Warum werden in einigen wenigen Städten Entscheidungen getroffen, die erheblichen Einfluss auf die gesamte Weltwirtschaft, auf Kultur und auf Politik nehmen? Die vorliegende Arbeit befasst sich mit solchen Städten, den Global Cities, einem neuen Typ von Städten mit transkontinentalem Aktionsradius. Die Entstehung und Bedeutung des Begriffes „Global City“ wird untersucht und die noch relativ junge Forschungsgeschichte dieser besonderen Form der Stadtgeographie beschrieben. Ausführlicher eingegangen wird dabei auf die Weltstadthypothese John Friedmanns, der anhand von sieben Annahmen eine Hierarchie der Weltstädte erstellt hat, auf die Global City-Thesen Saskia Sassens und auf die Arbeiten der GaWC-Gruppe an der Universität Loughborough. Ein Exkurs führt in das Feld der Global City-Region-Forschung, die auch das Umland der neuen Weltwirtschaftszentren einbezieht.
Vor allem sind es drei Städte, die die Global City-Hierarchie anführen, New York, London und Tokio, bei manchen Autoren kommt auch Paris hinzu. Warum es gerade diese Städte sind, um die sich alles zu drehen scheint, soll untersucht werden. Dahinter herrscht reger Wettbewerb, denn die Hierarchie der Weltstädte ist kein starres Gefüge. Westliche und fernöstliche Metropolen buhlen mit Megastädten des Südens um die besten oder zumindest bessere Plätze. Die negativen Folgen der Global City-Werdung, hohe Preise, Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und extreme Ungleichheit, werden dabei bereitwillig in Kauf genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Thematische Einführung
2. Global City – Begriffsbestimmung und -abgrenzung
3. Wissenschaftshistorische Entwicklung der Global City-Forschung
4. Gedanken von Welt – John Friedmanns Weltstadthypothesen
5. Die Global City-These von Saskia Sassen
6. Quod erat demonstrandum – die Arbeiten der GaWC
7. Mehr als die Summe ihrer Teile – Global City-Regions
8. Die Champions League der Global Cities
8.1. New York – das erschütterte Symbol
8.2. London – vom Commonwealth- zum Weltfinanzzentrum
8.3. Tokio – Moloch der Superlative
8.4. Paris – die vierte Macht
9. Gewehr bei Fuß – Global Cities zweiter Ordnung
10. Noch Platz an der Sonne? – Aufstrebende Megastädte des Südens
11. Fazit: Ungleiche Welt voller Glokalitäten
12. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Global Cities" als zentralisierte Knotenpunkte der Weltwirtschaft und analysiert, warum bestimmte Metropolen eine herausragende Stellung im globalen Wettbewerb einnehmen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die Machtverhältnisse und Vernetzungen dieser Städte definieren und inwieweit auch aufstrebende Megastädte oder Städte zweiter Ordnung in dieses Gefüge einzuordnen sind.
- Theoretische Fundierung und Begriffsabgrenzung des Global City-Konzepts
- Wissenschaftsgeschichte der Weltstadtforschung (Friedmann, Sassen)
- Analyse von Weltstadt-Netzwerken durch die GaWC-Gruppe
- Charakterisierung der führenden Global Cities (New York, London, Tokio, Paris)
- Perspektiven auf Global City-Regions und Megastädte des Südens
Auszug aus dem Buch
8.3. Tokio – Moloch der Superlative
Tokio hat es in Eigenleistung zur Global City gebracht, zumindest nach Einschätzung von David Clark: „Its status is largely self-generated because it is physically remote from the Western countries that are the traditional centres of the world economy, and because it was closed to the influx of foreign investment and immigration for many years.“
Konrad Olbricht hatte es bereits 1933 prophezeit: „Wie New York und London die beiden Brückenpfeiler der großen den Atlantik überspannenden Verkehrs- und Kulturbrücke sind, könnte man sich Tokio in der Zukunft als asiatischen Brückenkopf einer werdenden pazifischen Brücke vorstellen, die den Ausbau des Kulturgürtels zu einem geschlossenen Ringe vollenden würde.“
Tokio gilt als das jüngste Mitglied im Global-City-Quartett und hat sich für Bronger längst zum bedeutendsten entwickelt. Trotz gravierender Wirtschaftsprobleme Japans befinden sich in der Hauptstadt noch immer 60 Transnationale Unternehmen und Großbanken – in New York sind es nur 19. Ausdruck des Tokioter Selbstverständnisses ist der 1991 eröffnete Rathauskomplex mit einer Höhe von 243 Meter, vom Architekten Kenzo Tange als „stolzes Gesicht Tokios“ bezeichnet. Dabei ist es eigentlich kein Rathaus, sondern eine Provinzverwaltung. Denn die Stadt Tokio als solche gibt es seit 1943 nicht mehr, nurmehr eine Präfektur, das stört die Tokioter aber wenig: 2005 lebten in den „Stadt“-Bezirken 8.483.000 Menschen, im Ballungsraum Tokio 36,8 Millionen. Diese Anzahl macht Tokio unangefochten zur größten Metropolregion der Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thematische Einführung: Die Einleitung skizziert die Transformation der Weltwirtschaft und die Bedeutung weniger Metropolen als globale Knotenpunkte.
2. Global City – Begriffsbestimmung und -abgrenzung: Dieses Kapitel definiert den Begriff "Global City" und grenzt ihn vom traditionellen Weltstadtbegriff ab.
3. Wissenschaftshistorische Entwicklung der Global City-Forschung: Es wird der Ursprung der Forschung von Patrick Geddes bis hin zu modernen Ansätzen dargelegt.
4. Gedanken von Welt – John Friedmanns Weltstadthypothesen: Die Arbeit erläutert die sieben Hypothesen von John Friedmann, die als Grundlage für viele Städtehierarchien dienen.
5. Die Global City-These von Saskia Sassen: Hier werden die Theorien von Saskia Sassen über die Produktion hochspezialisierter Dienstleistungen in Global Cities analysiert.
6. Quod erat demonstrandum – die Arbeiten der GaWC: Das Kapitel befasst sich mit den empirischen Netzwerkstudien der Globalization and World Cities Study Group.
7. Mehr als die Summe ihrer Teile – Global City-Regions: Hier wird der Fokus von der Kernstadt auf die funktionale Verflechtung von Stadtregionen erweitert.
8. Die Champions League der Global Cities: Eine detaillierte Untersuchung der vier bedeutendsten Metropolen New York, London, Tokio und Paris.
9. Gewehr bei Fuß – Global Cities zweiter Ordnung: Es wird analysiert, welche Städte den Aufstieg zur Global City anstreben und welche Rolle sie im globalen System spielen.
10. Noch Platz an der Sonne? – Aufstrebende Megastädte des Südens: Das Kapitel betrachtet die Entwicklungschancen von Megastädten in Schwellenländern.
11. Fazit: Ungleiche Welt voller Glokalitäten: Die Schlussbetrachtung fasst die Machtstrukturen, Polarisierungen und die Rolle der Global Cities zusammen.
12. Quellen: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Global City, Weltwirtschaft, Weltstadtforschung, Netzwerkmodell, GaWC, Metropolregionen, Globalisierung, Dienstleistungssektor, Stadtgeographie, Urbanisierung, Kommandozentralen, Soziale Polarisierung, Standortvorteil, Megastädte, Kapitalströme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Konzept der "Global Cities" als zentralen Knotenpunkten in der Weltwirtschaft und untersucht deren Bedeutung im globalen Wettbewerb.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die wissenschaftshistorische Entwicklung des Konzepts, die empirische Netzwerkanalyse von Metropolen sowie eine detaillierte Betrachtung führender Weltstädte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, warum Städte wie New York, London, Tokio und Paris als "Global Cities" dominieren und welche Faktoren ihre globale Vernetzung bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse bestehender Forschungsansätze (u.a. Friedmann, Sassen) sowie der Auswertung relationaler Daten der GaWC-Gruppe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Hypothesen, stellt die wichtigsten Akteure und deren Arbeit vor und porträtiert die führenden Metropolen sowie die Dynamiken von Global City-Regions.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Global City, Weltwirtschaft, Netzwerkmodell, Dienstleistungssektor, Globalisierung und Urbanisierung.
Wie unterscheidet sich laut Saskia Sassen die Global City von einer klassischen Weltstadt?
Sassen betont, dass Global Cities nicht nur eine internationale Bedeutung haben, sondern aktiv als strategische Knotenpunkte zur Koordination der globalisierten Wirtschaft fungieren.
Warum ist das Modell der GaWC für die moderne Stadtgeographie so bedeutsam?
Das Modell der GaWC ermöglicht es, durch die Analyse der Standortverteilung globaler Dienstleistungsfirmen relationale Strukturen zwischen Städten sichtbar zu machen, statt nur auf statische Daten zu schauen.
- Quote paper
- Stefan Fößel (Author), 2006, Städte, die die Welt bedeuten. Global Cities als Kommandozentralen der Weltwirtschaft und Metropolen im globalen Wettbewerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67539