche Perspektiven und empirische Daten zu vergleichen, die den Wahrheitsgehalt der Thesen von Riehl und Brunner prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Konzepte von Riehl und Brunner sowie eine umfangreiche kritische Auseinandersetzung mit diesen Modellen anhand empirischer Studien zur Haushaltsgröße und sozioökonomischen Realität.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere das „Ganze Haus“, die „Hausväterliteratur“, „Volksgeschichte“ versus „Sozialgeschichte“ sowie die Auseinandersetzung mit der patriarchalen Struktur und der historischen Autarkie.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Otto Brunner?

Die Arbeit zeichnet ein ambivalentes Bild: Während sie Brunner als wichtigen Vertreter würdigt, der die Bedeutung der Hauswirtschaft für die Gesamtwirtschaft hervorhob, kritisiert sie scharf seine ideologische Instrumentalisierung des Konzepts während der Zeit des Nationalsozialismus.

Warum wird das Konzept des „Ganzen Hauses“ als ein „moderner Mythos“ bezeichnet?

Die Bezeichnung verweist darauf, dass das Modell oft als historisch allgemeingültiges Idealbild missverstanden wurde, obwohl empirische Daten belegen, dass die Realität vorindustrieller Haushalte deutlich komplexer und heterogener war.

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Résumé des informations

Titre
Die Geschichte vom Ganzen Haus - Ein moderner Mythos?
Université
Justus-Liebig-University Giessen  (Institut für Wirtschaftslehre des haushalts und Verbrauchsforschung)
Cours
Humanökologische Hypothesen und Theorieansätze
Note
2,0
Auteur
B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
16
N° de catalogue
V67311
ISBN (ebook)
9783638027151
ISBN (Livre)
9783638927390
Langue
allemand
mots-clé
Geschichte Ganzen Haus Mythos Humanökologische Hypothesen Theorieansätze
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
B. Sc. oec. troph. Kristina Bergmann (Auteur), 2006, Die Geschichte vom Ganzen Haus - Ein moderner Mythos?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67311
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Extrait de  16  pages
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