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Der Gute und das Böse: Vom Scheitern Gottes an den Übeln der Welt

Title: Der Gute und das Böse: Vom Scheitern Gottes an den Übeln der Welt

Essay , 2003 , 8 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Naujokat (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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An der Frage, wie Gott, wenn er denn allmächtig, allwissend und vor allem allgütig ist, das Übel dieser Welt zulassen kann, scheiden sich die Geister. Während die einen recht schnell darauf verfallen, ihm die Existenz abzusprechen, versuchen die anderen, ihn auf jede erdenkliche Weise zu verteidigen und so ihr eigenes Weltbild aufrecht zu erhalten. Dabei greifen sie auch zu Argumentationen, mit denen man nicht nur den bekannten guten Gott, sondern ebenso sein genaues Gegenteil stützen kann. Wenden wir uns zunächst einmal dem Ausgangsproblem zu und leihen uns die Worte Epikurs, um es treffend darzulegen: „Ist Gott willens, aber nicht fähig, Übel zu verhindern? Dann ist er nicht allmächtig. Ist er fähig, aber nicht willens, Übel zu verhindern? Dann ist er nicht allgütig. Ist er jedoch sowohl fähig als auch willens, Übel zu verhindern? Dann dürfte es in der Welt kein Übel geben!“
Ein schwerwiegendes Problem, fürwahr. Natürlich ließe es sich ganz einfach lösen, indem man auf eine der beiden All-Eigenschaften verzichtete - aber ist ein Gott, der nicht allmächtig ist, noch ein Gott? Zumal in einer monotheistischen Religion? Und ist ein nicht allgütiger Gott noch der des Christentums? Schließlich baut gerade das Neue Testament auf der Vorstellung der Güte und Liebe Gottes auf. Also muss vor allem dem Christen daran gelegen sein, auch das Attribut „allgütig“ auf jeden Fall zu erhalten.
Wie aber will er das tun? Nun, entweder er modifiziert die Ausgangsbehauptungen - dies kann man als Umgehungsversuch verstehen -, oder er schafft es, die Eigenschaften doch noch kompatibel zu machen mittels Brückenthesen. Übliche Brückenannahmen sind die Berufung auf die geordnete Welt, das schöne Universum, die Bildung einer Moral oder die Freiheit des Menschen.
Die „geordnete Welt“ meint dabei, dass eine Welt, die durch Naturgesetze bestimmt wird, einer chaotisch funktionierenden vorzuziehen ist, auch dann, wenn durch diese Ordnung Leid entsteht. Das „schöne Universum“ verweist auf den Gesamtzusammenhang, in dem der einzelne Mensch, aber auch diese Erde steht, und betrachtet diesen als ein riesiges Kunstwerk, das aus Kontrastgründen auch Leid benötigt, um die Schönheit und das Gute umso heller strahlen zu lassen. Ein prominenter Vertreter dieser Theorie ist Leibniz mit seiner „besten aller möglichen Welten“, in der wir leben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangsproblem

2. Rechtfertigungsversuche (Brückenannahmen)

2.1 Die geordnete Welt

2.2 Das schöne Universum

2.3 Die Bildung einer Moral

2.4 Die Freiheit des Menschen

3. Umgehungsversuche (Modifikationen)

3.1 Das Jenseits

3.2 Die Vereinigung von Gott und Menschen im Leid

3.3 Die Privationslehre

3.4 Die Unbegreiflichkeit göttlicher Güte

4. Die Dämonen-Variante

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das klassische Theodizee-Problem: Wie lässt sich die Existenz eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes mit dem massiven Leid in der Welt vereinbaren? Die Autorin analysiert kritisch verschiedene Rechtfertigungsstrategien und zeigt auf, dass diese oft nur zu einem Zusammenbruch des traditionellen Gottesbildes führen.

  • Das logische Problem des Übels nach Epikur
  • Kritische Analyse von Brückenannahmen zur Rechtfertigung Gottes
  • Diskussion von Modifikationsversuchen der göttlichen Eigenschaften
  • Die philosophische Gegenposition: Das Gedankenexperiment eines bösen Dämons
  • Grenzen der menschlichen Ratio in Bezug auf theologische Argumentationen

Auszug aus dem Buch

Die Privationslehre

So radikal formuliert es explizit die These, der wir uns jetzt zuwenden, die Privationslehre. Nach ihr ist Leid überhaupt nicht existent, es gibt lediglich eine Mangel an Gutem – eine „privatio boni“. Es geht hierbei aber nicht um einen sprachlichen Trick im Sinne von „10°C im Sommer sind ein Mangel an Wärme“, sondern dem Leid bzw. dem Schlechten wird auf ontologischer Ebene die Existenz abgesprochen. Dies beruht vor allem darauf, dass quasi im Umkehrschluss zum ontologischen Gottesbeweis Nicht-Existenz als schlecht gewertet wird, etwas vollkommen Schlechtes daher nicht-existent sein muss. Aber auch die Überzeugung, dass alles Seiende gut ist – „omne ens est bonum“ – schließt die Existenz eines schlechten Seienden aus.

Es könnte ja so schön sein; aber warum ist Leid dann eine Säule des Christentums? Wenn Jesus für uns am Kreuz nicht gelitten, sondern nur einen Mangel an Gutem erlebt hat, kann er uns nicht so richtig erlöst haben, zumal es ohne das Schlechte ja auch keine Sünde geben kann. Womit das alles überflüssig gewesen wäre. Und wenn es das Böse bzw. das Leid gar nicht gibt, wieso täuscht Gott es uns dann vor? Schließlich empfinden wir es als schrecklich real, und was ein gerade Erstickender dächte, erzählte man ihm, dass er sich trösten solle, seine Leiden seien gar nicht real, sondern nur eine Einbildung, liegt auf der Hand. Diese Denkweise erscheint in Anbetracht der Realität schlichtweg absurd.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ausgangsproblem: Einführung in die Theodizee-Problematik anhand des Epikur-Zitats und Hinterfragung der Kompatibilität von Gottes Allmacht, Allwissenheit und Allgüte.

2. Rechtfertigungsversuche (Brückenannahmen): Erörterung von Ansätzen wie Naturgesetzen, Ästhetik, Moralbildung und Willensfreiheit, die versuchen, das Leid als notwendiges Übel für ein höheres Ziel zu begründen.

3. Umgehungsversuche (Modifikationen): Auseinandersetzung mit radikaleren Lösungsansätzen, die entweder das Jenseits, die göttliche Empathie, die Leugnung der Existenz des Leids oder die Unbegreiflichkeit Gottes anführen.

4. Die Dämonen-Variante: Anwendung der gleichen logischen Stringenz, die für einen guten Gott genutzt wird, auf das Szenario eines bösen Dämons, um die Absurdität der Rechtfertigungsmuster aufzuzeigen.

5. Fazit: Zusammenfassendes Urteil, dass keine logisch befriedigende Antwort existiert, die das traditionelle Gottesbild unversehrt lässt.

Schlüsselwörter

Theodizee-Problem, Leid, Allmacht, Allgüte, Epikur, Privationslehre, Religionsphilosophie, Gottesbild, Willensfreiheit, Moral, Theismus, Jenseits, Christentum, Existenz, Ontologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Herausforderung, die Existenz eines vollkommenen Gottes mit der offensichtlichen Präsenz von Leid und Bösem in der Welt in Einklang zu bringen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Theodizee, die Analyse von Argumentationsstrukturen in der Religionsphilosophie sowie die kritische Reflexion religiöser Grundannahmen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die gängigen Rechtfertigungsstrategien (Theodizee-Modelle) auf ihre logische Konsistenz zu prüfen und die Frage zu klären, ob ein traditionell definierter Gott angesichts des Leids überhaupt existieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine analytische philosophische Argumentationsweise, die logische Schlussfolgerungen und die Prüfung von Gegenargumenten (z.B. durch das Dämonen-Szenario) in den Mittelpunkt stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Brückenannahmen (wie Willensfreiheit oder Naturgesetze), Umgehungsversuche (wie die Privationslehre) und einen Vergleich mit einer hypothetischen Dämonen-Theorie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere das Theodizee-Problem, die Privationslehre, die All-Eigenschaften Gottes sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Willensfreiheit.

Wie bewertet die Autorin die Privationslehre?

Die Autorin stuft die Privationslehre, die das Leid lediglich als Mangel an Gutem definiert, als realitätsfern und in sich widersprüchlich ein, da sie den Kern christlicher Leidensvorstellungen entleert.

Warum zieht die Autorin den Vergleich mit einem „bösen Dämon“?

Der Vergleich dient als rhetorisches und logisches Mittel, um aufzuzeigen, dass die Strukturen, mit denen man Gottes Güte verteidigt, genauso gut genutzt werden könnten, um die Bösartigkeit eines Dämons zu „beweisen“.

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Details

Title
Der Gute und das Böse: Vom Scheitern Gottes an den Übeln der Welt
College
Technical University of Braunschweig  (Seminar für Philosophie)
Grade
1,3
Author
Katrin Naujokat (Author)
Publication Year
2003
Pages
8
Catalog Number
V67430
ISBN (eBook)
9783638599993
ISBN (Book)
9783656804420
Language
German
Tags
Gute Böse Scheitern Gottes Welt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Naujokat (Author), 2003, Der Gute und das Böse: Vom Scheitern Gottes an den Übeln der Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67430
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