Denkt man an das Mutterbild des Nationalsozialismus, so fällt einem unweigerlich das „Mutterkreuz“ als Prämie für viele Kinder ein. Auch die Vorbilder populärer Nazi-Frauen wie Magda GOEBBELS mit ihren sieben Kindern kommen einem in den Sinn. Aber war eine hohe Zahl an Kindern schon alles, was die Nationalsozialisten von einer guten Mutter erwarteten? Und kann das bloße Viel-Gebären schon als ein politischer Akt gelten?
In dieser Arbeit soll eingebettet in ein Konzept von Mütterlichkeit als sozialer Konstruktion gezeigt werden, wie grundlegend der Mutterkult der Nationalsozialisten für die Rolle der Frau in der damaligen Zeit war. Ich werde mich besonders auf die Mittel konzentrieren, die die NS-Führung zum Erreichen ihrer politischen Ziele einsetzte. Es soll deutlich werden, welch wichtigen Stellenwert der Mutterkult in seiner Verflechtung mit der Gesamtideologie des Nationalsozialismus einnahm.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Mutterrolle im Wandel der Geschichte
3. Das Frauenbild der Nationalsozialisten
3.1 Das allgemeine Frauenbild
3.2 Das Bild der „deutschen Mutter“
4. Der Mutterkult im Dritten Reich und die Mittel seiner Umsetzung
4.1 Deutsches Frauenwerk
4.2 Ehestandsdarlehen
4.3 Muttertag
4.3.1 Kurze Geschichte des Muttertags
4.3.2 Der Muttertag und seine Instrumentalisierung im Nationalsozialismus
4.4 „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“
4.4.1 Die „Schlachten“-Metapher
4.4.2 Voraussetzungen für den Erhalt des Mutterkreuzes
4.4.3 „Kaninchenorden“ – Das Mutterkreuz im Volksmund
4.4.4 Das Mutterkreuz als Kontrollinstrument und Repressionsmittel
4.5 Die Sonderrolle der SS
5. Schlussbemerkung – Erfolg des nationalsozialistischen Mutterkultes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mutterkult im Nationalsozialismus als zentrales Element der NS-Frauenpolitik. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ideal der „deutschen Mutter“ als soziale Konstruktion genutzt wurde, um Frauen im Sinne der rasseideologischen Ziele des Regimes zu instrumentalisieren, und welche propagandistischen sowie repressiven Mittel dabei zum Einsatz kamen.
- Historische Entwicklung des Mutterbildes bis zur NS-Zeit
- Rolle der Frau im nationalsozialistischen Frauenbild
- Funktion und Wirkung von Muttertag und Mutterkreuz
- Verflechtung von bevölkerungspolitischer Ideologie und staatlicher Repression
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Die „Schlachten“-Metapher
Das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ wurde Weihnachten 1938 als bewusste Analogie zum militärischen Eisernen Kreuz geschaffen. Mit ihm sollten „besondere Auszeichnungen auf dem Feld der Geburtenschlacht“ geehrt werden. Diese Gleichsetzung von Krieg bzw. Schlacht und dem Gebären von Kindern „für den Führer“ war ein häufiger Topos in der Propaganda des Nationalsozialismus. Der männlichen Wehrpflicht wurde die gleichwertige weibliche „Gebärpflicht“ gegenüber gestellt, jede Geburt war eine gewonnene Schlacht, da nach Aussage des Reichsärzteführers WAGNER der von der Frau geleistete Einsatz „von Leib und Leben für Volk und Vaterland […] der gleiche [war] wie der des Frontsoldaten im Donner der Schlachten“; ein Buchtitel eines NS-Bevölkerungspolitikers lautete gar „Geburtenkrieg“. In der Stiftungsverlautbarung hieß es, dass das Mutterkreuz „als Auszeichnung für Verdienste deutscher Mütter um das deutsche Volk“ von HITLER verliehen werde. Damit war der eigentlich individuell-private Akt des Kinderkriegens endgültig als politischer Akt uminterpretiert, der als Dienst dem Staat zuliebe erbracht wurde – egal, ob dies den tatsächlichen Gründen der Mutter entsprach (wovon mehrheitlich nicht auszugehen ist) oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Bedeutung des nationalsozialistischen Mutterkultes und dessen Verflechtung mit der NS-Ideologie.
2. Die Mutterrolle im Wandel der Geschichte: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Mutterbegriffs und zeigt, dass das moderne Verständnis von Mutterschaft eine relativ junge, kulturell geprägte Konstruktion ist.
3. Das Frauenbild der Nationalsozialisten: Hier wird dargelegt, wie die Nationalsozialisten traditionelle Rollenbilder aufgriffen und durch rassenideologische Komponenten zum Mutterbild der „Erhalterin der arischen Rasse“ erweiterten.
4. Der Mutterkult im Dritten Reich und die Mittel seiner Umsetzung: Dieser Hauptteil analysiert konkrete Instrumente wie das Deutsche Frauenwerk, Ehestandsdarlehen, den Muttertag und das Mutterkreuz, die zur Durchsetzung des Frauenbildes und zur bevölkerungspolitischen Steuerung dienten.
5. Schlussbemerkung – Erfolg des nationalsozialistischen Mutterkultes: Das Fazit resümiert, dass der Mutterkult zwar propagandistisch wirksam war, bevölkerungspolitisch jedoch kaum die erhofften Ergebnisse brachte und eher in der Etablierung langfristiger Rollenklischees nachwirkte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Frauenbild, Mutterkult, Mutterkreuz, Ehestandsdarlehen, Gebärpflicht, Rassenpolitik, NS-Frauenschaft, Muttertag, Ideologie, Propaganda, Bevölkerungspolitik, Volksgemeinschaft, Frauenrolle, Erbgesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Mutterbild im Nationalsozialismus und untersucht, wie dieses durch einen gezielten Mutterkult und verschiedene staatliche Maßnahmen ideologisch instrumentalisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Mutterrolle, das spezifische Frauenbild der Nationalsozialisten, die Propaganda um das Mutterkreuz und die bevölkerungspolitischen Steuerungsversuche des Regimes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Konzept der Mütterlichkeit im Nationalsozialismus politisch umgedeutet wurde, um Frauen auf ihre Rolle als „Gebärerin für den Führer“ zu reduzieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine sozialwissenschaftlich orientierte historische Analyse, die sich auf die Auswertung von Fachliteratur und zeitgenössischen Quellen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die konkreten Mittel und Institutionen analysiert, mit denen die NS-Führung das Mutterideal im Alltag der Frauen verankerte, darunter das Deutsche Frauenwerk, Ehestandsdarlehen und die Verleihung des Mutterkreuzes.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Mutterkult“, „NS-Frauenpolitik“, „rassenideologische Instrumentalisierung“, „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“ und „Bevölkerungspolitik“ geprägt.
Wie wurde der Muttertag im Nationalsozialismus verändert?
Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den ursprünglich kommerziellen Muttertag, indem sie ihn zu einem nationalen Feiertag erhoben und mit pseudo-religiösen Elementen sowie NS-Ideologie aufluden, um den Mutterstolz propagandistisch zu nutzen.
Welche Funktion hatte das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ über die Auszeichnung hinaus?
Das Mutterkreuz fungierte als politisches Kontrollinstrument. Die notwendige Untersuchung durch Gesundheitsämter diente dazu, „minderwertige“ Erbanlagen zu erfassen und Frauen in das rassenideologische Raster des Regimes einzustufen.
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- Katrin Naujokat (Author), 2003, Das Mutterbild des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67431