Deutschen- und Deutschlandbilder am Beispiel Amerika


Seminararbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Germanenbild von der antike bis zum Mittelalter als Grundlage der amerikanischen Deutschen- und Deutschlandbilder
2.1. Das Bild in der Antike
2.2. Das byzantinische Bild
2.3. Das Bild im Mittelalter

3. Die Anfänge der amerikanischen Deutschen- und Deutschlandbilder
3.1. Die Deutschenbilder in der amerikanischen Literatur
3.2. Deutschenbilder in den amerikanischen Sitcoms und Filmen
3.3. Die Deutschenbilder in der amerikanischen Unterhaltungsmusik

4. Die Deutschenbilder nach Typen und das stereotypisierte Deutschlandbild
4.1. Der Biertrinker in Lederhosen
4.2. Der Militarist
4.3. Der Wirtschaftswunder-Deutsche
4.4. Der Epcot - Deutsche
4.5. Das stereotypisierte Deutschlandbild

5. Schlussbemerkung

Bibliografie

Anhang

1. Einleitung

„Oh großer Geist

bewahre mich davor,

über einen Menschen zu urteilen,

ehe ich nicht eine Meile

in seinen Mokassins gegangen bin.“[1]

In dieser indianischen Weisheit liegt der Kern der folgenden Arbeit, deren Thema die Darstellung und Bewertung der amerikanischen Deutschen- und Deutschlandbilder sein sollen. Dabei beginnt die Betrachtung bereits in der Antike. Das Deutschenbild Amerikas bedeutet gleichzeitig eine Vereinfachung desselben, da dieses - durch die Zusammensetzung des amerikanischen Volkes aus vielen verschiedenen Nationalitäten - nicht einheitlich ist. Das Nationale stellt jedoch dennoch einen äußerst wichtigen Faktor bei der Stereotypenbildung dar. Es prägt die groben Züge des Deutschen- und Deutschlandbildes, während andere Gruppenbindungen die feinen Züge gestalten. Da diese anderen Gruppen - vor allem Frauen, die Intelligenz, die feinen Leute und das Militär - über das Nationale hinaus betrachtet werden müssten und dabei internationale gruppenspezifische Deutschenbilder entstehen würden, so werden in dieser Arbeit nur die durch das Nationale geprägten Stereotypen zur Ermittlung des amerikanischen – und damit nicht internationalen – Deutschen- und Deutschlandbildes betrachtet.[2]

Die verwendeten Begrifflichkeiten des Stereotyps, des Vorurteils und des Images lehnen sich an die Einführung in die IWK an.

2. Das Germanenbild von der Antike bis zum Mittelalter als Grundlage der amerikanischen Deutschen- und Deutschlandsbilder

2.1. Das Bild in der Antike

Bereits in der Antike wird das Germanenbild durch den Kontakt der Germanen mit den Römern in Kampf, Politik und Handel geschaffen. Die Berichte können jedoch nicht als objektiv gewertet werden, da die römischen Soldaten oder Händler diese zu Kriegszeiten, beziehungsweise unter der Betrachtung der Standesunterschiede erstellen. In der Zeit des Christentums tritt nun auch noch der religiöse Standpunkt hinzu. So werden die Germanen als Heiden und Ketzer betitelt. Im Gegensatz zu den Römern stellen sie „unkultivierte, wilde Reichsfeinde“[3] dar. Die „Germania“ des Tacitus ist die Hauptquelle des Germanenbildes. Dieser stiftet mit seinem Werk schon zu dieser Zeit Vorurteile. Er formt das Bild des guten Wilden, wobei er den Germanen als Mitglied eines „reinen, einfachen, naturgemäß lebenden Volkes“[4] idealisiert und mit der Kritik am eigenen römischen Volk verbindet. Tacitus schafft es dennoch auch wertfreie Beobachtungen über das Volk der Germanen zu berichten. Das Land der Germanen erscheint ihm unwirtlich mit den „finsteren Wäldern oder mit wüsten Sümpfen“[5]. Sie prägen das Germanenbild entscheidend mit und gleichen den Motiven der Hirten- oder Schäferdichtung. „Einsam und abgesondert bauen sie sich an, wo eine Quelle, eine Aue oder ein Gehölz ihnen wohlgefällt.“[6] Tacitus berichtet auch, dass bei den Germanen kaum Klassengegensätze bestehen, es ihnen an römischer Schläue und List und der Erfahrung mit Geldgeschäften fehlt. Jedoch wird ihnen auch vorgeworfen, dass sie einen Hang zur Ausschweifung und einen Mangel an rationaler Lebensführung besitzen, zum Beispiel in der Untätigkeit und dem nüchternen Würfelspiel. Besondere Aufmerksamkeit erhält das hemmungslose Essen und Trinken, wobei das Bier bereits zu dieser Zeit Erwähnung findet. Es finden sich auch Berichte, die im heutigen Deutschenbild keinen Eindruck mehr hinterlassen. So wird ihnen damals Unreinlichkeit nachgesagt, wie auch Freigiebigkeit, während dies dem heutigen Stereotypen ganz und gar nicht entspricht. So üben die Berichte des Tacitus über die Stammesgliederung kaum Einflüsse, wie auch die Namen einzelner Völker, Angaben über die Rechtspflege, Heeresausrüstung, Schlachtordnung, usw. . Die Angaben werden durch andere antike Quellen, wie die des Hofhistoriker Velleus Paterculus über Varus, des Geographen Pomponius Mella und des Philosophen Seneca.[7] Bei Caesar wird im Gallischen Krieg noch zusätzlich auf den Hang der Germanen zu Runen und Weissagungen hingewiesen. Auch er hebt das Unverbrauchte, Ungestüme, Wilde dieser hervor und erstmals wird die Tapferkeit, Waffengeübtheit und ihre enorme Körpergröße erwähnt.

Es kann also festgestellt werden, dass zu jener Zeit die große Anzahl der Germanen, deren Leibesgröße, ihre ungebändigte, wilde Leidenschaft, die geringen geistigen Kräfte und die Beschaffenheit der Natur des germanischen Landes zum Bild des Barbaren ohne feinere Sitte, Kultur und Bildung führten.[8]

2.2. Das byzantinische Bild

Dieses Barbarenbild, welches die Germanen von den Römern erhalten haben, wird zur byzantinischen Zeit auf die Deutschen übertragen. Dies geschieht jedoch erst, nachdem diese Vorurteile auch bei anderen Völker Anwendung finden. So bezeichneten zum Beispiel die Griechen die Lateiner als Barbaren und diese die Griechen wiederum als Levantiner. Dabei finden nicht nur die wilden Züge, sondern auch erneut die „Schlemmerei, die Räusche und Trunksucht der Deutschen“[9] Erwähnung. Es treten keine Veränderungen, sondern nur eine Verstärkung der bestehenden Stereotype auf.[10]

2.3. Das Bild im Mittelalter

Im Mittelalter wird alles aus der Sicht Roms betrachtet. So wird zum Beispiel die Plünderung Roms durch die Vandalen den Deutschen angelastet. Sie werden zu jener Zeit oftmals als direkte Nachfahren der brandschatzenden Vandalen, kriegerischen Goten, der Hunnen und der Landsknechte angesehen. Da nun die Einschätzung der Kirchenväter ausschlaggebend ist, werden die Deutschen unter anderem mit den Riesen Gog und Magog aus der Bibel verglichen und als Werkzeug der göttlichen Vorsehung betrachtet. Sie werden außerdem so unbeliebt, weil sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation im Herzen Europas konstituiert und somit die Herrschaftsgelüste dieses Volkes unterbunden werden müssen. Sie werden als prätentiös und größenwahnsinnig benannt und wegen ihrer Truppen gefürchtet. Ein anderer Grundzug der Deutschen - die deutsche Ruhe und Ordnung, Fähigkeit zur Disziplin und Organisation - wird hingegen respektiert und als positiv Eigenschaft erachtet. Das Mittelalter ist möglicherweise auch Ursprung für die Beobachtung des Materialismus der Deutschen, verursacht durch Söldner und Landsknechte, die sich kaufen lassen und somit das Bild des tapferen und rücksichtslos nach Erwerb strebenden Deutschen prägen. Es kann festgehalten werden, dass zur Zeit des Mittelalters deutscher Geiz wie auch deutscher Mut durchaus bekannt waren.[11]

3. Die Anfänge der amerikanischen Deutschen- und Deutschlandbilder

Vom Mittelalter bis ca. 1683 erfolgt nun ein Zeitsprung, da die Anfänge des amerikanischen Deutschenbilds wohl auf die erste deutsche Einwanderung zu dieser Zeit zurückgeführt werden können. Dies ist aus der Literatur, vor allem aber aus Reiseberichten bekannt. 1689 bildet sich dann das deutsche Siedlungsgebiet in Lancaster County „Germantown“ heraus und es sind zuerst die Pfälzer Bauern (Pennsylvania Dutch) aus der Pfalz und Krefeld, die durch ihren Fleiß, ihre Sparsamkeit und Integrationsfähigkeit in Amerika auffallen. Sie sind in amerikanischen Augen jedoch maßlos in Essen und Trinken. Schon zu dieser Zeit sind deutsche Gerichte wie Hamburger, Frankfurter, Pretzels, Zwieback und Pumpernickel weit verbreitet und beliebt, dennoch gelten die Deutschen als völlig unbegabt für feine Sitten und erfreuliche Seiten des Lebens. Die ersten deutschen Jahrmärkte um 1700 sind vor allem durch ihre Lautstärke und die Vorliebe der Veranstalter für Speck und Kraut bekannt. 1747 erfolgt sogar eine Würdigung der Tapferkeit und kriegerischer Qualität der dortigen Siedler durch Benjamin Franklin in einer Flugschrift. Generell hält sich die Neugier der Amerikaner gegenüber der Alten Welt bis auf wenige Persönlichkeiten der höheren Schichten, wie Politiker und Intellektuelle, in Grenzen. So existiert seit Wiederentdeckung der Germania im 16. Jahrhundert und deren Publikation vor allem Stereotyp des trunksüchtigen, kampfeslustigen, aber treuen, besonnen und etwas schwerfälligen Deutschen. Nach einer Reise nach Deutschland 1788 findet auch Thomas Jefferson das Verhalten der Pennsylvania Dutch typisch deutsch.[12] Später treten zwar noch die Eindrücke der deutschen Wissenschaftler, Politiker und Schriftsteller, die aus politischen oder anderen Gründen nach Amerika kommen, hinzu, aber die Eindrücke, die am Anfang entstehen, sind noch immer die bedeutensten.

Belegbar sind diese Erkenntnisse wie bereits erwähnt vor allem durch die Literatur, auf die im Folgenden etwas näher eingegangen werden soll. Da sich die Stereotype auch besonders in der Unterhaltungsmusik und den amerikanischen Sitcoms und dem Fernsehen im allgemeinen zeigen, sollen diese ebenfalls näher beleuchtet werden, um auftretende Stereotype aufzeigen zu können.

3.1. Deutschenbilder in der amerikanischen Literatur

Die Literatur bildet die Grundlage, auf der die Bilder über die Deutschen ab 1683 weitergebaut werden. Dabei müssen die amerikanischen Deutschen- und Deutschlandbilder auf die französischen und englischen Quellen - wegen des Mangels an eigener Literatur - bis zum 19. Jahrhundert zurückgreifen. Selbst später wird sich noch oft auf englische Literatur berufen, noch bevor eigene Berichte angefertigt werden. Das Barbarenbild ist nie ganz verschwunden. Dies wird in der Balladenliteratur des 16. Jahrhunderts deutlich, bei der Schilderung des feudalistischen und rückständigen Deutschen.[13] Ansonsten werden die Deutschen- und Deutschlandbilder zunächst in Form von, unter theologischen und naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten erstellten, Reiseberichten vermittelt, später dann in Romanen und anderen Literaturbereichen und schließlich sogar in Comic Strips. Eine Vielzahl von ihnen, wie zum Beispiel der Reisebericht Mark Twains prägen ein Deutschlandbild, dass für viele heute noch gilt. Es ist das Abbild von Heidelberg, Neuschwanenstein oder ähnlich traditionsreichen, realen Städten, dass sich auch in Disneyland wiederfindet. In ihnen erscheinen aber auch oft Geschichten, die mit Hexerei und Magie in Verbindung gebracht werden, wahrscheinlich angelehnt an die früheren Germanenbilder.[14] In bezug auf das Deutschenbild wird in den frühen amerikanischen Reiseberichten von reichhaltigen Mahlzeiten berichtet und in den Romanen findet sich auch immer wieder der Bezug zu den Gemüsesorten Kraut und Kohl. Eine der Ausnahmereiseberichte kommt von Sir Philipp Sidney, der im 16. Jahrhundert eine Reise nach Sachsen antritt und anschließend in seinem Reisebericht das sächsische Deutsch mit dem Englisch von Oxford und Cambridge gleichsetzt.[15] Dies entspricht wohl kaum mehr den Empfindungen der heutigen Zeit und gehört zu den überholten Deutschenbildern.

[...]


[1] Hein, Siegfried (Hg.) u.a.: Lesezeichen; (1.Aufl.), Stuttgart, (Ernst Klett Verlage GmbH u. Co. KG), 1987, S.61.

[2] Vgl. Koch-Hillebrecht, Manfred: Das Deutschenbild: Gegenwart, Geschichte, Psychologie; (1.Auflage), München, (Beck), 1977, S.146.

[3] Radczun, Dr.Willi: Englisches Urteil über die Deutschen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts; Berlin, (Ebering),1933, S. 23.

[4] Radczun, S. 23.

[5] Tacitus, P. Cornelius: Germania; in: Werke 1. Deutsch v. Roth, K. W. Berlin u. Stuttgart 1855-1908; in: Koch-Hillebrecht, S.155.

[6] Tacitus, S.157.

[7] Vgl. Radczun, S.23.

[8] Sofern es nicht anders ausgewiesen ist: vgl. Koch-Hillebrecht, S.154-161.

[9] Steinhausen, G.: Die Deutschen im Urteile des Auslandes. Deutsche Rundschau; 1909, 1910,

S.141f; in: Koch-Hillebrecht, S.162.

[10] Sofern es nicht anders ausgewiesen ist: vgl. Koch-Hillebrecht, S.161f.

[11] Sofern es nicht anders ausgewiesen ist: vgl. Koch-Hillebrecht, S. 163f.

[12] Vgl. Zacharasiewicz, Waldemar: Das Deutschlandbild in der amerikanischen Literatur; Darmstadt, (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),1998, S.17-21.

[13] Vgl. Buchloh, Paul G.: Wurzeln der amerikanischen Deutschlandsicht: Typen des Deutschen in der englischen Kultur- und Literaturgeschichte; in: Krampikowski, Frank (Hg.): Interkulturelle Erziehung in Praxis und Theorie; Band 10, Amerikanisches Deutschlandbild und deutsches Amerikabild; (1.Aufl.), Baltmannsweiler, (Verl. Burgbücherei Schneider), 1990, S.72.

[14] Vgl. Galinsky, Hans, Wechselbeziehungen zwischen der deutschen und der amerikanischen Literatur mit Einschluss ihrer „Bilder vom anderen Volk“; in: Kramikowski (Hg.), S.50; vgl. Buchloh, S.80.

[15] Vgl. Buchloh, S.69

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Deutschen- und Deutschlandbilder am Beispiel Amerika
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophisches Institut und Wirtschaftswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Theorie Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V6742
ISBN (eBook)
9783638142458
ISBN (Buch)
9783638786997
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bilder sind nicht enthalten, die Quellen sind trotz dessen angegeben und es darf auch gern selbst dort gestöbert werden
Schlagworte
Stereotype/Vorurteile/Fremdbilder
Arbeit zitieren
M.A. Sina Neumann (Autor), 2002, Deutschen- und Deutschlandbilder am Beispiel Amerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6742

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