Wirtschaftlicher Wettbewerb wird aus gesamt- und einzelwirtschaftlicher Sicht völlig unterschiedlich bewertet. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist funktionsfähiger freier Wettbewerb das optimale Steuerungs- und Kontrollinstrument. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht übt freier Wettbewerb zunächst nur Leistungsdruck aus, dem sich die Wirtschaftssubjekte durch wettbewerbsbeeinträchtigende Strategien entziehen zu versuchen.1 Eine mögliche wettbewerbsbeschränkende Strategie sind vertikale Beschränkungen, mit deren Hilfe die Mitbewerber auf vertraglicher Basis in ihrer Handlungs- und Entschließungsfreiheit beschränkt werden. Diese Form der Behinderung wird in der Rechtsprechung und ökonomischen Theorie seit Jahren kontrovers diskutiert. Während die Kritiker die wettbewerbsbeeinträchtigen Wirkungen betonen, heben die Befürworter die effizienzsteigernden Wirkungen innerhalb der vertikalen Strukturen hervor.2
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1 Vgl. Olten 1998: 111.
2 Vgl. Sass 2005: 203f.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen vertikaler Beschränkungen
2.1 Begriff und Arten von Behinderungen
2.2 Begriff und Arten von vertikalen Beschränkungen
2.3 Ökonomische Theorien vertikaler Beschränkungen
3 Struktur der amerikanischen Bierindustrie
4 Vertikale Beschränkungen in der amerikanischen Bierindustrie
4.1 Effizienzbasierte Motive
4.1.1 Problem des doppelten Preisaufschlags
4.1.2 Trittbrettfahrerproblem zwischen den Großhändlern
4.1.3 Trittbrettfahrerproblem zwischen Hersteller und Großhändler
4.1.4 Problem der asymmetrischen Informationsverteilung
4.2 Wettbewerbsbeschränkende Motive
4.2.1 Marktschließung
4.2.2 Wettbewerbsdämpfung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Logik, Funktionsweise und gesamtwirtschaftlichen Effekte von vertikalen Beschränkungen, insbesondere unter Berücksichtigung sowohl effizienzsteigernder als auch wettbewerbsbeschränkender ökonomischer Theorien am Beispiel der US-amerikanischen Bierindustrie.
- Analyse der theoretischen Grundlagen und Kategorisierung vertikaler Beschränkungen.
- Untersuchung der Struktur der amerikanischen Bierindustrie als Anwendungsfall.
- Diskussion effizienzbasierter Motive wie der Lösung des doppelten Preisaufschlags und Trittbrettfahrerproblemen.
- Evaluierung wettbewerbsbeschränkender Motive hinsichtlich Marktschließung und Wettbewerbsdämpfung.
- Empirische Einordnung der Nettoeffekte auf die Wohlfahrt.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Problem des doppelten Preisaufschlags
Da in der amerikanischen Bierindustrie sowohl die drei großen Brauereien als auch die Großhändler aufgrund ihrer exklusiven Verkaufsgebiete über Marktmacht verfügen, setzen beide jeweils einen Preis, der über ihren Grenzkosten liegt. Da beide in ihrer Preissetzung den Effekt des Preises auf den Gewinn des anderen nicht berücksichtigen, ruft der daraus resultierende doppelte Preisaufschlag eine vertikale Externalität hervor. Diese Externalität führt zu höheren Endverbraucherpreisen und folglich zu einem niedrigeren Output als der Preis und die Menge, die den aggregierten Profit der Brauereien und des Großhändler maximiert hätte. Verfügen die Einzelhändler ebenfalls über Marktmacht, um einen Preis über ihren Grenzkosten zu setzen, so kann es folglich zu einem Problem des dreifachen Preisaufschlags kommen. Dieses Problem verschwindet erst dann, wenn durch starke Konkurrenz die Endverbraucherpreise auf die gesamten Grenzkosten der Händlerstufe gedrückt werden.
Die Brauereien können das Problem des doppelten Preisaufschlags durch verschiedene Arten lösen. Eine mögliche Form könnte in einer Preisbindung bestehen, bei der die Brauerei einen Einzelhandelspreis pM fixiert. Bei diesem Preis erwirtschaften beide Unternehmen den größtmöglichen Gewinn, wobei die Brauerei über den Großhandelspreis den Gewinn untereinander aufteilen kann. Aufgrund des gesetzlichen Verbots in vielen Bundesstaaten versuchen die amerikanischen Brauereien die Preisbindung durch unverbindliche Preisempfehlungen zu umgehen und üben zu deren Einhaltung wirtschaftlichen Druck auf die Großhändler aus. Die Ausübung wirtschaftlichen Drucks diskriminiert aber die Großhändler und stellt folglich eine unbillige Behinderung dar. Zur Lösung des Problems des doppelten Preisaufschlags gibt es aber weitere wettbewerbskonforme Möglichkeiten wie bspw. die nicht-lineare Preisgestaltung. Hierbei bezahlt der Großhändler zunächst eine fixe Franchisegebühr an die Brauerei. Nach geleisteter Zahlung kann der Großhändler die Produkte der Brauerei zu den Grenzkosten beziehen. Der Großhändler hat dadurch den Anreiz, den Einzelhandelspreis pM zu wählen. Die Franchisegebühr müsste dabei so gesetzt werden, dass beider Gewinn gegenüber dem Status Quo steigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ambivalente Sichtweise auf vertikale Beschränkungen im Wettbewerb und definiert die Zielsetzung der Arbeit, diese anhand der amerikanischen Bierindustrie zu analysieren.
2 Theoretische Grundlagen vertikaler Beschränkungen: Dieses Kapitel liefert die notwendigen Begriffe und definiert sowohl Behinderungspraktiken als auch verschiedene Formen vertikaler Beschränkungen sowie die zugrunde liegenden ökonomischen Theorien.
3 Struktur der amerikanischen Bierindustrie: Es wird die dreistufige vertikale Struktur und das System exklusiver Verkaufsgebiete in der US-amerikanischen Bierbranche dargelegt.
4 Vertikale Beschränkungen in der amerikanischen Bierindustrie: Der Hauptteil analysiert effizienzbasierte und wettbewerbsbeschränkende Motive für vertikale Bindungen, gestützt auf theoretische Modelle und empirische Befunde.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine wettbewerbsbeschränkende Wirkung nicht nachgewiesen werden konnte, während die effizienzsteigernden Effekte durch eine bessere Gesamtversorgung die Wohlfahrt positiv beeinflussen können.
Schlüsselwörter
Vertikale Beschränkungen, Amerikanische Bierindustrie, Exklusive Verkaufsgebiete, Doppelter Preisaufschlag, Trittbrettfahrerproblem, Marktschließung, Wettbewerbsdämpfung, Effizienz, Wohlfahrt, Preissetzung, Großhändler, Brauereien, Informationsasymmetrie, Wettbewerbspolitik, Marktverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die logischen Hintergründe, die Funktionsweise sowie die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von vertikalen Beschränkungen am Beispiel des US-amerikanischen Biermarktes.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomischen Anreizprobleme in vertikalen Strukturen, die verschiedenen Formen von Bindungsstrategien sowie deren Auswirkungen auf Wettbewerb und Wohlfahrt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die kontrovers diskutierten Wirkungen – nämlich ob solche Beschränkungen den Wettbewerb behindern oder die Effizienz steigern – anhand von Theorie und Empirie kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die ökonomische Modelle (wie die Chicago-School-Kritik und neuere Marktschließungsmodelle) auf empirische Ergebnisse aus der amerikanischen Bierindustrie anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in effizienzbasierte Motive (z.B. Lösung von Preisaufschlagsproblemen oder Trittbrettfahrereffekten) und wettbewerbsbeschränkende Motive (Marktschließung und Wettbewerbsdämpfung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind vertikale Beschränkungen, exklusive Bindungen, Marktmacht, Wohlfahrtseffekte, Anreizprobleme und die spezifischen Marktstrukturen der US-Bierindustrie.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "effizienzbasierten" und "wettbewerbsbeschränkenden" Motiven eine so große Rolle?
Weil diese Unterscheidung maßgeblich dafür ist, ob vertikale Beschränkungen kartellrechtlich negativ oder positiv bewertet werden müssen, da einige Motive gleichzeitig beide Wirkungen entfalten können.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor in Bezug auf die amerikanische Bierindustrie?
Der Autor stellt fest, dass in der untersuchten Branche keine Anzeichen für eine wettbewerbsbeschränkende Wirkung (Marktschließung oder Wettbewerbsdämpfung) vorliegen und die Maßnahmen stattdessen eher effizienzsteigernd wirken.
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- Sven Bollmann (Author), 2006, Vertikale Beschränkungen - Logik, Funktionsweise und gesamtwirtschaftliche Effekte am Beispiel der amerikanischen Bierindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67728