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Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz' Anton Reiser

Title: Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz' Anton Reiser

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jonas Ole Langner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Karl Philipp Moritz untertitelte seinen Anton Reiser als psychologischen Roman, doch lässt er sich ebenso, und die Forschung tut dies auch in vielen Fällen, als Theaterroman bezeichnen. Dafür gibt es mehrere Gründe: zum einen handelt es sich bei Anton Reiser um „[…] die Geschichte eines von der Theaterleidenschaft besessenen jungen Menschen […]“1; die Bezeichnung als Theaterroman ist demnach inhaltlich gerechtfertigt. Damit beschreibt er ein für die damalige Zeit typisches Phänomen. Es herrschte nämlich eine generelle Theatromanie in der Bevölkerung, die unter anderem auch in GoethesWilhelm Meisterihren Ausdruck findet. Catholy sieht weiterhin, dass sich sogar die Struktur des Romans durch das Theatermotiv ergibt, so endet dieser nämlich, wenn Antons Traum von der Schauspielerei durch die Auflösung der Speichschen Truppe ein Ende nimmt.
Auch der Titel weist schon auf das Theater hin. Einerseits beinhaltet der Nachname Antons den Aspekt des Reisens, der für Schauspieler im 18. Jahrhundert typisch war, da es sich zunächst ausschließlich um Wandertruppen handelte. Außerdem veröffentlichte 1681 ein Geistlicher namens Anton Reiser die Schrift Theatromania, oder Die Wercke der Finsterniß in denen öffentlichen Schau-spielen,die sich eindeutig gegen das Theater und die Schauspielerei richtet. Wenn es sich hier auch um eine negative Haltung zum Theaterspiel handelt, so ist der grundsätzliche Bezug zu selbigem jedoch nicht von der Hand zu weisen. Es ist zunächst überraschend, dass eine das Theater diffamierende Schrift Anton Reiser als Namensgeber diente, wo dieser dem Theater offensichtlich geradezu euphorisch gegenüber eingestellt zu sein scheint. Doch äußert sich in der Titelwahl nicht die Haltung Antons zur Schauspielerei, sondern die zunächst schwankende und sich später als negativ herausstellende des Autors. In dieser sich verändernden Einstellung zeigt sich Moritz’ Zwiespalt zwischen zwei Epochen und ihren unterschiedlichen Denkweisen bezüglich des Theaters.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Situation des Theaters in Deutschland zur Zeit Anton Reisers

III. Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz’ Anton Reiser

III.1 Kindliches Spiel und Kindheit als erste schauspielerische Erfahrungen

III.2 Lektüreerlebnisse als „Theater im Kopf“

III.3 Religion als geistliches Theater

III.4 Schauspielerberuf als Erfüllung der Träume?

IV. Antons Scheitern als Schauspieler

V. Fazit

VI. Bibliografie

VI.1 Primärliteratur

VI.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Funktion des Theaters als psychologischer Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz’ autobiografischem Roman „Anton Reiser“. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Theaterbegeisterung des Protagonisten als Kompensationsmechanismus für soziale Entbehrungen sowie als Versuch der Identitätsfindung dient und worin die Gründe für das letztliche Scheitern Antons als Schauspieler liegen.

  • Die historische Situation des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert
  • Frühe Vorformen der Theaterleidenschaft in Kindheit und Lektüre
  • Die religiöse Praxis als Vorform des schauspielerischen Agierens
  • Machtstreben, Anerkennungssuche und Gemeinschaftssehnsucht als Antrieb
  • Analyse des Scheiterns im Kontext der zeitgenössischen Schauspielanforderungen

Auszug aus dem Buch

III. Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz’ Anton Reiser

„Bereits in Antons Kinder- und Jugendspielen provozieren sich intellektuelle und darstellerische Formen auf fruchtbare Weise: beständig erweitern und veröffentlichen sich seine Spielformen und Spielplätzen [sic!].

Dies darf bei einer Analyse seiner Theaterleidenschaft nicht unbeachtet gelassen werden. Auch Moritz selbst verlangt in seinen „Aussichten zur Experimentalseelenlehre“,

„[…] auf die Erinnerungen aus den frühesten Jahren der Kindheit aufmerksam [zu achten], und nichts für unwichtig [zu] halten, was jemals einen vorzüglich starken Eindruck auf [einen] gemacht hat […].“

Moritz’ Kindheitserinnerungen liegen im Anton Reiser vor, diese zu deuten, ist die Aufgabe dieses Kapitels. Denn die Erkenntnis dieser Vorform teilt Moritz im Gegensatz zu Goethe in Dichtung und Wahrheit nicht selber mit.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Charakterisierung des Romans als „Theaterroman“ ein und umreißt die theoretische Fragestellung im Spannungsfeld zwischen aufklärerischer Position und pietistischem Vorbehalt.

II. Die Situation des Theaters in Deutschland zur Zeit Anton Reisers: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die historische Theaterlandschaft des 18. Jahrhunderts, insbesondere über die Bedeutung der Wandertruppen und den allmählichen Wandel hin zu stehenden Bühnen.

III. Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz’ Anton Reiser: Das Hauptkapitel beleuchtet die Vorformen der Theaterleidenschaft, wie das kindliche Spiel, die Lektüreerlebnisse und den Einfluss der Kirche, und analysiert die psychologischen Motive Antons wie Machtstreben und Gemeinschaftssuche.

IV. Antons Scheitern als Schauspieler: Hier werden die Gründe für den Misserfolg des Protagonisten als Schauspieler erörtert, wobei vor allem der Mangel an objektiver Darstellungskraft und die subjektive, egozentrische Herangehensweise Antons hervorgehoben werden.

V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Theater für den Protagonisten eine notwendige, aber letztlich problembehaftete Zuflucht darstellt, und ordnet die Bedeutung des Romans als didaktisches Dokument ein.

VI. Bibliografie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf, die der Untersuchung zugrunde liegt.

Schlüsselwörter

Anton Reiser, Karl Philipp Moritz, Theater, Schauspiel, Zufluchtsort, Theaterleidenschaft, Autobiografie, 18. Jahrhundert, Rollenspiel, Psychologie, Identitätsfindung, Machtstreben, Theatromanie, Wandertruppen, Aufklärung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die psychologische Rolle des Theaters für den Protagonisten Anton Reiser im gleichnamigen Roman von Karl Philipp Moritz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Theaterleidenschaft als Bewältigungsstrategie, das Machtstreben des Protagonisten, den Einfluss von Kindheitsspielen und Lektüre sowie den soziokulturellen Wandel des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Theater für Anton Reiser als Zufluchtsort vor einer als feindselig empfundenen Realität fungiert und warum seine Bemühungen, im Schauspiel erfolgreich zu sein, zwangsläufig scheitern müssen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine textanalytische Herangehensweise, ergänzt durch die Einbeziehung theatergeschichtlicher Kontexte und literaturwissenschaftlicher Sekundärquellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Theaterleidenschaft in der Kindheit, den Einfluss von Predigt und Lektüre sowie die komplexen psychologischen Antriebe (Macht, Gemeinschaftssuche) hinter dem Wunsch nach einer Schauspielerkarriere.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere „Theaterleidenschaft“, „Zufluchtsort“, „Identitätsfindung“, „Anton Reiser“ und „Psychologischer Roman“.

Inwiefern beeinflusst der pietistische Hintergrund das Denken des Protagonisten?

Der Pietismus prägt Antons Wahrnehmung von Fiktion und Realität; während er einerseits eine kritische Distanz zu „fiktionalen Welten“ lernen soll, nutzt er das Theater andererseits als Ersatz für die im Alltag vermisste „Erbauung“.

Welche Rolle spielt die „Essensmetaphorik“ in Bezug auf das Theater?

Moritz verwendet im Roman eine Essensmetaphorik, die verdeutlicht, dass das Theater für Anton Reiser zu einer lebensnotwendigen „Nahrung“ für seine psychische Konstitution geworden ist.

Warum kann Anton Reiser nicht als „erfolgreicher“ Schauspieler gelten?

Sein Scheitern resultiert primär daraus, dass er das Schauspiel nur zur Befriedigung seines eigenen Egos und seiner subjektiven Gefühle nutzt, anstatt die geforderte objektive künstlerische Darstellungskraft für ein Publikum aufzubringen.

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Details

Title
Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz' Anton Reiser
College
Martin Luther University
Course
Literarische Autobiografien im 18. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Jonas Ole Langner (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V67707
ISBN (eBook)
9783638604673
ISBN (Book)
9783656789604
Language
German
Tags
Theater Zufluchtsort Karl Philipp Moritz Anton Reiser Literarische Autobiografien Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonas Ole Langner (Author), 2006, Theater als Zufluchtsort in Karl Philipp Moritz' Anton Reiser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67707
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