Der Sachunterricht umfasst eine Fülle von Inhalten, deren Anteil am Unterricht jedoch sehr unterschiedlich ist und sich im Laufe der Zeit auch ändern kann. Im Jahre 2004 veröffentlichte Blaseio eine Untersuchung zu den ‚Entwicklungstendenzen von Inhalten im Sachunterricht’. Sie ergab, dass die physikalischen und chemischen Inhalte in Schulbüchern seit den 70er Jahren rapide abgenommen haben. Weil der Untersuchungszeitraum im Jahr 2000 endete, stellte sich für mich die Frage, wie sich der Anteil der physikalischen und chemischen Inhalte in den Schulbüchern der nächsten Jahre (bis 2005) seitdem weiterentwickelt hat. Um dieser Frage nachzugehen, habe ich vier Lehrwerkreihen, die zwischen 2003 und 2005 erschienen sind, nach den prozentualen Anteilen der physikalisch-chemischen Inhalte analysiert. Außerdem habe ich die Schulbücher danach untersucht, welche genauen Themen (Teilbereiche) sie aus dem physikalisch-chemischen Bereich behandeln. Meine Untersuchung ist dabei so aufgebaut, dass sie eine Weiterführung von Blaseios (vgl. 2004) Untersuchung darstellt.
Die Arbeit werde ich damit beginnen, dass ich darstelle, wie sich der Sachunterricht und so auch die Inhalte des Sachunterrichts seit dem Jahre 1970 entwickelt haben. Diese Entwicklung werde ich bis zur heutigen Zeit verfolgen und schwerpunktmäßig die neuesten Tendenzen in Augenschein nehmen. Im Weiteren stehen Forschungsergebnisse zu den Inhalten des Sachunterrichts im Mittelpunkt, wobei ich, im Hinblick auf meine eigene Untersuchung, vor allem den Entwicklungstendenzen der physikalischen und chemischen Inhalte Beachtung schenke. Im Weiteren stellt sich noch die Frage, warum die physikalischen und chemischen Themen besonders in den 80er und 90er Jahren immer weiter abgenommen haben. Welche Gründe gibt es dafür, sind sie auch heute noch aktuell und kann man sie beheben? Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen, damit die Gründe für die geringe Beachtung der physikalisch-chemischen Inhalte deutlich werden.
Nachdem ich den Forschungsstand und die Problemstellung der physikalischen und chemischen Inhalte dargestellt habe, komme ich zu meiner eigenen Untersuchung, die diese Inhalte in den Schulbüchern des Sachunterrichts analysiert. Im letzten Abschnitt folgt die Darstellung der Ergebnisse meiner Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Tendenzen der Inhaltsentwicklung im Sachunterricht ab dem Jahre 1970 mit einer besonderen Berücksichtigung der physikalischen und chemischen Inhalte
2.1 Der wissenschaftsorientierte Sachunterricht löste die Heimatkunde ab
2.2 Hinwendung des Sachunterrichts zur Grundschulpädagogik
2.3 Die Phase der kritischen Betrachtung der Sachunterrichtsinhalte
2.3.1 Perspektivrahmen Sachunterricht
2.3.2 Entwicklungsforschung
2.3.3 Schulstudien
3. Forschungsergebnisse zu den Inhalten im Sachunterricht mit einem Schwerpunkt auf physikalische und chemische Inhalte
3.1 Entwicklungstendenzen der Inhalte des Sachunterrichts
3.2 Analyse der Inhalte von neuen Lehrplänen (2002-2006)
4. Gründe für den Rückgang der physikalischen und chemischen Inhalte
4.1 Distanzen von Grundschullehrkräften zu physikalischen und chemischen Inhalten des Sachunterrichts
5. Methodik der Schulbuchuntersuchung
5.1 Untersuchungsobjekt
5.1.1 Das Schulbuch als Unterrichtmedium
5.2 Untersuchungsmethode
5.2.1 Vorgehensweise der Untersuchung
6. Untersuchungsergebnisse
6.1 Untersuchungsergebnisse der Teilbereiche
7. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und den aktuellen Stellenwert physikalischer und chemischer Inhalte in aktuellen Schulbüchern des Sachunterrichts. Das primäre Ziel ist es, basierend auf einer Inhaltsanalyse von Lehrwerken der Jahrgänge 2003 bis 2005, zu prüfen, ob sich eine Trendwende hinsichtlich der zuvor beobachteten Abnahme naturwissenschaftlicher Themen abzeichnet, und diese mit historischen Daten in Beziehung zu setzen.
- Analyse der Inhaltsentwicklung im Sachunterricht seit 1970
- Empirische Untersuchung des Anteils physikalisch-chemischer Inhalte in aktuellen Schulbüchern
- Vergleich der Ergebnisse mit früheren Studien und aktuellen Lehrplanvorgaben
- Untersuchung der Ursachen für die Distanz von Lehrkräften zu naturwissenschaftlichen Themen
- Bewertung des Einflusses von Schulstudien und didaktischen Impulsen auf die Schulbuchinhalte
Auszug aus dem Buch
2.1 Der wissenschaftsorientierte Sachunterricht löste die Heimatkunde ab
Die Kritik an der Heimatkunde war am Ende der 60er und am Anfang der 70er Jahre sehr groß. Der Heimatkundeunterricht orientierte sich sehr stark an der heimatlichen Umgebung, was zu einer einseitigen Bevorzugung der Geographie führte. Besonders wurde kritisiert, dass die Heimatkunde den Anforderungen der technischen Gesellschaft nicht genüge. Den naturwissenschaftlichen Inhalten widmete man zu wenig Aufmerksamkeit. Die Gesellschaft wurde stark ideologisch dargestellt und an Traditionen wurde beharrlich festgehalten. „Dem Heimatkundeunterricht lag ein Bildungsideal zugrunde, das – romantisierend und emotional überladen – ein Menschenbild skizzierte, das der Wirklichkeit nicht entsprach.“ Dem Heimatkundeunterricht wurde ferner eine falsche Darstellung von Sachverhalten vorgeworfen. Durch zu viel Orientierung am Kind kam es zu Verniedlichungen von Unterrichtsgegenständen. Die Erklärungsmuster waren nicht fachwissenschaftlich, sondern oft mystisch und magisch. Der Stromfluss wurde zu jener Zeit z.B. durch ‚Strommännchen’ erklärt, die durch die Kabel flitzen. Eine Grundlage für den Fachunterricht in der Sekundarstufe I konnte so nur unzureichend gelegt werden.
In Folge der Kritik entwickelte sich ein wissenschaftsorientierter Sachunterricht, der sich durch die Auffächerung der Inhalte am System der weiterführenden Schulen orientierte. Es kam zur Einführung neuer fachlicher Bereiche (Physik, Technik, Chemie, Sozial- und Wirtschaftlehre). Da die Naturwissenschaften ein hohes Ansehen zu dieser Zeit hatten, setzten sich die naturwissenschaftsbezogenen Inhalte durch. Die Orientierung an der Wissenschaft hatte zur Folge, dass die Orientierung am Kind abnahm. Impulse zu diesen Entwicklungen kamen in den Jahren 1967 bis 1969 sehr stark von den Curricularentwicklungen aus den anglo-amerikanischen Ländern. Diese kamen durch den ‚Sputnik-Schock’ zustande. 1957 gelang es der Sowjetunion erstmals einen künstlichen Satelliten namens ‚Sputnik’ in die Erdumlaufbahn zu bringen. Das Ereignis erzeugte, besonders in den USA, Angst vor einem großen Technologievorsprung der Sowjetunion, der durch eine breitangelegte Bildungsoffensive wieder eingeholt werden sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung bezüglich der Abnahme physikalisch-chemischer Inhalte im Sachunterricht und Beschreibung der methodischen Vorgehensweise der eigenen Untersuchung.
2. Die Tendenzen der Inhaltsentwicklung im Sachunterricht ab dem Jahre 1970 mit einer besonderen Berücksichtigung der physikalischen und chemischen Inhalte: Analyse der historischen Entwicklung des Sachunterrichts, gegliedert in drei Phasen, unter besonderer Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Lehrplaninhalte.
3. Forschungsergebnisse zu den Inhalten im Sachunterricht mit einem Schwerpunkt auf physikalische und chemische Inhalte: Überblick über bisherige Studien zur Inhaltsverteilung im Sachunterricht sowie detaillierte Betrachtung der Entwicklungstendenzen und neuer Lehrplananalysen.
4. Gründe für den Rückgang der physikalischen und chemischen Inhalte: Untersuchung der Faktoren für die vernachlässigte Berücksichtigung unbelebter Natur, insbesondere im Hinblick auf die fachliche Kompetenz und Einstellung von Lehrkräften.
5. Methodik der Schulbuchuntersuchung: Erläuterung des gewählten Untersuchungsobjekts, der Schulbücher, sowie der angewandten Methode der Inhaltsanalyse nach dem Raumanalyse-Verfahren.
6. Untersuchungsergebnisse: Präsentation und Diskussion der eigenen empirischen Befunde zum Anteil physikalisch-chemischer Inhalte in den untersuchten Schulbüchern im Vergleich zu historischen Daten.
7. Schlussteil: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, Diskussion der Trendwende und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im naturwissenschaftsbezogenen Sachunterricht.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Schulbuchanalyse, physikalische Inhalte, chemische Inhalte, unbelebte Natur, Heimatkunde, naturwissenschaftliche Bildung, Lehrpläne, Perspektivrahmen, Inhaltsanalyse, Raumanalyse, naturwissenschaftliche Kompetenz, Grundschule, Didaktik, Bildungsstandards
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des Anteils an physikalischen und chemischen Inhalten in Schulbüchern des Sachunterrichts von 1970 bis zur Gegenwart, mit einem Fokus auf die Jahre 2003 bis 2005.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des Sachunterrichts, den Einfluss von Lehrplänen auf die Unterrichtsinhalte sowie die fachliche und didaktische Rolle von Naturwissenschaften in der Grundschule.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, ob sich die in früheren Studien beobachtete, kontinuierliche Abnahme physikalischer und chemischer Inhalte fortgesetzt hat oder ob eine Trendwende in aktuellen Schulbüchern erkennbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet eine Inhaltsanalyse, konkret das Verfahren der Raumanalyse, um den prozentualen Anteil physikalisch-chemischer Themen in den ausgewählten Schulbüchern exakt zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung seit 1970, die Gründe für den Rückgang naturwissenschaftlicher Inhalte, die methodische Vorgehensweise der Schulbuchuntersuchung sowie die detaillierte Präsentation der eigenen Messergebnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sachunterricht, Schulbuchanalyse, physikalische Inhalte, chemische Inhalte, unbelebte Natur, Bildungsstandards und naturwissenschaftliche Bildung charakterisieren.
Welches Ergebnis erzielt die Untersuchung für den Zeitraum 2003-2005?
Die Untersuchung zeigt, dass der Anteil physikalisch-chemischer Inhalte auf 10,86 % gestiegen ist, was als Beendigung der kontinuierlichen Abnahme und als Trendwende interpretiert wird.
Welche Rolle spielt die Kompetenz der Lehrkräfte bei der Inhaltswahl?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine geringe fachliche Selbsteinschätzung und Distanz der Lehrkräfte gegenüber physikalischen und chemischen Themen ein wesentlicher Grund für deren mangelnde Berücksichtigung im Unterricht ist.
Welchen Einfluss haben Internetangebote laut der Autorin?
Die Autorin sieht in Internetangeboten (wie jenen aus Nordrhein-Westfalen) eine wichtige Unterstützung, um die Hemmschwelle der Lehrkräfte bei der Bearbeitung naturwissenschaftlicher Themen zu senken.
- Quote paper
- Ann-Kathrin Christiansen (Author), 2006, Physikalische und chemische Themen in aktuellen Schulbüchern des Sachunterrichts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67362