Zur Bedeutung des Iran im Hinblick auf die Vormachtstellung im Nahen Osten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
21 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die islamische Republik Iran
2.1. Daten & Fakten
2.2. Zur besonderen Bedeutung des schiitischen Islams
2.3. Vom Persischen Reich zur absoluten Monarchie
2.4. Die islamische Revolution
2.5. Skizierung des politischen Systems

3. Einflussbereich Nahost
3.1. Strategische Lage des Iran
3.2. US-Einfluss nach 1945
3.3. Neuzeitimperialismus: Greater Middle East Strategy

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Nahe, bzw. Mittlere Osten steht seit geraumer Zeit im Interesse der Weltöffentlichkeit. Unzählige Krisen und Konflikte erschütterten eine Region, die womöglich nie zur Ruhe kommen wird. Schuld daran sind in erster Linie die riesigen Erdöl- und Erdgasvorkommen, die als Schmiermittel der Weltwirtschaft insbesondere für die westlichen Industrienationen von herausragender Bedeutung sind. Seit dem 2. Welt-krieg versuchen vornehmlich die US-Amerikaner in der Region Fuß zu fassen und stoßen dabei zusehends an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass die USA in fast allen Ländern des Nahen- und Mittleren Ostens über enorme Militärpräsens verfügen. Allerdings offenbart das Desaster im Irak, dass die Strategie des Regimewechsels nicht ohne Folgen bleibt. Auch im vierten Jahr nach dem Sturz Saddam Husseins herrscht Anarchie und Chaos, Irak versinkt in den Wirren des Bürgerkriegs zwischen Sunniten und Schiiten. Allein Syrien und Iran stemmen sich gegen die feindliche Besatzung. Infolge dessen haben beide Staaten von US-Präsident George W. Bush den Status des „Schurkenstaates“ zugewiesen bekommen. Im Falle Irans handelt es sich um ein offenes Geheimnis, dass die USA lieber heute als morgen das Teheraner Regime austauschen und damit die absolute Vormachtstellung in der Region zementieren wollen.

Die folgenden Ausführungen widmen sich der Verdeutlichung der Konflikte im Nahen Osten unter besonderer Berücksichtigung Irans, als letzte Hochburg des regionalen Widerstandes. Einer Hinleitung über die Geschichte Irans, sowie der Bedeutung des schiitischen Islams, folgt die Analyse des US-Einflusses auf Grundlage der „Greater Middle East- Initiative“, bevor der Themenkomplex abschließend insgesamt bewertet, sowie in die aktuelle politische Diskussion eingeordnet wird.

2. Die islamische Republik Iran

2.1. Daten & Fakten

Die islamische Republik Iran in ihren heutigen Grenzen liegt auf dem asiatischen Kontinent und wird im Allgemeinen zur Region des Nahen bzw. Mittleren Ostens gezählt. Das Land erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 1,65 Millionen km2 und ist damit in etwa dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Angrenzende Länder sind die Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Turkmenistan im Norden, Afghanistan und Pakistan im Osten, sowie der Irak im Westen. Im Süden grenzt Iran direkt an den Arabisch-Persischen Golf, der direkten Zugang zum Weltmeer ermöglicht.

Zum heutigen Zeitpunkt leben ca. 68 Millionen Menschen im Iran, davon zwischen neun und 14 Millionen in der Hauptstadt Teheran. Insgesamt lebt 1/3 der Bevölkerung noch in den ländlichen Gegenden, während sich 2/3 in und um die urbanen Ballungsgebiete angesiedelt hat. Im Vergleich zu den überalterten Gesellschaften der westlichen Industriestaaten ist Iran ein sehr „junger“ Staat: Nahezu 50% der Bevölkerung sind nicht älter als 20 Jahre. Im Hinblick auf die im Iran lebenden Volksgruppen ist das Land relativ heterogen. Nur etwa die Hälfte der Einwohner sind Perser, in abnehmender Anzahl kommen Aseris, Kurden, Luren, Balutschen, Araber, Gilaki und Masanderani, Turkmenen, sowie eine Minderheit afghanischer Gastarbeiter und Flüchtlinge hinzu.

Landessprache ist Farsi (neupersisch), die neben Arabisch und Türkisch als größte Kultursprache der islamischen Welt angesehen wird. Obwohl sich die muslimischen Feiertage weiterhin nach dem Mondjahr richten, orientieren sich die Iraner seit 1925 am Sonnenjahr. Beginn des Kalenderjahres ist der 21. März (Frühlingsanfang), Beginn der Zeit-rechnung das Jahr 622 nach Christus.

Mittlerweile ist es im Iran üblich, vorwiegend westliche Kleidung zu tragen. Frauen allerdings müssen den Hedschab tragen, einen schwarz-en Umhang, der Körper und Kopf, einschließlich der Haare, bedeckt. Insgesamt genießt die Frau in der islamischen Republik Iran nicht die gleiche rechtliche Stellung wie der Mann. Sie kann sich beispielsweise nur unter erschwerten Bedingungen vom Mann scheiden lassen, da ihr Zeugnis nur halb so viel Wertschätzung erfährt. Das gesellschaftliche Ansehen einer Frau steigt mit der Geburt eines Kindes, wobei ein Sohn mehr gefeiert wird als eine Tochter. Der Kontakt von Mann und Frau in der Öffentlichkeit wird durch sogenannte Sittenwächter kontrolliert. Außereheliche Kontakte gelten als illegal und werden z. T. strafrechtlich verfolgt. Die Familie spielt eine zentrale Rolle, sie bietet Hilfestellung in allen Lebenslagen und dient als soziale Absicherung. Neugeborene Kinder sind von Geburt an Muslime. Sofern sie nicht durch Arbeit zum Familienunterhalt beitragen müssen, besuchen sie fünf Jahre die Grundschule, sowie im Folgenden vier Jahre Mittel- und drei Jahre Oberstufe. Der Unterricht ist stark traditionell geprägt, der Lehrer gilt weithin als unfehlbar, kritische Fragen gelten als unerwünscht. Obwohl immer mehr Heranwachsende nach dem Abitur einen Studienabschluss anstreben, gelingt es der Regierung kaum, für ausreichend Studienplätze zu sorgen. Gut situierte Iraner schicken ihre Kinder daher in zunehmender Anzahl nach Europa, um ihnen ausreichende Zukunfts-perspektiven zu eröffnen.

Die Tatsache, dass Iran über die drittgrößten Erdöl- und zweitgrößten Erdgasreserven verfügt, bedingt die Abhängigkeit der iranischen Wirtschaft von der Petrochemie. Andere Industriezweige wie z. B. die Textil- oder Baustoffproduktion werden vernachlässigt und sind daher kaum konkurrenzfähig. Die Wirtschaft unterliegt weitgehend staatlicher Kontrolle, lediglich kleinere Unternehmen werden privat geführt. Von den ca. 24 Millionen arbeitsfähigen Iraner arbeiten 45% im Dienstleistungs-sektor, viele davon in Diensten des staatlichen Verwaltungsapparats, 25% im verarbeitenden Gewerbe und 30% in der Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Produktion beschränkt sich aufgrund der natürlichen Gegebenheiten auf wenige Regionen, bzw. extensive Viehhaltung auf kargem Boden. Die Mehrzahl der Industrieanlagen befindet sich im Großraum Teheran. Nach offiziellen Angaben liegt die Arbeitslosigkeit bei ca. 15%, man geht jedoch davon aus, dass weitaus mehr Menschen erwerbslos sind.[1]

2.2. Zur besonderen Bedeutung des schiitischen Islams

Über 95% der iranischen Bevölkerung sind Muslime, Staatreligion ist der Zwölfer-Schia-Islam, dazu EXENBERGER:

„Die Rolle des Iran in der (islamischen) Welt zu verstehen, ist ohne Kenntnisse über den schiitschen Islam nicht möglich.“[2]

Der Überlieferung zufolge entstand der Islam im siebten Jahrhundert, als sich Allah dem Religionsstifter Mohammed offenbarte. Die Sammlung der Offenbarungen wurde mündlich weitergegeben und später schriftlich (im Koran) niedergelegt. Obwohl Mohammed persönlich seinen Schwieger-sohn und Neffen Ali zu seinem Nachfolger auserkoren haben soll, wählte die islamische Gemeinschaft Abu Bakr 632 zum ersten Kalifen. Alis Anhänger fanden sich jedoch nicht mit dieser Situation ab und sammelten sich in der Shiat-Ali, der Partei Alis. In der Folgezeit entbrannte ein wilder Machtkampf um die legitime Nachfolge des Propheten, der im Endeffekt zur Spaltung der Glaubensgemeinschaft in Sunniten und Schiiten führte. Im Gegensatz zu den Sunniten, erkennen die Schiiten die Kalifen weder als weltliche noch als geistliche Führer an, sondern glauben, dass die Prophetennachfolge nur von einem Imam ausgeübt werden kann, da dieser als einziger göttlich legitimiert sei. Ali gilt als leiblicher Verwandter Mohammeds als erster Imam, aus Sicht der Zwölferschiiten folgten darauf noch elf seiner Nachfahren. Der dritte Imam Husain wurde 680 in der Schlacht von Kerbala vom sunnitischen Kalifen Yazid getötet. Der Mord zerstörte die letzten verbliebenen Gemeinsamkeiten und festigte die ideologischen Unterschiede zwischen den beiden Parteien.

Nach dem Tod des elften Imams herrschte große Verunsicherung unter den Schiiten, weil nicht bekannt war, ob dieser tatsächlich einen Sohn hatte. Die Überlieferung besagt jedoch, dass der zwölfte Imam aus Angst vor einer großen Bedrohung in die Verborgenheit entrückt ist und zu einem nicht vorausgesagten Zeitpunkt wiederkehren wird. Von der Rückkehr des Mahdi erwarten die Schiiten die Wiederherstellung der Gerechtigkeit und die Etablierung des wahren Islam.[3]

[...]


[1] vgl. Amirpur, Witzke: „Schauplatz Iran“, Freiburg im Breisgau 2004, S. 11 ff.

[2] Exenberger: „Außenseiter im Weltsystem“, Frankfurt a. M. 2002, S. 83

[3] vgl. Amirpur, Witzke (2004): S. 21 ff.

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Details

Titel
Zur Bedeutung des Iran im Hinblick auf die Vormachtstellung im Nahen Osten
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V67667
ISBN (eBook)
9783638604499
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Iran, Hinblick, Vormachtstellung, Nahen, Osten
Arbeit zitieren
Stefan Bartels (Autor), 2007, Zur Bedeutung des Iran im Hinblick auf die Vormachtstellung im Nahen Osten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67667

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