Zukunftsorientierung im Sozialkundeunterricht an beruflichen Schulen. Eine Unterrichtseinheit zum Thema 'Nachhaltigkeit'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

27 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zukunftsorientierung in der politischen Didaktik
1.1 Prinzip der Zukunftsorientierung
1.1.1 Funktionen des Prinzips
1.1.2 Ziele und Inhalte
1.2 Klassische Methoden
1.2.1 Zukunftswerkstatt
1.2.2 Szenariotechnik

2 Unterrichtsplanung zum Lerngebiet 12.2
2.1 Lernziel und Lerninhalt
2.2 Grundintention und Themenfindung
2.3 Sachanalyse
2.3.1 Institutionelle Voraussetzungen
2.3.2 Adressatenanalyse
2.3.3 Lernvoraussetzungen
2.4 Didaktisch - methodische Begründung zum Verlauf
2.5 Unterrichtsverlaufsplanung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Aus der Vergangenheit kann jeder lernen.

Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen.“

(Herman Kahn)

Heutzutage begegnen uns Schreckgespenste wie „Globalisierung“, „Demografischer Wandel“ und „Ressurcenknappheit“ praktisch jeden Tag. Die Medien sind voll von Angstszenarien, was unsere Zukunft betrifft. Schwarzmaler und pessimistische Realisten haben Hochkonjunktur.

Tatsächlich befindet sich unsere Welt in einer Zeit, in der es, anders als in der Vergangenheit, von immenser Bedeutung ist, sich immer schneller weiter zu entwickeln, mit der Masse Schritt zu halten und dabei, vielleicht aus Zeitmangel, nur noch den eigenen Vorteil, oder eigentlich die Angst vor dem eigenen Nachteil, vor Augen zu haben. Das Wohl der Gemeinschaft leidet darunter. In den kurzen Augenblicken, in denen wir Zeit zum Durchatmen und Umsehen haben bemerken wir: Wir steuern auf eine ungewisse Zukunft zu, wir wissen nicht was kommt. Dabei haben wir ein schlechtes Gefühl.

Die Angst vor der Zukunft, wie auch vor allem anderen Ungewissen, lässt sich nur bekämpfen, in dem man versucht, sich mit dem Unbekannten vertraut zu machen. Was bekannt ist, ist berechenbar und dadurch nicht mehr beängstigend.

Wenn wir versuchen, uns alle möglichen Varianten, in denen die Zukunft in Erscheinung treten könnte, vertraut zu machen, können wir uns auf sie einstellen. Wir erkennen, dass nicht die Zukunft uns dominiert, sondern dass wir durch unser Handeln das Aussehen der Zukunft bestimmen.

1 Zukunftsorientierung in der politischen Didaktik

„Unter Zukunftsdidaktik wird ein didaktischer Ansatz verstanden, der die Frage nach der ‚Zukunftsfähigkeit’ der Gattung Mensch und des Planeten Erde als Lebensraum in den Mittelpunkt seiner didaktischen und methodischen Überlegungen stellt sowie eine räumliche und zeitliche Perspektivenerweiterung der politischen Bildung anstrebt.“[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Demographie der Zukunft?

Seit den Fünfziger Jahren existiert der Gedanke der Zukunftsorientierung in der politischen Bildung. Man stellte fest, dass der Fortbestand der Menschheit keineswegs selbstverständlich und für alle Zukunft gesichert ist. Die Erkenntnis war jedoch mehr oder weniger eine rein theoretische.

Doch die aktuellen Umwälzungen in vielen Bereichen des heutigen Lebens, sei es der demografische Wandel oder die Globalisierung, mit all ihren Chancen und Risiken verändert sowohl die Inhalte der modernen Politik als auch deren Funktionsweise. Denkt man beispielsweise an Sicherheitspolitik, so wird es mit zunehmendem internationalen Personenverkehr immer wichtiger, die innenpolitischen Aspekte des Schutzes der Gesellschaft vor etwaigen terroristischen Anschlägen neu zu überdenken. Zugleich müssen neue Strukturen auf internationaler Ebene geschaffen werden, die die Zusammenarbeit der einzelnen Staaten zur Unterbindung des internationalen Terrorismus ermöglichen oder vereinfachen. Eine räumliche Perspektivenerweiterung ist also notwendig.

Eine zeitliche Perspektivenerweiterung meint die Ausweitung der Zukunftsvorsorge auf kommende Generationen. Beispielsweise müssen umweltpolitische Entscheidungen in einer immer schnelllebigeren, industrialisierten Zeit wie unserer die Folgen von Schadstoffemissionen für die Umwelt beachten und die Zukunft für künftige Generationen sichern. Gut zu erkennen ist sowohl die zeitliche als auch die räumliche Veränderung der Sichtweise an den unterschiedlichen Konferenzen und Kommissionen, die sich in den letzten Jahren auf nationaler und internationaler Ebene mit der Thematik befassten. Genannt seien hier die UNO-Konferenzen in Rio (1992) und Kairo (1994), das Kyoto-Protokoll von 1997, oder die Enquete-Kommission „zum Schutz der Erdatmosphäre“ (1995) des deutschen Bundestages.

Die politische Bildung ist hier gefordert. Sie muss die Zeichen der Zeit erkennen und ihre Methodik und Didaktik dem neuen Politikverständnis anpassen. Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartskunde sind nicht mehr die einzigen Leitgedanken in der modernen Welt.

1.1 Prinzip der Zukunftsorientierung

Aus diesen Umständen ergeben sich für die politische Didaktik neue Fragen, auf die es Antworten zu suchen gilt. Die Sondierung möglicher und wünschenswerter Zukünfte, welche zu Utopien und Visionen ausgebaut werden können ist eine davon. Hinzu kommt die Frage nach der Spannweite alternativer Entwickungspfade und den damit verbundenen Gefahren und den Chancen. Es ist zu erörtern, wie ein gesellschaftlicher Konsens bezüglich der prinzipiellen und politischen Richtung aussehen kann und welche gesellschaftlichen Strukturen und Wertvorstellungen die Voraussetzung für eine prinzipielle Umorientierung in Wissenschaft und Forschung, Schule und Bildung, sowie in Gesellschaft und Politik bilden.[2]

1.1.1 Funktionen des Prinzips

In erster Linie dienen didaktische Prinzipien in der politischen Bildung der Selektion und Legitimation für die Identifizierung und Begründung unterrichtsrelevanter Ziele, Inhalte und Methoden. Durch sie wird eine didaktische Perspektive erreicht[3], in dem Lernziele und Lerninhalte miteinander verknüpft werden.

Konkret bedeutet dies für das Prinzip der Zukunftsorientierung, dass aus dem Erkennen der Bedeutsamkeit der Problematik ein pädagogischer Auftrag erwächst. Das Thema wird somit zum legitimen Unterrichtsinhalt. Dem Schüler wird vermittelt, dass aus den Handlungen, die in der Gegenwart ablaufen, die Zukunft entsteht und man dadurch einen direkten Einfluss auf das künftige Leben hat.

Gefährlich ist hierbei eine Fehleinschätzung der Zukunft. Der Pädagoge muss sehr darauf achten, dass er nicht selbst durch Beeinflussung der Schüler deren Zukunftsvisionen im eigenen Sinne verändert. Pädagogik ist nicht gleich Politik und die Entscheidung über das wünschenswerte und menschliche Zukunftsbild muss der öffentlichen Diskussion, und nicht einer dozierten Sichtweise entspringen.

Was aber die Chance einer Zukunftsorientierung in der politischen Bildung darstellt, ist die Möglichkeit, den Blick auf die Gefahren und Risiken der technisch-industriellen Modernisierung zu schärfen und die Bedingungen für die Zukunftsfähgkeit von Mensch und Natur zu klären.[4]

1.1.2 Ziele und Inhalte

Ein wichtiges Ziel ist in diesem Zusammenhang, dass den Schülern der Zukunftsglaube zurückgegeben wird. Um dies zu erreichen ist es die Aufgabe der Schule, brauchbares Zukunftswissen zu vermitteln. Hier stellt sich natürlich die Frage, welches Wissen denn für die Zukunft und die Zukunftsgestaltung von Bedeutung ist. Darüber hinaus ist ebenfalls fraglich, ob es überhaupt möglich ist, dies mit kollektiver Zustimmung zu definieren.

Ziel sollte es also sein, eine Orientierung zu vermitteln, die der Lösung dieses Problems dient.

„Bei der Bestimmung von Zukunftswissen sind Erkenntnisse, Ideen und technische Lösungen gefragt, die dem Aufbau und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen in allen Teilen der Welt dienen, die das friedliche Zusammenleben der Menschen und Nationen fördern und die sozialen und ökonomischen Ungleichgewichte vermindern“[5]

Einen Vorschlag zur Kategorisierung zukunftsrelevanten Wissens liefert Peter Weinbrenner[6]:

- Überlebenswissen – dient der Existenzsicherung von Mensch und Natur
- Risikowissen – dient einer Sensibilisierung auf unsichtbar und schleichend wirkende Risikofaktoren
- holistisches Wissen – ermöglicht ein ganzheitliches, globales und generationenüberschreitendes Denken
- normatives Wissen – zur Ausbildung ethischer, human-, umwelt-, und sozialverträglicher Konsensfähigkeit
- politisches Wissen – ermöglicht politisches Handeln im Sinne einer Zukunftssicherung und Zukunftsgestaltung

1.2 Klassische Methoden

Selbstverständlich können auch im zukunftsorientierten Unterricht viele verschiedene Methoden und Techniken Eingang finden. Der Lehrplan schlägt beispielsweise Exkursionen, Unterrichtsgang oder Expertenbefragung vor[7]. Allerdings gibt es zwei Methoden, welche wie maßgeschneidert zum Prinzip der Zukunftsorientierung passen, nämlich die Zukunftswerkstatt und die Szenariotechnik.

Ein stichpunktartiger Vergleich der beiden Methoden soll eingangs als Orientierungshilfe dienen[8]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.1 Zukunftswerkstatt

„Zukunftswerkstätten sind Zusammenkünfte von Menschen, die in Sorge um die Zukunft der Erde und das Überleben der Menschheit bemüht sind, wünschbare, aber vorläufig auch unmögliche Zukünfte zu entwerfen und deren Durchsetzungsmöglichkeiten zu überprüfen“[9]

Die Idee der Zukunftswerkstatt entstand bereits in den Sechzigerjahren und wurde später von Robert Jungk verfeinert und ausgebaut. Er führte in den Jahren 1986-1988 einige Projekte durch, um im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfahlen die Visionen und Vorstellungen der Bürger zu erfassen. Seit dieser Zeit gilt die Methode Zukunftswerkstatt als etabliert und wird auch an Schulen, Hochschulen und in der Aus- und Weiterbildung verwendet.

Die Zielsetzungen und Merkmale der Methode Zukunftswerkstatt lassen sich wie folgt beschreiben[10]. Sie ist:

[...]


[1] Weißeno, Georg (1999): Lexikon der Politischen Bildung, Band 1. München: Wochenschau-Verlag. S. 272f

[2] Weißeno, Georg (1999): Lexikon der Politischen Bildung, Band 1. München: Wochenschau-Verlag. S. 273

[3] vgl. Sander, Wolfgang (Hrsg.), (1997): Handbuch politische Bildung, Bonn: Wochenschau-Verlag. S. 129

[4] Sander, Wolfgang (Hrsg.), (1997): Handbuch politische Bildung, Bonn: Wochenschau-Verlag. S. 130

[5] Sander, Wolfgang (Hrsg.), (1997): Handbuch politische Bildung, Bonn: Wochenschau-Verlag. S. 131

[6] vgl. Sander, Wolfgang (Hrsg.), (1997): Handbuch politische Bildung, Bonn: Wochenschau-Verlag. S. 131

[7] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Lehrplan für Berufsschule und Berufsfachschule, Unterrichtsfach Sozialkunde. PDF-Format, Stand: 20.10.2006. S. 22 http://www.isb.bayern.de/isb/download.asp?DownloadFileID=828b231ebbad73380edb1120db018ab0

[8] Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), (1995): Verantwortung in einer unübersichtlichen Welt. Bonn: BpB, S. 418

[9] Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), (1995): Verantwortung in einer unübersichtlichen Welt. Bonn: BpB, S. 407

[10] vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), (1995): Verantwortung in einer unübersichtlichen Welt. Bonn: BpB, S. 409

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Zukunftsorientierung im Sozialkundeunterricht an beruflichen Schulen. Eine Unterrichtseinheit zum Thema 'Nachhaltigkeit'
Hochschule
Technische Universität München  (Lehrstuhl für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar Fachdidaktik Sozialkunde
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V67328
ISBN (eBook)
9783638602570
ISBN (Buch)
9783656520061
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Prinzip, Zukunftsorientierung, Sozialkundeunterricht, Schulen, Unterrichtsbeispiel, Thema, Nachhaltigkeit, Hauptseminar, Fachdidaktik, Sozialkunde
Arbeit zitieren
Volker Lankes (Autor), 2006, Zukunftsorientierung im Sozialkundeunterricht an beruflichen Schulen. Eine Unterrichtseinheit zum Thema 'Nachhaltigkeit', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67328

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