Im Mittelpunkt der folgenden Hausarbeit steht die Beschreibung des Schildes des Achilles, die als klassisches Vorbild der Ekphrasis gilt und dem zahlreiche ähnliche Werke und Nachahmungen folgten. Sie verdient deshalb innerhalb der Ilias eine besondere Beachtung. Kapitel eins enthält eine kurze Einführung in die Ekphrasis und ihre Abgrenzung zur descriptio. In Kapitel zwei wird auf den Kontext der Schildfertigung in der Ilias eingegangen. Die verwendeten Materialien, ihre Rolle in der Schildfertigung und die Fertigung des Schildes werden in Kapitel drei dargestellt. Im vierten Kapitel steht die Gestalt des Schildes im Vordergrund - welche Motive auf dem Schild dargestellt sind, wie sie angeordnet sind, und wie man die Motivwahl in einen zeitgeschichtlichen und inhaltlichen Kontext bringen kann. Diese Überlegungen werden ergänzt durch Kapitel 5, welches das Kernstück der Arbeit darstellt und die Erläuterung der einzelnen Motive enthält. Kapitel sechs geht näher auf die Anordnung der Motive zueinander ein. Im siebten Kapitel wird eine Interpretation der Motivwahl gegeben. Abschließend wird die Einzigartigkeit bestimmter Details des Schildes hervorgehoben und die Frage aufgeworfen, ob Homer den Schild frei erfunden hat, oder ob er sich an Darstellungen seiner Zeit orientiert hat. Es wird auch darauf eingegangen, welchen Nutzen Homer selber in der Schildbeschreibung sah.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Grundzüge der Ekphrasis und der descriptio
2. Kontext der Schildfertigung in der Ilias
3. Material und Fertigung des Schildes
4. Gestalt des Schildes
5. Der Schild und seine Motive
5.1 Der Himmel
5.2 Die Stadt im Frieden
5.3 Die Stadt im Krieg
5.4 Männer beim Pflügen
5.5 Getreideernte
5.6 Tanz in den Weinbergen
5.7 Hirtenleben
5.8 Reigen
5.9 Der Okeanusstrom
6. Form der Komposition: Ringdichtung
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beschreibung des Schildes des Achilles in Homers Ilias als klassisches Vorbild der Ekphrasis und analysiert, wie der Dichter durch die Verbindung von Wort- und Bildkunst ein umfassendes Weltbild entwirft.
- Grundlagen und Definition der literarischen Gattung Ekphrasis.
- Analyse der Materialität und der herstellungstechnischen Darstellung des Schildes.
- Interpretation der einzelnen auf dem Schild abgebildeten Motive und Szenen.
- Untersuchung der ringförmigen Kompositionsstruktur (Ringdichtung) des Werkes.
- Einordnung des Schildes als ideelles Instrument jenseits seines praktischen Nutzens als Kriegswaffe.
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Stadt im Frieden, B1
Der Fokus rückt ab vom Schaffer des Kunstwerkes und richtet sich ausschließlich auf das Dargestellte, die Stadt im Frieden:
Dann machte er auf ihm, gar schön, zwei Städte irdischer Menschen. In der einen waren Hochzeitszüge zu sehen und Gelage. Da führten sie Bräute beim Fackelschein zu den Kammern durch die Stadt einher, und viel Hochzeitsjubel erschallte. Burschen drehten sich im Tanz, Flöten und Leiern ließen unter ihnen ihre Stimmen vernehmen, und die Frauen standen eine jede an ihrer Türe und schauten zu. Die Männer waren am Markt versammelt. Da erhob sich ein Streit. Zwei Männer stritten um das Wergeld für einen erschlagenen Mann. Der eine gelobte, dass er alles beglichen habe, und tat es dem Volke dar. Der andere leugnete: gar nichts habe er empfangen. Beide verlangten beim Schiedsmann ihr Recht zu empfangen. Und als Eideshelfer hüben und drüben schrien zugunsten der beiden die Leute. Aber Herolde hielten das Volk in Schranken. Indes saßen auf zugehauenen Steinen im heiligen Ring die Alten. Die empfingen von den lauten Rufern, den Herolden, Stäbe in ihre Hände, sprangen damit auf und taten ihren Spruch, einer nach dem anderen. In ihrer Mitte aber lagen zwei Pfunde Goldes zur Gabe für den, der unter ihnen das Recht am geradesten spräche. (18.490-508)
Zuerst bezieht sich Homer wieder auf den Schaffer des Schildes, dann auf den Schild selber: Die Form „machte er“ steht für den Herstellungsprozess. Die nächsten Zeilen widmen sich ausschließlich dem auf dem Schild Dargestellten: Die Hochzeitsfeierlichkeiten finden nicht „auf dem Schild“ statt, sondern „in der Stadt“, so dass der Leser sich praktisch vor Ort fühlt. Dennoch ist das dargestellte Bild ein statisches, da es beschrieben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der Schildbeschreibung des Achilles als Vorbild der Ekphrasis und Überblick über die methodische Vorgehensweise.
1. Grundzüge der Ekphrasis und der descriptio: Definition der Gattung Ekphrasis als literarische Bildbeschreibung und Abgrenzung zum Begriff der descriptio.
2. Kontext der Schildfertigung in der Ilias: Einordnung der Entstehung des Schildes durch Hephaistos in den dramatischen Wendepunkt der Ilias.
3. Material und Fertigung des Schildes: Analyse der verwendeten Metalle und der beschriebenen handwerklichen Techniken bei der Herstellung des Schildes.
4. Gestalt des Schildes: Betrachtung der äußeren Form sowie der mutmaßlichen Anordnung der Motive in konzentrischen Kreisen.
5. Der Schild und seine Motive: Detaillierte Analyse der einzelnen auf dem Schild dargestellten Bildsequenzen von der Weltentstehung bis zum Okeanusstrom.
6. Form der Komposition: Ringdichtung: Untersuchung der Ringstruktur als narrative Technik, die eine inhaltliche und formale Einheit des Gesamtwerkes erzeugt.
7. Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse über die Funktion des Schildes als weltumspannende Idee und als Reflexion der zeitgenössischen Kunst.
Schlüsselwörter
Achilles, Ilias, Homer, Ekphrasis, Hephaistos, Ringdichtung, Schildbeschreibung, Bildkunst, Wortkunst, antike Literatur, Motivwahl, Weltdarstellung, antike Kunst, Mythologie, griechische Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die berühmte Schildbeschreibung des Achilles im 18. Gesang der Ilias unter dem Aspekt der literarischen Ekphrasis.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Zentrum stehen die Verbindung von Wort- und Bildkunst, die Darstellung handwerklicher Prozesse und die symbolische Deutung der auf dem Schild abgebildeten Szenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Homer durch die detaillierte Beschreibung eines fiktiven Kunstwerks ein ganzheitliches Weltbild entwirft, das weit über den funktionalen Zweck einer Waffe hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, um die erzählerische Struktur (Ringdichtung) und die motivgeschichtlichen Hintergründe der Schildbeschreibung zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der physischen Fertigung, der detaillierten Interpretation der einzelnen Motive (vom Himmel bis zum Okeanusstrom) und der kompositorischen Struktur.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ekphrasis, Ringdichtung, Hephaistos, antike Bildbeschreibung und das Verhältnis von Wort und Werk.
In welchem Verhältnis steht der Schmied Hephaistos zur Schildbeschreibung?
Hephaistos wird als göttlicher Schöpfer inszeniert, dessen handwerklicher Prozess eng mit der narrativen Beschreibung des Dichters verknüpft ist, wodurch Schöpfer, Kunstwerk und Dargestelltes eine Einheit bilden.
Welche Rolle spielt die Ringstruktur für die Deutung?
Die Ringstruktur verdeutlicht die Einheit des Schildes und der dargestellten Welt, wobei der Okeanus als äußerster Rand den Anfang und das Ende der Welt sowie des Erzählzyklus markiert.
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- Anne Bacmeister (Author), 2006, Der Schild des Achilles. Zum klassischen Vorbild der Ekphrasis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67349