Die vier Elemente im Roman 'Die letzte Welt' von Christoph Ransmayr


Hausarbeit, 2006
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1 Einleitung

2 Die vier Elemente in der Stadt Tomi
a Ungeregeltes Auftreten
b Ständige Präsenz

3 Die Funktionen der vier Elemente im Roman „Die letzte Welt“
a Das Feuer
3.1.1 Zerstörung und Tod durch Feuer
3.1.2 Feuer als Abwehrmittel Nasos
3.1.3 Feuer als Übermittler der Geschichten Nasos
b Das Wasser
3.1.4 Wasser als Bedrohung
3.1.5 Leben am Meer als Gewohnheit
3.1.6 Wasser als metaphorisches Element
3.1.7 Nasos Prophezeiung: Weltuntergang durch Flut
b Die Erde
3.1.8 Unterscheidung Rom - Tomi
c Die Luft
3.1.9 Abgrenzung Tomis von der Außenwelt
3.1.10 Luft als Übermittler

4 Das Zusammenwirken der Naturelemente im Roman
a Einbindung der Elemente als sprachliche Mittel
b Inhaltliche Gemeinsamkeiten der Elemente

5 Die vier Elemente aus historischen Blickwinkeln

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang. [...] Ein Orkan, das war die Reise nach Tomi.“[1] Dies ist ein Ausschnitt aus dem Anfang des Romans „Die letzte Welt“ von Christoph Ransmayr. Nicht zufällig ist bereits in diesen ersten Zeilen von einem heftigen Zusammenstoß zweier Naturelemente die Rede. Das Wasser wird dabei durch die Luft, genauer gesagt durch aufgewirbelte Luft in Form eines Orkans, zur lebensgefährlichen Bedrohung für die Menschen auf einem Schiff. Um welches Schiff es sich dabei handelt und woher dieses Schiff kommt, das erfährt der Leser im ersten Abschnitt des Romans noch nicht. Er erfährt aber, dass sich dieses Schiff auf der Reise nach Tomi befindet und dass ein Orkan auf dieser Reise etwas Selbstverständliches ist. Christoph Ransmayr setzt bewusst am Romananfang die Elemente Luft und Wasser ein, damit der Leser die chaotischen Naturverhältnisse unmittelbar mit der Stadt Tomi in Zusammenhang bringt. Noch bevor die Hauptperson Cotta erwähnt und mehr über Tomi erzählt wird, wird die Naturgewalt der Gegend um die noch geheimnisvolle Stadt sichtbar. Im Folgenden wird genauer untersucht werden, in welcher Weise die Naturelemente Luft und Wasser das Leben in Tomi beeinflussen und welche Bedeutungen die Elemente Feuer und Erde tragen. Weiterhin wird dargestellt werden, wie die vier Elemente im Roman zusammenwirken.

2 Die vier Elemente in der Stadt Tomi

a Ungeregeltes Auftreten

Bei der Stadt Tomi handelt es sich um keine „normale“ Stadt, wie man sich eine Durchschnittskleinstadt vorstellen würde. Dem Leser wird bereits auf den ersten Seiten gezeigt, dass vor allem Jahreszeiten und die Naturelemente völlig ungeregelt in Tomi auftreten: „Denn in Tomi hatte man sich von der Welt abgewandt, um das Ende des zweijährigen Winters zu feiern“ (S.9). Ein zweijähriger Winter oder eine lange Trockenheit ist für die Stadt Tomi nichts Außergewöhnliches. Auch die Bewohner dieser Stadt haben sich an die chaotischen Verhältnisse, was den Jahreszyklus betrifft, gewöhnt. So sieht man zum Beispiel den Seiler auch an Frosttagen barfuss laufen (S.9). Blickt man genauer auf den Ablauf der Jahreszeiten im Roman so erkennt man folgenden Ablauf:[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am Anfang des Romans ist vom Ende eines zweijährigen Winters die Rede. Bis zum fünften Kapitel werden keine neuen Aussagen über die Jahreszeit getroffen. Erst am Anfang des fünften Kapitels ist vom Frühling die Rede, der allerdings auch nicht mit viel Sonnenschein und bunten Frühlingsblumen erwacht. Wie es in Tomi kaum anders zu erwarten ist „[kommt] der Mai [...] blau und stürmisch“ (S.97). Extreme Jahreszeiten und ein völlig ungeregeltes Auftreten der Naturelemente sind es, was die Stadt Tomi ausmacht. So folgt auf den ewigen Winter und den stürmischen Frühling im sechsten bis neunten Kapitel ein langer heißer Sommer mit viel Trockenheit: „Das Jahr wurde trocken und heiß wie keines zuvor in den Breiten der eisernen Stadt“ (S.119). Doch auch die plötzliche Hitze macht den Einwohnern Tomis nicht zu Schaffen. Sie sind es gewohnt, sich auf schnell wechselnde oder ewig andauernde Jahreszeiten einzustellen. Auch als der heiße Sommer und die damit verbundene Trockenheit einsetzt „begannen sich die Menschen [...] in die Temperaturen einer unbegreiflichen Wetterlage zu fügen wie zu anderen Zeiten in den Frost und die Eisstürme“ (S.122). Am Ende des neunten Kapitels haben die Bewohner Tomis dann schließlich auch den extremen Sommer hinter sich gebracht und der Herbst setzt, wie in Tomi nicht anders zu erwarten, mit extrem viel Regen ein, der auch in den folgenden Kapitel das dominierende Wetterelement ist.

Im vierzehnten Kapitel des Romans schließt sich dann der Jahreskreis und der Winter kehrt nach Tomi zurück, dieses Mal allerdings nicht mit starken Eis- und Schneefällen, sondern mit Regen und milden Temperaturen: „Der Winter blieb ohne Schnee. Kein Rauhreif verglaste die Zweige.“ (S.267). Christoph Ransmayr lässt den Leser somit einen kompletten Jahreszyklus in Tomi miterleben, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass es sich zeitlich um ein Jahr handeln muss. In der Stadt Tomi dauert selten eine Jahreszeit genauso lang wie die Vorherige. Es können nach einmal Frühling, Sommer, Herbst und Winter auch schon Jahre vergangen sein.

[...]


[1] Im Folgenden wird zitiert: Ransmayr, Christoph: Die letzte Welt. Frankfurt am Main 1991, S.7-8.

[2] Epple, Thomas: Christoph Ransmayr, Die letzte Welt: Interpretation von Thomas Epple. München 1992, S.99.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die vier Elemente im Roman 'Die letzte Welt' von Christoph Ransmayr
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Proseminar: Poetik des Raums
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V67565
ISBN (eBook)
9783638603867
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elemente, Roman, Welt, Christoph, Ransmayr, Proseminar, Poetik, Raums
Arbeit zitieren
Stefanie Stang (Autor), 2006, Die vier Elemente im Roman 'Die letzte Welt' von Christoph Ransmayr, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67565

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