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Eine Interpretation von Thomas Brüssigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“

Title: Eine Interpretation von Thomas Brüssigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“

Seminar Paper , 2005 , 38 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Susan Dankert (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Im Angesicht der momentanen politischen Diskussionen um Hartz IV, Montagsdemonstrationen etc. erlebte auch die Ost-West-Debatte erneut eine ungewöhnlich starke Brisanz. Fünfzehn Jahre nach dem Mauerfall wünscht sich jeder fünfte Deutsche die Mauer zurück - so heißt es einer Forsa-Umfrage der vergangenen Wochen zufolge. Der Stinkefinger von Bernd Görgelein (ein arbeitsloser Ostdeutscher) gen Westen wird deutschlandweit zum Symbol der aufgeladenen Stimmung. Er spricht aus, was viele denken: „[I]n der DDR waren wir glücklicher. Wenn jemand die Mauer wieder aufbauen wollte, würde ich sagen: Ja“. Da fragt man sich, was in den Köpfen der Menschen von statten geht, wenn sie einen solch absurden Wunsch äußern - wohin verschwand das kollektive Gedächtnis, wohin das Bedauern um eine Zeit der Diktatur, Mangelwirtschaft, Eingesperrtheit? Doch darin liegt das Problem - ein kollektiv - deutsches Gedächtnis zur DDR-Vergangenheit gibt es in dem Sinne nicht. Schließlich kam es nie zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Vergangenheit und v.a. dem individuellen Versagen in der DDR-Geschichte seitens der Ostdeutschen. Stattdessen gab es auf der einen Seite Ostalgie-Shows, in denen sich die Ossis selbst feierten und die DDR in knalligem Bunt erstrahlte, während auf der anderen Seite westdeutsche Late-Night-Moderatoren das Publikum mit klischeebeladenen Ossi-Witzen erfreuten. Von Vergangenheitsbewältigung keine Spur - auf beiden Seiten redete man sich die Zeit vor dem Mauerfall schön, man wurde nostalgisch. Genau an diesem Punkt, an dem Gedächtnis aufhört und Erinnerung anfängt, knüpft Brussigs Roman Am kürzeren Ende der Sonnenallee an. Der Stoff des Buches „war ursprünglich ein Filmstoff“, d.h. Brussig schrieb zunächst (gemeinsam mit Leander Haußmann) das Drehbuch zum Film Sonnenallee und entschloss sich, den Stoff erneut im Roman zu verarbeiten. Der Film folgte den „Intentionen des Regisseurs Leander Haußmann, der auf das Kultpotenzial des Stoffes setzte (mit musicalartigen Tanzeinlagen, stilisierten Kostümen usw.)“ wobei Brussig die Erzählung im Nachhinein schrieb, um „zu untersuchen, was Nostalgie eigentlich ist“. 3 Der Rückentext von Am kürzeren Ende der Sonnenallee macht dabei dringlich auf dieses Prinzip der Lektüre aufmerksam: „Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen“.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Literarische Form und Struktur

2.1. Romanstruktur

2.2. Episodische Struktur des Romans

3. Erzähler und Erzählstruktur

3.1. Fokularisierung

3.2. Stellung des Erzählers zum Geschehen

4. Erzählte Zeit und Erzählgeschwindigkeit

4.1.Erzählgeschwindigkeit

4.2. Erzählte Zeit

5. Sprache

5.1. Satzbau

5.2. Umgangs- und Jugendsprache

5.3. Dialekt und Hochdeutsch

5.4. DDR-Wortschatz und Superlativ

5.5. Sprache des Erzählers

6. Motivation, Motivik und Intertextualität

6.1. Motivation

6.2. Motivik und Intertextualität

6.2.1. Motivkomplex Ost-West-Problematik

6.2.2. Motivkomplex “Wunsch nach Westkontakt“

6.2.2.1. Westmusik

6.2.3. Figurengebundene Motivik

6.2.3.1. Motivkomplex Familie Kuppisch

7. Analyse wichtiger “Stellen“ im Roman

7.1. Die Unmöglichkeit der Kritik

7.2. Die Vollmondnacht

7.3. Die Wirkung der Sonnenallee

7.4. Das Wunder der Geburt

7.4.1. Allegorische Lesart der Geburts-Episode

7.5. Das Schlusswort

8. Resumee / Interpretationsansatz

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert Thomas Brussigs Roman "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" unter Berücksichtigung erzähltheoretischer Ansätze. Ziel ist es, die narrative Struktur, die Funktion von Sprache und Motivik sowie die Rolle der Erinnerung im Roman zu untersuchen, um aufzuzeigen, inwiefern der Roman als Verklärung der Vergangenheit fungiert und das deutsch-deutsche Missverständnis reflektiert.

  • Analyse der episodischen Romanstruktur und deren Wirkung auf die Wahrnehmung von Kontinuität.
  • Untersuchung der Erzählweise und der Stellung des Erzählers zur erzählten Welt (DDR).
  • Deutung der sprachlichen Charakterisierung (Umgangssprache, Jugendsprache, DDR-Wortschatz) und des Superlativ-Gebrauchs.
  • Interpretation zentraler Motivkomplexe (Ost-West-Konflikt, Wunsch nach Westkontakt, Familie Kuppisch).
  • Herausarbeitung der allegorischen Bedeutung des Romans im Kontext der deutsch-deutschen Geschichte und der Rolle der Erinnerung.

Auszug aus dem Buch

7.1. Die Unmöglichkeit der Kritik

Die Unmöglichkeit einer Kritik an und in der DDR wird im Rahmen eines Gesprächs zwischen Micha und dem Kulissenschieber erörtert. Die metaphorische Beschäftigung von Sabines Aktuellem impliziert die Fähigkeit, hinter die Kulissen zu blicken und Hintergründe zu durchschauen. Der Parallelismus vom Jonglieren mit Gedanken und dem Jonglieren mit Bällen (vgl. S. 119-120) bestärkt diese Eigenschaft. Der Kulissenschieber beginnt die Diskussion mit einer These bzw. seiner „Faustregel für Kulturprogramme aller Art“ (S. 119): „`Je besser du die Kritik versteckst, desto kritischer kannst du sein`“ (S.119). Das Paradoxe dieser Forderung wird von Micha aufgegriffen und umformuliert: „`Aber das heißt doch: Je mehr Kritik du vorzubringen hast, desto weniger zeigst du sie!`“ (S. 119).

Michas Empörung lässt dabei fast vergessen, dass er durch seine Darbietung vorm Parteimenschen (vgl. S. 80) angesichts einer möglichen Verweisung von der Schule selbst zum Träger dieser Absurdität wurde. Er will sich der Logik des Kulissenschiebers jedoch nicht sofort ergeben: „´Nein […] Wenn man eine fundamentale Kritik hat, dann muß man sie auch laut sagen!`“ (S. 119). Aber der anschließenden Replik des „unermüdlich [J]onglierend[en]“ (S. 120) hat Micha nichts mehr entgegenzusetzen: „´Dann wirst du verhaftet, und alle halten dich für bekloppt, weil du Fundamentalkritik laut gesagt hast. Deine Fundamentalkritik ist dann nur noch das Hirngespinst eines Bekloppten – weswegen sich weiterhin nichts ändern wird`“ (S. 119).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Erläutert die politische Brisanz der Ost-West-Debatte und ordnet den Roman als Auseinandersetzung mit Nostalgie und Gedächtnis ein.

2. Literarische Form und Struktur: Untersucht die episodische Romanstruktur, die eine konsequente Haupthandlung zugunsten von vernetzten Teilhandlungen vernachlässigt.

3. Erzähler und Erzählstruktur: Analysiert den Erzähler und die Fokalisierung, wobei eine Nähe zwischen Erzähler und den Figuren im Kontext der Erinnerung aufgezeigt wird.

4. Erzählte Zeit und Erzählgeschwindigkeit: Betrachtet die vage Zeitgestaltung im Roman, die in keinem direkten Verhältnis zur realgeschichtlichen Zeit steht.

5. Sprache: Untersucht den Einfluss von Jugend- und Umgangssprache sowie DDR-Wortschatz auf die Charakterisierung und Pointierung der Episoden.

6. Motivation, Motivik und Intertextualität: Dekodiert zentrale Motive wie den Ost-West-Konflikt und deren Funktion für die Darstellung der Lebenswelt der Figuren.

7. Analyse wichtiger “Stellen“ im Roman: Analysiert Schlüsselszenen wie die Unmöglichkeit der Kritik, die Vollmondnacht und die allegorische Geburts-Episode.

8. Resumee / Interpretationsansatz: Fasst zusammen, dass der Roman als Verklärung einer Erinnerung zu verstehen ist, die das deutsch-deutsche Verhältnis thematisiert.

Schlüsselwörter

Am kürzeren Ende der Sonnenallee, Thomas Brussig, DDR, Ost-West-Konflikt, Erinnerung, Nostalgie, Romanstruktur, Episodisches Erzählen, Erzähltheorie, Motivik, Identität, Alltag, Jugendliche, Sprache, Allegorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine literaturwissenschaftliche Interpretation des Romans "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" von Thomas Brussig, mit Fokus auf narrative Strukturen und die Thematisierung der deutsch-deutschen Vergangenheit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit, die Rolle der Nostalgie, der Ost-West-Konflikt sowie die Konstruktion von Erinnerung in der Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brussig durch die gewählte Struktur und Sprache eine "Verklärung der Erinnerung" vornimmt und damit die Wahrnehmung der DDR-Vergangenheit kritisch hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse orientiert sich an der literaturwissenschaftlichen Methode, insbesondere unter Verwendung der Ansätze aus "Einführung in die Erzähltheorie" von Martinez/Scheffel.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden Strukturmerkmale, Erzählweise, sprachliche Besonderheiten sowie zentrale Motive (wie Familie Kuppisch oder der Wunsch nach Westkontakt) systematisch analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind neben dem Romantitel und dem Autor insbesondere DDR, Erinnerung, Nostalgie, episodisches Erzählen, Intertextualität und Motivik.

Welche Bedeutung kommt der "Vollmondnacht" im Roman zu?

Die Vollmondnacht wird als zentrales "großes Finale" interpretiert, in dem sich die Handlungsstränge verdichten und die grotesken, fast märchenhaften Ereignisse die Idealisierung der Vergangenheit verdeutlichen.

Warum wird die Geburts-Episode als allegorisch eingestuft?

Die Episode wird als Allegorie auf die Wende verstanden, wobei die technischen Wunder (wie der anspringende Trabbi) mit der politischen Wende und dem historischen Wirken von Michail Gorbatschow in Beziehung gesetzt werden.

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Details

Title
Eine Interpretation von Thomas Brüssigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“
College
University of Rostock
Course
Grundkurs Einführung in die Literaturwissenschaft SS 2003
Grade
2,0
Author
Susan Dankert (Author)
Publication Year
2005
Pages
38
Catalog Number
V67581
ISBN (eBook)
9783638603966
ISBN (Book)
9783656229438
Language
German
Tags
Eine Interpretation Thomas Brüssigs Sonnenallee Grundkurs Einführung Literaturwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susan Dankert (Author), 2005, Eine Interpretation von Thomas Brüssigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67581
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