Anfang 2004 rückte das Thema der Eliteuniversitäten erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Aufgeschreckt durch den schlechten internationalen Vergleich sollen sie eines von vielen Heilmittel gegen die umgreifende Bildungsmisere sein. Die Diskussion ist nicht neu. Bereits in den 80ziger Jahren wurde der Ruf nach Eliteuniversitäten, nach angelsächsischem Vorbild, laut. Gängig ist ebenfalls die Gegenargumentation, dass eine solche Hochschulform, wie sie Harvard, Oxford, Princeton oder Yale darstellen, nicht der deutschen Tradition und der deutschen Hochschullandschaft entspricht.
Dennoch besteht die Sehnsucht nach international strahlenden „Leuchttürmen der Wissenschaft“. Für die Umsetzung stehen verschiedene Konzepte zur Verfügung. Die SPD plädierte für die Gründung mehrerer Spitzenuniversitäten, während die Opposition die Idee eines „Exzellenznetzwerkes“ favorisierte. Bei diesem sollen statt ganzer Hochschulen nur einzelne Fakultäten oder Fachbereiche gefördert werden. Das Ergebnis ist bis jetzt ein Kompromiss, bei dem Gelder für zehn Elite-Universitäten bereitgestellt werden sollen. Von 2006 an bis 2011 sollen 1,9 Milliarden Euro zur Förderung der Eliteuniversitäten bereitstehen. Der Erhalt von Mittel für die Hochschulen ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, die im Laufe dieser Arbeit erläutert werden sollen.
Zum Thema der Elitendiskussion kommt zusätzlich die anhaltende Debatte um Studiengebühren, die auch mit den Spitzenuniversitäten in Verbindung stehen. Braucht Deutschland wirklich Zentren der Elitenbildung, oder sind diese nicht längst vorhanden? Muss die Bundesrepublik sich zwischen Breiten- und Spitzenförderung entscheiden, um international anerkannte Wissenschaftszentren aufzubauen? Ist der Preis dafür eine weitere soziale Selektion?
Der Blick ins Ausland soll dabei nicht ausbleiben. Die ausländischen Eliteuniversitäten, auf die so neidisch geblickt wird, haben zum Teil eine jahrhundertlange Tradition und sind nicht auf Beschluss einer Regierung entstanden, sondern haben sich aus sich selbst heraus entwickelt. Ihr System der Finanzierung und soziales Konzept sollen, im Hinblick auf die Unterschiede zum deutschen System ebenfalls kurz vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort:
2. Elitehochschulen in Deutschland
2.1 Spitzenuniversitäten oder Exzellenznetzwerke
2.2 Angebot und Nachfrage
3. Finanzierungskonzepte
4. Soziale Selektion
4.1 Spitzenförderung zu Lasten der Breitenförderung
4.2 Soziale Selektion in den Vorbilderländern
5. Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Debatte um die Einführung von Elitehochschulen in Deutschland vor dem Hintergrund internationaler Vorbilder und analysiert die Auswirkungen auf das Hochschulsystem, insbesondere in Bezug auf Finanzierung und soziale Selektion.
- Politik und Konzepte zur Eliteförderung in Deutschland
- Finanzierung der Exzellenzinitiative und Rolle von Studiengebühren
- Soziale Selektionsmechanismen im Bildungssystem
- Vergleichende Analyse mit Eliteuniversitäten in den USA, Großbritannien und Frankreich
- Diskurs über Spitzenförderung versus Breitenförderung
Auszug aus dem Buch
2.1 Spitzenuniversitäten oder Exzellenznetzwerke
Obwohl sowie Regierung, als auch Opposition für die Errichtung von Eliteuniversitäten sind, gab es zu Anfang unterschiedliche Konzepte zur Umsetzung. Neu errichtet werden sollen zukünftig keine Universitäten, wie es zuvor noch einem frühen Vorschlag der SPD zu entnehmen war. Vielmehr sollen bestehende Ressourcen ausgebaut und entsprechend gefördert werden.
Eingesetzt hatte die Debatte um die Förderung von Eliteuniversitäten mit dem Innovationsvorstoß der Bundesregierung zu Beginn des Jahres 2004. Verankert ist eine Reformierung der Hochschulen jedoch schon in dem Reformpaket der Agenda 2010. Während das ursprüngliche Konzept des Bundes vorsah, bis zu zehn einzelne Hochschulen im Rahmen eines Wettbewerbs mit mehreren Millionen Euro jährlich zu fördern, plädierten die Länder für eine gezielte Förderung von einzelnen Wissenschaftsfeldern an deutschen Universitäten, um ein „Netzwerk der Exzellenz“ zu schaffen.
So könnten sich auch kleinere Universitäten mit teilweise herausstechenden Fakultäten in den Wettbewerb um die Gelder begeben. Die nun beschlossene Initiative trägt beiden Ideen Rechnung. Das Konzept beruht auf drei Säulen:
- die Förderung von Spitzenuniversitäten auf der Grundlage profilbildender Wissenschaftsbereiche der Hochschulen, zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung (Verbesserung der Qualität der Lehre an den Hochschulen)
- die Schaffung von Exzellenzzentren/Exzellenzclustern zur Förderung der Spitzenforschung (übergreifende Förderung von einzelnen Fachbereichen mit Hilfe von bestehenden Wissenschaftsorganisationen)
- Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (bessere Voraussetzungen für Nachwuchswissenschaftler)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Debatte um Eliteuniversitäten ein, beleuchtet historische Hintergründe sowie die unterschiedlichen politischen Konzepte und formuliert die Leitfragen der Arbeit.
2. Elitehochschulen in Deutschland: Es wird analysiert, wie deutsche politische Traditionen den Elitenbegriff prägen und welche strukturellen Ansätze (Spitzenuniversitäten vs. Exzellenznetzwerke) sowie Angebot-Nachfrage-Verhältnisse existieren.
3. Finanzierungskonzepte: Hier werden die geplanten Investitionen des Bundes und der Länder für die Exzellenzinitiative dargelegt und kritisch mit der Debatte um die Einführung von Studiengebühren verknüpft.
4. Soziale Selektion: Dieses Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen sozialem Status und Bildungserfolg in Deutschland sowie den Vorbilderländern, um die Risiken der Elitebildung für die Chancengleichheit zu erörtern.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung, ob Eliteuniversitäten eine adäquate Lösung für die Bildungsmisere darstellen und betont, dass soziale Selektion bereits weit vor dem Hochschulzugang stattfindet.
Schlüsselwörter
Elitehochschulen, Spitzenuniversitäten, Exzellenznetzwerke, Deutschland, Hochschulsystem, Bildungspolitik, Finanzierung, Studiengebühren, Soziale Selektion, Chancengleichheit, Forschung, Lehre, Hochschulranking, Innovationsvorstoß, PISA-Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte und die politischen Pläne zur Einführung von Eliteuniversitäten in Deutschland im Jahr 2005.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die politische Umsetzung der Exzellenzinitiative, Finanzierungsfragen, die soziale Selektivität des deutschen Bildungswesens und der internationale Vergleich.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob die Bildung von Elitehochschulen in Deutschland sinnvoll und erstrebenswert ist, ohne dabei die Qualität der breiten Hochschullandschaft oder die Chancengerechtigkeit zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine analytische Literaturarbeit, die aktuelle politische Debatten, Berichte von Ministerien, Hochschulstatistiken und soziologische Studien zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Förderkonzepten für Spitzenuniversitäten, dem Finanzierungsbedarf, der Rolle der Studiengebühren sowie den Risiken der sozialen Selektion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Elitehochschulen, Exzellenzinitiative, Soziale Selektion, Bildungspolitik und Hochschulfinanzierung.
Wie unterscheiden sich die deutschen Konzepte von den Vorbildern wie Harvard oder Oxford?
Im Gegensatz zur oft jahrhundertelangen gewachsenen Tradition der internationalen Eliteuniversitäten, werden deutsche Eliteeinrichtungen durch Regierungsbeschluss und projektbezogene Förderwettbewerbe initiiert.
Welche Rolle spielt die soziale Herkunft bei der Elitebildung?
Die Autorin argumentiert, dass soziale Selektion in Deutschland bereits durch das dreigliedrige Schulsystem vorbestimmt ist und Elitehochschulen dieses Problem durch exklusive Zugangsbarrieren potenziell verschärfen könnten.
- Citation du texte
- Katrin Schulze (Auteur), 2005, Der Ruf nach Eliten. Können, sollen und dürfen in Deutschland Elitehochschulen gebildet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67777